Stay a while and listen

Wenn mir jemand vor 2 Wochen gesagt hätte das ich plötzlich ganz große Lust auf den dritten Teil einer bekannten Blizzard-Serie bekommen würde, ich hätte ihn ausgelacht. Aber so ist das, da bekommt man Besuch von jemanden den man schon ewig nicht mehr gesehen hat und kriegt mit das Diablo 3 kurz vor der Vollendung steht, mehr noch – besagter Besuch hat bereits vorbestellt und einen Drei Mann starken Spielerbund am Start. Ein paar Schwärmereien und YouTube-Videos später überschlagen sich die Ereignisse. Na ja, fast.

Diablo, wie sehr habe ich den Einser geliebt – genau genommen mein erster konkreter Kontakt mit dem “Rogue”-Genre, motivierendendes Aufleveln, Gemetzel-o-Schnetzel und Looting. Dazu eine sehr coole Präsentation mit einigen der besten pre-rendered Animationen die ich damals kannte und ein verteufelt (Ha, ha!) gutes Sounddesign. Die Sprüche diverser Dorfbewohner haben sich für alle Ewigkeiten in meine Gehirnwindungen gebrannt. Es folgt die bescheidene Hellfire-Expansion die bei mir vorallem dafür sorgt das der Dungeon-Generator nicht mehr richtig funktioniert und ich ständig so ziemlich den gleichen Kerker durchlaufe. Bis zum heutigen Tage ein der Fehlinvestitonen über die ich mich ernsthaft geärgert habe, fiese Fanabzocke!

Leider schaffte es der Nachfolger nie dieses Bindung mit mir aufzubauen,  auf dem Papier sicherlich das bessere Spiel aber speziell die hässliche Optik und die dösigen Wüsten und Dschungel zerstörten die Freude am Hacken und Slayen. Während sich Freunde wie besessen bis in 90er Levelregionen schnetzelten blieb bei mir die ganz große Offenbarung aus und ich habe es über die Jahre immer wieder mal versucht. Und bis auf einen kurzen Abstecher mit Torchlight habe ich das “Action-RPG” nie weiter beachtet. Titan Quest und wie sie alle hiessen interessierten mich nie. Und dann taucht da plötzlich jemand auf und erzählt mir von Diablo 3.

Nach den eher verhaltenen Reaktionen auf StarCraft II und kritischen Stimmen zu dem was aus World of WarCraft geworden ist war meine Erwartungshaltung recht gering, doch schon in den ersten YouTube Videos die wir gucken sehe ich Potenzial, wir schauen “den Mönch” und ich weiß ich möchte Diablo 3 ausprobieren. Ein Kenshiro-Verschnitt mit russischem Akzent und Bart der Street Fighter-kompatible 3er Combos schleudert, Roundhousekicks verteilt und Glocken schmeisst? Ja, ich nehme zwei davon – zum mitnehmen!

So angefixt versuche ich einen Key für die Closed Beta zu ergattern, erfolglos. Nun, drei Wochen werde ich wohl noch warten können und dann letzten Freitag BÄM! OPEN BETA! SERVER STRESSTEST! DIABLO 3 FÜR ALLE! Ich war echt hibbelig an dem Tag und konnte es gar nicht abwarten endlich loslegen zu dürfen. Das sich daraufhin der Installer/Client mehrmals verabschieden würde und ich mit fiesen Disconnects meines Routers zu kämpfenh hatte während meine Downloadrate knapp Modem-Geschwindigkeit erreichte war meinem Zustand nicht gerade zuträglich. Nach diversen, teils aberwitzigen Einstellungen in Windows 7 (unter anderem LAN-Einstellung via Internet Explorer (!) zu korrigieren) war es nach geschlagenen 5 Stunden endlich soweit. Mutter Natur drehte nochmal richtig auf, kurz vor der Geisterstunde tobte ein Gewitter und ich loggte mich das erste Mal ein. Es war von der ersten Minute trotz kleinerer und großer Issues mit den Servern großartig und machte auf Anhieb “Klick”, meine Maus übrigens auch.

Wenn die Beta von Diablo 3 einen Indikator für die Güte der Vollversion darstellt rollt hier etwas GROSSES auf uns zu.  Ich weiß gar nicht recht wo ich anfangen soll, gameplay dürfte aber vermutlich der wichtigste Punkt sein. Beginnen wir mit den Klassen, fünf verschiedene an der Zahl und machen ALLE Spaß zu spielen. Das habe ich so noch nicht erlebt, in keinem Spiel. Egal ob man Feuerfledermäuse schmeisst während die eigenen Zombiehunde sich auf Skelettkrieger stürzen oder im Sprungangriff auf Gegnerhorden runterrauscht, dicke Froststrahlen gen Feind schickt oder mit seiner rapidfire Fertigkeit Horden niedermäht – es bockt und zwar richtig! Ein wesentlicher Faktor dafür dürfte das Trefferfeedback sein, Dank Overkill an PhysX-Spielereien fliegen Gegner(gliedmaßen) wild durch die Gegend während Säulen und Pfeiler einstürzen und Scharen wehrloser Feinde unter sich begraben. Dabei geht es angenehm “visceral” zur Sache, so mancher Fettsack zerplatzt auf wunderschöne Art und Weise und hinterlässt riesige Blutflecken, aber auch Enthauptungen und andere Splattereien sind drin. In Kombination mit einigen der wuchtigsten Soundeffekte die ich seit langem gehört habe (wäre Quake ein mittelalterliches Schnetzelspektakel, dies wäre seine Geräuschkulisse) entsteht auf dem Bildschirm ein massives Schlachtengetümmel, mehr noch in einer vollbesetzten 4er Gruppe. Diablo 3 – putting the ACTION back into ACTION RPG! Fun fact, es ist das erste Spiel was in einer ca. 15 Sekündigen MEGAVERNICHTUNGSORGIEmeinen Rechner kurz in die Knie zwang, aber was da plötzlich an “Partikeln” generiert wurde war auch nicht mehr feierlich – so gut!

Death incarnate!

Death incarnate!

Fast ausnahmslos gefallen mir auch alle Verbesserungen die am grundlegenden System vorgenomen worden sind. Verskillen, von vorne beginnen und sich später wieder falsch entscheiden gehört endlich der Vergangenheit an, respec zu jeder Zeit und das alles recht intuitiv mit einem Hauch von MOBA-Style (6 Skilltasten via 1-6 aktivieren, dazu Skills auf Linker Maustaste/Rechter Maustaste). Das alleine macht es schon unglaublich gut. Nie wieder One Trick Ponies und Schema F Charaktere nach Internetguide (Übertreibung, die wird es immer geben) – so gern die D2 Fanboys ja die Individualisierung durch Skillspezialisierung in D2 loben so sehr sage ich: BULLSHIT. Schon in der Beta zeigten sich ganz unterschiedliche Builds und Vorlieben der Spieler, das Spiel wirkte soweit auch so als ob es tatsächlich möglich ist tatsächlich mit den Skills zu spielen die einem Spaß machen, statt den Skills die man besser nutzen sollte sofern man nicht neuanfangen will. Während Freunde beim Zauberer den unkontrollierbaren Bodenblitz bevorzugten stand ich mehr auf den “Frostlaser”, auch meinen Barbaren spielte ich anders als der Kollege und wechselte bei allen Charakteren sogar mein Skillset freiwillig um mich mit den Spielweise der anderen zu ergänzen. Das rumfrickeln machte so dermaßen Laune, denn alle Hauptskills werden nochmal durch Runen aufgewertet die teilweise diese Fähigkeit recht drastisch verändern. Währen die normale Magic Missile eine recht dösige Angelegenheit ist, wird mittels “Split”-Rune plötzlich ein flächendeckender Streussschuß mit 3 Projektilen daraus. Es braucht nicht erwähnt zu werden das sich die Art und Weise wie ich einen Charakter spiele so drastisch ändert und das auch die Anforderungen ans Equip andere sein werden will man das Maximum aus bestimmten Skilsl herausholen. Es wird zudem Monate dauern die Synergien zwischen verschiedenen Charakteren und Skills herauszufinden und ich hoffe sehr das sich Cookie Cutter-Builds dann in Grenzen halten werden. Ich kann mich nur wiederholen, dass sieht alles unglaublich gut durchdacht aus und das freischalten ist saumässig motiverend, dat E-crack all over again!

Aber auch in Sachen Komfort zerstört D3 den Vorgänger völlig. Identify- und Portal-Rollen? Ein Thema der Vergangenheit, endlich hat dieser Blödsinn ein Ende! Townportal ist jetzt fest ins UI integeriert und funktioniert wie die Hearthstones in WoW und identifizieren kann nun jeder direkt im Inventar, Rechtsklick und gut. Ebenfalls Klasse (wenn auch nicht mehr ganz frisch) die Idee eines “shared stash” zwischen allen Figuren deines Accounts. Megageilen Totschläger gefunden den dein ANDERER Charakter gebrauchen könnte? Kein Thema, rein in die Kiste, Chara wechseln, rausholen, anlegen, MORDEN! Gleichermaßen verhält es sich mit Gold und dem Aufleveln des örtlichen Schmiedes. Der Schmied ist dann auch gleich der nächste Übermotivator, hier darf sich Skyrim nochmal anschauen wie man crafting motivierend gestalten kann. Gegen Geld und Zutaten levelt man den Schmied auf, was zu neuem Equip führt welches dann mit random-Attributen belegt wird. Es ist ein bisschen der Thrill des Lootens kombiniert mit der Sicherhheit das auch bei doofen Bonusattributen das Item Wertetechnisch brauchbar ist und den Ausblick den ich bereits erhaschen konnte (man darf den Schmid fast bis zur Stufe 5 aufleveln) verspricht Großartiges wenn man sich dafür begeistern kann mit Stufe 23 ein Schild zu tragen das als Basisrüstungswert das hat was man mit Level 13 und vollem Equip als Rüstungswert hinbekommt. Oh, und es hat vornen einen Totenschädel drangebammselt!

Abschließend bleiben Sound- und Grafikdesign. Wenn gleich die Technikfreaks aufgrund fehlender State-of-the-Art-Grafikschnickschnack rumheulen, so ist D3 dennoch eine Augenweide und ein Brecher in Sachen Atmossphäre. Stimmungsvolle Ausleuchtung, tolle “Tiles” und dank der PhysX-Elemente so lebending und dynamisch wie nie zuvor. Die Detailverliebtheit ist ebenfalls groß, so habe ich bis zum Schluß bei ich weiß nicht wievielen Runs immernoch wieder Elemente entdecken können die ich in vorherigen Runs nicht sah, manchmal sind es nur Kleinigkeiten aber manchmal auch ganz neue Fallen oder Räume. Fast vom Stuhl vor Lachen bin ich gefallen als ich einige Skelettkrieger auf dem Friedhof beobachtete die aus Langeweile(?) anfingen irre zu kichern und Grabsteine zertrümmerten. Es ist diese Detailverliebtheit die Blizzard-Spiele einfach abhebt vom Rest. Die Detailverliebtheit und ihr Sounddesign. Die Beta überzeugt bereits mit tollen Sprechern und den eingangs erwähnten Brachialgeräuschen dazu gibt es wunderbare Musik die zwar auch orchestral und episch ist, aber nach meinen Ohren nicht in diesem typischen epic movie 08/15 Orchestermatsch untergeht den so viele Spiele heutzutage haben. Ich erwarte gerade in diesem Punkt viel von D3, bin nach WoW aber ziemlich sicher das sich einige zeitlose Stücke in dem Titel finden werden.

Ich könnte noch mehr erzählen, belasse es aber bei der Erwähnung das mich D3 kräftig bei den Eiern hat und ich froh bin das mich der Hypetrain erst jetzt erfasst hat (3 Wochen warten klingt besser als… 10 Jahre). Dragon’s Dogma hat leider ein Problem, denn der Mai(k) gehört nun ganz D3 und wenn sich die Sucht erst einstellt wie einst in WoW werden Zeit und Interesse für andere Titel gering ausfallen – aber wenn ich bedenke das sich meine Freundesliste in D3 in nur zwei Tagen auf 10 Leute anstieg wird es anderen wohl auch so gehen. Und schon heute in der Bahn überhörte ich angeregte Gespräche und Diskussionen zur Beta, ein gutes Zeichen – ich sehe euch alle am 15. Mai in New Tristram!

Aulbath, Grindmaster Flash (100% completion in 2 Tagen)

Aulbath, Grindmaster Flash (100% completion in 2 Tagen)