Re: Testmuster / Rezensionsexemplare

Ey, gut dass mein Homey Marconizer und ich nie welche bestellt haben – scheckt mal diesen steilgeilen Text aus.

Für Lesefaule fasse ich mal zusammen: Spielejournalist verkauft Testmuster, um seinen Hustle zu pushen, Sega kommt ihm auf die Schliche und die merde hittet hart le fan. Seht iht: Wenn Marc (Pole) und ich (Jugo) jemals Testmuster bekommen hätten, so wären diese bei Hahnenkämpfen als Wetteinsatz draufgegangen – da hätte Herr Publisher vielleicht gezürnt. Ich sagte es also schon mal: Keine Testmuster, keine Sorgen. Mo’ testmuster, mo’ trouble.

Sorry, is’ so. Bin mal gespannt, wann sich Polyneux beim Mr. Fantastic von Fantastic Zero entschuldigen müssen. Uh-huh! Wir, jedoch, keepen den Shice real und trve.

Monsterbowl

Spiele brillieren dort, wo es um Sehnsüchte geht, um fantastische Hypothesen.

Man kann es sich leicht machen und diese Sehnsüchte allesamt als jungenhaft und pubertär verdammen, denn häufig invlovieren sie Wummen und Obermotze, doch so einfach ist es nicht. Spiele liefern nicht nur die Sehnsucht, indem sie einen etwa mit der Fußball-Nationalmannschaft spielen lassen – Spiele haben vielmehr ihre besten Momente, wenn sie die Sehnsuch erkennen und in einen vollkommen befremdlichen Kontext übertragen, der die Fantasie / die Simulation der Sehnsucht wohl noch begeisternder gestalten soll. Während Kriegsspiele hier häufig den Weg des Außerirdischen nehmen, einer inzwischen so konventionalisierten Fantasie, dass sie niemanden mehr überrascht und auch einfach die Abbildung tatsächlicher Verhältnisse sein könnte (the earth has been under attack for ages), schaffen Sportspiele immer wieder Kontexte, die sich zwar bekannter Topoi (Monster, Zombies) bedienen, dabei jedoch mit der Folie eines vage bekannten sportlichen Regelwerks bedecken, welche die Erfahrung originell erscheinen lässt.

Beispiele? In M.U.D.S. (Mean Ugly Dirty Sport) oder Speedball konnte man nicht nur eine Rugby-Variante mit Monstern und zukünftigen Steroiden spielen, man musste auch Managertätigkeiten in so einer Welt übernehmen – das ist ganz schön aufregend! Außerdem ändert die Verpflanzung ins Fantastische die Siegesbedingungen, was einzigartig für das Sport-Genre ist. Während in Strategie- oder Actionspielen die Siegesbedingung gleich bleibt, unabhängig davon, ob man gegen Mensch oder Tentakel kämpft – man muss sie stets weghitlern – ändern sich die Siegesbedingungen in Sportspielen mit dem Szenario: In Carmageddon und Dethkarz, etwa, gewinnt man durch das Plattwalzen (Weghitlern?) der Gegner oder den ersten Platz (im ersten darf man dabei sogar Zombies überfahren), in Chaos League: Sudden Death lässt sich der Schiri bestechen (wie in M.U.D.S. übrigens auch) oder sogar ermorden. Jedes sportliche Regelwerk bietet also neue Spielarten der Siegesbedingung und lässt sich zudem abhängig vom Szenario variieren. Im Sport-Genre haben Spiele die Möglichkeit, ihr beliebtestes Merkmal – nämlich ihre unvergleichliche Fähigkeit das Hypothetische zu simulieren – am Besten zu präsentieren.

Die Frage, wieso es aber nicht mehr Sport-Spiele im Fantastischen gibt, wird wahrscheinlich durch Marktforschung beantwortet, denn gerade Sportspiele sollen jedermanns Sache sein. Ist Rugby mit Orks suspekt, weil es zu sehr auf die Fiktion des eigentlich unsportlichen, mit fantastischer Literatur aufgewachsenen Geeksters abzuzielen scheint, während sich doch eigentlich jeder lauwarme Familienvater wünscht mal mit Poldi zu kicken? Publisher, ihr habt doch keine Ahnung. Jeder braucht Ork-Rugby. Es ist gut für Herz, Leib und Seele. Eure Geldgier macht euch blind, hört ihr!

Papa’s got a brand new Daddelkiste!

Jaha, richtig meine Herren! Ich habe ein neues Schlachtross auf dem sogar Crysis in hoher Auflösung und Kantenglättung flüssiger läuft als Instantsuppe. Mein Kung-Fu ist gerade so stark, dass ich Netzfundstücke Kokosnüsse mit meinem Schlong zertrümmern könnte.

Die Kaufepisode bedarf eines Berichts: Das Trio, welches mit dem Zusammenbau meiner Teufelsmaschine beauftragt war bestand aus zwei gestandenen Kampfhunden, die schon seit den 90ern “modden” und einem jungen Upstart, der die ganze Zeit getriezt wurde, weil er sein PC-Projekt in eines dieser krass bescheuerten Gehäuse mit Drachen und Schädeln drauf gesteckt hatte. Die anderen beiden sagten, dies mache man so in der Pubertät.

Da ich in meiner Jugend nie auf die Idee gekommen wäre, selbst einen PC zusammenzubauen oder ihn irgendwie zu ästhetisieren – ging auch nicht, weil ich ihn mir stets mit meinem Vater teilen musste – konnte ich nur nicken. Ich bin immer noch nicht sicher, ob ich damit einverstanden bin, dass PCs “hübsch” sein dürfen. Gerade das Fehlen aller Anmut unterscheidet sie doch von diesen lauwarmen Apples, den Rechnern für Soft Skill-Kastraten. Also: Eher dagegen!

Zuhause angekommen war die Extase ganz schön groß! Bis früh morgens habe ich einen Grafikprotzer (Crysis) nach dem Anderen (Crysis Warhead) auf höchster Detailstufe zockalisiert und digitaltrunken für einige Stunden geglaubt, der Stellenwert der Grafik sei nicht nur unterbewertet, sondern das eigentlich Wichtigste an so einem Spiel.

Jetzt glaube ich das aber nicht mehr. Vielmehr stelle ich fest, dass Crysis ein einmalig mies erzähltes Spiel ist, dafür aber auch “heute noch” “ansehnlich” aussieht, trotz mancherorts “verwaschener Texturen”. Mir wurde ferner klar, dass ich noch nie Kantenglättung benutzt hatte. Die bringt ja schon was, finde ich – also optisch, jetzt, nech. Und ich stelle auch freudig fest, dass ich etwa zwei Jahre lang mir keine sorgen machen werde, ob dieses neue Spiel “läuft”. Ich bin bereit. My kwong-fu is stwong, Longaz! STWONG!

Am montag gibt’s den nächsten Sporttext. Thema diesmal: WROAMMMM! WROOOAAMMMM!

P.S. Fragt mich nach dem Namen meines Gehäuses. I DARE YOU!

e-Sports und wieso sie falsch sind

Um diesen Text zu schreiben, musste ich zunächst das Bedürfnis überwinden, e-Sportarten ihre Existenz als “richtiger Sport” zu verweigern. Dies liegt vornehmlich daran, dass “der Sport” niemals wissenschaftlich bestimmt werden konnte. Alles was wir haben sind vage und unverbindliche Bestandteile des Phänomens: Der Wettbewerb, eine gewisse Körperlichkeit etc… Und diese sind allesamt im e-Sport vertreten. Wer möchte sich denn schon die Mühe der Beweisführung machen, die Leistung hinsichtlich der Hand-Auge-Koordination bestimmter e-Sportarten sei geringer zu schätzen als jene von Bogenschützen oder schießenden Biathleten? Das wäre ein freudloses, anstrengendes Kackunterfangen, also kapituliere ich: e-Sport kann als eine Sport verstanden werden, der sich abhängig von Spiel und Platform entsprechend auffächert.

Ich bin jedoch keineswegs bereit, kampflos aufzugeben. Ich finde, dass e-Sports eine Sportzweig sind, der jeder Noblesse und allgemeiner Erhabenheit entbehrt. Die Ursache ist in der Vergleichskategorie zu finden: Mit der Selbsttitulierung als Sport begab man sich in die Nähe solch verschwitzter, todernster Angelegenheiten wie Ringen oder Gewichtheben und kann / sollte jederzeit einem rezeptiven Vergleich standhalten. Ganz schön blöd!

Blöd, weil Sport eine ganz und gar modernistische Angelegenheit ist. Sport ertüchtigt nicht nur Leiber, sondern auch Seelen, wenn er das Ventilieren bellizistischer Sehnsüchte erlaubt. Denn Sport ist Krieg en miniature. Darin liegt seine ungeheuere Macht. Norbert Elias argumentierte in “Quest for Excitement“, dass Sportarten in einer Umgebung, die körperliche Gewaltausübung durch Zentralisierung (und Anderes) geregelt hat, komplementär ein Ausleben eben dieser Atavismen erlauben – ob nun die Teilnahme direkt ist oder über Umwege wie den Hooliganismus führt.

Sport kann diese Rolle aufgrund der ihm zugrunde liegenden Körperlichkeit erfüllen. Man fiebert dort mit, wo Körper in besonders intensiver Weise für Ziele verbraucht werden. Das Ambivalente daran ist, dass der Körper zwar ob seiner Leistungsfähigkeit gefeiert wird, er jedoch auch verlischen muss. Der Sportler kollabiert, blutet, übergibt sich. Es gilt daher festzustellen, dass nicht Black Metal, sondern Sport Krieg ist. Deswegen ist Sport auch vielen meiner linken bleeding-heart-pinko-Freunde ausgesprochen suspekt: Er erlaubt die Transgression ins böse Land der faschistoiden Unterordnung (Yes, sir, coach, sir!), wo protestantische Verzichtsethiken (keine Kohlenhydrate bis zum Wettkampfgewicht!) und HJ-hafter Korpsgeist (There’s no I in team!) Himmel-weiß-was mit dem eigenen Gewissen anstellen. Offenbar trauen sie dem Sport solch eine Macht über den Teilnehmer zu. Und als sicher gelten nur Individualsportarten, die (angeblich) tiefe Introspektion erlauben, ohne dabei jedoch von heteronormativem Machismo bestimmt zu sein: Also Rennradfahren statt Muckibude. Sport ist eben selbst bei Amateuren eine ernste Sache!

Und e-Sports wollen hier ernsthaft mitmachen. e-Sports wollen tatsächlich durch zuckende Mäusefinger und Bildschirmgrafiken, das andere Sportarten mit Blut, Schweiß und Zusammenbruch erreichen. Diese lauwarme, ekelhafte, würdelose Kackangelegenheit will gleichberechtigt in die Nähe des Ringens und des Eishockeys existieren, weil man darin “schnell agieren und taktisch denken muss”? Diese Energy Drink-vertilgenden Pickel wollen den gleichen Planeten bewohnen dürfen wie ein Olympionik? Ich glaube nicht.

Was ist also zu machen? Wir müssen e-Sports mit Spott, Häme und Ächtung begegnen. Wir müssen diesen Menschen zeigen, dass wir sie und ihr Hobby nicht ernst nehmen, sondern belächeln. Wir müssen damit immer weiter machen, bis e-Sports nebst Midget-Wrestling als groteskes Kuriosum im fernen Osten existieren. Erst dann werden wir glücklich sein können!

(Und natürlich kann LoL trotzdem gespielt werden!)

Die GEE ist tot…

…LANG LEBEN THESE NERDS, IHR ROTIERENDER FLAMMENSCHÄDEL UND STEILGEILOIDES NEUES LOGO, MASAFAGGAS! PRAISE BE UNTO THEE AULE! PRAISE BE!

OT: Mai wird übrigens Themenmonat. Thema: SPORT! Ich werde nur Texte über Sportspiele (die ich eigentlich als Genre nicht mag), die Wechselwirkung von Sport und Spielen und Ähnliches schreiben.

Der erste Text – er kommt diese Woche, denn ich habe ihn fast beendet – wird euch etwa erklären, wieso e-Sports schlechter Sport ist.

Und die Lücken zwischen den längeren Texten werde ich mit steilgeilen Raptunes von der Straße füllen. Straight outta Rüpplingen!

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Übrigens bin ich wirklich fix und fertig, dass die Gee platt ist! Hab’ ich so nie und nimmer erwartet! Und ich fühle mich jetzt irgendwie unbestimmt mitschuldig am Abgang des Blatts, da ich ja so gerne darauf eingeprügelt habe. Ich hoffe das von mir mal kritisierte (aber regelmäßig gekaufte, ‘sch’schwör!) RETRO-Mag bleibt am Leben, ‘dammt! Sonst kann ich ja nie wieder ruhig schlafen.