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Die erstaunliche Welt der Wechtiere: Diablo III

Man kann das Problem von Diablo III in einem Satz zusammenfassen: Es ist ein gutes Spiel. Ich möchte nicht einmal anfechten, dass man es sogar sehr gut finden kann, aber so viel ist sicher: Nur ein vollkommen spieleunerfahrener und irregeleiteter Mensch kann Diablo III einmalig finden.

Diablo III – wir segeln nun im semantischen Ozean – ist das spielgewordene, frankenstein’sche Gegenteil von Einmaligkeit. Es ist der Versuch, den Kern eines Genres in spaßigster Perfektion herauszudestillieren und das Ergebnis spielt sich absolut flüssig und unterhaltsam, nur unterbrochen von zahllosen Momenten des Wiedererkennens der en facon blizzardesque zusammenplagiarisierten Ideen anderer Studios, welche man sich im Verlauf der ungefähr Fünfzigjährigen Entwicklung abgeschaut hat. Die Satyre aus Titan Quest treten in nahezu unveränderter Form auf, ebenso dessen Heiltrank-Cooldown. Tolkien’sche Ents als Gegner, unberrechenbare Blitzangriffe, welche schlangenartig über den Boden auf die Gegner Zurasen und fokussierte Feuer- und Eisstrahlmagie wurden aus Torchlight entführt. Diablo III ist nicht originell und natürlich ist man ein Narr, wenn man es erwartet hat – schließlich ist es von Blizzard, einem Studio, das Kung-Fu-Panda weiterverwerten kann, ohne durch eine schambedingte Implosion ein jähes Ende zu finden. Das ist nicht postmodern, sondern einfach schäbig.

Es ändert natürlich nichts an der Vergnüglichkeit der Spiele dieses Studios, doch das Problem ist, dass Blizzard gerade während der Entwicklung von Diablo III die eigene Ambition, dem Spiel eine charakteristische Note zu verleihen, recht ausführlich dokumentiert hat. Genauer gesagt: Man dokumentierte das Scheitern an dieser Ambition. In der Gamestar ließ sich Monat um Monat nachlesen wie Ideen, die man so tatsächlich in anderen ARPGs noch nicht gesehen hatte, gestrichen wurden, bis man bei einem Spiel angekommen war, das für sich nur noch implizit beanspruchen konnte, alles für das Genre Wesentliche besser zu machen als die Konkurrenz – und nicht einmal dies stimmt, ganz abgesehen davon, dass es ein Hogwash von Planeten Gargantuon ist. Andere ARPGs machen Vieles besser als Diablo III: In entwicklerverwandten Torchlight und der Fate-Reihen hat man einen putzigen Hund oder ein kleines Kätzchen, die man mit Fischen (welche es selbst zu fangen gilt) in Spinnen oder Drachen verwandeln kann. Diablo III hat keine Hunde oder Putzelkätzchen und kann den von Zeit und Wetter gegerbten Genrehasen und Spieleveteranen Balkan Betoni Zementovic wirklich nicht annähernd so begeistern wie die zuvor genannten 10€-Indies. Und die schaffen es sogar besser zu erzählen, als Diablo III, denn dessen (von wirklich sehr dilettantischen Zeichnungen begleiteten) Textfenster sind der eiskalte Mord an der Kinderseele.

Auch das neue Talentsystem ist nicht der pralle Wunderstrauß des Fortschritts, den manche mir verkaufen wollen, da die Hälfte der Talente schlicht und einfach unbrauchbar oder langweilig sind (Oder spielt jemand diesen idiotischen Scherenzauber / die flachbusigen Kettenblitze des Zauberers wirklich gerne? Was der Fuck ist wrong mit euch?) und die mit ehrfürchtigem Flüstern beschriebenen Runen, welche das Spiel ganz anders werden lassen, die Talente bloß – festhalten! – verstärken oder ihre Farbe (im Ernst) verändern – jedenfalls machen sie nichts, was man nicht schon in Titan Quest haben konnte, wenn man ein Talent auf 4/8 hochlevelte. Ihr merkt, wohin die Reise geht: Diablo III traut sich wirklich überhaupt nichts – nicht einmal, ein Talentsystem anzubieten, dessen Inhalte durchwegs interessant und spielbar sind (wie bei Titan Quest – just sayin‘), so dass der Spieler tatsächlich eine dieser von Sid Meier berühmt gemachten „interessanten Entscheidungen“ treffen darf.

Der Umkehrschluss ist vernichtend: Das ARPG-Genre hat den Metabolismus einer Fledermaus. Es kommen jährlich mehrere Spiele, die einen so charmanten, originellen und spielerischen Umgang mit der grundlegenden Idee des Looters mitbringen, dass die krasse, durchkalkulierte Biederkeit von Diablos frigidem meat and potatoes-Bausparertum einem ganz einfach scheußlich vorkommen muss. Es muss einem den für rückgratlose Kriechtiere vorbehaltenen Schauer über den Rücken jagen, y’all.

Es ist mir klar, dass es very 2007 ist, hysterisch Innovation in unserem Medium einzufordern, doch seid beruhigt: diesen Begriff überhaupt in die Nähe von Diablo III zu bringen, ist mit Laserkanonen auf Spatzen zu schießen. Charakter hätte gereicht. Eine besondere Bildsprache. Ein Moment der Enthemmtheit.

Wie schläft man als Entwickler dieses Spiels? Wie schläft man in einer Welt, in der es schon 1999 Dark Stone und 2002 Divine Divinity gab? Wie schaut man in den Spiegel, wenn man weiß, dass es Spiele wie Restricted Area gab? Wie traut man sich vor die Kinder, wenn einem bewusst ist, dass Torchlight, das in einem Jahr entwickelt und für zehn Euro verkauft wurde, besser und origineller ist*, als der 50 Millionen Dollar teure und in einem Jahrzehnt entwickelte Sputum, den man selbst zu verantworten hat? Und die Leute lieben Borderlands, obwohl es ein bisschen schmutzig und irre ist! Unglaublich! Das muss doch an einem nagen. Das macht einen doch fertig. Man schämt sich sicherlich und läuft konzentrische Rillen in den Teppichboden des mit “kultigen” Simpsons-Postern behangenen Eigenheims voller DVDs in Steelboxen und BluRays, welche auch ohne Steelbox nach grabbeltischiger Bumsmongoscheiße aussehen.

Und dies alles völlig zu Recht. Es gibt Grund zur Scham.

 

* Weil es Kätzchen und Hunde hat.

Stay a while and listen

Wenn mir jemand vor 2 Wochen gesagt hätte das ich plötzlich ganz große Lust auf den dritten Teil einer bekannten Blizzard-Serie bekommen würde, ich hätte ihn ausgelacht. Aber so ist das, da bekommt man Besuch von jemanden den man schon ewig nicht mehr gesehen hat und kriegt mit das Diablo 3 kurz vor der Vollendung steht, mehr noch – besagter Besuch hat bereits vorbestellt und einen Drei Mann starken Spielerbund am Start. Ein paar Schwärmereien und YouTube-Videos später überschlagen sich die Ereignisse. Na ja, fast.

Diablo, wie sehr habe ich den Einser geliebt – genau genommen mein erster konkreter Kontakt mit dem “Rogue”-Genre, motivierendendes Aufleveln, Gemetzel-o-Schnetzel und Looting. Dazu eine sehr coole Präsentation mit einigen der besten pre-rendered Animationen die ich damals kannte und ein verteufelt (Ha, ha!) gutes Sounddesign. Die Sprüche diverser Dorfbewohner haben sich für alle Ewigkeiten in meine Gehirnwindungen gebrannt. Es folgt die bescheidene Hellfire-Expansion die bei mir vorallem dafür sorgt das der Dungeon-Generator nicht mehr richtig funktioniert und ich ständig so ziemlich den gleichen Kerker durchlaufe. Bis zum heutigen Tage ein der Fehlinvestitonen über die ich mich ernsthaft geärgert habe, fiese Fanabzocke!

Leider schaffte es der Nachfolger nie dieses Bindung mit mir aufzubauen,  auf dem Papier sicherlich das bessere Spiel aber speziell die hässliche Optik und die dösigen Wüsten und Dschungel zerstörten die Freude am Hacken und Slayen. Während sich Freunde wie besessen bis in 90er Levelregionen schnetzelten blieb bei mir die ganz große Offenbarung aus und ich habe es über die Jahre immer wieder mal versucht. Und bis auf einen kurzen Abstecher mit Torchlight habe ich das “Action-RPG” nie weiter beachtet. Titan Quest und wie sie alle hiessen interessierten mich nie. Und dann taucht da plötzlich jemand auf und erzählt mir von Diablo 3.

Nach den eher verhaltenen Reaktionen auf StarCraft II und kritischen Stimmen zu dem was aus World of WarCraft geworden ist war meine Erwartungshaltung recht gering, doch schon in den ersten YouTube Videos die wir gucken sehe ich Potenzial, wir schauen “den Mönch” und ich weiß ich möchte Diablo 3 ausprobieren. Ein Kenshiro-Verschnitt mit russischem Akzent und Bart der Street Fighter-kompatible 3er Combos schleudert, Roundhousekicks verteilt und Glocken schmeisst? Ja, ich nehme zwei davon – zum mitnehmen!

So angefixt versuche ich einen Key für die Closed Beta zu ergattern, erfolglos. Nun, drei Wochen werde ich wohl noch warten können und dann letzten Freitag BÄM! OPEN BETA! SERVER STRESSTEST! DIABLO 3 FÜR ALLE! Ich war echt hibbelig an dem Tag und konnte es gar nicht abwarten endlich loslegen zu dürfen. Das sich daraufhin der Installer/Client mehrmals verabschieden würde und ich mit fiesen Disconnects meines Routers zu kämpfenh hatte während meine Downloadrate knapp Modem-Geschwindigkeit erreichte war meinem Zustand nicht gerade zuträglich. Nach diversen, teils aberwitzigen Einstellungen in Windows 7 (unter anderem LAN-Einstellung via Internet Explorer (!) zu korrigieren) war es nach geschlagenen 5 Stunden endlich soweit. Mutter Natur drehte nochmal richtig auf, kurz vor der Geisterstunde tobte ein Gewitter und ich loggte mich das erste Mal ein. Es war von der ersten Minute trotz kleinerer und großer Issues mit den Servern großartig und machte auf Anhieb “Klick”, meine Maus übrigens auch.

Wenn die Beta von Diablo 3 einen Indikator für die Güte der Vollversion darstellt rollt hier etwas GROSSES auf uns zu.  Ich weiß gar nicht recht wo ich anfangen soll, gameplay dürfte aber vermutlich der wichtigste Punkt sein. Beginnen wir mit den Klassen, fünf verschiedene an der Zahl und machen ALLE Spaß zu spielen. Das habe ich so noch nicht erlebt, in keinem Spiel. Egal ob man Feuerfledermäuse schmeisst während die eigenen Zombiehunde sich auf Skelettkrieger stürzen oder im Sprungangriff auf Gegnerhorden runterrauscht, dicke Froststrahlen gen Feind schickt oder mit seiner rapidfire Fertigkeit Horden niedermäht – es bockt und zwar richtig! Ein wesentlicher Faktor dafür dürfte das Trefferfeedback sein, Dank Overkill an PhysX-Spielereien fliegen Gegner(gliedmaßen) wild durch die Gegend während Säulen und Pfeiler einstürzen und Scharen wehrloser Feinde unter sich begraben. Dabei geht es angenehm “visceral” zur Sache, so mancher Fettsack zerplatzt auf wunderschöne Art und Weise und hinterlässt riesige Blutflecken, aber auch Enthauptungen und andere Splattereien sind drin. In Kombination mit einigen der wuchtigsten Soundeffekte die ich seit langem gehört habe (wäre Quake ein mittelalterliches Schnetzelspektakel, dies wäre seine Geräuschkulisse) entsteht auf dem Bildschirm ein massives Schlachtengetümmel, mehr noch in einer vollbesetzten 4er Gruppe. Diablo 3 – putting the ACTION back into ACTION RPG! Fun fact, es ist das erste Spiel was in einer ca. 15 Sekündigen MEGAVERNICHTUNGSORGIEmeinen Rechner kurz in die Knie zwang, aber was da plötzlich an “Partikeln” generiert wurde war auch nicht mehr feierlich – so gut!

Death incarnate!

Death incarnate!

Fast ausnahmslos gefallen mir auch alle Verbesserungen die am grundlegenden System vorgenomen worden sind. Verskillen, von vorne beginnen und sich später wieder falsch entscheiden gehört endlich der Vergangenheit an, respec zu jeder Zeit und das alles recht intuitiv mit einem Hauch von MOBA-Style (6 Skilltasten via 1-6 aktivieren, dazu Skills auf Linker Maustaste/Rechter Maustaste). Das alleine macht es schon unglaublich gut. Nie wieder One Trick Ponies und Schema F Charaktere nach Internetguide (Übertreibung, die wird es immer geben) – so gern die D2 Fanboys ja die Individualisierung durch Skillspezialisierung in D2 loben so sehr sage ich: BULLSHIT. Schon in der Beta zeigten sich ganz unterschiedliche Builds und Vorlieben der Spieler, das Spiel wirkte soweit auch so als ob es tatsächlich möglich ist tatsächlich mit den Skills zu spielen die einem Spaß machen, statt den Skills die man besser nutzen sollte sofern man nicht neuanfangen will. Während Freunde beim Zauberer den unkontrollierbaren Bodenblitz bevorzugten stand ich mehr auf den “Frostlaser”, auch meinen Barbaren spielte ich anders als der Kollege und wechselte bei allen Charakteren sogar mein Skillset freiwillig um mich mit den Spielweise der anderen zu ergänzen. Das rumfrickeln machte so dermaßen Laune, denn alle Hauptskills werden nochmal durch Runen aufgewertet die teilweise diese Fähigkeit recht drastisch verändern. Währen die normale Magic Missile eine recht dösige Angelegenheit ist, wird mittels “Split”-Rune plötzlich ein flächendeckender Streussschuß mit 3 Projektilen daraus. Es braucht nicht erwähnt zu werden das sich die Art und Weise wie ich einen Charakter spiele so drastisch ändert und das auch die Anforderungen ans Equip andere sein werden will man das Maximum aus bestimmten Skilsl herausholen. Es wird zudem Monate dauern die Synergien zwischen verschiedenen Charakteren und Skills herauszufinden und ich hoffe sehr das sich Cookie Cutter-Builds dann in Grenzen halten werden. Ich kann mich nur wiederholen, dass sieht alles unglaublich gut durchdacht aus und das freischalten ist saumässig motiverend, dat E-crack all over again!

Aber auch in Sachen Komfort zerstört D3 den Vorgänger völlig. Identify- und Portal-Rollen? Ein Thema der Vergangenheit, endlich hat dieser Blödsinn ein Ende! Townportal ist jetzt fest ins UI integeriert und funktioniert wie die Hearthstones in WoW und identifizieren kann nun jeder direkt im Inventar, Rechtsklick und gut. Ebenfalls Klasse (wenn auch nicht mehr ganz frisch) die Idee eines “shared stash” zwischen allen Figuren deines Accounts. Megageilen Totschläger gefunden den dein ANDERER Charakter gebrauchen könnte? Kein Thema, rein in die Kiste, Chara wechseln, rausholen, anlegen, MORDEN! Gleichermaßen verhält es sich mit Gold und dem Aufleveln des örtlichen Schmiedes. Der Schmied ist dann auch gleich der nächste Übermotivator, hier darf sich Skyrim nochmal anschauen wie man crafting motivierend gestalten kann. Gegen Geld und Zutaten levelt man den Schmied auf, was zu neuem Equip führt welches dann mit random-Attributen belegt wird. Es ist ein bisschen der Thrill des Lootens kombiniert mit der Sicherhheit das auch bei doofen Bonusattributen das Item Wertetechnisch brauchbar ist und den Ausblick den ich bereits erhaschen konnte (man darf den Schmid fast bis zur Stufe 5 aufleveln) verspricht Großartiges wenn man sich dafür begeistern kann mit Stufe 23 ein Schild zu tragen das als Basisrüstungswert das hat was man mit Level 13 und vollem Equip als Rüstungswert hinbekommt. Oh, und es hat vornen einen Totenschädel drangebammselt!

Abschließend bleiben Sound- und Grafikdesign. Wenn gleich die Technikfreaks aufgrund fehlender State-of-the-Art-Grafikschnickschnack rumheulen, so ist D3 dennoch eine Augenweide und ein Brecher in Sachen Atmossphäre. Stimmungsvolle Ausleuchtung, tolle “Tiles” und dank der PhysX-Elemente so lebending und dynamisch wie nie zuvor. Die Detailverliebtheit ist ebenfalls groß, so habe ich bis zum Schluß bei ich weiß nicht wievielen Runs immernoch wieder Elemente entdecken können die ich in vorherigen Runs nicht sah, manchmal sind es nur Kleinigkeiten aber manchmal auch ganz neue Fallen oder Räume. Fast vom Stuhl vor Lachen bin ich gefallen als ich einige Skelettkrieger auf dem Friedhof beobachtete die aus Langeweile(?) anfingen irre zu kichern und Grabsteine zertrümmerten. Es ist diese Detailverliebtheit die Blizzard-Spiele einfach abhebt vom Rest. Die Detailverliebtheit und ihr Sounddesign. Die Beta überzeugt bereits mit tollen Sprechern und den eingangs erwähnten Brachialgeräuschen dazu gibt es wunderbare Musik die zwar auch orchestral und episch ist, aber nach meinen Ohren nicht in diesem typischen epic movie 08/15 Orchestermatsch untergeht den so viele Spiele heutzutage haben. Ich erwarte gerade in diesem Punkt viel von D3, bin nach WoW aber ziemlich sicher das sich einige zeitlose Stücke in dem Titel finden werden.

Ich könnte noch mehr erzählen, belasse es aber bei der Erwähnung das mich D3 kräftig bei den Eiern hat und ich froh bin das mich der Hypetrain erst jetzt erfasst hat (3 Wochen warten klingt besser als… 10 Jahre). Dragon’s Dogma hat leider ein Problem, denn der Mai(k) gehört nun ganz D3 und wenn sich die Sucht erst einstellt wie einst in WoW werden Zeit und Interesse für andere Titel gering ausfallen – aber wenn ich bedenke das sich meine Freundesliste in D3 in nur zwei Tagen auf 10 Leute anstieg wird es anderen wohl auch so gehen. Und schon heute in der Bahn überhörte ich angeregte Gespräche und Diskussionen zur Beta, ein gutes Zeichen – ich sehe euch alle am 15. Mai in New Tristram!

Aulbath, Grindmaster Flash (100% completion in 2 Tagen)

Aulbath, Grindmaster Flash (100% completion in 2 Tagen)

Beobachtungen zur PC Games + Vorfreude de hibbeleaux!

Wisst ihr was? Meine Vorfreude-Artikel schreibe ich zumeist kurz nach der Lektüre meines liebsten Magazins: Der Gamestar. Die Gamestar kaufe ich jeden Monat und ich schäme mich kein bisschen: Ich lese sie ganz offen in der Straßenbahn und zwinkere beim Umblättern junge Chicks an, die heimlich meine Muskelprotzedness bestaunen. That’s how I roll!

Diese Woche lief aber einiges schief: Ich war krank. Mit Fieber und enormen Tete de Zock litt ich, war aber auch in Battlefield 3 besser als sonst. Keine Ahnung, woran es lag: Ich flowte wie nie zuvor. Meine SMAWs fanden immer ihren Weg ins weiche Panzerderriere, ich entriss einige Dogtags und labte mich an Noobtränen. Life was bittersweet. Ein Aspekt des Bitteren – nebst der offensichtliche körperlichen Beschwerden (Call of Dünnpfiff) – war die Tatsache, dass meine Frau mir unwissend die PC Games ans Siechbett brachte (ich sollte mich dadurch besser fühlen) und nicht die Gamestar. Ich war natürlich voll so:

Und innerlich auch volle Latte so:

…ließ mir aber nichts anmerken. Und außerdem dachte ich: Vielleicht ist die PC Games ja inzwischen ganz anders als früher. Rainer Rosshirt ist weg. Mick Schnelle ist Chefredakteur. Feuchte Träume & wishful thinking, denn, ey, die PC Games ist immer noch die Alte: Bis auf den Rosshirt und die Fröhlich lauter “irgendwelche Leute”. Und dann erst dieser Teil bei dem die Leser mit Redakteuren was anspielen gehen: Er erinnert mich an den Segment der Bravo, bei dem sich Teens in ihrer vollen, schrecklichen, schlauchtittigen und winzpimmligen Nacktheit selbst Ablichten.

Und schließlich mein endloses Staunen darüber, was sie so in diesem Magazin schreiben! Thorsten Küchler dazu, wieso True Crime: New York City 2005 floppte:

Massenhaft technische Macken und ein unsympathischer Brutalo-Held mit furchtbarer “Hey, ich bin ein cooler Rapper”-Frisur sorgten aber dafür, dass das Spiel zu Recht schnell wieder in Vergessenheit geriet. (Pc Games, 3/12, S.64)

Zur Information: Der Held trägt Cornrows. Und Küchlers Frise gibt jener von Trier echt ‘nen run for the money. Für diese beiden Homeboys und ihre seidig-angelsächsische Scheitelpracht daher dieser Tune:

In yo’ face like a can o’ mace, baby! Is it burnin’? Well fuck it, now you’re learnin.

Noch ein Auszug aus der Ausgabe, diesmal zum Thema Medal of Honor: Allied Assault

Allied Assault lieferte im Januar 2002 eine vergleichsweise realitätsnahe Kriegs-Interpretation ab, wobei die Realität, an der sich die Entwickler orientierten, freilich die aus dem Kino bekannte Version der Wirklichkeit war. (Pc Games, 3/12, S.120)

Ich hatte mal einen amerikanischen Kommilitonen, der gerne Basketball spielte und zeitweise Cornrows trug (bestimmt denkend: “Hey! Ich bin ein cooler Hip-Hop-Künstler wie Coolio!”), der zu dieser Passage gesagt hätte: “That shit don’t even make no sense!” Dies sagte er oft als wir gemeinsam unter den Heidegger-Exkursen unseres damaligen Dozenten zu leiden hatten.

Awright, Longaz! Ihr merkt – nach solcher Lektüre fällt es schwer echte fanboyische Vorfreude zusammenzumustern, also fange ich stattdessen mit den Spielen an, deren Hypes mich soweit vollkommen kalt lassen: Mass Effect 3 und Diablo 3.

Bei ME3 hätte ich gerne wirklich Empörung über den MP-Part als Vorwand, um das Spiel zu schneiden, jedoch empfinde ich diese nicht einmal wirklich – vielmehr stelle ich fest, dass der zweite Teil dieser Serie zu den Spielen der letzten Jahre zählt, die einen wenig intensiven, blassen Erinnerungseindruck hinterlassen haben. Es interessiert mich einfach nicht sonderlich  wie es denn mit der Menschheit und den Reapern weitergeht – und da ja der Fortgang der Geschichte so ziemlich das einzige biowar’sche Verkaufsargument sein dürfte – RPG-Mechaniken haben sie ja noch nie wirklich gekonnt – war’s das wahrscheinlich für mich. Ein drittes Dragon Age würde ich aber sofort kaufen!

Bei Diablo 3 ist es erstaunlicherweise Ähnlich: Ich habe es zwar irgendwann wohl recht intensiv gespielt, jedoch kann ich mich nicht daran erinnern, besonders großen Spaß dabei gehabt zu haben. Vielmehr erinnere ich mich sehr negativ an diese grauenvoll gezogenen Dschungel-Stages und ihre endlosen Pygmäenschwärme. Ich kann es also nicht ganz verstehen, wenn meine ganzen Freunde und ihre Haustiere anfangen Diablo 2 abzukulten, aber different strokes und so. Interessant ist es, dass ich mich sehr gerne an den ersten Teil erinnere: Ich weiß sogar wie ich zum ersten Mal davon erfuhr – durch die positive Rezension in einem kurzlebigen PC-Spielemagazin namens “PC Extrem” (oder so was – erinnert sich jemand daran?).

Worauf freue ich mich dann, aber, Longareenos? Ganz Klar: Far Cry 3 – das wird steilgeilster Stizzle!

Glaubt bloß nicht, dass dieses Topos des gestrandeten WASP-Trottels, der sich gegen mörderisch jähzornige Latinos, Ivan-Slaven und Menschen mit fiesen Rap-Star-Frisuren behaupten muss, irgendwie schwer zu durchschauen wäre! Da wird ganz einfach dem westlichen Gefühl zivilisatorisch verweichlicht worden zu sein entgegengecatert, indem Szenarien herbeifantasiert werden, in denen sich der tapfere Germane behaupten kann (wenn er nur muss!). Geht doch! Nur weil wir nicht in einem strudel dezentralisierter, willkürlicher Gewalt und marodierender Ethno-Horden leben, heißt das nicht, dass wir nicht können, wenn wir wollen! Dieses Kätzchen hat Krallen und findet Votan immer noch so ein bisschen cool! Meow!

Die Gameplay-Videos versprechen steilste Genrehasenaction mit Krawummfaktor usw… Ich bin so what from dabei, you guys!

Noch eins, das ich spielen möchte:

Der erste Teil war ein fein flowendes Superspiel und der zweite Teil verspricht mehr vom Gleichen. Finde ich voll gut.

Wie sieht’s bei euch aus? Freude? Auf?

Erstaunliche Feststellungen, Teil 1: Diablo 3

Diablo 3 ist in einer dieser Promoaktionen für den Übergewichtigen und/oder Mediokren so was wie angekündigt worden; man könnte fast sagen, das Spiel ist einzig und allein angekündigt worden, damit jene enthusiastisch sein können, die halt nichts anderes im Leben haben, das sie so extatisch werden lassen könnte. Die nächsten Wochen, ja Monate, werden vom Jauchzen jener bestimmt, die sich über Diablo 3 freuen. Kaum hat man die EM mit ihrer Legitimation, eigene Belanglosigkeit zu feieren, überstanden, kommt die nächste Herausforderung. Schlimmer als Silvester.

Aber das soll jetzt Mal egal sein. Mir ist nämlich etwas aufgefallen: Keiner macht so viele uninspirierte Fortsetzungen wie Blizzard. Keiner traut sich so wenig wie Blizzard. Keiner hat vorhersehbarere Spiele als Blizzard. Keine schlachtet langweilige Konzepte so oft aus wie Blizzard. Keiner wird dafür so gefeiert wie Blizzard.

Wieso?