These nerds are made for zockin'

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Archiv für die Kategorie ‘Gegenwas

Way to go, Videospiele!

mit 28 Kommentaren

Geschrieben von marc

November 18, 2009 um 11:12

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Rollenspiele

mit 38 Kommentaren

Ich hatte diesen langen, laangen Artikel über Rollenspiele geschrieben – ich schreibe schon seit April daran. Ich wollte schon immer etwas über dieses Genre – mein Lieblingsgenre – schreiben. Der Grund, wieso ich schon so lange an dem Artikel schreibe und ihn einfach NICHT fertig bekomme ist Folgender: Rollenspiele haben ein politisches Moment, dessen Epizentrum Fantasy-Stereotypen darstellen, die krebsartig alles verschlingen, das sich in die Nähe wagt – so auch den Spieler.

Fantasy und Rollenspiele in Fantasy-Settings (soll also heißen: mit Prinzen, Elfen, Zwergen und dem ganzen sonstigen Scheißdreck) sind der fieseste aller Bauernfänger. Die Fantasy ist in jeder Form – ob als Buch, Computer- oder Pen & Paper-Spiel – pures, finsteres Gift. Ihre Simulation des Abenteuers kommt mit einem Regenbogenumhang rassistischer Ideologien und das schockierende ist, dass man unter den Konsumenten unseres Mediums trotz des 20. Jahrhunderts nicht wirklich findet, darüber diskutieren irgendwie diskutieren zu müssen. Die Gedankenkotze des Ethnopluralismus, verkörpert vom Nebeinander verschiedener Rassen, die sich hassen (aber das ist ja witzig) und nur – wie im Falle der Halb-Orks – durch Vergewaltigung vermischt und somit verschmutzt (wie von den Intelligenz-Mali dieser Rasse neonartig signalisiert) werden können: völlig ok! Das scheußliche Miasma einer Ständegesellschaft, die auf einsichtiger Unterwerfung des Dieners und der gerechten Tötung des Usurpators fußt: großartig!

Es ist zu viel. Ich kann Spiele wie Fallout, die sich liebenswerter geben, gar nicht besprechen; diese Nähe macht es unmöglich. Es geht nicht. Es ist stärker als ich. Wenn ich an Fantasy-RPGs denke, so hasse ich Computerspiele. Ich hasse Menschen, denen sie wichtig sind (also auch mich selbst). Ich hasse Menschen, die sich abends wollüstig auf die behaarte  Welt der Rassen- und Standesschande einlassen können, um morgens ganz libertär zu werden und zusammen mit anderen Miniatur-Rassisten gegen Zensur zu petitionieren. Ich hasse Firmen, die solche Spiele überhaupt herstellen. Ich hasse unsere Leser. Ich hasse andere Blogs. Ich hasse alles an diesem Medium, an sener dümmlichen Belanglosigkeit, an diesem von-Bauern-für-Bauern-Faszinosumsknoten. Ich hasse es, dass ich dies nicht schon früher geschrieben habe.

So, ich spiel’ jetzt Zuma!

Geschrieben von balkantoni

Oktober 16, 2009 um 11:47

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USK/BPjM – Mein empörter Aufschrei

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Man würde meinen, eine Institution wie die USK wüsste sich besser zu repräsentieren. Als nämlich Electronic Arts’ Executive Vice President (Berufsanglizismus = wichtige Person) Gerhard Florin bemängelte, durch die USK fände „Zensur“ statt, kam auch tatsächlich eine Antwort – und zwar eine der besonders schäbigen Art:

Das ist sehr schlecht. Wenn man versucht, die Zuschauer damit zu kriegen, was schlecht an der USK ist, muss man sich auch damit auseinandersetzen, wie das deutsche Jugendschutzsystem aufgebaut ist. Und da spielen eben das Strafrecht und die BPjM eine riesige Rolle, bevor die USK ins Spiel kommt.

Vom Achtklässlerdeutsch mal abgesehen: Liest sich das nicht für euch wie ein resigniertes „ja, wir zensieren, möchten aber die Diskussion gerne weitergeben“? Ich erwarte von jenen, die mir meinen Gewaltschund vorenthalten ein bisschen mehr Eifer und Zelotismus! Das ist so… willkürlich und artifiziell. Wenn aber Zensur nicht mehr eine Zensur durch guten Willen ist, sondern durch bürokratische Pflicht, so verliert sie ihre letzte „redeeming quality“, sie wird ekelhaft. Ich brauche für mich diesen Unterschied in der Reaktion auf Manhunt. Ich will wissen, ob da jemand empört „das kann man nicht machen“ gebrüllt hat, oder achselzuckend rationalisiert hat, man sollte das Spiel lieber nicht vermarkten lassen. Wenn Zensur aber mechanisch wird, wird sie weder dem Medium noch den Menschen, die durch sie angeblich beschützt werden sollen, gerecht. Und damit endet der heutige Ausflug in sozialpädagogische Vernünftelei. Gibt’s eigentlich ‘nen Weg diese geilen Map-Packs für GOW2 in Deutschland zu kaufen? DIE HORDE RUFT!

Geschrieben von balkantoni

August 31, 2009 um 3:45

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Insider-Bericht von der GamescoM… (M wie Mongo)

mit 54 Kommentaren

Ein Freund von mir – nennen wir ihn Marzipan – war dort. Interview gestern im Rahmen eines Telefonats so stattgefunden:

BT: Und du warst tatsächlich dort, Marzipan?

MP: Ja, es war abartig, ABARTIG!

BT: Beschreib’ bitte die Besucher für unsere Leserschaft.

MP: Es war eine abartige Freakshow. Fette, hässliche Geeks. Ich habe ja mit diesem Nerd-Ding geliebäugelt, doch nun ist mir klar: Ich bin kein richtiger Nerd. Das waren richtige Nerds. Sich als Nerd zu bezeichnen… das ist so wie wenn man sich zum Lepra-Kranken erklärt.

BT: Details!

MP: Ja, also da waren viele fette Typen. So richtig fett. Und viele hatten riesige, schwarze XXXXL-Shirts mit „World of Warcraft“-Sprüchen drauf. Ein Fetter ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Er ist in einen Hummer eingestiegen, hat sich dann von seinem ebenso fetten Freund fotografieren lassen und dabei ein „böses“ und „ernstes“ Gesicht gemacht. Als er dann aussteigen wollte, hatte er ernsthafte Schwierigkeiten; er war nämlich einfach so grotesk fett.

BT: Krass! Gab es zumindest heiße Chick-Action, weischwieischmein?

MP: Bis auf die Messechicks nicht – und die hatten immer eine Traube fetter Geeks um sich herum, die sich mit ihnen fotografieren ließen. (pause) Da war eine, die hatte Strapsen an und nur ihre Brustwarzen waren abgeklebt.

BT: Hast du das Richtige gemacht?

MP: In die Nippel gepetzt, meinsch?

BT: Hajo!

MP: Na klar! Und dann habe ich gezwirbelt und gesagt: „Ich ernenne dich zum Hilfssheriff!“

BT: Hohohoho!

MP: Hahahaha!

BT: Sonst was?

MP: Ich habe natürlich voll den Moped-Dominator gemacht, weisch! In der Schlange für „Diablo 3″ stand eine Gruppe fetter Geeks hinter uns. Die haben einen kleinen Laptop ausgepackt – so einen Mini-Laptop – und daruaf dann Worms gespielt.

BT: Hast du das Richtige gemacht?

MP: NA KLAR! Erstmal gesagt:  „So, ihr Heulsusen – Taschengeld und Pausenbrot her!“

BT: Geilo!

MP: Dann gesagt: „Laptop her!“

BT: My maan!

MP: Dann Ohrfeigegen gegeben und die mussten sich für jede einzelne bedanken.

BT: Du bist einfach ein geiler Typ!

MP: Da waren auch noch so hippere Jugendliche, so GEE-Lesende Fagotto-Spieler, weisch… WEISCH WAS ICH MIT DENEN GEMACHT HAB’?

BT: WAAAAAAAAAAAAAS?

MP: Knuckle-Sandwich, dann an mein Moped geknebelt und durch die Messehalle geschleift!

BT: Du Barbar! Hohoho!

NP: Hahaha!

Geschrieben von balkantoni

August 25, 2009 um 3:33

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Zum ersten Mal gehört: Veteranenpodcast

mit 35 Kommentaren

Meine Fresse! Ich bin immer noch sprachlos. So sprachlos war ich zum letzten Mal mit sechs, als ich im Fernsehen eine Elefantenpaarung gesehen habe. Ähnlich grotesk und abscheulich war das Veteranenpodcast. Die fiese Mischung aus Dorftrottelgelaber („Die Amis interessieren sich ja für nix ausser Amerika!“ -> dann aber: „Kanada war ehemals französische Kolonie.“), saublöden Analogien (Der Hammer: „Spiele kann man mit FLEISCH vergleichen.“ Ja, ihr habt richtig gelesen. Mit Fleisch.) und überhaupt einer ekelhaft selbstzufriedenen Bauernschläue. Da will man einerseits für Killerspiele auf die Straße gehen, aber nicht mit der Piratenpartei, denn: Für Gore zu demonstrieren ist ein hehres Anliegen, für Raupkopien aber nicht.Man äußert sich über politische Geschehnisse. Der Höhepunkt:  die Offenbarung, man habe in Wertungskonferenzen „stundenlang“ über Wertungen diskutiert. Über Wertungen. Stundenlang. Man sagt es mit der Wehmut einer Erinnerung an soft petting im Ferienlager.

Ich bin jetzt an dieser Schwelle; ich möchte so vieles sagen, aber es überfordert mich: Diese überwältigende Ballung an Schlimmstem, das Miasma der durchschnittlichsten Inkompetenz. Es ist zu viel, ich werde es erst in Wochen verarbeitet haben. Gedankenbukkake. Fickende Elefanten. Der Horror.

Geschrieben von balkantoni

August 13, 2009 um 10:48

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Suchbegriffe Revisited!

mit 21 Kommentaren

Manchmal traue ich mich gar nicht, die Liste der ergoogelten Suchbegriffe, die zu unserem Blog geführt haben, anzuschauen. Und wenn ich es doch tue, sitze ich wie gelähmt vor ihnen. Im Sinne einer offensiven Bewältigungsstrategie will ich mit euch teilen. Seien wir gemeinsam stark! Hier kommt DER SCHRECKEN in grober Kategorisierung!

  • schwarzes loch+sex
  • mannliche pornodarsteller; pornofiguren; fkk naturalis akt porn; porno frauen; silikonlippen bilder porn; bodybuilder frauen pornos; oblivion porn mod pics (Meine Fresse…);
  • mega brüste; titten; silikontitten; titten freundin; michelle pfeiffer aktuelle titten bilder; kleine frau mit gorßer titte; titten spitzer (WTF?); titten fight (WTF²?); junge titten fkk; mega grosse brüste (MEGA!); nasse titten; frau titten pc;
  • splatter+gore+torture
  • petra schmitz nackt (KEIN WITZ! IMMER FUCKING WIEDER!)

Das Internet ist ein dunkler Ort, so viel ist klar! Besonders Interessant: Leute wollen tatsächlich Petra Schmitz nackend sehen. Offenbar hatte Proust doch recht und man ist tatsächlich allein mit der Subjektivität seiner Begierden, so dass für manche die Verheißung einer Frau mit der man nicht nur schlafen, sondern auch über Spiele reden kann, diese über ihr doch recht normales Aussehen hinaushiewt und zum Sex-Objekt macht. Hey, ich meine das nicht böse: Ich bin ja auch keine Megan Fox und Weibsvolk ist verrückt nach mir!

Hier noch ein paar ganz eigenartige Suchbegriffe:

  • lüge über jesus von natzaret (Nämlich: Er WAR gar kein Lautern-Fan!)
  • shizzle sprache (ma nizzle!)
  • vorsicht balkan (Aber hallo, jebo vam pas mater!)
  • titten andrea jürgens (irgendwas ist soeben in mir gestorben)
  • achselfürze (man kann nicht mit ihnen aber auch nicht ohne sie)

Wieso, google, wieso?

Geschrieben von balkantoni

August 2, 2009 um 6:29

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Brüderlichkeit und Einheit und Solidarität und so!

mit 47 Kommentaren

Eine Frage, die in Blogs bisher in Texten und Kommentaren gelegentlich thematisiert wurde ist die Öffnung unseres Mediums der Computer- und Videospiele; immer mehr Menschen spielen sie. Was sich dabei für manche als problematisch darzustellen scheint, ist die Tatsache, dass unter diesen neuen Spielern eben auch Unerwünschte sind – Menschen aus der unansehnlichen „Unterschicht“, bildungsfernes Bürgertum oder gar Migranten (wie Marc und ich). Ich erinnere hier an Spieler Zweis famosen Text „Die Anderen„, der bei mir vor allem dafür gesorgt hat, dass ich Polyneux als kollektives Ganzes nicht mehr ganz so ernst nehmen kann wie ich  es gerne würde. Auch äußerte sich ein von mir sehr geschätzter Leser und Gastautor hier bei uns in den Kommentaren wiederholt negativ über spielende Hauptschüler.

Meine erste Reaktion auf die Antipathie, die dem spielenden Prekariat (fassen wir die abstrakte persona-non-grata-Masse erst einmal so zusammen; ich werde mich der Problematik der Differenzierung noch widmen.) entgegengebracht wird, ist eine indignierte Verwirrung. Ich begreife es erst einmal nicht und finde es furchtbar ordinär; es ist, glaube ich, nachvollziehbar, dass ich neugierig wurde, wieso genau dies meine Reaktion ist und nicht etwa isolationistische Nerd-Solidarität. Nun, hier ist das Ergebnis meiner Überlegungen – ich habe den Text zur besseren Übersicht thematisch Gegliedert.

a) Das Medium

Das wirklich Seltsame an der Ablehnung der spielenden Prekäre ist die implizite Annahme, das Medium der Spiele sei für diese irgendwie ungeeignet oder vice versa. Doch ich habe lange überlegt und kann einfach nichts finden, dass Spiele als ein Schicht- oder Ethnizitätsspezifisches Vergnügen auszeichnet. Spiele sind simpel, zugänglich und unterhaltsam. Im Gegensatz zu anderen Medien stellen sie sehr geringe Ansprüche an den Konsumenten. Bei Büchern gibt es etwa eine ganz klare Staffelung und man wird manche Werke ohne entsprechende Bildung und Erfahrung in den Traditionen dieses Mediums entweder gar nicht verstehen oder zumindest in so einem geringen Ausmaß, dass die Leseerfahrung kein Vergnügen bereiten wird. Nehmen wir etwa Gides „Verleiße des Vatikan“, wo bereits auf der ersten Seite der Themenkomplex des Katholizismus, abweichlerischen Ketzertums (in der Gestalt der Freimaurerei) und des dazugehörigen Kontrastes der Betrachtung des Verhältinsses zwischen Körper und Geist eingeführt wird – einem unvorbereiteten Leser wird all’ das entgehen. Es ist dann, um eine Analogie herzustellen, wie einen modernen Ego-Shooter zu spielen, ohne eine Maus zu besitzen oder zu wissen, dass eine überhaupt notwendig sei. Ein anderes Medium von scheinbarer Infantilität und Einfachheit, das ich gerade deswegen immer wieder gern kontrastiv heranziehe sind die Comics. Diese sind wesentlich unzugänglicher als Videospiele, denn sie haben eine viel größere Anzahl an Traditionen und viele dieser Traditionen setzen genaue Kenntnisse voraus. In viele Serien oder gar Genres muss man sich deutlich intensiver hineinarbeiten, als dies bei Computerspielen je notwendig werden könnte: Diese versuchen immer als Einzelwerke autonom zu entjungfern. Es gibt fast nichts mehr, das Spiele nur noch für Veteranen und Kenner prädestiniert (löbliche Ausnahmen á la Sins of a Solar Empire ausgeschlossen).

Der obige Absatz soll sich keineswegs als Kritik an Spielen lesen – ganz im Gegenteil. Spiele sind ein unglaublich offenes, demokratisches Medium: Jeder kann und darf mitmachen. Gerade diese Tatsache sorgt dafür, dass Spiele nicht den Wünschen erfahrener Connaisseure entgegenzukommen versuchen, sondern dieser Anspruch im Gegenteil von Außen an sie herangetragen wird. Er ist auch der herstellenden Industrie jedenfalls keineswegs nützlich oder sympathisch. Die ablehnende Haltung, die dem spielenden Prekariat entgegengebracht wird hängt natürlich auch stark mit Nostalgie zusammen, der Erinnerung an Zeiten, als Spieler es mit einem lebendigen und unberrechenbaren Medium zu tun hatten, der eine wesentlich intensivere Auseinandersetzung erforderte, als es die heutigen Spiele tun. Der Grund für die Verwässerung dieses Anspruchs ist offensichtlich und in Blogs bereits zu Tode besprochen worden: Es ist die Standardisierung, die für eine besonders erfolgreiche Vermarktung des Mediums notwendig war. Der Trugschluss, dem manche erliegen, ist eben der, die Schuld für die verwelkte Kreativität des Mediums bei neuen Spielern zu suchen, die auf eine besonders antipathische Weise von der vermeitnlichen Unterschicht personifiziert werden. Die Annahme, diese würden einen nennenswerten Faktor bei Designentscheidungen spielen widerspricht jedoch auch allen Aussagen, die man aus der Industrie zu hören bekommt; der geht es um das Abstraktum des „casual gamers“, des Berufstätigen, der Geld für Plattformen und Spiele zur Verfügung hat aber nur wenig Zeit für sie. Im Versuch gerade diese Verbrauchergruppe zu erobern wird eben Auseinandersetzung als wesentlicher Moment der Interaktion zwischen Programm und Spieler durch Ablenkung ersetzt. Das ist, was Veteranen wehtut – mir auch.

Die Schuld daran tragen jedoch nicht Spieler aus stigmatisierten Gesellschaftsschichten und das anzunehmen ist ein zutiefst reaktionärer Reflex einer enttäuschten und hilflosen Generation (ich glaube wirklich, dass wir von ihr sprechen können). Es ist die einfache Lösung in Momenten der Enttäuschung: Abschottung statt Kommunikation, ein Zynismus also. Verbraucher, die inzwischen gewissermaßen von dem Medium, das ihnen einst gehörte, förmlich ausgeschlossen werden, versuchen revanchistisch andere aus ihrem Anspruch auf dieses auszuschließen und suchen sich dabei das einfachste aller Opfer: Die ungeliebten Armen.

b) Die Schicht

Deutschland ist, was das Schichtendenken angeht, ein seltsames Land. Die implizite Schichtenzugehörigkeit wird bereits nach der Grundschule festgelegt, mit der Bestimmung der zu besuchten Schulform. Ein wesentlicher Kritikpunkt des Pisa-Tests war ja die Tatsache, dass in keinem Land Europas, nicht einmal in dem so schichtbewussten England, die Herkunft den zu erwartenden Bildungsgrad bestimmt. In Deutschland ist das Schichtendenken institutionalisiert.

Doch erst vor kurzem war in Deutschland das zu beobachten, was in eben jenem England eine lange Tradition hat: Eine Selbstdarstellung der Unterschicht. Diese ging mit der Rap-Musik einher, mit Aggro Berlin und all’ jenen Rappern, die Hauptschülern das Gefühl vemittelten, Hauptschüler zu sein, sei nichts zwingend Defizitäres. Man habe ganz im Gegenteil den Zugang zu einer ruppigeren, aufregenderen Identität als der wohlbehütete Bildungsbürger. Das einzig Mysteriöse an dem gesamten Vorgang war, dass er überhaupt so lange auf sich hatte warten lassen – vielleicht gerade wegen des ganz klaren institutionellen Statements, dass Hauptschüler eben scheiße sind und in minderwertigen Jobs und kargen Existenzen steckenbleiben werden.

Das Problematische an dieser Selbstdarstellung war eben, dass sie allem, wirklich allem, das man zivilisatorisch erreicht zu haben glaubte, entgegengesetzt war: Deutscher Asi-Rap ist unaufgeklärt, reaktionär, frömmelnd, sexistisch, nationalistisch, bei manchen ein anti-semitischer, kalorienreduzierter Islamismus, bei anderen einfach nur dümmliches Gewaltgebaren. Zwar ungebildet aber keineswegs dumm (eine Verwechslung dem die umgekehrt vemeintlich Gebildeten aber durchaus Dummen unterliegen) erkannten Bushido, Fler oder Sido was man nicht sagen durfte, sagten es und schafften es so ihrem Gefasel ein gefühltes Rebellentum, eine Avantgardistik zu verleihen. In der Pubertät versucht man seine Identität in der Abgrenzung zu finden und genau dieser Mechanismus wurde in den letzten Jahren so erfolgreich ausgebeutet.

Der Backlash gegen diese aggressive Identitätsdarstellung war stark genug, um auch die in den Kreisen unseres Mediums stattgefundene Abschottung dem „Prekariat“ und den „Migranten“ gegenüber hervorzurufen. Ich wage zu behaupten, dass man sich ohne Asi-Rap, in einer Welt der ewigen 90er, patronisierend und gönnerhaft über die Neuzugänge gefreut hätte und sie zum Anlass genommen hätte, das ungeheure Potential des Mediums so zu lobpreisen wie ich es weiter oben getan habe. Ein weiteres Problem ist, dass die Reaktion der Abschottung und Feindseligkeit ein klares Ergebnis der Angst ist: Man kennt ja diese Jugendlichen und ihre Familien nicht, sondern höchstens den von Spieler Zwei damals beschriebenen äußerlichen Umgang, der uns ruppig und daher gefährlich erscheint.

Ich arbeite mit Jugendlichen, die keinen Hauptschulabschluss haben, die in Heimen für schwer Erziehbare wohnen, die schon im Gefängnis waren und kanndennoch erstaunliche Gemeinsamkeiten zwischen ihnen und euch nennen: Sie sind immer noch Menschen mit sehr nachvollziehbaren Motivationen und Wünschen, so wie ihr auch. Wozu sie ihre einzelnen Lebenswege und Entscheidungen geführt haben mögen, ist teilweise richtig, richtig schlimm und scheiße, doch nichts an diesen Jugendlichen macht sie unempfänglich oder gar ungeeignet für Computerspiele.  Über diese krassen und marginalen Beispiele sozialer Außenseiter hinaus habe ich noch viele, endlos viele, Schüler aus unterster Unterschicht, die ganz normale, brave und unauffällige Menschen sind. Und sie spielen auch gerne. Die seltsame Reduktion aller Jugendlichen aus der Untershicht auf Bushido ist ganz einfach irgendwo auch ein Distinktionswunsch seitens der Mittelschicht, den sich jene, die ihn äußern, in der Regel gar nicht leisten können. Als Spieler Zwei seinerzeit bemängelte, das spielende Prekariat besäße „keine Bücher, dafür aber Spielkonsolen, Fernseher und Computer in jedem Zimmer„, so vergaß er, dass es bei dem Thema „Bücher“ eine Staffelung gibt, die ihn ganz schön arm stehen lässt, wenn sich der richtige Vergleichspartner findet. Das ist das Problem mit der Dialektik, die man in Blogs zu lesen bekommt – sie lässt sich als Grundprinzip gegen jene wenden, die sie äußern und wenn nun mal schon Bildung zum Gegenstand des Vergleichs gemacht werden soll, so muss man sagen, dass die meisten Blog-Schreiber ziemlich mittelmäßige, ungebildete Trottel sind, wenn man sie mit etwa mit meiner Freundin vergleicht, die Literaturwissenschaften studiert hat. Und was spielt sie? Sims, Peggle und Viva Pinata, sonst nichts. Was ich damit sagen will ist, dass Bildung im Kontext der Videospiele ein absolut willkürliches Kriterium ist, das man einzig und allein zu Abgrenzungszwecken heranziehen kann. Doch Bildung war noch nie notwendig, um spielen zu können. Es gibt keinen Grund, wieso Spiele nicht von Menschen aller Schichten genossen werden können und wenn wir glauben, einen zu kennen, so bin ich mir sicher, dass er sich schnell mit unseren eigenen Enttäuschungen, Ängsten und Sehnsüchten erklären und ad absurdum führen lässt. So unkreativ und langweilig Spiele in diesem letzten Jahrzehnt gewesen sein mögen (ich glaube jedoch hier auch eine Wendung zum Besseren spüren zu können), so egalitär und demokratisch sind sie auch geworden – ein wahres Volksmedium. Sie sind gerade deswegen ein durch und durch politisches Medium, im Gegensatz zu vielen anderen, die das gerne wären. Das sollten wir schätzen und würdigen, indem wir alle mitspielen lassen. Aber nur coole Spiele und nicht etwa WOW.

Geschrieben von balkantoni

Juni 28, 2009 um 2:26

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L4D 2 Can Suck it! Gimme an Expansion Pack, Valve!

mit 19 Kommentaren

Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie aussprich! Ich will kein L4D 2! Ich will mehr Kram für’n ersten Teil! So wie bei TF2! Mehr Sonderzombies, neue Kampagnen, so was! Valve: Ihr seid voll die Mongos! MONGOS!

Geschrieben von balkantoni

Juni 13, 2009 um 10:46

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They call me Dr. Love

mit 26 Kommentaren

Ich wollte ja eigentlich etwas über Rollenspiele schreiben, nahm drei Anläufe, stellte fest, dass ich nichts interessantes zum Thema zu sagen hatte – und war auch mit dem Stil der Texte unzufrieden – blieb aber an einem Element der Rollenspiele hängen, das diese besonders albern macht: Die Liebschaften. Man kann in Baldur’s Gate 2, in Neverwinter Nights 2, in Mass Effect, im Witcher und in einigen anderen Rollenspielen eine quasi-Beziehung mit einer anderen Figur eingehen, die dann in einer koitalen Textbox/Zwischensequenz eskaliert. Um diese Beziehung einzugehen, muss man Quests lösen oder – bei Bioware und Obsidian – Dialoge auf eine bestimmte Art und Weise führen.

Das ist Liebe in Computerspielen.

Es gibt wirklich keinen Bereich unseres Lebens, mit dem Computerspiele so schlecht zurechtkommen wie Emotionen jenseits von Wut und Angst und gerade die Liebe, die in Filmen oder Büchern ja so eine zentrale Rolle als obsessive, destruktive, mit der Ratio fechtende, schöne, schreckliche, grausame, enttäuschende und beglückende Emotion spielt, ist in unserem Lieblingsmedium nur in einer – unfreiwillig – karikierten Form gefangen.

Das liegt daran, dass Computerspiele nur das machen, was Computer selbst machen – sie simulieren. Sie simulieren Erfahrungen. Während Angst und Wut Emotionen sind, die sich sehr leicht durch simulierte Trigger reizen lassen, ist die Liebe ja ein idiosynkrastisches, uneinheitliches, komplexes Übergefühl, das sich fast gar nicht triggern lässt, egal wie sehr sich die Designer bemühen. Ich fand jedenfalls, dass das Chick in Ico nur Ballast war. Liebe muss – wenn wir uns andere Medien anschauen – vor allem rationalisiert werden, sie muss am Beispiel der Figuren, die sie erfahren, nachvollziehbar und erst über diesen Umweg erlebbar gemacht weren. Wenn Proust Swanns Odette-Obsession beschreibt, erwartet er nicht von uns, diese Gefühle selbst zu empfinden – wir sollen sie verstehen und daraus einen Erkenntnisgewinn über die Liebe ziehen. Shakespeare erwartet ebenfalls nicht von uns, dass wir Julia ganz toll finden. Wir sollen bloß verstehen welche Form der Liebe sich zwischen ihr und Romeo entfaltet – eine einfältige und jugendliche, nämlich.

Das scheinen Spiele nicht zu verstehen. Sie versuchen durch den Koitus hinauszögerndes Geschwafel unser Interesse an stets eindimensionalen Figuren (sorry, Bioware) zu erwecken und dieses Interesse soll als allgemeines Sympathiegefühl unser Liebes-Ersatz sein. Es ist so dümmlich, so überflüssig, so befremdlich, so dämlich, dass sich einem die Zehnägel hochrollen. Wir sollen da tatsächlich überzeugt und interessiert (schließlich sind Liebschaften in der Regel optional) genug sein, um unseren Avatar lieben zu lassen – die Liebe dann wird simuliert. In Gesprächen. In einer Fick-Textbox. Das ist digitale Liebe, Freunde.

Was mich erstaunt ist: Spielen stehen alle Mittel zur Verfügung, die Liebe so zu erörtern wie es andere Medien tun. In Spielen wäre genug Platz für Figuren, die bis zur Selbstzerstörung lieben oder eben nicht, sondern eine qualvolle Existenz führen in der die Liebe wiederholt der Räson untergeordnet werden muss. Im Hauptmodul des ersten Neverwinter Nights klang dies bereits an. Wieso Liebe simulieren, wenn diese einfach zu komplex, zu nah an den hormonellen Zentren unseres Körpers angesiedelt ist, um realsiert werden zu können? Andere Medien haben dies auch nie versucht und die Fälle in denen wir tatsächlich so etwas wie eine Zuneigung für eine fiktive Figur entwickeln sind doch stets unbeabsichtigte Kollateralschäden unserer fiebrigen Teenager-Organismen, nie erfolgreiche Fallen unsichtbarer Authoren.

Ich will nie mehr in einem Computerspiel lieben.

Geschrieben von balkantoni

Juni 11, 2009 um 2:51

Tim

mit 35 Kommentaren

Ich bin ja Lehrer. Als gestern der Amoklauf bekannt wurde, befand ich mich im Unterricht. Meine Kollegen fingen plötzlich – mitten in meiner Stunde – an, in den Schränken meines Klassenzimmers zu wühlen. Sie suchten ein Radio, denn der Internet-Filter der Schulcomputer sperrt jede Art des Live-Streams und meine Kollegen wollten die Geschehnisse mitverfolgen. Immer wieder kam jemand zu mir, es wollte einfach nicht aufhören; ich musste meine Tafelbilder unterbrechen, damit mir jemand ins Ohr raunen konnte, es seien inzwischen 11 Tote, oder so.

Nach den Osterferien werden wir einen Lehrgang bei der Polizei zum Thema „Barrikadieren“ haben. Das ist kein Witz.

Ich schaue mir meine Schüler nicht mit anderen Augen an.

Ich finde die verzweifelte Ursachensuche der Medien befremdlich. Wenn für so eine Tragödie Counterstrike und Pornographie auf der Festplatte herhalten müssen, oder die Tatsache dass der Täter depressiv und in psychiatrischer Behandlung war – allesamt Kriterien, die auf viel zu viele von uns zutreffen – so erklären wir kollektiv einzig und alleine, dass wir keine Ahnung haben, was so einen Amoklauf verursacht. Wir haben nicht den blassesten Schimmer. Angefangen bei der Ausgrenzung – die ironischerweise durch das Ausweiden des Privatlebens dieser Person ja über ihren Tod hinaus fortgeführt wird; wir bräuchten hier also Maigret – über gewalttätige Computerspiele, bis zu gefilmten Ejakulationen: Die Alltäglichkeit dieser vermeintlichen Symptome ist so deprimierend, wenn man sich anmaßt sie in Relation zu dem stattgefundenen Massaker zu setzen.

Die einzigen, die diese Idiotie noch übertreffen können, sind all diese Geekster-Imbezile, deren erste Reaktion weder Bestürzung noch Mitleid waren, sondern die bloße Sorge, ihr Hobby würde nun wieder inkriminiert werden. Auf dass ihr rechtzeitig unfruchtbar werdet.

Geschrieben von balkantoni

März 13, 2009 um 12:51

Veröffentlicht in Gegenwas