“The Witcher 2″: Ömmage and Politics of the Fantasy Genrethron

Der Begriff des „Erwachsenseins“ ist im Zusammenhang mit Video- und Computerspielen immer noch ein ungeklärter Terminus, der vage für Inhalte verwendet wird, die vornehmlich Kinder und Jugendliche interessieren, diesen jedoch aus pädagogischen Bedenken durch Altersbeschränkungen vorenthalten werden, was sie dann ex negativo „erwachsen“ macht – dies ist auch bei „The Witcher 2“ nicht anders, welches „erwachsen“ ist, weil geflucht wird und Möpse zu sehen sind. Darüber hinaus ist „The Witcher 2“ nicht mehr als ein RPG, welches sich mit dem hauptsächlichen Thema moderner Fantasy beschäftigt: Hierarchie und Individualität.

Bevor wir aber über dieses Thema reden, muss festgestellt werden: Das, was „The Witcher 2“ zu unüblicher Fantasy machen soll ist der gleiche forcierte Nonsens, der auch bei „Game of Thrones“ – Buch wie Serie – für Gehirnschmerzen sorgt: Vulgarität und Sex, die beide gangstarap- und softpornogenährten Härtevorstellungen eines pepsitrunkenen Zwölfjährigen zu entspringen scheinen. Wenn selbst mir, mir Balkan Toni, mir, dem Verwender des noblen Schmähbegriffs „Bumsmongo“, mir, dem härtesten Hustler der Blogosphäre, mir, dem Begierdeobjekt vieler Frauen, die Unfähigkeit der Witcher-Figuren, ohne konstantes „ploughing“, „fucking“ und „shite“ zu reden, unverständlich erscheint, dann will das was heißen. Und der Geschlechtsverkehr in Witcher? Oh je. Alle, die in den 90ern heimlich aufblieben, um „Laß Jucken Kumpel!“ auf Sat1 zu schauen, wissen, was sie erwartet. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Menschen, die schon mal Geschlechtsverkehr hatten, die entsprechenden Fickschnipsel ungefacepalmt ertragen.

Shadowmarch„The Witcher 2“ hatte Pech: Unmittelbar bevor ich es spielte, beendete ich zwei Fantasy-Buchreihen und fand beide  unheimlich gut. Es handelte sich um Tad Williams‘ „Shadowmarch“-Tetralogie und Robin Hobbs erste Trilogie um den Meuchelmörder FitzChivalry. Beide Autoren hatten schon in meinen Schülerjahren einen enormen Eindruck hinterlassen – Williams mit der „Memory, Sorrow and Thorn“-Reihe und Hobb mit eben dieser Trilogie, die ich 95 im Rahmen meines Spracherwerbfandoms bei Erscheinen gelesen, und die in meiner Erinnerung einen sakralen Wert angenommen hatte, den ich durch eine Neulektüre überprüfen wollte. Beide Reihen zeichnen sich durch ein Spiel mit dem häufigsten (auch hier mehrfach geäußerten) Kritikpunkt an der Fantasy, nämlich ihrem Konservatismus, indem sie die scheinbare Natürlichkeit der hierarchischen Weltentwürfe dieses Genres  für Ambivalenz öffnen; zentrale Figuren beider Serien – dies kann ich ohne Spoiler sagen – scheitern nämlich an der aristokratischen Hierarchie, der sie ausgesetzt sind und diese Figuren sind keineswegs nur der am Unverständnis und der Führungsverantwortung verzweifelnde Hochadel (ein sehr typisches Topos des Genres – und eins, das in beiden Reihen auch vorhanden ist). Das Private ist aufs unangenehmste politisch (verzeiht, verzeiht!) und in beiden Buchreihen werden diese Konflikte durch love interests eigeführt, um sich dann zu einer enormen Verästelung hin zu verselbstständigen; so ist es wirklich spannend, dem Meuchelmörder bei seinen Erörterungen darüber zuzhören, wieso er seine Opfer für die volonté générale zugleich gerechtfertigt und verdammenswert findet, insbesondere, weil es bis zum Schluss keine Versöhnung zwischen opferndem Individuum und dem fantastischen Gesellschaftskonstrukt, das von ihm diese Opfer fordert, gibt. Kurzum: Keine der beiden Reihen bietet Fantasy der schlichtesten Antworten.

Assasin's Apprentice

Und das ist der Punkt, an dem die Probleme von „The Witcher 2“ anfangen, denn hier endet das Streben nach „anderer“ Fantasy häufig ganz einfach in schlichter und schlechter Fantasy. Der Versuch einer „ruppigen“ Welt wurde ja schon angesprochen, doch auch das ordobrecherische Unternehmen, eine multikulturelle Revolte darzustellen, die sich genau gegen den gebräuchlichen Fantasy-Feudalismus und Rassismus zu behaupten versucht resultiert, den Autoren scheinbar vollkommen unbewusst, in genau den gleichen Mustern, die man eigentlich entblößen möchte: Die rebellierenden Bauern werden als abergläubische Imbezile dargestellt, deren Wohl ausschließlich von der Führung durch eine aristokratische (und dies nach Fantasy-Logik sogar im Höchstmaß) Jeanne D’Arc-Figur abhängt – und diese wird dann auch noch damselhaft entführt und muss vom weißhaarigen Mann der Runde gerettet werden. Auch der Versuch, „starke“ und „selbstbestimmte“ Frauen zu zeichnen treibt einem die Tränen in die Augen: Die Selbstbestimmung der weiblichen Figuren dieses Spiels fängt und hört bei ihrem Körper auf – sie packen ihre Ömmies aus und reiten auf Geralt herum. Das ist dann stark und emanzipiert, da diese Figuren schließlich selbst aussuchen, auf welchen Penis sie springen. Dies geht so weit, dass man ab einem Zeitpunkt alle Frauen des Spiels als Karikaturen des mittelalterlichen Konzepts weiblicher Unbeständigkeit und Triebhaftigkeit wahrzunehmen anfängt, denn wenn sie nicht gerade Geralt ihre Ömmies zeigen, werden sie entführt und er muss sie dann retten, damit sie ihm zur Belohnung wieder ihre Ömmies zeigen. Und ich erfinde das nicht einmal: Das ist das Muster von mehr als einer Quest! Zusammenfassend: Es liegen Welten zwischen den regierenden Müttern und guten Freundinnen der beiden Buchreihen und den tollwütig libidinösen Titten auf Beinen in „Witcher 2“.

***

Was, also, sprich für „Witcher 2“? Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, denn jenseits des thematischen Schwerpunkts dieses Texts ließen sich zahllose weitere Schwächen finden: Die Narration ist gelegentlich so chaotisch, dass man überhaupt nicht weiß, wer eine plötzlich aufgetauchte und scheinbar wichtige Figur sein soll. Auch der gamestar’sche „RPG-Unterbau“ ist (ich setze das Bild bewusst nicht mit „quietschenden / morschen Dielen“ fort) mangelhaft, da bestimmte Spielelemente wie Mutagene und Fernwaffen überhaupt keinen Sinn machen. Und das Kampfsystem? Dieses musste durch den Enhanced-Patch überhaupt erst spielbar gemacht werden und ist nun gerade mal erträglich, finde ich.

Um die Frage also zu beantworten: Es ist die Grafik. „The Witcher 2“ ist eine stundenlange Wanderung durch die besten Fantasy-Cover, die man sich vorstellen kann. Wenn jenseits des Polycounts auch so etwas wie ein besonderes Gefühl für das Generische und Konsistenz gute Grafik auszeichnen, so ist „Witcher 2“ wirklich nicht nur in meiner Top 5 der schönsten von mir gespielten Spiele – es ist die unangefochtene Eins. Solange man nur herumläuft und mit seinem phallischen Riesenschwert durch die Luft wirbelt, ist „Witcher 2“ das reinste, potenteste Destillat des ästhetischen Phänomens Fantasy. Der Genuss hört dann halt auf, wenn die asoziales und offenbar völlig unterprivilegiertes Personal zu reden anfängt.

About these ads

51 Kommentare

  1. onkl

    Muss dir leider Recht geben. Wie gefiel dir der erste Teil im Vergleich? Für mich war dieser deutlich unverbrauchter und ehrlicher. Das Sammeln der Sexkarten war ein ungezwungener Spaß. Witcher 2 hingegen scheint mir an seinem Anspruch zu scheitern, alles in den Schatten stellen zu wollen und wirkt dadurch so aufgesetzt und teilweise konfus.
    Möglicherweise haben sie auch einfach zu viel Wissen aus den Büchern vorrausgesetzt, aber mir waren viele der Charaktäre völlig fremd und so war es auch keine Frage mich in Akt 1 für Triss zu entscheiden und allem den Rücken zu kehren (auch wenn man dann natürlich trotzdem gezwungen wird weiterzumachen).

    Das Kampfsystem war so schwammig, dass ich nur noch auf Leicht alles totgeklickt habe statt mich damit auseinander zu setzen. Gerade da war Teil 1 viel besser.

  2. balkantoni

    Stimme alle deinen Aussagen zu. Ging es dir auch so: Im zweiten Akt wird nach der Belagerung der Zwergenstadt irgend ein Zauberer hingerichtet und ein Riesending daraus gemacht. Ich hatte keine Ahnung, wer das war und wieso er sterben sollte. Das war so wirr…

  3. freshdaxxx

    Toni hated mein Lieblingsspiel 2011!

    Ich kann euch in einigen Punkten schon zustimmen: das Kampfsystem ist nicht das Gelbe vom Ei und definitiv schlechter (weil chaotischer) als im ersten Teil. Und ja, die Story bzw. Charaktere sind teilweise undurchsichtig wenn man den Hintergrund durch die Bücher (oder extensives Befragen des Witcher-Wikis) nicht kennt. Gerade ein kleines Videotutorial zu den Königreichen (mit lesbarer Weltkarte – und zwar nicht in polnisch!), den Konflikten und Herrschern hätte definitiv nicht geschadet.

    Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Entwickler zuviel Wissen über die Welt voraussetzen und es nichtmal merken (=Betriebsblindheit):
    In einem Making-Off Video hatte mal einer der Designer das Nilfgaard Empire als “Evil Empire” bezeichnet und mit dem Dritten Reich verglichen. Wenn das in den Büchern wirklich so dargestellt sein sollte, woher sollte man das dann wissen? Für mich war der Botschafter aus Nilfgaard einfach nur ein weiterer hinterfotziger Motherfucker (wie so viele Chraktere in dem Spiel).

    Jetzt kommt das große ABER: Gerade im Vergleich zum ersten Teil sind die Liebesbeziehungen im zweiten Witcher deutlich seltener, wesentlich besser ausgearbeitet und viel besser ins Spielgeschehen integriert. Als jemand, der im ersten Teil auch schon eine Beziehung mit Triss eingegangen war, war die Fortführung der Beziehung sehr befriedigend in ihrer Umsetzung. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass es eine der besten Umsetzungen einer Liebesbeziehung in einem Spiel ev0r ist.

    Zu Tonis Kommentar “[d]ie Selbstbestimmung der weiblichen Figuren dieses Spiels fängt und hört bei ihrem Körper auf – sie packen ihre Ömmies aus und reiten auf Geralt herum”:
    Du übergehst die “Lodge of Sorceresses”. Das sind alle selbstbewusste, schlitzohrige, machtbewusste und intrigenspinnende Frauen, die JEDEN König in der Welt an der Nase herumführen – wären da nicht der Botschafter aus Nilfgaard, Letho und Geralt, die ihren Plot entlarven und – mehr oder weniger erfolgreich – verhindern.

    Zu guter Letzt muss man sich noch eines vor Augen halten: CD Project haben designtechnisch gesehen “Balls of Steel”. Warum das? Weil sie einfach mal den kompletten zweiten Akt in doppelter Ausführung liefern. In welchem aktuellen Spiel gibts das noch?

  4. balkantoni

    Du übergehst die “Lodge of Sorceresses”. Das sind alle selbstbewusste, schlitzohrige, machtbewusste und intrigenspinnende Frauen, die JEDEN König in der Welt an der Nase herumführen – wären da nicht der Botschafter aus Nilfgaard, Letho und Geralt, die ihren Plot entlarven und – mehr oder weniger erfolgreich – verhindern.

    Zunächst: Ich hate Witcher nicht – ich hatte durchaus Spaß beim Spielen.

    Falls du aber die Lodge of Sorceresses meinst, deren Kontaktperson (Name vergessen) in der Zwergenstadt WIRKLICH BEI JEDER BEGEGNUNG in irgend einer neuen Variation von lesbischen sado-maso-Spielchen mit ihrer Auszubildenden verwickelt ist: Schlechtes Beispiel. Falls es die gleiche Lodge ist, deren Vertreterin einem bei der Jagd nach diesem Riesenmonster (Namen von beiden vergessen) und in ihrem Umgang mit Triss als stutenbissiger Archetyp der Zicke mit Riesenömmies, die man dank des gigantor-Dekoltees immer sehen kann, präsentiert wird UND dann noch ständig mit einem flirtet (das machen Frauen natürlich IMMER, wenn sie Männer treffen): Auch ein schlechtes Beispiel!

    Ich fand den einäugigen Elfen (Iorveth?) übrigens supergut geschrieben und im Spiel dargestellt: ein raubtierhafter, gefährlicher Motherfucker – ich hätte mir gewünscht, dass es mehr Figuren wie ohn gegeben hätte…

  5. Mnemonic

    Das hört sich ja nicht so pralle an! Wills mir aber noch irgendwann geben, wenn ichs fürn Zwanni irgendwo rumliegen sehe. War kurz davor westliche Rollenspiele an den Nagel zu hängen, bis ich jetzt mit Mass Effect 1 & 2 (wenn man da überhaupt von einem RPG reden kann) wieder Spaß dran gefunden habe. Tonez, du hast vollkommen recht damit, daß Biowarespiele tight sind. Sehr auf den Punkt gebracht. Nicht diese offene

    Mit Dragon Age tue ich mir trotzdem schwer, weils für mich soviel mehr nach pubatärer Scheiße riecht. Allein schon das ganze Blut und jede weibliche Person ist gut gebaut, egal welches Alter. Ich geb ihm aber trotzdem noch ne Chance, muss aber dafür in der Stimmung sein.

  6. balkantoni

    Mein Text hat ja eine sehr spezifische Perspektive: Ich würde an deiner Stelle Witcher 2 dennoch mal eine Chance geben. Es ist letztendlich – wie freshdaxx schon richtig sagt – im Design durchaus so ballsy wie es Bioware-Spiele nicht mehr sind und es macht trotz der Schwächen irgendwie auch Spaß. Witcher-Wiki sollte jedoch immer rechtzeitig ge-alt-tab-bt werden können! :)

  7. Mnemonic

    Erst mal wieder Internet haben dafür. Wie heißen denn überhaupt die Bücher hier bei uns? Vielleicht lese ich die Story vom Erstling dann besser nach. Mein PC ist zu schlecht für sowas.

  8. onkl

    Ja die Forführung der Romanze mit Triss war für mich auch der treibende Motivationsfaktor. Die ganze Königsmördersache fand ich dagegen reichlich uninteressant. Das kumpelhafte Gespräch mit dem König am Anfang war für mich nur bla blah und sein Tod ließ mich dementsprechend kalt.
    Dem Übel auf den Grund zu gehen war durch die Entführung von Triss auch nur eine Notwendigkeit. Aber immerhin habe sie meinem Geralt die Möglichkeit für diese Entscheidung gegeben und nicht nur “die Pflicht ruft”. Allerdings finde ich die Haupthandlung nicht packend genug um sie ein zweites mal zu spielen. Insofern kann ich zwar die komplett verschiedenen Wege würdigen aber davon profitieren tue ich letztendlich nicht.
    Roche kann in Sachen Coolness Iorveth auch so gar nicht das Wasser reichen.

  9. ranor

    Ich würde deinem Text wahrscheinlich zustimmen wenn ich denn The Witcher 2 länger als ein paar Stunden gespielt hätte. Aber der Einstieg ist schon so vermurkst (Wer? Wo? Was? Warum? – ich will doch nicht zu Beginn des Spiels schon unfassbar viele Seiten Kodex lesen) und die Steuerung auf der 360 so katastrophal (Hat Geralt auf dem PC auch kein spürbares Gewicht) das ich es nicht lange ausgehalten habe.

  10. Holmes

    Ich bin immer noch im ersten Akt, also vor dem Kampf gegen das Flussungeheuer. Wie schon Witcher 1 (EE) kommt bei dem Game die Motivation bei mir in Etappen (und aktuell ist eine Dürrephase). Das Spiel-/Kampfsystem im ersten Teil wurde ja oft kritisiert, sicher zu recht, aber das actionreiche des zweiten Teils ist auch nicht der Wahrheit letzter Schluss. Ich will echt nicht wissen, wie es vor der EE war, zumal es selbst jetzt (mit Joypad) immer noch gerne mal zickt (auf Konsole soll es smoother sein). Aber irgendwie mag ich es (noch), weil’s fies und tödlich ist.

    Zu den Frauengeschichten kann ich bisher nicht viel sagen das Kartensammeln ohne explizite Zwischensequenzen im ersten Teil fand ich aber gut gelöst. Hab leider nicht gewusst, dass man den Spielstand im Nachfolger importieren kann – warum keine Abfrage, wie man sich grundlegend entschieden hätte (vgl. Mass Effect 3)? So bin ich jetzt mit Triss zusammen, obwohl ich mich mit ihr ziemlich verkracht hatte im ersten Spiel.

    Zu Tonis Ausführungen, inwiefern Witcher 2 trotz gegenteiliger Bemühungen in Fantasy-Klischees tritt, kann ich noch nix sagen. Bei Teil 1 fand ich auffallend, dass in der Welt ziemlich viele bekannte Phantastikelemente verarbeitet wurden (Cthulhu, Artussage). Den Glossar in Teil 2 finde ich übrigens bisher schlechter als in Teil 1, wo auch schon vieles nicht völlig klar wurde. Deswegen aber dauernd Wikis wälzen – nö (Bücher kenne ich nicht).

    Was ich aber richtig gut fand bisher, waren König Foltest, der wie Colonel Kilgore abgeht, und aktuell, öh, geil, Namen vergessen. Na, der Spionn des Königs, der erst mal jedem, der ihm krumm kommt, eins aufs Maul geben will – herrlich! Da störe ich mich überhaupt nicht, dass recht viel geflucht wird (auf Deutsch wirkt es nicht übermäßig).

  11. balkantoni

    @ Ranor:

    Ganz so schlimm ist es nicht, aber der Hexer hat dafür eine erstaunliche Trägheit bei allen Drehungen – zunächst bewegt er sich ganz zäh, um dann unaufhaltsam wie eine Bowelingkugel fortzurollen.

    @ Holmes:

    Das mit Wiki-Lesen war gar nicht so schlimm, weil die meisten Hintergrundinfos ganz interessant waren – allerdings wird dem Spieler viel zu wenig geliefert. Im zweiten Akt spielt der Krieg zwischen Nilfgaard und einem anderen Königreiche eine wesentliche Rolle und man wird ständig mit Geschichten und Fakten aus dessen Schlachten und Verlauf, ohne wirklich irgendwas zu verstehen, geschweige denn das Ganze richtig verknüpfen zu können.

  12. turtur

    Ich muss schon wieder Widersprechen und mit Sword & Sorcery kommen!

    Das was du zu GRRM sagst stimmt aber. Der ASoIaF explizit als Gegenentwurf zu Williams und Tolkien angelegt hat. Da gibt es keine Helden, sondern nur Antihelden. Die in den weißen Mänteln sind die Bösen, die in den Schwarzen die Guten. Peinlich sind vor allem seine Sexfantasien, weil er da seine heimliche Fetische verarbeitet. Seine Ober-Mary-Sue, Daenerys, die gegen Sklaverei kämpft, ist 14 und bekommt nach der 3. Vergewaltigung so richtig Spaß am Sex. Weil Lesboliebesdienerinnen ihr den Spaß daran gezeigt haben. Pfui! Trotzdem gehts da um klassische Fantasy und den Konflikte Gut gegen Böse – nur mit bewusst umgekehrten Vorzeichen.

    Geralt ist Monsterjäger. Wie John Sinclair. Der killt für Gold. Bei dem gibs Action und natürlich fliegen alle Weiber auf ihn. Das ist bewusst so hirnrissig – so muss das auch sein.

    Die Kurzgeschichten fangen auch oft genauso verwirrend an wie die Spiele: Geralt steht um 12 Uhr (!) auf dem Marktplatz 20 Leuten umringen ihn und er führt ein Wortgefecht mit einem Widersacher von dem man noch nie was gehört hat. Close-Up auf seine Augen, die er zusammenkneift und dann gibs Geschnetzel. Und erst dann wird der Hintergrund erzählt.

    Geralt Stories sind oft so verwirrend, wie das W2 Tutorial – da gibs keinen großen Plan oder Hintergründe die man verstehen sollte. Das sind Abenteuer und Actiongeschichten über einen (Anti)-helden. Es geht nur um Geralt, niemals um die Welt! Nilfgard ist nicht wichtig.

    Witcher find ich diesbezüglich sehr ehrlich. Das ist kein gewollter Bruch nur um anders zu sein wie bei GRRM. Er zieht eben nach Osten (oder wars Westen?) weils da wo er gerade ist, keine Monster mehr gibt und keiner den Hexerjob mehr machen will.
    Es gibt keine groß durchdachte Welt, sondern immer wieder irgendwelche NoName Könige die eben nur deswegen da sind, damit Geralt rulen kann.

    Was ich am Setting gut und originell finde, sind die Grimmschen Anspielungen. Witcher ist im Kern Italo-Western mit starkem Märchen Einschlag. Die imbezilen Bauern gehören da bewusst zum Setting, sie sind auch nicht wichtig. Natürlich gibs auch ein paar Botschaften an den Leser. Aber die sind auf eine liebenswerte Weise eben nicht so prätentiös wie bei den typischen Fantasy Genrevertretern. Da wird einem keine Hochelfensprache reingedrückt. Geralt ist B.A. Baracus.

    Wer da mal einsteigen will, kann sich das Hörbuch “Der Verwunsche Ring” holen. Gibs bei Thalia für 5€ in der Grabbelkiste.

    Die Aussagen zum Spiel stimmen aber. Wobei man lobenswert erwähnen muss, dass CD Projekt den goldenen Mittelweg zwischen Bioware und Bethesda geht. Konsequenzen nimmt die Serie auch sehr ernst, viel ernster als das BW Spiele jemals taten. Die Dialoglastigkeit muss man natürlich mögen.

  13. balkantoni

    Bei aller Liebe, Turtur, aber für eine “bewusst pulpige” Italo-Western-Variante, die man gar nicht ernst nehmen / geschweige denn mit “ernster” Fantasy vergleichen kann, führen die Figuren viel zu viele und viel zu ausufernde Gespräche über die Politik ihrer Welt, die Haltung zu dieser Politik, Freiheit, die Liebe und jedem auch nur annähernd “prätentiösen” Thema.

    Mag sein, dass die Bücher deiner Beschreibung entsprechen – ich habe sie nicht gelesen. Das Spiel “Witcher 2″, aber, möchte gerne ernst genommen werden.

  14. turtur

    Das mag sein, bei mir liegts bei 30% angespielt rum, wei wegen PC crash Saves weg waren. Und der 1000GB Fanpatch mich abschreckt. Ich hab mit der Dialoglastigkeit ja noch versucht abzumildern und du hast ja den Vergleich zur Literatur gebracht.
    Aber man sollte sich auch beim Spielen nicht so dran stören, das es keinen großen Hintergrundlore gibt. Viele waren auch verschreckt, weil sie dachten man müsse den Vorgänger gespielt haben. Dann versteht man aber auch nicht mehr. Der in medias res Einstieg ist geradezu typisch.

  15. balkantoni

    Das kann sein – aber ab der Mitte des Spiels ist man echt gezwungen einiges nachzuschlagen, weil man sonst den wesentlichen Momenten der Handlung gar nicht mehr folgen kann. Die ist nämlich auf den Hintergründen der Witcher-Welt aufgetürmt.

  16. ranor

    Ich habe ja mittlerweile grundsätzlich was gegen solchen “lore dump” der für das eigentliche Spiel ja nicht nur keine Bedeutung hat sondern sich auch oft nicht mal wirklich in der Spielwelt widerspiegelt (die Elder Scrolls-Titel sind da ganz schlimme Beispiele) – leider machen das fast alle Fantasy-RPGs.

  17. balkantoni

    Ich bin ja ein Fan der Elder Scrolls-Lore und zieh’ mir immer alle Bücher rein, die ich im Spiel finde; abgesehen davon: egal, ob man Elder Scrolls mag oder nicht, im Spiel wird einem stets genug Wissen geliefert, um die grundlegende Story zu verstehen. Die Bücher und die Lore sind ein Extra für Neugierige wie mich. Bei Witcher 2 ist dies nicht der Fall. Ohne Wiki versteht man echt überhaupt nichts.

  18. Mnemonic

    Tonez, ich dachte, du hättest die Witcher Bücher gelesen. Nach deinen Kommentaren zu urteilen gehen die bei dir ja genausowenig wie die Game of Thrones-Bücher. Das Spiel werde ich ja auf jeden Fall spielen, kann momentan ganz gut Inhalte für Teenager ausblenden.

    Ich finde die Hintergrundsachen auch immer sehr fesselnd, gerade bei Mass Effect war ich da lange am stöbern. Ist natürlich nicht zwingend erforderlich, aber wenn man mal was übersehen hat, kann mans ja prima nachlesen. Gabs bei Fallout 3 überhaupt was zum lesen? Ich erinnere mich nicht.

  19. balkantoni

    Wenn es wirklich in den nächsten zehn Jahren einen cyberimplantatbeschleunigten Shadowrun-Niedergang der Menscheit geben sollte: ICH WERDE STREET-SAMURAI!

    (Aule kann gerne Zauberer sein. Und Marc Schamane. Haha!)

  20. Phinphins.de

    Also ganz ehrlich
    An der Sexdarstellung hab ich nichts auszusetzen. Sehe da jetzt keinen übertriebenen Unterschied zu meinem Sexleben. (Die Huren mal abgesehen)

  21. turtur

    Wir sind schon längst im Cyberpunkzeitalter!

    Ich freu mich aber trotzdem auf Bunte Haare, dicke Wummen und zahlreiche Blau- und Gelbfilter. Aber ob CD Projekt Totschiessspiele machen kann?

  22. balkantoni

    Schon immer, oder wurde gog nicht zulezt aufgekauft? Ich google jetzt nicht, da ich zu einer Hochzeit muss und mir bei youtube gerade nochmals Anleitungen zum Krawattenbinden anschauen muss.

  23. balkantoni

    Nein, der Knoten ist zu mächtig. Ich versuche diesen hier:

    Wie halten das manche Männer bloß aus? Ich würde jeden morgen voller Angst, den Knoten zu versauen und mich dann zur Arbeit zu verspäten aufwachen!

  24. samsstuff

    Ki-adept

    waer sehr geil wenn mal ein cyberpunk spiel mit einem staerker an SR angelehnten szenario kommen wuerde. das bild von CD sieht schon nicht schlecht aus.
    deus ex macht spass kann das aber m.m.n. nicht richtig einfangen.

    Krawatten binde ich so:

    Zum glueck nur selten.

  25. balkantoni

    Ich mag das ursprüngliche High-Fantasy-Cover etwas mehr – dies aber vornehmlich aus sentimentalen Gründen. Schau:

    Cover

  26. turtur

    Es kann nie genug Cyberpunk geben und “Keine Magie – Kein Toni!” Geht aber nicht zusammen. Magie gehört da gar nicht rein!

    Aus der Abteilung Smalltalkwissen für Nerds, die ursprüngliche Definition von Cyberpunk:

    “The kids who trashed my computer; their kids were going to be Holy Terrors, combining the ethical vacuity of teenagers with a technical fluency we adults could only guess at. Further, the parents and other adult authority figures of the early 21st Century were going to be terribly ill-equipped to deal with the first generation of teenagers who grew up truly “speaking computer.””

    http://www.brucebethke.com/articles/re_cp.html

    Lulzsec, Piraten und Anonymous sind die sprichwörtliche Definition.

  27. balkantoni

    Dennoch muss angemerkt werden: Der Schrebengarten-Konservatismus von Turturs “so-war’s-gemeint”-Definitionsgepluster will halt überhaupt und gar nicht mit Cyberpunk als anarchischer Rabauken-Sci-Fi zusammenkommen.

    Davon abgesehen: Durch Magie wird alles besser. Ich wünsche mir, wir hätten an der Schule eine Zauberin statt der schrecklichen, mountainbikenden Sozialarbeiterin!

    Nebst Slacklining, Longboarding, Capoeira, Langstreckenlauf und Klettern ist Mountainbiking ein absolut verdammenswerter Dreckssport.

  28. turtur

    Ich habe keine großte Theorie postuliert – nur hinweisend den Ursprung des Begriffs erwähnt. Obs dabei darum geht dem Spießernachbarn auf den Rasen zu pissen, oder dass man sich darüber aufregt, dass die Scheißblagen nichtmal “Rasen betreten” Schilder beachten können, darf jeder selbst für sich zusammenpuzzeln.

    Man kann das Genre auch phänotypisch beurteilen. Zaubernde Türstehertrolle die Bilderberger jagen sind aber nunmal nicht genretypisch. Shadowrun hin oder her.

    Der Schrebergärtner bist doch du hier. Erst Streetsam sein wollen und dann jammern wenn festhält das eigentlich der Wunsch dahinter steckt, Saalschutz bei den Piraten machen zu wollen ;)

    Ich find aber auch das ok, weil Cyberpunk eben vor allem infantile Machtphantasien bedient, wie zum größtenteil die Fantasy auch. Leute mit bunten Haaren geigen den Illuminaten mal richtig die Meinung. Fremdschämig – aber das macht ja gerade Spaß daran.

    Man weiß das es Quatsch ist, aber eine große Spaßquelle von Computerspielen ist doch gerade die, das Gefühl der Verwegenheit der Jugend nachemfpinden zu wollen. .Das ist schon absolut ok so. Gunz, Boobz, Laserkrieg und Schwerter der Verdammnis + 5. usw.

  29. Pingback: Interview mit den Oniken-Machern | Danilo Dias (Teil 1) « These nerds
  30. Pingback: Interview mit den Oniken-Machern | Danilo Dias (Teil 2) « These nerds
  31. Pingback: Feldpost #2 | These nerds
  32. Pingback: A Look back at nuttin’ but Steilness | These nerds

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s