Gamestar rehabilitiert sich (nicht): Teil 1

Die Gamestar und mit, das ist die intensive Liebesbeziehung zwischen einem muskulös-athletischen Jüngling (=ich) und einer drallen, alten Matrone (=Gamestar).  Wir hassen und lieben und zugleich. Vor Freunden beschimpfe ich sie, habe keine Hemmungen, Intimitäten vor anderen zu entblößen, um sie zu verletzen, aber einmal im Monat kommen wir zusammen und verbirngen eine halbe Stunde mit Erinnerungen und Muße. Der Hass kommt dann später, wenn ich Zeit zu reflektieren habe! Dann sage ich wie Iwan Gontscharow: Diese Beziehung macht mich kaputt, ich verlasse sie doch immer wieder “unrasiert, blaß und mager”! Wieso kann ich mich ihr nicht entziehen? Wieso kaufe ich die Gamestar doch jeden Monat? Wieso versuche ich nicht mal bei der dümmlichen Klapperscheuche GEE zu scoren?

Ich weiß es nun: Es ist die liebenswerte Mischung aus Naivität, Unprätenziösität, Zugänglichkeit und Authentizität, die ich an der Gamestar mag. Da wo sie scheiße ist, ist sie zumindest auf eine aufrichtige und transparente Art scheiße. Werde ich jemals meinen Frieden mit ihr finden? Ich weiß es nicht. Wenn ich solche Artikel lese, will ich es fast glauben:

http://www.gamestar.de/kolumnen/2310352/modern_warfare_2_killt_die_spielekultur.html

Ich könnte so vieles anfachten, doch stets nur in semantischer Haarspalterei. Eigentlich stimme ich der Grundaussage zu. Ich finde den Text sympatisch.Es ist stärker als ich.

(Okay: Ich nehme ALLES zurück. Der Text ist panne²³. Ich sollte nicht mehr an Tagen schreiben, an denen ich entspannt, glücklich und zufrieden bin. Da kommt nichts Vernünftiges ‘raus. Allerdings finde ich die Diskussion im Comment-Teil überraschend befriedigend, insbesondere wenn man bedenkt, dass ich da den Hintern versohlt bekomme.)

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108 Kommentare

  1. Ben

    “Es fehlt eine emotionale Reaktion des Spielcharakters, alle Reflektion liegt bei der Person vor dem Bildschirm.”

    Sorry, aber muss ich nach diesem Satz den Rest des Gamestar-Artikels noch weiter lesen? Das tut weh, so unendlich weh… das Spiel muss mir Relexion also vorkauen, weil ich unmündiges Dummkind das nicht in Eigenregie lösen darf.

    Verdammt, verteitige ich da grade Modern Warfare? Aufgrund von Hörensagen zu argumentieren funktioniert nicht so gut. Aber wenn sich die Szene so darstellt wie dort geschildert, könnte es bei mir als extrem mutig durchgehen, eben keinen Unterschied zwischen dem Ballern auf “Zivilisten” hier und dem Ballern auf “Soldaten” im Rest des Spieles zu machen.

  2. Aulbath

    Wieso findest du den Text sympathisch? Ich finde es heuchlerisch, billig und total daneben.

    “Man muss diese Szene übrigens nicht spielen, sie lässt sich überspringen. Aber wer lässt sich schon freiwillig einen ganzen Abschnitt eines ohnehin sehr kurzen und teuren Stücks digitaler Unterhaltung entgehen?”

    Das ist doch an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.

    Schön ebenfalls:

    “Das liegt vor allem am kompromisslosen Ernst der Umsetzung. Hier gibt es keine übertriebenen Physik-Effekte wie in GTA 4, keine trockenen Sprüche wie in Borderlands, keinen ironischen Unterton wie in Fallout 3″

    Um Mal Hagen Rethers zu zitieren: Geht’s noch?

    Ich persönlich befürworte diese Szene. Aus mehrerlei Gründen. Erstens; sie zeigt wunderbar die Doppelmoral bzw. das berühmte “mit zweierlei Maß messen” die mit dem Thema “Gewalt” einhergeht. Die Kommentare der “Empörten” sind wirklich lustig… Stichwort: “Jetzt hilft man schon den Terroristen”. Da hat die Politik ja ganze Arbeit geleistet. Mich hätten die Reaktionen interessiert wenn es ein Flughafen voll Araber gewesen wäre, und man selbst als US Marine dort hätte aufräumen müssen. Das ist dann gut und richtig. Weil, sind ja “die Bösen”.

    Ich möchte auch nicht wissen wieivele Arschgeigen bei GTA lustig Leute umgefahren haben, aber jetzt ganz erschrocken tun. Aber halt, GTA ist ja Satire. Da ist Unmenschlichkeit und Geschmacklosigkeit zur Unterhaltung erlaubt. Und das ist außerdem auch von der Spielzeit her lang genug. Das passt. Da stimmt Preis/Leistung.

    Schlußendlich bin ich sogar der Meinung das diese Seite von “Krieg” in den Fokus rücken sollte (wenn man dererlei Kram irgendwie in den Fokus rücken sollte zur “Unterhaltung”). Vielleicht ist dies bloss der Anfang zu den berühmt berüchtigten “Erwachsenen”-Inhalten. Ich für meinen Teil bin sehr froh das COD da keinerlei Wertvorstellung vorgibt und den Spieler reinschmeisst ohne zu sagen das ist gut oder schlecht was du gerade machst. So denkt vielleicht der eine oder andere kurz nach was er sonst so spielt… wenn ich mir die Kommentare dort aber so durchlese haben die wenigstens irgendwas verstanden.

    Und dann gibt’s auch noch keine dedicated server mehr in der PC Version! Oh, the humanity…

  3. balkantoni

    Hey, das ist eben die von mir erwähnte transparente Dummheit der Gamestar: Ein Spiel “killt die Spielekultur”, weil der Spieler selbst nachdenken muss – so funktioniert nämlich Kultur, durch Rezeption und Auswendiglernen (das ist ja vor-leninistisch)!

    Aber: Ich lasse die üblichen Gamestar-Blödheiten einfach unbeachtet und erfreue mich am gutbürgerlichen Aufstand der Anständigen. Auch wenn sie es an manchen Stellen dumm und ungeschickt ausdrücken, so stimme ich ihnen immer noch im Prinzipiellen zu: Modern Warfare 2 ist Dreck, bei dem Faschistoides unterhalten soll. Diese Haltung ist mir sympathisch (echt!) und ich rege mich nicht so auf – mein Arzt hat gesagt, ich müsse mich in dieser Hinsicht zügeln.

  4. Aulbath

    Der Gutbürger müsste aber mit den Schachteln der Kriegsspielen der letzten 20 Jahre verprügelt werden.

    Der Gutbürger befürtwortet die faschistoide Unterhaltung, solange sie ins persönliche Gut/Böse Schema passt. Das hat IMO mit anständig nichts zu tun, sonder deutet auf ein sehr simples Weltbild hin. Ich kann nicht auf der einen Seite COD verdammen, auf der anderen Seite aber kein Problem mit COD haben wenn diese Szene nicht enthalten wäre. Und die Mehrzahl der Kommentare läuft ja darauf hinaus…

    Keiner der “Anständigen” hat irgendwas begriffen. Das finde ich persönlich unendlich bedenklich. Das war ja bereits bei den “Stasi 2.0″-Vorschlägen und den dazugehörigen Diskussionen zu sehen. Für ein bisschen heile Welt bitte das Gehirn vorne links abgeben. Danke.

  5. balkantoni

    @ Aulbath: Du hast in jeder Hinsicht recht, natürlich, ABER: Modern Warfare 2 ist in der Tat nur gut, weil es unbeabsichtigt den ganzen Spielen, die irgend eine bizarre, verbogene Ausrede für ihre Gewalt (GTA) finden, die Larve vom Gesicht reißt. Das ist – für uns – Kollateralschaden in dem Mikrokosmos der Gewaltpornografie, das verleiht dem Spiel ja noch keinen Wert. Witzig ist natürlich, die ebenso gutbürgerliche Heuchlerei der Gamestar, die Gewaltspiele nur kritisieren kann, wenn ihnen das entsprechende Spiel gar keine Wahl lässt: wenn also die Kalkulation des Effekts, die Bösartigkeit der Inszenierung, die Dummheit der Designer-Ausreden selbst für die hehre Redaktion zu offensichtlich sind. Aber DASS sie sich mal zur Kritik aufraffen, dass sie überhaupt mal wagen, mehr als die Zensur-ist-bös’-Pose zu zeigen, ist IMO schon ein Fortschritt.

    Oder findet ihr, dass ich jetzt zu milde bin? Ehrliche Frage!

  6. balkantoni

    “Ich kann nicht auf der einen Seite COD verdammen, auf der anderen Seite aber kein Problem mit COD haben wenn diese Szene nicht enthalten wäre. Und die Mehrzahl der Kommentare läuft ja darauf hinaus…”

    Ok, ja, ich sehe langsam ein, dass es tatsächlich immer schwieriger wird, die Gamestar zu verteidigen – was ist nur los mit mir? Too much Altersmilde?

  7. epospecht

    zu allem übel ist dieser Schrieb noch eine fast wörtliche Kopie der 4players Kolumne (auch nicht sympathischer der Haufen, aber sie waren zuerst^^)

    http://www.4players.de/4players.php/kommentar/Spielkultur/1986328/0/index.html

    Zur Cod-Problematik:

    Eines der Spiele die mich wieder gewahr werden lassen warum ich Games und deren Umfeld verabscheue und ich mich immer und immer wieder fragen muss warum mich dieses Thema überhaupt noch belangt. Hach….
    Und am Ende spielt man weiter….

    ein wie ich finde guter Kommentar von Kajetan zum Thema:

    “CoD ist nichts weiter als ein Lebensabschnittspiel, das mit Voranschreiten der Jahre und einer (hoffentlich erfolgenden) größeren Lebenserfahrung schnell langweilig wird. Von daher sollte man die Aufregung im Keller lassen und diesen ganz gezielt provoziertem Generationenkonflikt nicht noch mehr Aufmerksamkeit schenken, als er eh schon bekommt.”

    trifft es ganz gut…

  8. Aulbath

    Du gibst dir die Antwort schon selbst. Wenn die GS Eier gehabt hätte, dann hätten Sie die Szene analysiert wie man einen Film oder en Kunstwerk analysiert. Man kann beispielsweise Roger Corman’s The Deathrace 2000 als Trash-Film abtun, oder aber als gesellschaftskritisches Kunstwerk. Oder auch Romero’s Dawn of the Dead oder die berühmte Szene aus “der andalusische Hund”. Es kommt auf den Standpunkt und die Begründing an. Und hier versagt man vollständig. Die Gamestar hat es sich einfach gemacht (wahrscheinlich um die meisten Leser nicht zu iritieren) und ist auf den “sinnlose Gewalt”-Zug aufgesprungen. Das ist aber keine kritische Auseinandersetzung, das ist pure Feigheit. Und einfach ein Armutszeugnis, denn am Ende des Tages unterscheidet man sich so auch nicht von denen die Einfach rigoroser den Ban-Hammer schwingen (wollen).

    Was die Gamestar fordert ist weiterhin die Schießbude, mit klarer Gut-Böse Trennung. Und das kann ich und will ich auch einfach nicht befürworten. So kommen wir nie zu den “erwachsenen” Inhalten die eben auch Graubereiche abdecken, und zur Selbstreflexion zwingen (sollten) kein Stück näher. Man kann da am Schluß auch so schlecht Prozentwertungen und Kreisdiagramme drunter klatschen.

  9. Ben

    Ein Fortschritt wäre es dann, wenn es um die Inhalte ginge. Aber der Text argumentiert ja primär aus der Perspektive heraus, die Terroristenszene könne in Fernsehberichten gegen die ehrlichen Spieler verwendet werden, die solchen “Schund” ja gar nicht bräuchten um sich zu unterhalten. Infinity Ward zwinge den armen, unmündigen Spielern etwas auf, das sie gar nicht wollen aber irgendwie trotzdem kaufen müssen.

    Nichts gelernt, gar nichts. Im Gegenteil.

    Ich vermute ebenfalls, dass eine interessante Szene nicht ausreicht um den Rest eines klinisch reinen Ballerspieles zu konterkarieren, aber für einen Triple-A-Titel wie Modern Warfare 2 ist es schon bemerkenswert wenn sie sich überhaupt trauen, dem Spieler eine Interpretation zu überlassen. Anstatt das herauszustellen unterstreicht man eigentlich nur, dass man als selbsternannte Spiele-Profis weniger Fähigkeiten hat mit dem Medium umzugehen, als die FSK.

  10. balkantoni

    Aulbath (& Ben), du (ihr) hast immer noch recht – und ich finde die Beweislage gegen die GS immer erdrückender. Jetzt stellt sich für mich natürlich die Frage: Wie beschissen muss ich die GS finden, um diesen Text als etwas Positives, als etwas, das meine Ethik anspricht zu verstehen? Krass, oder?

    Interessant finde ich dein Argument mit dem Vermeidenwollen einer Fanbase-Verärgerung: Natürlich müssen Gewalt und Gore als solche verteidigt werden, denn die Leserschaft besteht zu einem wesentlichen Teil aus verpickelten Trotteln. Da kann man nicht guns-a-blazin’ abgehen und Fragen: Wieso ist Gewalt bitte legitim(er), wenn wie bei GTA übertriebene Gewalt-Effekte vorkommen? Den Satz hatte ich beim Lesen vollkommen in meinem Wohlwollen ausgeblendet, aber man muss sich mal überlegen, was für eine totale Idiotie das ist: Wenn es bei “Ethnic Cleansing” also irgend eine Form der Übertreibung gäbe, wäre das Spiel nicht mehr ganz so rassistisch und indiskutabel? Was war mit diesen Leuten denn bloß los, als sie den Artikel geschrieben haben?

    Ein Erklärungsversuch meiner zunächst milden Reaktion: Ich bin es inzwischen gewohnt in der GS ausschließlich allerdämlichste Grütze zu lesen, so dass selbst die geringste Übereinstimmung zwischen meiner eigenen Meinung und jender der GS unproportioniert verwertet wird. Viel zu wohlwollend jedenfalls, denn der Text ist ja total Panne. Krass. Ich schäme mich.

  11. Ben

    Ja, Toni, das ist Evil… weil die Motivation der Gamestar es zu “versuchen” nur die ist, weiter artig Pixel erschiessen zu dürfen ohne darüber nachdenken zu müssen.

  12. balkantoni

    Siehe meinen Edit im Haupttext. In tiefer Scham: Euer Toni.

    Um die Diskussion aber nicht verebben zu lassen: Wieso haben Kane & Lynch kein butt-spanking bekommen? Ich erinnere an die Disko-Szene bei der Tod Unschuldiger nicht zu vermeiden war? Übertriebene Physikeffekte? Da war man ja auch als Figur überhaupt nicht der positiv konnotierte dazwischengeratene good guy. Ich verstehe es nicht! Bzw. Ich verstehe es sehr gut, will aber eure Meinungen hören.

  13. epospecht

    Nochmal ich…

    Cod nimmt doch Gewalt überhaupt nicht aus dem Kontext des Anständigen. Diese Terroristenszene ist doch moralisch legitimiert. Man spielt doch einen Geheimagenten der sich bei den bösen Russen die dieses Attentat ausführen, einschleichen muss und nur aufgrund dessen nicht eingreift. Also nichts anderes als dieses unsägliche “Opfere 10 um Tausende zu retten” Gehabe.

    Zumal das Schlimme an Cod ja nicht die Szene an sich ist sondern das Kalkül mit dem ein Hersteller solche Szenen nur zu dem Zweck der Medienpräsenz einbaut. Und immer nur in kleinen, bekömmlichen Dosen (im Vorgänger war es die “Erschießen im Schlaf”-Szene). Das Ganze dann als Grausamkeit des Krieges anzupreisen ist einfach widerwärtig heuchlerisch.

    Und fast noch schlimmer ist die Erkenntnis dass du heutzutage in Spielen scheinbar immer heftigere Schockmomente benötigst um den Spieler bei Laune zu halten. Cod an sich ist ja schon Egoshooter auf Speed, nun musst du dem Spieler auch noch alle naselang eine Line legen damit er nicht vom Trip runterkommt.
    Dass sich der Hersteller und seine Zunft dabei kannibalisiert scheint er ohne Gewissensbisse in Kauf zu nehmen. Denn er bereitet hier eine Einbahnstraße der Schauwerte, an deren Ende der typische Spieler nie mehr die Geduld längerer Zwischensequenzen, langsamer Schnitte, atmosphärischer Entspannungsmomente oder das Lesen von längeren Texten erbringen wird. Und am Ende regt sich die Branche dann auf dass Spiele dutzende Millionen kosten und das Geld nicht mehr reinkommt.

  14. Aulbath

    Um’s Abzuschließen ein Kommentar von 4-Players:

    “Da wollten sie unbedingt nochmal ein bisschen Aufmerksamkeit vor Release bekommen.
    Dieser Schund kommt mir nicht ins Haus. Wobei mein Hauptkritikpunkt nicht diese unnötige Mission, sondern der verkorkste MP ist.”

    Es ist noch ein verdammt langer Weg…

  15. balkantoni

    @ Epo: Zustimmung. Am allerinteressantesten finde ich es, wenn von Designerseite dieses “man muss ja nicht mitmachen”-Argument kommt. Es ist so, als wüssten diese Leute überhaupt nichts von ihrem Medium und dessen Konditionierungsmechanismen – ein Spieler wird doch zunächst einmal mitmachen wollen, wenn er es bloß kann. Das ist die besonderheit des Mediums – die tolle Illusion einer besonderen Eingriffsmöglichkeit. Hm, hm – da finde ich ja “Manhunt” deutlich anständiger.

  16. Aulbath

    @Toni: Die Legitmation von Kane & Lynch = bad-assery

    Auch denke ich waren bei Kane & Lynch die investierten Gelder (siehe Gamespot) so hoch, das es dort einfach keine kritische Diskussion geben durfte… und konnte.

    Zusätzlich gehört es ja eher so in eine Schmuddelecke mit Manhunt und Co. die ja von seriösen Reviewern oft ausgelassen wird. Kann mich jedenfalls nicht erinnern zu eben diesen Spielen kontroverse Gewaltmeinungen gehört zu haben… entweder war es halt violence is teh evil oder ein totschweigen. Es gibt kein dazwischen (warum auch immer).

    @epospecht: Das Thema der “Schauwerte” ist aber in allen Medien recht krass. Filme wie SAW oder Hostel gab es in der Form in den 90ern im Mainstream-Kino ja mal überhaupt nicht. Heute ist das Popcorn-Unterhaltung.

  17. balkantoni

    @ Aulbath: In der Tat – was noch im Fall von K&L hinzukommt war dieses “die Gewalt passt zum Szenario”-Sophismus. Aber das tut sie ja auch bei COD, schließlich hat man es mit Terroristen zu tun. Hier ist natürlich IO auch die wesentlich coolere Crew als Infinity Ward, weil sie sich keine Mühe geben, die Gewalt irgendwie zu legitimieren: K&L ist halt unapologetische Unterhaltung bei der es um Inszenierung und die besagte bad-assery geht (und diese ist wie immer bei IO so unglaublich Peckinpah-gut), aber auch zum Schluss hin IMO sehr effektiv auch die ethischen Fragen, die man sich als Spieler während des Spielens stellen MUSS, aufgegriffen werden. Das ist so elegant und man kann auch auf ein Empörung durchaus verzichten. Ebenso legitim finde ich auch astreine Exploitation wie “Manhunt” – Spiele bei denen Gewalt ausschließlich effektiv und unterhaltsam sein soll. Rockstar kündigten ihr Spiel ja bereits in der Werbekampagne als “urban sadism” (oder so) an, es gab nie einen prätentiösen COD-Versuch die Gewalt zu verkleiden und es war klar: dies wird ein Spiel für die Schmuddelecke und die ganz krumme Kundschaft, die vor 20 Jahren halt nur Giallo-Filme geschaut hätte. Was gibt es denn da zu diskutieren? Die einzige ethische Frage muss eben zwischen Spieler und Spiel ausgefochten werden: Macht mir so was Spaß und wieso? Es ist diese Selektivität der Empörung, die mich so wahnsinnig macht!

  18. Ben

    @epo:
    Natürlich bricht COD das Gut/Böse-Schema nicht prinzipiell. Ich habe die Szene nicht gespielt, darum ist präzise Argumentation schwierig… aber es ist schon bezeichnend dass so etwas schon dann zum Politikum wird, wenn es (oberflächlich) eine kognitive Interaktion des Spielers fordert und die Gut/Böse-Ausrede für eine Zehntelsekunde in Frage stellt.
    Aber es stimmt schon, wenn man wirklich etwas gewollt hätte, wäre man dort nicht der arme, unschuldige Undercoveragent.

    Was andere Spiele angeht, keine Ahnung. Ich sehe keinen signifikanten Unterschied zwischen der erwähnten Kane&Lynch-Szene oder dem gesamten Spielablauf von GTA(1-4).

  19. balkantoni

    Den Unterschied sehe ich da im “comic releif” – das eine Spiel nimmt sich halt etwas ernster. Ich will das jetzt aber nicht aufbauschen – es ist bloß so, dass ich mit diesem Rockstar-Humor noch nie etwas anfangen konnte.

  20. Ben

    Ich habe inzwischen übrigens ein echt schlechtes Gewissen dass ich drüber nachdenke, mir das Spiel für den Multiplayer und zum Zwecke der Singleplayer-Demontage zuzulegen.
    Die 0-8-15 Multiplayer-Rechtfertigung, das Pixel-Erschiessen sein eher Sport als “Tötungssimulation” ist zwar zutreffend, aber auch reichlich beschämend. Den Singleplayer zu demontieren dürfte auch nur mäßig anspruchsvoll sein.

  21. balkantoni

    Wo ist dieser Kaliban, wenn man ihn braucht? Der soll uns mal erzählen wie man in der Redaktion mit solchen Themen sonst umgeht! Das würde mich wirklich interessieren: Gibt es da einen Konsens?

  22. balkantoni

    @ Ben: Ich habe ein Problem mit der Sport-Vokabel, aber egal – ich weiß, worauf du hinauswillst. Was den SP angeht: Wie Epo bemerkte, flowt der COD-SP ja enorm und macht sehr viel Spaß, solange man sich nicht mit seinen Inhalten und Implikationen auseinandersetzt. Das Äquivalent eines Dates, das ein Freund hatte: Das Mädchen war wohl sehr hübsch, entpuppte sich dann aber als überzeugte und tätowierte Schwarze-Sonne-Rassistin. Da hat er halt aufs Scoren verzichtet, auch wenn er sie “als Däne” wohl interessiert hat.

  23. epospecht

    @ Ben: Genau das Problem hab ich auch. Ich will das Spiel im SP spielen um zu sehen wohin Spiele definitiv nicht hingehen sollten (von der Spielmechanik) will dieses Pack aber nicht unterstützen. Videothek fällt dank Steam-Pflicht ja leider aus…
    werd ichs wohl bei nem Kumpel anspielen müssen.

    Zu den Schauwerten:

    Ja, war vor einiger Zeit in dem neuen Final Destination Teil (um zu sehen wie 3D mit echten Schauspielern funktioniert… mäßig aber das ist ein anderes Thema) und war echt schockiert wie inzwischen Gewalt als Spaßevent zelebriert wird. Bei jeder albernen Tötungsszene wurde im Kino applaudiert. Ich war selten so ohnmächtig wütend und konsterniert als ich aus dem Kino kam. Dabei habe ich wahrlich nichts gegen explizite und ausufernde Gewalt aber sadistisches Fleischzerplatzen als Selbstzweck ist widerlich. Wir sind schon unglaublich dekadent geworden…

  24. balkantoni

    Das habe ich letztens bei “Inglorious Basterds” ähnlich empfunden, wo das Publikum sich insbesondere am Sadismus erfreuen konnte. Ich war aufrichtig schockiert und hatte lauter solche Gedanken wie “dies Penner sollten mal echte Gewalt erfahren, dann würden sie nicht mehr so johlen”. Wie eine alte Spassbremse halt.

  25. Ben

    Tarantio ist eh so ein Thema für sich. Coole Typen, coole Sprüche, coole Gewalt, Film vorbei. Die Cohen Brothers bekommen den Umgang mit ganz ähnlichen Szenarien deutlich kritischer hin.

    Es scheint einen medialen Konsens zu geben: Unterhaltung rechtfertigt alles. Ethische Fragen stellt man sich erst dann, wenn sie einem durch einen Einzelfall direkt ins Gesicht getackert werden, blendet sie auf einer Grundsatzebene aber weiterhin konsequent aus.

    Ist aber schon verrückt dass Gewalt in einer Gesellschaft, in der sie zunehmend an physischer Realität verliert, an medialer Realität gewinnt. Mehr als kulturpessimistische Bemerkungen fallen mir da nicht zu ein und schon gar keine sinvolle Lösung des Dilemmas. Sich dessen Bewusst zu sein ist letztlich nur für das eigene Gewissen gut.

  26. marc

    Wie seltsam, mein jugoslavischer Bruder. Ich habe heute früh zufällig den selben Text gelesen und meine erste Reaktion war genau die gleiche wie deine. Dann habe ich ihn noch einmal gelesen und ich habe mich für mein “Ja, recht haben Sie!” geschämt.

  27. balkantoni

    @ Ben: Absolute Zustimmung – es findet eine seltsame Scherenbewegung statt. Einhergehend mit der Stilisierung der Gewalt zum Bestandteil eines jungen Lebensgefühls, der Pejorisierung des Begriffs “Opfer” zum Schimpfwort, empört man sich andererseits immer stärker über unspaßige, reale Gewaltfälle. Amokläufe werden zum Alltag erklärt, verprügelte Rentner zu Helden des Anstands glorifiziert, es ist so bizarr.

    @ Marc: Wir sind halt brothers in crime!

  28. HomiSite

    (Vorerst?) nicht konkret zur GS und ähnlich gelagerten Kolumnen (ich “liebe” immer diese stiefmütterlich ausgelagerte Meinungen), sondern zu Gewalt an sich: Es klang hier zuletzt so, als ob Gewaltdarstellung nie der Unterhaltung dienen dürfe, was ich nicht unterschreibe; schon in den 80ern gab’s doch die Fun-Slasher/Splattermovies. Aber es stimmt natürlich, dass Gewalt sich stark ausbreitet. Insofern schon Dekadenz wie im Alten Rom? Und natürlich Bens Hinweis, dass Gewalt in unserem Lebensalltag flöten geht und damit seine Mahnkraft verliert. Hm, ich labere gerade, merke ich. Also, wenn Gewalt nicht ernst und selbstzweckhaft präsentiert wird (weswegen Torture Porns so sucken), kann ich damit leben. Solange es Filme gibt wie Sympathy for Mr. Vengeance oder Audition. Nur im Spielesektor scheint’s so was noch nicht zu geben. Womit wir wieder bei Narration und so sind.

    PS: Ich kaufe mir morgen wahrscheinlich MW2, einfach weil der MP in CoD4 brilliant ist.

  29. killyu

    @balkantoni
    Würde ich nicht sagen. Allein schon weil die Aussage impliziert, dass Miikes Filmschaffen ein homogenes ist – was es nicht sein kann, liest man nur mal kurz über seine Filmografie rüber. Total überdrehten und exploitativen Sachen wie Dead or Alive stehen eher leise Filme wie The Bird People in China gegenüber. Kann aber auch daran liegen, dass Miike in erster Linie Auftragsregisseur ist und des-

    Bin ja schon still.

    Aber gerade Audition ist ein schlechtes Beweisstück, um einen Gewaltporno-Vorwurf zu bekräftigen, da die Gewalt nicht Mittelpunkt des Films ist.

  30. Ben

    Hmmm, Miike würde ich auch so einschätzen: Grade in Audition untergräbt die Gewaltdarstellung die potenziellen Stärken des Filmes durch billige Pseudo-Provokation (vermutlich um auf dem Videomarkt als “Geheimtipp” zu punkten). Dass das Mädel extrem irre ist, weiss ich auch ohne dass die Kamera mitten auf die Körperteile hält. Meh.

  31. HomiSite

    Miike sollte man in der Tat nicht auf irgendein Image festlegen; der Typ dreht so viele und verschiedene Filme pro Jahr. Man, selbst im tollen weil zügellosen Dead or Alive gab’s einen ernsten Plot. Klar hätte man Audition vielleicht auch ohne Drastik bringen können, doch schließlich ist das Rad der Gewaltdarstellung in den letzten Jahren unwiderruflich weitergedreht worden. Und sooo visuell brutal ist Audition ja gar nicht, da spielt der Kopf viel rein. Zumindest erging es mir so, als ich den Film im Fernsehen (!) sah und echt gebannt/geschockt da saß.

    Der Alltag ist sicher nicht gewaltlos, ich hatte beim Schreiben auch an die Debatten um (angeblich?) steigende Jugendgewalt gedacht. Aber auf größerer Ebene ist unser Leben friedlich.

    PS: Der Eurogamer.de-Test zu MW2 widmet einen Absatz in bekannter Manier der Flughafenszene, Eurogamer.net hängt den ganzen Tast daran und am “Videospiel-sein” auf. Meinungen?

  32. Ben

    Eurogamer.net hat einfach die besseren Leute. Klar, über weite Strecken ein “normaler” Test, aber zwischendurch ein paar kluge Bemerkungen zum Genre.

    Zur angeblich steigenden Jugendgewalt stand kürzlich was erhellendes bei Spreeblick. Zumindest die Kriminalitätsstatistiken sagen das genaue Gegenteil.
    Daraus kann man vorsichtig folgern: Katastrophale Auswirkungen haben Saw und Counter-Strike eher nicht, zumindest nicht nach dem beliebten Reiz-Reaktions-Schema.

    Die Leute fühlen sich aber zunehmend bedroht. Sei es der “internationale Terrorismus” oder der alte Herr auf der Parkbank, der bestimmt pädophil ist. Kann man sicher drüber streiten in wieweit hier Realität in den Medien lediglich wiedergespiegelt wird, oder ob sie diese Realität durch ihre Darstellung maßgeblich prägen.

  33. balkantoni

    Eurogamer-Wisdom:

    “Die Grafik hat nur einen kleinen Schritt nach vorne gemacht. Knackigere Texturen, mehr Details und ein paar neue Grafik-Effekte.”

  34. Gerd

    Bei Destructoid wurde das Ganze auch schon durchgekaut:

    http://www.destructoid.com/why-i-can-t-support-modern-warfare-2-153769.phtml

    vs.

    http://www.destructoid.com/why-i-will-support-modern-warfare-2-153852.phtml

    “It’s all about choice, and Infinity Ward has put a very brutal choice in front of the player. Do we carry out our objectives so realistically that we murder innocents, or do we do the bare minimum and hope to get out of it by the skin of our teeth? Whether you join in the slaughter, or simply stand by and watch, you’re damned either way.

    [...]

    Games don’t need examples from Hollywood to justify their own content. Games need examples from their own medium, and for such examples to exist, we need things like the “airport scene” from Modern Warfare 2 to happen.”

  35. Gerd

    Täusche ich mich eigentlich oder ist das letztendlich eine aufgewärmte und “total krassere” Version der Diskussion die es vor ein paar Jahren gab, als man sich entscheiden musste ob man am Anfang von Splinter Cell (welcher Teil?) die Geisel erschießt oder nicht?

  36. grobi

    Ich fühle mich auch an die Litte Sister-Thematik aus Bioshock erinnert. Retten oder Töten, um an die Ressource zu kommen? Letztlich ist das Leben nie so binär, wie uns das Spiele vormachen wollen.

    Nach Sichtung des Levelvideos, das Gamestar ja dann doch noch verlinkt hat (skandalheischend oder “der Wahrheit verpflichtet”? Die alte Diskussion…) kann ich erstmal sagen: ich find’s reichlich geschmacklos. Auf der anderen Seite habe ich auch damals mal in “Hitman” aus reinem Stumpfsinn alle Figuren im Level über den Haufen geballert. War kompletter Blödsinn.

    Werde ich mich dem Spiel entziehen oder nicht? Ich gebe zu, ich mag diesen speziellen CoD-Fetischismus und halte den Modern Warfare-Vorgänger für eine ziemlich stromlinienförmige unterhaltsame Schießbude. Der Flow, der Flow! Ich bin auch immer auf die “Rainbow Six”-Spiele abgefahren, obwohl Tom Clancy grunzdoofe Militärwichsvorlagen schreibt und das dann “Roman” nennt. Müssen wohl meine zwei Ichs sein, die sich da gegenseitig bekämpfen.

    Das Gamestar-Argument bezüglich des tollen Futters für Antispiele-Propaganda stimmt letzten Endes, da gibt es doch nicht viel drumherum zu reden. Es wird verwendet werden, weil es existiert – und zwar unter dem Stichwort “Terror / Amoklauf-Simulator”. “Art imitating life talking about art” oder so ähnlich. Sie heuchelt hier schwer, die Gamestar. Aber in der “Mainstream”-Debatte wird nun mal nicht so differenziert argumentiert wie hier im kuscheligen Jugoslavenblog.

  37. balkantoni

    Marc ist Pole.

    Abgesehen davon frage ich mich immer stärker, ob meine Abscheu vor COD nicht einfach von der schlechten Inszenierung herrührt. Schließlich fand ich ETLICHE vollkommen unapologetische Gewaltspiele GROß-fuckin’-ARTIG! Etwa alle Teile von “Hitman” oder auch “Conan” auf der 360. Diese Spiele sind aber so aufrichtig in ihrer Kontaktaufnahme mit unserem 14jährigen “inner self”, dass sie somit auch unschuldig sind. Sie sind nur Spaß. Wie hieß die Screenshot-Unterschrift zu “Conan” bei Gamespot? “This is what ‘awesome’ looks like in the mind of a twelve year old”, oder so… Dieses Phlegma des “Kontexts” und der “Entscheidung” bei der besagten COD Szene nerven mich, sie sind so dümmlich, unelegant und prätentiös.

  38. HomiSite

    Kurz Impressions aus MW2 (nach vielleicht Hälfte des Spiels): Die Inszenierung ist nach wie vor super, auch wenn Skriptsequenzen ja extrem schnell zerfallen, wenn man sich etwas anders als erwartet verhält. Teils enorm viel Trial & Error und wiedergekäute Elemente aus CoD4, aber insg. gut und durch neue Settings abwechslungsreich. Und apokalyptische Kriegsschauplätze können die Jungs von Infinity Ward.

    Zum Flughafen: Einzigartig in ihrer “Gewalt” ist sie wie oben schon mehrfach geschrieben sicher nicht und durch die Vorberichterstattung bin ich leider beeinflusst. Trotzdem fand ich die Szene schon bedrückend, da die Bad Guys wirklich langsam durch die Hallen gehen (der Spieler kann auch nicht rennen) und mit MGs (!) jeden niedermachen. Wie ich das alles nun genau einordne, weiß ich noch nicht. Zumindest scheint es mir nicht verkehrt, den Spieler keine Zivilisten erschießen zu lassen. Ein anderes Kaliber wäre es, wenn die Terroristen dies quasi als Vertrauensbeweis vom Spieler verlangen würden.

    PS: Ich hab mir das Spiel ja v.a. wegen des MPs gekauft, aber vielleicht hätte ich auf Langzeiterfahrungen warten sollen. Die paar gespielten Maps scheinen überwiegend sehr groß und/oder unübersichtlich und es gibt mehr Gedöns (Selbstschussanlagen etc.). Dass aber in einigen Modi der Party-Chat deaktiviert wurde, insb. bei “Herrschaft”, liegt mir gewaltig im Magen! Es nützt dem Teamplay nix, wenn ich nonstop labernde Franzosenkids im Ohr habe…!

  39. grobi

    Okay, dann eben kuschliges Ostblockblog. Darf ich bitte einen Sliwowitz zu meinem Bigos haben?

    Diese Fixierung auf “Entscheidungen” ist doch eh nur eine durchschaubare Marketingmasche mit dem Ziel, die Spiele mit Relevanz aufzuladen. Dabei haben sie sich seit diesen Asterix-Abenteuercomics (kennt noch jemand Grautvornix?) nicht über if-then-else weiterentwickelt. Lediglich in der Kategorie “Vorgaukeln” gibt es ein paar messbare Unterschiede.

    Für die Inszenierung eines Militärshooters gibt es halt ein gewisses Rezept. Das hat mit Pathos, Männergemeinschaften und einer gewissen Art von Private Ryan-Musik zu tun. Wenn man darauf allergisch reagiert, können die Spielmechanismen halt noch so ausgefeilt sein. Dagegen muss “Die Brücke – das Videospiel” erst noch erfunden werden. Bevor das jetzt aber in der Diskussion mündet, ob es sowas wie einen Antikriegsfilm überhaupt geben kann, möchte ich wissen, ob mir jemand von euch erklären kann, wieso ich bei Michael Bay schreiend aus dem Kino renne, bei der vergleichbaren Zurschaustellung von Pathos und Militärpornos in Videospielen aber beide Augen zudrücken kann.

    Seufz. Damals war das Leben noch einfach, als ich mich zu Mittneunziger-Metal durch “Duke Nukem 3D” geballert hab.

  40. marc

    mmmh…bigos. Ansonsten: natürlich kann es Antikriegsfilme geben, diese Diskussion fand ich schon immer merkwürdig konstruiert. Gibt es eigentlich Antikriegssvideopiele (und ich rede nicht von diesen ekligen Serious Games) ?

  41. Ben

    Naja, die Brücke ist schon ein sehr spezifisches und auch etwas schlichtes Jugendding. Ein guter Film, aber Apocalypse Now möchte ich deshalb nicht missen (vor allem weil der Film noch so viel mehr ist, als ein erhobener Zeigefinger).

    Antikriegsspiele… zählt Defcon als Serious Game?

    Was COD angeht, ich finde Eurogamers Interpretation eigentlich ganz elegant, die binäre Entscheidung zwischen Schiessen und Nicht-Schiessen als Genrereflexion zu lesen.

    Aber ob man das nun als billigen Marketinggag, Plotdevice oder ernsthafte Auseinandersetzung sehen möchte, ich finde es nach wie vor faszinierend, dass sich ausgerechnet das Action-Ballerspiel schlechthin eine solche Reibung leistet. Transformers oder Sakrileg (um mal Topseller anderer Medien zu bemühen) sind da um einiges glatter.

  42. grobi

    Bevor ich jetzt in die Heia gehe, möchte ich mich schon weit aus dem Fenster lehnen und sagen, dass die Brücke der bedrückendste Antikriegsfilm überhaupt ist. Damit sage ich nichts gegen diverse Produkte aus der Ära des Vietnam-Traumas, aber auch ausserhalb des klassischen deutschen Schuldkomplexes ist “Die Brücke” schlicht, effektiv und universal grausam. Ich rede natürlich vom den Wicki-Original, das RTL-Remake habe ich nicht gesehen.

    Achso, ein Schlußwort zu Cod: ich denke, dass die Airport-Szene in Zusammenhang mit der Atombombe und dem Gunship aus dem Vorgänger zu sehen ist. Das war auch schon recht gewagt für so einen Blockbuster. Insofern ist “the next step” in der Fortsetzung nicht komplett überraschend. Für mich sind das nur Schockmomente, die zwar wegen ihres “boah krass”-Effektes durchaus lange in Erinnerung bleiben, aber letzten Endes nur inhaltslose Knallbonbons sind. Ich suche aber auch nicht in jedem Spiel den Kunstfaktor oder den tieferen Sinn, sondern ein funktionierendes Spielprinzip.

    Gute Nacht!

  43. Ben

    Es gibt ein Remake? Haben die denn vor nichts Respekt?

    Die Brücke ist wie gesagt ein eindrucksvoller Film. Definitiv einer der wichtigsten deutschen Nachkriegsfilme. Aber ich glaube nicht dass er alles zum Thema Krieg sagt, was man sagen könnte und alles mit dem Medium Spielfilm macht, was man machen könnte.

  44. balkantoni

    Onkl stellt die richtige Frage. Wenn man NICHT scheißen dar, so wird es wohl aus dem Grund der “Geheimhaltung” sein, weil man sonst nicht an den “Drahtzieher” oder die “Atombombe” oder “irgend einen anderen Blödsinn” kommt – wenn man bedenkt wie viele Figuren man in einem COD-Level ermorden darf, so wäre es gar kein Problem den Flughafen aufzuräumen. Nun, so steht der künstliche Vorwand in einem knappen Röckchen mit im Flughafen und schwingt zwei Pon-Pons, um einen daran zu erinnern, dass man einen Ego-Shooter spielt und nichts von dem, was geschieht tatsächlich ernst nehmen kann.

    Abgesehen davon, ist die “Brücke” ein toller Film, doch der “Soldat James Ryan” hat mich persönlich enorm erschüttert (die Messerszene… brrr) und wird oftmals gar nicht als Antikriegsfilm gewertet.

  45. marc

    @ben: RTL und Respekt? Gibts nicht. Aber du hast recht: Apokalypse Now ist sowohl ein fantastischer Antikriegsfilm als auch ein Film, der das Medium an sich extrem vorangebracht hat.
    Toni, stimmt, James Ryan hat mich auch extrem verstört. So stumm vor Angst und Ekel habe ich auch nie wieder ein Kinopublikum erlebt.

  46. Ben

    Mit James Ryan habe ich so meine Probleme.
    Der Eröffnungsteil ist brilliant.
    Und dann macht der Film nichts anderes, als die Botschaft des ersten Teiles stückweise zu demontieren. Da darf wieder artig für die Kameraden und für ein höheres Ziel gestorben werden, da hat der einzelne Soldat wieder eine echte Bedeutung. Meh.

  47. balkantoni

    Das Stereotyp des sinnlos umgekommenen Soldaten soll ja auch nach anfänglichen in-den-Raum-gestellt-werdens dekonstruiert werden – der gesamte Film danach ist ja der Emphase des notwendigen Waffengangs gewidmet; doch dieser bleibt durchgehend entsetzlich und schrecklich. Die Frage, inwiefern das Modell des zweiten Weltkrieges ein Anachronismus darstellt kann gestellt werden, ändert aber meiner Meinung nach nichts am Nachdruck einer basalen Botschaft des Films, nämlich: Der Krieg ist blankes Entsetzen.

  48. Pingback: Actionbude − Modernes Patriotenspiel Zwei
  49. predo

    So, nach dieser ganzen Diskussion um das für und wieder dieser Szene…halt mal meine 2 cents darüber.
    Sogar gameone auf mtv hat mittlerweile ein mulmiges gefühl, wenn die über das spiel berichten, wie auch beim vorgänger.
    Für relevant halte ich 2 Punkte:

    1. Die “Zensur” der USK. so wie ich das jetzt richtig verstanden habe, kann man in der deutschen version nicht mehr auf die geiseln schießen, sondern nur noch auf die polizisten. demnach ist jetzt mord in mittelbarer täterschaft an den zivilisten und die tötung der polizisten in ordnung, nicht aber die direkte tötung von beiden? komische logik

    2. der zweite punkt…vor ein paar jahren begann diese ganze diskussion über gewalt in computerspiele mit dem amoklauf in erfurt. damals kam counterstrike in verruf (ohne dass der täter es auf dem rechner hatte). für mich war das spiel die simulation von räuber und gendarm. es hat spaß gemacht, sich gegen mit anderen leuten zu messen; auf LAN-Partys war es voll der bringer. Vor allem hat das Spiel bis auf die unterschiedlichen skins auch nicht versucht, so etwas wie eine geschichte oder sowas zu erzählen, man hat sich einfach mit leuten von überallher duelliert.
    So, jetzt zu CoD 4. Ich habe bereits ein mulmiges Gefühl gehabt, als diese Welle von patriotisch verbrämten Kriegsspielen begann. Die ganzen Schrecken des Krieges werden auf ein simples Mausklicken reduziert, bei denen der böse Nazigegner immer sofort tot umfällt. Einen Krieg mit 60 Millionen toten auf so ein simples Schema runterzubrechen halte ich für irgendwo bedenklich.
    Das gleiche gilt für diese Call of Duty Reihe. Warum sagt verlangt das Spiel von mir, einen Massenmord an nem Flughafen zu begehen, oder warum soll ich ein Dorf von einem Bomber aus zerstören? Die Inszenierung ist ja ganz toll, aber die Grundaussage, dass die da die bösen sind und wir die Guten, ohne irgendwelche Zwischentöne,und mit dem ganzen patriotischen gedöns im hintergrund, ist irgendwie gefährlich.
    Aber vielleicht ist dass auch nur die logische Entwicklung in einer Zeit, in der so ein Blödsinn wie Saw 1-100 am Fließband produziert wird.

    PC Spiele sind für mich da, damit ich abends nach hause kommen kann und mich ein bisschen vom Lernalltag in irgendeiner fiktiven, vielleicht auch schön erzählten Geschichte verlieren kann.
    Ein Spiel, was mir die Botschaft vermitteln will, dass Krieg ja sowieso voll irgendwo voll geil ist weil die amis die guten sind und die araber und russen sowieso alle böse, kann ich da nicht gebrauchen.
    Wenn ich sehen will, was sich Menschen gegenseitig antun können, seh ich mir CNN oder die Tagesschau an.

  50. balkantoni

    Die Frage ist aber auch: Wieso kommuniziert denn gerade diese Kriegslüsternheit so gut mit uns? Wieso finden das doch so viele irgendwei cool und erst scheiße, wenn sie mal aus dem puren Trieb austreten und reflektieren? Ist es falsch, dieses offenbar Vorhandene Bedürfnis auszubeuten?

    Ich weiß es nicht.

  51. predo

    Es ist nicht falsch, diese bedürfnisse auszubeuten. Gewalt ist und bleibt halt faszinierend. Nur befreit dies den Menschen nicht von der Verantwortung, verantwortungsvoll damit umzugehen.
    Allerdings wirds wohl sehr schwer sein, eine Diskussion um eine “angemessene” Gewaltdarstellung führen zu können. Die Generation meines Vaters findet sogar Counterstrike grausam, während von der jungen seite (sogar?) im Gee-forum wieder der blödsinnige Einwand kommt “es sind alles nur pixel”, es ist “alles nicht echt” und sowieso bin ich mir ja bewusst, dass das alles nur fiktion ist.
    mit der gleichen argumenationsweise kann ich auch den KZ-Manager (war übrigens überrascht dass der lead designer von CoD irgendwo mitte 20 war) legitimieren. Nur irgendwann muss ich mich fragen, wo die Grenze zwischen Simulation und Fiktion verschwindet und wie ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema Gewalt und Krieg aussieht.
    Das sollten sich vor allem auch langsam mal Zeitschriften fragen, wenn sie Testberichte über den x-ten Weltkriegsshooter oder eben CoD mit Überschriften wie “Neuer Krieg, neues Glück” oder sowas einleiten.
    Man kann alles ausbeuten. Nur sollte man sich dann halt auch mal fragen, ob nicht irgendwann menschenverachtend (ganz böses wort) wird.

  52. onkl

    Mich stört beim GameOne sowie ähnlichen Beiträgen dass sich die Kritk in erster Linie auf den Imageverlust von Zockern reduziert. Die Empörung dass “mein” Medium plötzlich doch nicht so einwandfrei dasteht. Wie Toni schon sagte, finde ich viel interessanter dass man mal hinterfragt warum das Kriegspielen denn soviel Spaß macht und sich Modern Warfare trotz dieser Szene wie geschnitten Brot verkauft. Ich muss auch ganz ehrlich sagen dass ich beim neuen Battlefield Trailer auch erstmal dachte “Wie geil!” (insbesondere der Sound):
    http://www.gametrailers.com/video/battlefield-moments-battlefield-bad/59222

  53. Ben

    Die Gewaltdiskussion im Zusammenhang mit MW2 verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Der signifikante Unterschied zwischen MW2 und Counter-Strike ist doch nur, dass man bei MW2 zwischen all dem Kriegs-Heiteitei mal 5 Minuten drüber nachdenken könnte, was man in einem Shooter eigentlich die ganze Zeit tut.
    Der Aufschrei der geballten Spielerschaft und ihrer Presseorgane zeigt mir nur, dass die Deppen ihre anderen Ballereinen tatsächlich für moralisch sauber halten.

  54. predo

    Hm.
    Gameone hat bereits zum ersten Teil die Spielmechanik hinterfragt; vor allem haben die die frage aufgeworfen, warum man nun neuerdings auch das militär als berater heranzieht.
    geht es da nur noch um ein spiel oder um eine kriegsimulation?

    um ehrlich zu sein, die sinnlose ballerei bei counterstrike halte ich für moralisch einwandfreier als mw2. das spiel ist langsam, sinnfrei, und hinterstellt und gibt mir meiner spielfigur nur einen ideologischen hintergrund, nämlich meinen. und die anderen spieler sind auch nur pupertäre verpickelte 15 jährige nerds ohne freunde ;).
    kurz gesagt: dumm, aber lustig.

    aber ich glaube kaum, dass es den machern von mw2 darum ging, den spieler zum nachdenken anzuregen, was er in shootern eigentlich macht.
    die logische konsequenz wäre, dass man zum ergebnis kommen müsste, dass es untragbar sei,die grausamkeit des krieges nachzustellen, und man müsste somit das spiel liegenlassen.
    und da ich davon ausgehe, dass da doch einige milliönchen reingesteckt worden sind, glaube ich kaum dass die hier jemanden zum nachdenken anregen wollten.
    es ging wohl eher um den kurzzeitigen schockeffekt, vll. auch nur um mehr pr.

    PS: die fernsehwerbung zeigt auch die geilen ausschnitte unterlegt mit geiler, treibender aggressiver rapmusik von eminem (glaub ich oder?).
    das konterkariert ja wohl den anspruch, hier irgend jemanden zum denken bewegen zu wollen.

  55. Ben

    Natürlich kann ich hingehen und pauschal alles, was mir Modern Warfare 2 präsentiert, als kalkulierte Marketingmaßnahme abtun… aber ich glaube das greift etwas kurz. Es gibt eben ein wenig mehr als schwarz und weiss. Letztlich müssen sich die Menschen bei Infinity Ward nicht mal der Tatsache bewusst sein, dass sie ein reflexives Moment in ihrem Spiel haben, ich kann es trotzdem darin finden (und in diesem Fall sogar ohne komplizierte interpretatorische Verrenkungen). Die Flughafenszene bleibt beeindruckend, auch wenn das Modern Warfare 2 noch lange nicht zu einem Medienprodukt macht, dass man als “Antikriegsspiel” bezeichnen könnte und das sich durchgängig intensiv mit Krieg und Mensch auseinandersetzt. Der Kern bleibt natürlich immer noch Unterhaltungsprodukt.

    Was ich aber etwas Paradox finde ist, dass man dieselbe Form der Gewalt”ausübung”/Darstellung bei Counter-Strike als unproblematischer Einstufen kann. CS verzichtet zwar auf die patriotischen Rechtfertigungen, aber ich kann nicht mal mit gutem Willen unterstellen, dass es seine Beschaffenheit in Frage stellt. Im Gegenteil, der “finale Rettungsschuss” wird dort zum Alltagsmittel, zum “Sport” stilisiert ohne dass mal eine Millisekunde hinterfragt wird, warum man ein realistisches Waffenarsenal simuliert und damit möglichst menschennahen Figuren in den Kopf schiesst. Wenn es um das gemeinschaftliche Kräftemessen ginge, warum dann dieser Zwang zum naturalistischen Töten?

    Ob man Kriegsdarstellung nun mit hirnverbrannten Parolen oder als sportliche Aktivität verherrlicht… das hat für mich dieselbe Qualität.

  56. onkl

    Naja bei Multiplayer Titel ist ja sowieso jede Figur nur ein Mitspieler und man erschießt sich gegenseitig. Und genauso wie Kinder nicht einfach nur so “Erschießen” spielen sondern sich Cowboy und Indianer Settings erschaffen, so braucht CounterStrike die Nähe zur Realität um eine coolere Atmosphäre aufzubauen.
    Es gab ja zb auch einen Paintball Mod für Half-Life, aber das war eben nur halb so aufregend.

    Vielleicht kann man Infinity Ward auch zu gute heißen, dass sie die Szene überhaupt irgendwie unterbekommen haben, auch wenn sie für Activision wieder aufgeweicht werden musste und die nur wegen des Hypes mitgegangen sind.

    (Ich hab übrigens als Kind nie Schießen gespielt. Bei uns war Verstecke und mit “Matchies” in der Sandkiste spielen an der Tagesordnung.)

  57. predo

    “Ob man Kriegsdarstellung nun mit hirnverbrannten Parolen oder als sportliche Aktivität verherrlicht… das hat für mich dieselbe Qualität.”

    Nunja, das setzt vorraus, dass, wenn wir schon bei dem Beispiel bleiben, Counterstrike einen Krieg darstellt. Find ich um ehrlich zu sein nicht so.
    Wie onkl schon sagte: cowboy und indianer mit nem mehr oder weniger realistischen setting. oder halt räuber und gendarm.
    Man kann an Counterstrike finden, dass es Gewalt verherrlicht; das tun der Boxkampf im ZDF und die olympischen Spiele der Antike (mit sportlicher Aktivität) auch.
    (PS: Die Paintballmod kann auch ziemlich spassig sein :P).

    Nein, nur ist es wie ich oben schon gesagt habe mit MW2 halt so. Einerseits stimmt es schon; es ist gut wenn Spieler von spielen vielleicht den Weg, den die Ego-shooter gehen, mal hinterfragen und über ihr eigenes Handeln reflektieren (Das hatte ich für einen ganz kurzen Moment in Bioshock).
    Nur halte ich es einfach falsch, ein Spiel immer mehr einer Kriegssimulation anzupassen, auch mithilfe des Militärs selber sowie einer mehr oder weniger (eher mehr) realistischen Darstellung aktueller Krisenherde, und es mit treibender Musik zu unterlegen, die mir den Gedanken entlocken soll “Man, hat Krieg nen geilen Sound”.
    und irgendwie find ichs seltsam wenn mir ein spiel so einen eindruck vermitteln oder als werbefilmchen fürs militär wirken will.

    aber es stimmt wohl auch was andere sagen: es ist wohl ein unglaublich intensives spielerlebnis. nur das muss ja nicht im widerspruch zu obigen ausführungen stehen.

  58. balkantoni

    Um die Ben/Predo-Diskussion zusammenzufassen: Ben sieht den prinzipiellen Missstand der Gewaltübung zum Zweck der Unterhaltung, während Predo bereit ist, sie in einer abstrahierteren Form zu genießen, den zur Zeit angesagten Drang zum Realismus und dessen Darstellungen von “Krisenherden” aber geschmacklos findet.

    Ich kann durchaus eine gewisse kindliche Einfalt bei CS erkennen: Es ist tatsächlich ein Spiel, das wie Paintball (unsäglichstes Idiotenhobby, übrigens) ein Spielmuster der Kindheit mit ein paar “ruppigen” Motiven etwas aufregender gestalten soll. Ich kann es nicht einnmal ernst nehmen.
    Der Anspruch von MW2 etwas mit der Darstellung des Mordens aussagen zu wollen, finde ich schon interessanter, ebenso den ganzen verhaltenen Lob unserer werten Kollegen, da ja das Flughafenmassaker einem unter die Haut ginge und bla bla. Diese Szene ist ja ausgeprochen offensichtlich in ihrer Ham-Fistedness und der direkten Ansprache ganz basaler fight-or-flight-Mechanismen. Dass man dabei so etwas wie Spannung empfindet darf einen ebensosehr überraschen wie die Tatsache, dass einen Pornografie trotz aller Vulgarität dann irgendwie doch erregen kann. Es ist so billig und idiotisch und dass es jetzt als besonders reflexiver Meta-Moment unter Meta-Momenten dienen soll, ist bestürzend genug, um mir den Glauben an Spiele und andere Blogs gleichzeitig zu nehmen.

    Oh, Moment, den habe ich ohnehin nicht.

  59. m.a.

    Ganz ehrlich, ich verstehe das ganze Geweine nicht. Es liegt doch in eurer (und unser aller) Hand den Produzenten zu zeigen ob sie sowas produzieren sollen oder nicht. Wenn es euch nicht gefällt, kauft es nicht. Solange es aber gekauft wird, wird es auch weiter produziert werden und die Entwickler werden immer weiter nach Dingen suchen, die einen neuen “kick” erzeugen, damit über ihr Spiele geredet wird.

    Und solange “Boykott” (hier aus einem anderen Grund, aber das selbe Prinzip) von ungewollten Spielen so aussieht: http://kotaku.com/5403286/what-modern-warfare-2-boycotters-are-playing … ganz ehrlich, solange haben wir Gamer eigentlich jedes Recht zu maulen verwirkt.

  60. Ben

    Um mich nach Tonis Post nicht so vollkommen deprimiert zu fühlen: Selbst die Macher der dicksten Bullsit-Unterhaltung trauen sich inzwischen nicht mehr, einem 8 Stunden lang nonstop Explosionen zu zeigen. Da keimt doch ein bisschen Hoffnung für das Medium.

    Ich greife nach Strohalmen, zugegeben.

  61. predo

    “Ich geniesse sie genau so in ihrer abstrahierten Form, frage mich aber trotzdem, ob das eigentlch nötig ist.”

    Word.

    Was diese ganze Diskussion angeht…ich bin schon damals beim ersten Medal of Honor (war doch auch von den mw2 machern oder so oder?) ausgestiegen..Irgendwo fand ich das (für mich) nicht mehr in Ordnung.
    Damals hab ich nur mit meinem Vater Diskussion über Counterstrike geführt (nachm Amoklauf; ich war 14). Andererseits ist es vielleicht einfach so, dass effekte wohl stärker werden müssen, will man noch was verkaufen.
    An Kinofilmen kann man das an Hostel oder Saw erkennen.
    Als Beispiel sei damit vll. der Film “Die Brücke” erwähnt. Ein bekannter war Hauptschullehrer; als er den Film früher in den Klassen gezeigt hat, soll wohl betroffenes schweigen geherrscht haben. Heute gehen die Jungs mit nem “cool” ausm Klassenzimmer.

    Im ganz entferntem Sinne kann man an solchen Dingen vll. den Zustand der Gesellschaft abmessen. Ob diese Entwicklung jetzt gut oder schlecht ist, sollte dann jedem selbst überlassen sein.

    PS: der Link scheint auch zu beweisen, dass Doppelmoral überall ist. Gabs auch bei den L4D Boykottgruppe.

  62. Herr Kaliban

    der herr kaliban, nach dem weiter oben mal kurz gerufen wurde, war anderweitig beschäftigt und hatte keine zeit, sein lieblingsblog unter den ostblockblogs zu besuchen.

    sich jetzt noch zur sache zu äußern (und dabei den betreffenden level immer noch nicht gespielt zu haben) wäre lame. daher: schweigen und philosoph bleiben.

  63. Herr Kaliban

    Zum Thema Flughafenlevel gab’s weitgehende Diskussionen, selbstverständlich. Mit einer Mehrheitsmeinung, die nicht weit von der zitierten Kolumne entfernt liegt. Die jeweiligen Pole zeigt ganz hübsch der Zweiseiter im aktuellen Heft, wo Christian und Nicolai exemplarische Meinungen vertreten. Ich bin aber kein Mitglied der Redaktion, war also nicht mitten drin.

    Ich möchte nur eines zu bedenken geben — die GameStar steht bei derlei Fragen im schonungslosen Scheinwerfer der Öffentlichkeit, weit, weit mehr als 4Players oder shodannews und kaum weniger als der Hersteller selber. Redakteure werden von Publikumsmedien interviewt, sitzen auf Podien, führen Hintergrundgespräche mit Politikern und Jugendschützern. Daher mag der Frust rühren, der ein bisschen aus der Kolumne spricht: Man macht und tut, um zu einem differenzierteren Bild der Spiele in den Medien und den Köpfen der, wie mein Kollege A. zu sagen pflegt, der diskursbeherrschenden Kräfte beizutragen — und dann kommen die Amis daher und hauen in ihr eh schon nicht besonders reflektiertes Spiel eine Szene, die man uns im nächsten Jahr hundertfach als Beweis für die Verderbtheit der Spiele auf Kongressen und in ZDF-Magazinen entgegenhalten wird.

  64. onkl

    Und was ist das Problem wenn einem diese Szene entgegengehalten wird? Sowas läßt sich doch ganz einfach damit entgegnen dass Videospiele so wie alle Medien ein breites Spektrum abdecken und genauso wie es massenweise billige Action- und Hororfilme gibt, so gibt es auch Modern Warfare, Manhunt, Postal etc.
    Sowas kann man doch niemanden als Argument für oder gegen ein Medium durchgehen lassen, und darauf sollte man in solchen Situationen hinweisen. Auf der anderen Seite muss man auch zugeben dass es Negativbeispiele gibt, aber diese nicht representativ für alle Spiele oder im speziellen für Egoshooter sind.

    Darüber hinaus ist es wie schon erwähnt komisch dass der Flughafenlevel so einen Artikel proviziert aber die restlichen Level und ähnliche Spiele als “gut” durchgehen. Letztendlich heist dass doch nur, solange irgendwelche moralischen Erklärungen dazu gereicht werden ist es ok. Dann kann man auch dutzende Bösewichte abknallen ohne mit der Wimper zu zucken. MW2 bekamm ja dann doch seine 90% mit Minuspunkt.

  65. balkantoni

    @ Kaliban: Ok, verstehe – allerdings finde ich, dass ihr als Journalisten (und das sage ich hiermit zum ersten Mal ohne Sarkasmus) nicht unbedingt die Verteidiger des Mediums sein solltet; dass ihr euch in die Rolle hineingedrängt fühlt (oder euch bewusst dieser hingebt, ich weiß es nicht) spricht höchstens für eure Geekster-Wurzeln und eine gewisse Liebe zum Medium.

    Wäre es nicht sinnvoller sich auf bloße Analyse und Kritik zu konzentrieren, oder sich, wenn es schon nicht anders geht, zumindest mit einer gewissen neuralen Distanz an solchen Diskussionen zu beteiligen (ich denke hier an die Sangfroid, mit der sich die EDGE-Redaktion zu ähnlichen Sachverhalten äußert) und die Hersteller einfach mal sich selbst zu überlassen, wenn es um ihre inkompetenten Rechtfertigungsversuche und Daseinsberechtigungsapelle geht? Wieso solltet ihr Spiele mit dieser – sorry aber: – etwas infantilen Vehemenz verteidigen wollen?

    @ Onkl: Word – wäre ähnlich meine nächste Frage gewesen.

  66. Herr Kaliban

    Ja und nein. Was machste denn, wenn, sagen wir, die Tagesschau anruft und ein Interview will? Wenn man dich für eine Podiumsdiskussion mit einer Ministerin bucht? “Sorry, ich bin Journalist und möchte mich hier nicht in eine Debatte gezogen werden?” sagen? Wir haben durchaus eine Chance, da ein differenzierteres Bild zeichnen zu helfen — das heißt nicht, bedingungsloser Apologet eine zuweilen zwiespältigen Mediums zu sein oder sich vor die Hersteller zu werfen.

    Und hey, zu behaupten, man dürfe sich nicht über den Flughafenlevel äußern, wenn man nicht auch noch die restlichen Level als kriegstreiberisches Machwerk bezeichnet, ist auch nicht das gerade das stärkste Argument.

  67. balkantoni

    “Wir haben durchaus eine Chance, da ein differenzierteres Bild zeichnen zu helfen — das heißt nicht, bedingungsloser Apologet eine zuweilen zwiespältigen Mediums zu sein oder sich vor die Hersteller zu werfen.”
    Würdest du denn sagen, dass euch das erfolgreich gelingt? In der Regel versucht ihr ja, nicht die Gewalt als solche zu legitimieren (dabei wäre das bitter notwendig), sondern vielmehr aufzuzeigen, dass das Medium auch ansehnlichere Aspekte hat. Dann wird halt “Shadow of the Colossus” ausgepackt, weil es so ambivalent ist und die “Sims”, weil sie so friedlich und liebenswert erscheinen. “Counterstrike” wird dann verteidigt, weil es “Teamfähigkeiten” schule – es ist ein ständiges “bending over backwards”.

    Was ich mir wünschen würde, wäre ein simples, klares Statement zum Thema Brutalität: Sie existiert, weil es einen finsteren Bedarf danach gibt. Man kann diesen Bedarf nicht durch Verbote exorzieren. Fertig. Wenn man das endlich mal äußern würde, könnte man sich auf interessantere Kritikpunkte eines Spiels wie COD konzentrieren: Die politischen Aussagen. Wir könnten endlich darüber sprechen, inwiefern nur der Manhunt-Soundtrack eine Hommage an John Carpenter darstellt und wo die Designer ihn missverstanden haben. So was.

    Onkls Kommentar kannst du übrigens auch in den Rahmen dieser Gesamtkritik einordnen: Es geht um diesen seltsamen Konkretismus, den die Journalisten bei ihrer “Bildzeichnung” entwickeln. Da wird darüber gezürnt, dass dem Hot Coffee-Modus fälschlicherweise unterstellt wurde Vergewaltigungen darzustellen, doch nicht darüber, dass man im gleichen Spiel mordet und foltert. Es wird gezürnt, dass man zusehen muss wie auf einem Flughafen Zivilisten getötet werden, doch nicht darüber, dass der Rest des Spiels politisch unmittelbar am Faschismus angesiedelt ist und man auch entsprechend morden darf. Wie soll den eure Zeichnung eines “differenzierteren Bilds” gelingen, wenn ihr auch hier diesen Bogen um die eigentlich heiße Kartoffel macht: den pornographischen Grundcharakter des Mediums?

  68. m.a.

    Das ist jetzt ein bisschen sehr naiv, oder? Wenn in einer (angenommenen) ZDF-Runde zum Thema “Killerspiele – Erziehung zum Massenmörder?” ein Redakteur einer Spielzeitschrift (oder sonst irgendwer auf “unserem Lager”) gefragt würde was es denn mit der Gewalt in Videospielen im Allgemeinen und in Spiel XYZ, in dem man irgendwelchen Figuren die Köpfe abschneiden und dann Bowling damit spielen kann, auf sich habe und der dann antwortet

    “Ja, nee, das iss natürlich Scheisse, aber die Leute wollen sowas spielen und findens total geil und scheinbar braucht es sowas, KillSlayerDeadWhore XXI hat 30 Millionen Exemplare verkauft, also gibt es wohl einen inneren Wunsch nach solcher Unterhaltung.”

    dann wäre das doch nur Öl auf das Feuer all derer, die und Gamer sowieso als perverse verpickelte Freaks ansehen die das Tageslicht seit Jahren nicht mehr gesehen haben.

    Einen Tag später titelt die Bildzeitung “Spieleredakteur gesteht: Spieler sind alle perverse verpickelte Freaks die das Tageslicht seit Jahren nicht mehr gesehen haben und sich einen auf Gewaltpornos runterwichsen!” und drei Tage DANACH schaufelt die Innenministerkonferenz mit vereinter Macht der Bauernwählervertreter ein Generalverbot für Videospiele durch den Bundestag.

    Und dann bist DU, lieber Toni, doch der erste, der die Klappe aufreißt und brüllt “Warum hat der Depp die Fresse nicht gehalten?”

  69. Ben

    Die Karten auf den Tisch zu legen, wäre (wie m.a. schon richtig beschreibt) natürlich kontraproduktiv.

    So lange es ein höheres Ziel gibt, die Spielfiguren nicht menschlich sind oder das ganze ein abstrakter Sport ist, ist alles in Ordnung. Sobald ein Spiel dieses gentleman’s agreement verletzt muss es auf die stille Treppe und sich schämen.

  70. balkantoni

    Oder mit ein paar Verweisen auf Shakespears “Titus Andronicus” oder Kyds “Spanish Tragedy” unterlegt – Stücke mit einem äußerst selbstzweckhaftem und unangenehmen Umgang mit Gore und Gewalt.

  71. m.a.

    @Toni: Das würde ich gerne mal sehen, wie du dich bei sowas gibst – und das meine ich ganz ohne Ironie. Naja, fast ganz ohne. ;)

    @Aulbath: Weil es neben der Katharsis Theroie noch (wenn ich mich recht entsinne) fünf andere Theorien gibt, für jede Geschmacksrichtung eine. Und wie es in einer so unpräzisen Wissenschaft wie der Psychologie nunmal ist gibt es für jede dieser Theorien Studien, die sie belegen und ebenso für jede Studien, die sie widerlegen. Ultimativ ist Psychologie eine Mischung aus Raten und Statistiken zusammenschrauben.

  72. Herr Kaliban

    Mir kann man nicht unterstellen, dass ich in einer Diskussion zu diesem Thema jemals mit sowas wie “Aber schauen Sie doch die schönen Blumen in FLOWER” gekommen wäre. Es gibt durchaus diffenzierte Aussagen von mir und der Redaktion GameStar zum Thema “Gewalt” — das, was du uns vorwirfst, tun wir eigentlich nie.

  73. balkantoni

    Aber die “CS fördert Teamgeist”-Argument kenne ich aus der Gamestar! Der hier verlinkte Text ist ja auch wegen seiner Undifferenziertheit von vielen kritisiert worden.

    Ich besitze leider keine Gamestars (ich schmeiße die meisten Zeitschriften nach dem Lesen fort), so dass ich mich wohl darauf konzentrieren müssen werde, in der nächsten Zeit darauf zu achten, was für Argumente ihr in diesem Zusammenhang bringt. Das hört sich jetzt irgendwie wie eine Drohung an, doch so meine ich es nicht…

  74. m.a.

    Ich sag mal so: wenn in der Gamepro (Gamestar lese ich nicht) als Übertitelung lese “Wertung trotz Gewalt?”, dann frag ich mich schon ob da überhaupt noch jemand in der Redaktion darüber reflektiert, dass der Rest des Spieles (oder jedes beliebigen sonstigen Shooters) durchaus auch als “Gewalt” durchgeht.

  75. onkl

    Die Spieleredakteure werden wohl nie neutral berichten können. Wer schlecht schreibt, bekommt beim nächsten mal halt keine Vorabversion und dann kaufen die Leser eben die PC Games weil da Modern Warfare ein Heft früher drin ist.

  76. marc

    offtopic, aber kennt ihr eigentlich die Produkte der Firma Electronic Arts? Die sind viel besser als ihr Ruf und werden auch von Toni und mir regelmässig gezockt.

  77. balkantoni

    Gut, dass du es ansprichst, Marc! Ich habe mich ja nicht getraut, mein grummeliges Image zu überwinden, doch nun ist das Eis gebrochen und ich kann endlich bekennen: Keiner macht so gute Spiele wie Electronic Arts. Das ist einfach die beste Genreschmiede, ein wahrer Hit-Garant, ihr Programm ein bunter Strauss voller Genre-Könige!

  78. Mnemonic

    Einen Spiegelsaal haben aber selbst die dir noch nicht gebaut, Toni!

    Aber du hast recht, die von EA sind die Besten! Was würd ich ohne diese Firma bloß machen!

  79. Mnemonic

    Ah, jetzt ja! Da war eine verspiegelte Hausfront. Da bin ich aber nicht reingekommen. Hab das Spiegelpalast-EasterEgg wohl übersehen. Gleich nochmal ausleihen und suchen…

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