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Rollenspiele revisited

mit 8 Kommentaren

Geeks, Leser, Freunde: Nachdem wir endgültig geklärt haben, dass Rollenspiele in Fantasy-Settings ausgesprochen verdammenswert sind (um uns dann Dragon Age doch zu kaufen… Pack schlägt sich, Pack verträgt sich), schlimmer als Stromberg oder jegliche Form der Fan-Art, wollen wir uns kurz einer Eigenheit des Genres widmen – nämlich, dass er seinem Titel nich wirklich gerecht wird. Computer- und Konsolenrollenspiele beziehen ihren Namen von Pen&Paper-Rollenspielen und bei diesen ging es tatsächlich, um das Spielen einer erfundenen Rolle. Die Übertragung konnte nicht gelingen, so viel ist klar: Wie soll der Rechner mit dem menschlichen Geist mithalten. Während das Pen & Paper ein in Möglichkeiten fast unbegrenztes Medium ist, entblößen sich Rollenspiele auf dem PC jedes Mal als äußerst eingeschränkt, wenn sie versuchen, sich den Freiheiten des Vorbilds anzubiedern, also wenn sie Entscheidungen anbieten, die einem erlauben sollen, zu projizieren. Die Vorstellung der Existenz als eines Ergebnisses sich immer filigraner verästelnder Entscheidungen geht mit der Assoziation einher, es existiere eine besondere Trennschärfe zwischen den Entscheidungen, die man treffen kann – dabei wird jeder, der ein Date hatte wissen, dass Nuancen ebenso bestimmend sind wie der Gedankenkitsch der prinzipiellen Gesinnungsentscheidungen, die einem von PC-Rollenspielen settingsunabhängig angeboten werden. Video-Rollenspiele ähneln daher viel mehr den Büchern unserer Kindheit, bei denen man verschiedene Erzählwege einsehen konnte, indem man aus angebotenen Handlungsalternativen aussuchen durfte. Diese Rudimentarität entsteht dort wo es keinen geschickten Spielleiter gibt, der auf den spontanen Entscheidungen der Spieler sinnvoll entgegenkommen kann. Unsere Computer sind eben besser darin, Sachen zu drucken und Geräusche zu machen.

Was mich persönlich an diesem Thema interessiert: Wie mehrmals erwähnt projiziere und erzähle ich inzwischen (wieder) besonders stark bei Spielen, die selbst wenig erzählen wollen und dafür unbestimmt und abstrakt genug sind, um meine Prozesse nicht zu behindern: bei Geometry Wars 2 mehr als bei besagtem Dragon Age. Das letzte ist – um hier mal eine Kurzrezension einzuschieben – der übliche, schon 200 Mal gespielte Scheißdreck. Zurück zum Projizieren: Ich schaffe es tatsächlich die verschiedenen Spielmodi bei GW2 mit entsprechenden, infantilen Geschichtlein zu versehen, schreibe diese manchmal sogar auf und lache dann darüber. Es macht mir viel Spaß! Bei Dragon Age komme ich mir, ob des erdrückenden Kitschs, blöd vor. Wirklich. Seien wir doch ehrlich und sagen wir „Dämoneninvasion“ laut. Krass, oder?

Abschließend: Rollenspiele sind falsch betitelt, es gibt Genres, die dieser Unterhaltungsabsicht besser nachkommen. Rollenspiele sind, wenn herkömmlich, je mehr ich über sie nachdenke, das schlimmste aller Genres. Sie können aber mehr – und das will ich in einem weiteren Text näher erläutern, wo wir auch klären müssen, wieso Stats und Loot so cool sind und wir und an ihnen in jedem Genre erfreuen können. Bis dann.

Geschrieben von balkantoni

November 7, 2009 um 9:01

Veröffentlicht in Flow

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8 Antworten

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  1. Habe der Diskussion momentan nicht viel Sinnvolles hinzuzufügen… ALLERDINGS… haben Sie, Herr Toni, sich entschieden vielleicht noch ein paar alten und verwahrlosten C-Rollenspielen ein Zuhause zu geben?

    Ansonsten sage ich nur P&P RPGs mit cleverem Spielleiter = größter Spaß in diesem Universum jenseits von Drogen und Sex.

    Aulbath

    November 7, 2009 um 9:50

  2. And the winner in the categorie „shortest short-recension“ is:
    „der übliche, schon 200 Mal gespielte Scheißdreck“ :D

    An dieser Stelle noch ein atmosphärischer Screenshot aus dem Eurogamer Review (macht sich auch gut als Wallpaper):
    http://fumpr.com/images/6jpg.jpg

    Beim Thema Rollenspiele muss man sich wohl darauf einigen dass sich der Begriff verselbständigt hat und jetzt als Bezeichnung für etwas steht was mit den Ursprüngen nicht mehr soviel zu tun hat oder sich nur einem winzigen Teil daraus bedient.
    Wenn ich Singleplayer RPGs spiele dann erwarte ich eigentlich nicht mehr die Freiheit und die unzähligen Möglichkeiten die einem die PR Abteilung weiß machen will sondern eine unterhaltend erzählte Geschichte bei der ich hin und wieder mal sage ob links oder rechts rum.

    Aber es gibt durchaus Spiele die zumindest eine sehr gute Basis für Rollenspiel bieten auch wenn eher ungewollt. Ich habe zum Beispiel viel schönes Rollenspiel auf Ultima Online Freeshards erlebt, und dergleichen läuft ja auch bei Neverwinter und anderen. Ist natürlich nichts anderes als eine digitale P&P Runde.

    onkl

    November 7, 2009 um 10:08

  3. Da stimme ich dir zu, Onkl! Darüber hinaus will ich sagen, dass SP-RPGs durchaus sinvolle Übertragungen aus dem P&P vorgenommen haben, doch dazu mehr im nächsten Text. :)

    balkantoni

    November 7, 2009 um 10:23

  4. Naja… bei einem Rollenspiel spiele ich eine mir vorgegebene Figur nach. Wo da jetzt Gewissensentscheidungen und verästelte Entscheidungen im Wortstamm stecken erschließt sich mir nicht ganz :P

    Das kommt wohl daher das sich die Gattung Rollenspielen recht oft bei Table-Top Regelwerken bedient hat und man diese dann miteinander verbindet…

    Aber das ist irgendwie auch Haarspalterei…

    Wobei ich dir vollkommen übereinstimme das der Plot von Dragon Age und all den anderen zum Schämen ist… nur gilt das leider für fast jedes storylastige Spiel.

    Ach, ich bin in einem Rennspiel auch noch nie gerannt^^

    epospecht

    November 7, 2009 um 10:32

  5. „Naja… bei einem Rollenspiel spiele ich eine mir vorgegebene Figur nach. Wo da jetzt Gewissensentscheidungen und verästelte Entscheidungen im Wortstamm stecken erschließt sich mir nicht ganz“

    Nun, häufiger hast du doch die Wahl selbst eine Figur zu erstellen, die dann irgendwie „dein“ Charakter sein soll – das ist ja schon die erste Entscheidung. Später dann: Töte oder verschone ich den Ork usw…

    „Das kommt wohl daher das sich die Gattung Rollenspielen recht oft bei Table-Top Regelwerken bedient hat und man diese dann miteinander verbindet…“

    Eher bei P&P-Regelwerken – die alten RPGs der „Gold Box“-Zeit stellten ja den Versuch dar, die P&P-Erfahrung auf den Rechner zu führen.

    balkantoni

    November 7, 2009 um 11:28

  6. Stimmt, sobald eine Charaktergenerierung ins Spiel kommt dann ist`s Essig mit meinem Statement. Wobei Charaktergenerierung für mich eh selten dämlich ist weil kein Entwickler im Spiel auf die so generisch geschaffenen Eigenschaften adäquat eingehen kann. Aber das war ja auch Inhalt deines Beitrages. Da stimme ich dir vollkommen zu.

    epospecht

    November 7, 2009 um 11:47

  7. Skandal: Balkantoni und SpielerDrei gleiche Person.

    Auf meinem Desktop, im Polyneuxordner, eine txt-Datei vom 3.7.09 namens „Geometry Wars Storyline“, im Text dann um den Modifikator 8bit ergänzt, mit dem Inhalt:
    „Pacifism: Barbar ohne Waffen muss die Tore schließen, durch die düsterer Gott kommen will, während dessen Jünger ihm, dem Barbaren, folgen – das Betreten dieser Tore durch einen Ungläubigen zerstört diese.“

    Das Ganze war zumindest bei mir das Endergebnis der ursprünglichen Idee, jedem Modus eine Philospohierichtung bzw. Religion zuzuordnen. Und bei dir so?

    SpielerDrei

    November 8, 2009 um 7:39

  8. Bei mir ist es ein Reisebericht, der in Briefen an Freunde verfasst ist. Das liegt daran, dass ich zur Zeit Gontscharows „Briefe einer Weltreise“ lese!

    balkantoni

    November 8, 2009 um 9:19


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