Archiv für November 2009
Way to go, Videospiele!
Wozu auf Diablo III warten…
…wenn ich Torchlight spielen kann. Für halb so viel Kohle. Ganz ehrlich: Bestes Spiel seit Jahren. Das vollkommene Destillat eines Genres; von Leuten, die nichts anderes als dieses Genre im Kopf haben (wohl ehem. Diablo und Fate-Gestalter): Skills und Pets, Monster und Loot. Ich spiele ab jetzt tagelang nur Torchlight. Sorry Dragon Age, deine Pussy ist mir einfach viel zu froschig.
Wer das abschließende Zitat einordnet, ist cool.
Gamestar rehabilitiert sich (nicht): Teil 1
Die Gamestar und mit, das ist die intensive Liebesbeziehung zwischen einem muskulös-athletischen Jüngling (=ich) und einer drallen, alten Matrone (=Gamestar). Wir hassen und lieben und zugleich. Vor Freunden beschimpfe ich sie, habe keine Hemmungen, Intimitäten vor anderen zu entblößen, um sie zu verletzen, aber einmal im Monat kommen wir zusammen und verbirngen eine halbe Stunde mit Erinnerungen und Muße. Der Hass kommt dann später, wenn ich Zeit zu reflektieren habe! Dann sage ich wie Iwan Gontscharow: Diese Beziehung macht mich kaputt, ich verlasse sie doch immer wieder „unrasiert, blaß und mager“! Wieso kann ich mich ihr nicht entziehen? Wieso kaufe ich die Gamestar doch jeden Monat? Wieso versuche ich nicht mal bei der dümmlichen Klapperscheuche GEE zu scoren?
Ich weiß es nun: Es ist die liebenswerte Mischung aus Naivität, Unprätenziösität, Zugänglichkeit und Authentizität, die ich an der Gamestar mag. Da wo sie scheiße ist, ist sie zumindest auf eine aufrichtige und transparente Art scheiße. Werde ich jemals meinen Frieden mit ihr finden? Ich weiß es nicht. Wenn ich solche Artikel lese, will ich es fast glauben:
http://www.gamestar.de/kolumnen/2310352/modern_warfare_2_killt_die_spielekultur.html
Ich könnte so vieles anfachten, doch stets nur in semantischer Haarspalterei. Eigentlich stimme ich der Grundaussage zu. Ich finde den Text sympatisch.Es ist stärker als ich.
(Okay: Ich nehme ALLES zurück. Der Text ist panne²³. Ich sollte nicht mehr an Tagen schreiben, an denen ich entspannt, glücklich und zufrieden bin. Da kommt nichts Vernünftiges ‘raus. Allerdings finde ich die Diskussion im Comment-Teil überraschend befriedigend, insbesondere wenn man bedenkt, dass ich da den Hintern versohlt bekomme.)
Rollenspiele revisited
Geeks, Leser, Freunde: Nachdem wir endgültig geklärt haben, dass Rollenspiele in Fantasy-Settings ausgesprochen verdammenswert sind (um uns dann Dragon Age doch zu kaufen… Pack schlägt sich, Pack verträgt sich), schlimmer als Stromberg oder jegliche Form der Fan-Art, wollen wir uns kurz einer Eigenheit des Genres widmen – nämlich, dass er seinem Titel nich wirklich gerecht wird. Computer- und Konsolenrollenspiele beziehen ihren Namen von Pen&Paper-Rollenspielen und bei diesen ging es tatsächlich, um das Spielen einer erfundenen Rolle. Die Übertragung konnte nicht gelingen, so viel ist klar: Wie soll der Rechner mit dem menschlichen Geist mithalten. Während das Pen & Paper ein in Möglichkeiten fast unbegrenztes Medium ist, entblößen sich Rollenspiele auf dem PC jedes Mal als äußerst eingeschränkt, wenn sie versuchen, sich den Freiheiten des Vorbilds anzubiedern, also wenn sie Entscheidungen anbieten, die einem erlauben sollen, zu projizieren. Die Vorstellung der Existenz als eines Ergebnisses sich immer filigraner verästelnder Entscheidungen geht mit der Assoziation einher, es existiere eine besondere Trennschärfe zwischen den Entscheidungen, die man treffen kann – dabei wird jeder, der ein Date hatte wissen, dass Nuancen ebenso bestimmend sind wie der Gedankenkitsch der prinzipiellen Gesinnungsentscheidungen, die einem von PC-Rollenspielen settingsunabhängig angeboten werden. Video-Rollenspiele ähneln daher viel mehr den Büchern unserer Kindheit, bei denen man verschiedene Erzählwege einsehen konnte, indem man aus angebotenen Handlungsalternativen aussuchen durfte. Diese Rudimentarität entsteht dort wo es keinen geschickten Spielleiter gibt, der auf den spontanen Entscheidungen der Spieler sinnvoll entgegenkommen kann. Unsere Computer sind eben besser darin, Sachen zu drucken und Geräusche zu machen.
Was mich persönlich an diesem Thema interessiert: Wie mehrmals erwähnt projiziere und erzähle ich inzwischen (wieder) besonders stark bei Spielen, die selbst wenig erzählen wollen und dafür unbestimmt und abstrakt genug sind, um meine Prozesse nicht zu behindern: bei Geometry Wars 2 mehr als bei besagtem Dragon Age. Das letzte ist – um hier mal eine Kurzrezension einzuschieben – der übliche, schon 200 Mal gespielte Scheißdreck. Zurück zum Projizieren: Ich schaffe es tatsächlich die verschiedenen Spielmodi bei GW2 mit entsprechenden, infantilen Geschichtlein zu versehen, schreibe diese manchmal sogar auf und lache dann darüber. Es macht mir viel Spaß! Bei Dragon Age komme ich mir, ob des erdrückenden Kitschs, blöd vor. Wirklich. Seien wir doch ehrlich und sagen wir „Dämoneninvasion“ laut. Krass, oder?
Abschließend: Rollenspiele sind falsch betitelt, es gibt Genres, die dieser Unterhaltungsabsicht besser nachkommen. Rollenspiele sind, wenn herkömmlich, je mehr ich über sie nachdenke, das schlimmste aller Genres. Sie können aber mehr – und das will ich in einem weiteren Text näher erläutern, wo wir auch klären müssen, wieso Stats und Loot so cool sind und wir und an ihnen in jedem Genre erfreuen können. Bis dann.