Rollenspiele
Ich hatte diesen langen, laangen Artikel über Rollenspiele geschrieben – ich schreibe schon seit April daran. Ich wollte schon immer etwas über dieses Genre – mein Lieblingsgenre – schreiben. Der Grund, wieso ich schon so lange an dem Artikel schreibe und ihn einfach NICHT fertig bekomme ist Folgender: Rollenspiele haben ein politisches Moment, dessen Epizentrum Fantasy-Stereotypen darstellen, die krebsartig alles verschlingen, das sich in die Nähe wagt – so auch den Spieler.
Fantasy und Rollenspiele in Fantasy-Settings (soll also heißen: mit Prinzen, Elfen, Zwergen und dem ganzen sonstigen Scheißdreck) sind der fieseste aller Bauernfänger. Die Fantasy ist in jeder Form – ob als Buch, Computer- oder Pen & Paper-Spiel – pures, finsteres Gift. Ihre Simulation des Abenteuers kommt mit einem Regenbogenumhang rassistischer Ideologien und das schockierende ist, dass man unter den Konsumenten unseres Mediums trotz des 20. Jahrhunderts nicht wirklich findet, darüber diskutieren irgendwie diskutieren zu müssen. Die Gedankenkotze des Ethnopluralismus, verkörpert vom Nebeinander verschiedener Rassen, die sich hassen (aber das ist ja witzig) und nur – wie im Falle der Halb-Orks – durch Vergewaltigung vermischt und somit verschmutzt (wie von den Intelligenz-Mali dieser Rasse neonartig signalisiert) werden können: völlig ok! Das scheußliche Miasma einer Ständegesellschaft, die auf einsichtiger Unterwerfung des Dieners und der gerechten Tötung des Usurpators fußt: großartig!
Es ist zu viel. Ich kann Spiele wie Fallout, die sich liebenswerter geben, gar nicht besprechen; diese Nähe macht es unmöglich. Es geht nicht. Es ist stärker als ich. Wenn ich an Fantasy-RPGs denke, so hasse ich Computerspiele. Ich hasse Menschen, denen sie wichtig sind (also auch mich selbst). Ich hasse Menschen, die sich abends wollüstig auf die behaarte Welt der Rassen- und Standesschande einlassen können, um morgens ganz libertär zu werden und zusammen mit anderen Miniatur-Rassisten gegen Zensur zu petitionieren. Ich hasse Firmen, die solche Spiele überhaupt herstellen. Ich hasse unsere Leser. Ich hasse andere Blogs. Ich hasse alles an diesem Medium, an sener dümmlichen Belanglosigkeit, an diesem von-Bauern-für-Bauern-Faszinosumsknoten. Ich hasse es, dass ich dies nicht schon früher geschrieben habe.
So, ich spiel’ jetzt Zuma!
Aber sonst ist mit dir alles in Ordnung? Zu viel Anabolika geschluckt?
Es sind nur Spiele verdammt! Sitzt du bei jedem Gegner den du niedermeuchelst heulend vorm Bildschirm? So hört es sich nämlich an…
Reiß dich zusammen ey ….
C4rdin4l
Oktober 17, 2009 um 9:01
Vielleicht kannst du mir ein bisschen Nachhilfe in diesem Härteding geben – hast du bestimmt in der Hauptschule gelernt.
balkantoni
Oktober 17, 2009 um 9:09
Wie ich hier mal rausgelesen habe, bist du Pädagoge, oder? Und als Pädagoge solltest du eigentlich solche Aussagen meiden.
C4rdin4l
Oktober 17, 2009 um 9:25
Wie ich an deinem Nick lese, bist du ein Vollhonk. Und als solcher solltest du diese Seite meiden.
balkantoni
Oktober 17, 2009 um 9:28
Wieder so ein Thema: Alles und Jeden kritisieren, aber wenn dir selbst mal irgendeine Art von Kritik entgegenfliegt, dann findest du keine Argumentation.
Ja okay, ich muss zugeben, dass mein erster comment vielleicht ein wenig harsch daher kam. Ich mag deinen Blog, ganz ehrlich! Lese regelmäßig, bin Feedabonnent usw.usf …
Und da es hier eine Kommentarfunktion gibt, dachte ich mir das dir auch konstruktive Kritik wichtig ist.
Und als konstruktive Kritik lass bitte gelten, dass diese Blogeintrag sehr wirr ist!
C4rdin4l
Oktober 17, 2009 um 9:36
Konstruktive Kritik liefert Argumente. Du nicht. Wir wären nicht traurig, wenn du uns aus deinem Feedreader nimmst, im Gegenteil.
marc
Oktober 17, 2009 um 9:44
Okay, ihr habt recht.
C4rdin4l
Oktober 17, 2009 um 9:45
Mein Punkt ist: Mir ist klar, dass ich weder perfekt noch vorbildlich bin – aber es ändert nichts an meiner Aussage. Wenn du den Eintrag wirr findest, so lies’ mal was zum Begriff des Ethnopluralismus und dessen Rolle in der Ideologie der neuen Rechten nach – ich glaube, dass dir danach klarer werden wird, worauf ich hinaus wollte.
Und mit harsch habe ich kein Problem, ich teile aus und stecke ein und wenn ich mich mal irre und Argumente anderer anerkennen muss, so gebe ich das offen zu (siehe hierzu letzten Blog-Eintrag, bzw. dessen Comments) – aber dann bitte harsch und on point. Ich verlange ja weder einen Boykott, noch ein Verbot von Fantasy-RPGs – ich will bloß mal ihre krasse Nähe zum rechtsextremen Gedankengut diskutieren. Klar sind es einerseits „nur“ Spiele – doch hier finde ich unsere Leser oftmals auch inkonsequent, denn wenn es darum geht einen unbequemen Punkt an Spielen zu diskutieren, bagatellisieren wir unser Lieblingsmedium und behaupten, diese Sachen seien gar nicht der Diskussion wert. Wenn es aber darum geht, dass Spiele zensiert werden sollen, scheinen wir uns alle einig, dass Spiele mehr als „bloß Spiele / Unterhaltung“ sind und erklären sie zum beschützenswerten Kulturgut. Ja, was jetzt? Wenn Spiele mehr als „nur“ Spiele sind, so können wir doch über solche Schattenseiten diskutieren – wenn nicht, so kann es uns doch egal sein, ob man sie zensiert / uns vorenthält.
Verstehst du, worauf ich hinauswill?
balkantoni
Oktober 17, 2009 um 9:47
Hmm… nur so in den Raum geworfen, diese Gedankenkotze entspricht doch aber ziemlich der Gedankenkotze der Wirklichkeit, oder? Ich sage nur Sarazin und die breite Zustimmung die er empfangen hat.
Nun habe ich politisches Glatteis betreten… in einem Spieleblog… schon wieder, das kann nur schiefgehen :/
IMO zieht sich das Thema durch sämtliche Unterhaltungsmedien… nach 9 Stunden Arnold Schwarzenegger Filmmarathon gestern nacht war es schon auffällig wer die Gegner waren. Selbst bei Terminator 2 ist der Grund für Skynet und den folgenden Weltuntergang ein schwarzer Wissenschaftler… und das obwohl die Aussage des Films eigentlich uns alle betrifft.
Ich möchte mir jetzt lieber nicht meine Spielesammlung vor Augen führen, den praktisch jedes Spiel was ich besitze, hat wenigstens fetzenweise etwas von dem Regenbogenumhang dabei… was mich aber interessieren würde, woher dein Text jetzt gerade kommt und ob es einen speziellen Anlass gibt?
Und wie soll man das Problem anpacken… Existenz-Ängste und das Dominieren anderer sind doch die grundsätzlichsten aller Dinge an (Video)Spielen.
Aulbath
Oktober 17, 2009 um 9:51
Ich verstehe jetzt worauf du hinaus wolltest mir deinem Beitrag.
Aber deinen Grundgedanken bezüglich der rechtsextremen Nähe kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
Es mag sein, dass wir Deutschen aufgrund unserer Vergangenheit da etwas sensibler sind, aber genau das sollte aufhören.
Rechtsextremität kannst du heutzutage mit genügend Freigeist jedem Medium entnehmen. Und wenn du denkst, dass deine Rollenspiele eine „rechtsextreme Nähe“ haben. Dann bitte, bitte lieber Balkantoni: Spiele nie Resident Evil 5!
C4rdin4l
Oktober 17, 2009 um 11:05
Ohh… Resident Evil 5… da ist es wieder!
Aulbath
Oktober 17, 2009 um 11:10
Oh ja. Die Sehnsucht nach einfachen Verhältnissen… gut/böse, schwarz/weiss, Elfen/Orks, Inländer/Ausländer, Internationale Weltverschwörung. Fantasy lagert diese Sehnsucht in eine Welt aus, die (scheinbar) so weit von der eigenen entfernt liegt, dass hier unbeeinflusst vom komplexen Weltverständnis der Aufklärung gehandelt werden darf.
Man muss sich nur mal ansehen wieviel Wert Tolkien auf die Rekonstruktion der Stammbäume seiner Helden legt (und im Vorwort versucht alle potenziellen Interpretationen weit von sich zu weisen… der Depp)
Btw, was ist an Fallout grundsätzlich besser? Mutanten, unreine, darf ich auch hier ungefragt wegmetzeln, denn sie sind ja dumm und hässlich.
Ben
Oktober 17, 2009 um 12:28
Ben hat’s mal wieder gesagt: Fantasy ist ja meist eine Welt, die überschaubar und befreit von der Moderne ist, durch Magie o.ä. heimliger als das wirkliche Mittelalter gemacht. Ob man nun aber Feindschaften und Kriege zwischen Ländern, Herrschern oder Adelshäusern hat (wie im Mittelalter) oder dies eben auf verschiedene Rassen/Völker im Fantasy-Sinne auslagern, ist mir wurscht. Ich hab da kein Problem mit und finde die Aufregung auch durchaus konstruiert.
Tolkien ist natürlich ein ziemlich komplexes Thema, denn vieles zu seinen Figuren und Völkern ist aus heutiger Sicht schon befremdlich.
Fallout ist besser, weil man da jeden wegmetzeln kann und die Super-Mutanten quasi als Reagenzglas-Arier vom Master gemacht wurden. Ob sie dadurch zur Ausrottung freigegeben sind, ist was anderes. Es wird im Spiel hie und da durchaus nuanciert thematisiert (im 2. Teil werden sie dann zu „Normalos“), aber sie bleiben halt die bad guys.
HomiSite
Oktober 17, 2009 um 1:20
In einem der beiden ersten zwei Fallouts gab es aber schon das Mutanten Dorf wo man sich entweder auf die Seite der Nazimenschen oder die der Mutanten schlagen konnte. Und letztendlich war der Oberbösewicht auch immer ein Mensch. Vom dritten Teil habe ich keine Ahnung aber im „richtigen“ Fallout war es doch eigtl. alles richtig gemacht und die Abgründe der Zivilisation traten nur da auf wo sie thematisiert wurden (Sklavenjäger z.B.).
onkl
Oktober 17, 2009 um 1:38
@ Homisite: Ich finde eher deine Nonchalance konstruiert. Wenn es für uns Eskapismus bedeutet, unsere wohl überfordernd „komplizierte“ Existenz gegen eine Einfach zu tauschen, in der Krieg die Lösung und Rassen klar getrennt und in einem konfliktbeladenem Nebeneinander existieren, so frage ich mich: Was stimmt denn bitte nicht mit uns, dass DAS die einfachere / bessere / überschaubarere Welt sein soll, von der wir träumen. Wieso kann man nicht lieber „Harvest Moon“ spielen, wenn man es rustikal und einfach haben will?
balkantoni
Oktober 17, 2009 um 2:46
Dann darfst du dich aber nicht auf Fantasy versteifen, denn fast alle Spiele-Settings sind doch irgendwie siimplifiziert, reduziert und bieten oft eindeutige Feinde. Und gerade solche klischeehaften, vielleicht plump oder unpassend erscheinenden Reduzierungen ermöglichen auch, spezielle Probleme und Fragestellungen zu akzentuieren, wenn ein Spiel das will.
HomiSite
Oktober 17, 2009 um 3:06
Ein Ego-Shooter, der Rassenreinheit propagiert, muss mir noch unter die Augen kommen.
balkantoni
Oktober 17, 2009 um 3:59
Wie hier schon erwähnt wurde hat die klassische Fantasy ihren Kern in einer mittelalterlichen Gesellschaft. Das heißt sie wird vom Ständedenken, von Inquisition, von Fehden und all dem Gedöns der damaligen Zeit geprägt.
Zudem benötigt jede Geschichte Konfliktpotential. Und dieses Konfliktpotential muss den „Umständen“ der damaligen Zeit entsprechen ohne einen Logik- und Atmosphärebruch zu erzeugen. Die Welt war damals nicht vernetzt, man kannte die Menschen aus dem nächsten Dorf kaum, geschweige denn die der nächsten Stadt. Und man lebte in Zeiten relativer Beständigkeit mit großem Augenmerk auf Tradition. Und war ungebildet.
Da bietet sich ein Konflikt mit Menschen die man
a.) nicht kennt
b.) Die fremdartig erscheinen
c.) die eine andere Lebensweise bevorzugen
geradezu an. Das wäre die natürlichste Reaktion der Welt. Und wenn ich mir die Rivalität zwischen manchen deutschen Dörfern bzw. deren Einwohnern anschaue oder aber auch die abschätzigen Bemerkungen unsereiner zu anderen Bevölkerungsgruppen hier in Deutschland (Die Bayern, die Sachsen etc.) dann wäre das auch heute noch aktuell. Nur sehe ich da keine rechtsextremistischen Tendenzen.
Zudem sind die klassischen Fantasyrassen doch nur eine Aufzählung der verschiedenen Lebenseinstellungen des Menschen. Da gibt es die Fraktion der Hippies in den Wäldern die in Einklang mit der Natur leben wollen (Elfen), das arbeitsame aber wortkarge Arbeitertum (Zwerge), Religions- bzw. Spiritualitätsfanatiker die ihr Leben einem höheren Ziel widmen in vielerlei Ausführungen (Priester, Zauberer, Magier) etc.
Extra schön plakativ wird der „Rasse“ dann noch ein optisches Element gegeben (Kleinwuchs, lange Ohren, Bärte) und fertig ist das Standard-Fantasy Gedöhns. Nur von einem Rassekampf im Sinne nationalsozialistischer Ideologie sehe ich da nichts.
Ich sehe da nur ungeheure Langweile weil mich dieser Elfenmurks so unglaublich nervt. Gerade bei The Witcher, einem der m.M.n. besten Rollenspiele überhaupt das es schafft mit der Niedertracht und dem Egoismus des Menschen genug Konfliktpotential für 10 Spiele aufzutun, wirkt der Storyumschwung hin zu den Anderlingen und dem Elfenverschnitt unmotiviert und schlicht dämlich.
epospecht
Oktober 17, 2009 um 4:50
Achja… und jeder „moderne“ Militärshooter (Cod4, Black Hawk Down etc.) propagiert, wenn nicht Rassenreinheit so doch eine klare moralische Zweiteilung in Bewohner einer demokratischen Industrienation und islamischer Welt.
epospecht
Oktober 17, 2009 um 4:53
Naja, aber die meisten Fantasy-Geschichten machen eben genau das, sie geben als Grund für die Unterschiede nicht Lebensweisen, Einstellungen und Ansichten an, sondern die Abstammung. Im Gegenteil werden sogar die Lebensweisen durch die Gene determiniert.
Das darf man durchaus bedenklich finden, zumal es die meisten in diesem Genre beheimateten Texte lediglich unkritisch aufgreifen.
Komisch dass im SF-Bereich öfter auf kulturelle Unterschiede verwiesen wird.
Ben
Oktober 17, 2009 um 8:12
Während sich aber die SF in vielen Fällen als Linienverlängerung und Kommentar sozialer Verhältnisse und Entwicklungen ihrer Entstehungszeit versteht, besteht die einzige Wechselwirkung zwischen der Fantasy und einer Gesellschaft, die ihr Entstehen beherbergt in einer Ablehnung dieser. Dies äußert sich in harmlosem Gedankenkitsch der Naturglorifizierung (klar, weil die industrialisierte Gesellschaft als negativ empfunden wird wie Aulbath schon richtig bemerkte) aber auch in wesentlich problematischeren Standpunkten wie eben einer unreflektierten Weiterverwendung rassistischer Motive. Diese sind außerdem meiner Meinung nach NICHT ans mittelalterliche Weltbild angelehnt, sondern an den neuzeitlichen Rassismus, dessen Grundlage ja das Prinzip klar voneinander abgegrenzter „Rassen“ ist und der auch den Holocaust ermöglichte. Tolkiens Fantasie vom „nordischen“ Kulturgeist oder von niederträchtigen Orks als einem Ergebnis der Rassenmischung sind jedenfalls ein direktes Ergebnis solcher Überzeugungen, wenn er auch wohl in später Altersmilde davon abgerückt sein mag.
balkantoni
Oktober 17, 2009 um 11:40
„Ein Ego-Shooter, der Rassenreinheit propagiert, muss mir noch unter die Augen kommen.“
http://en.wikipedia.org/wiki/Ethnic_Cleansing_(video_game)
„Da gibt es die Fraktion der Hippies in den Wäldern die in Einklang mit der Natur leben wollen (Elfen), das arbeitsame aber wortkarge Arbeitertum (Zwerge), Religions- bzw. Spiritualitätsfanatiker die ihr Leben einem höheren Ziel widmen in vielerlei Ausführungen (Priester, Zauberer, Magier) etc.“
Das Problem ist halt, dass ganze Rassen über einen Kamm geschoren werden, was die Welt schön einfach macht, aber bestimmte Rassen zwangsläufig als böse kennzeichnet (http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/AlwaysChaoticEvil ), und halt schon nahe an der ganzen „Untermensch“-Geschichte der Arschlöcher ist.
Diese Rassentrennung macht natürlich überhaupt keinen Sinn (Orkbabies werden böse geboren? Wirklich?), hat aber Tradition, und nur wenige Fantasykonzepte entfernen sich weit von Tolkiens Protorassen, geschweige denn von dieser Dichotomie. Japanische Rollenspiele sind da aber deutlich weiter und verzichten oft auf Rassenfragen – und solange Grottenschrate und Goblins nur als Zufallsbegegnungen wie Grünschleim, Gargülen und Ghule auftreten, seh ich da auch kein großes Problem. Den Sinn und Unsinn der goblingenoziddurchführenden, gefeierten Helden habe ich ja auch mal am Rande behandelt (http://www.polyneux.de/archiv/131-tagebuch.html ), wenn auch mit deutlich weniger Leidenschaft.
Im Gegensatz zu Balkantoni erinnert mich die klassische Rollenspielmentalität aber mehr an die Kolonisationszeit – wir sind die Europäer, wir schreiben die Geschichtsbücher, ihr seid Wilde und unzivilisiert, und all euer Gold gehört uns, weil wir euch gerade entdeckt haben.
SpielerDrei
Oktober 18, 2009 um 4:20
Fällt mir ja jetzt erst auf: Erst sich hier groß über den Rassismus in Spielen aufregen, nur um gleich danach alles schön der Farbe nach zu sortieren, zum Zwecke der Vernichtung. Nur du und dein Frosch können die Welle der Andersfarbigen aufhalten!
SpielerDrei
Oktober 18, 2009 um 4:27
Jaa, tschuldigung, aber man kann halt Kommentare nicht editieren. Passend zum Thema:
http://badgods.com/orc.html
Und ich hab meine Links im ersten Kommentar versaut. Sorry!
SpielerDrei
Oktober 18, 2009 um 4:31
Das ärgerliche ist ja nicht unbedingt dass Spiele diese Motive aufgreifen (die strukturelle Klarheit ist sicherlich einer der primären Erfolgfaktoren von Spielen), sondern dass sie das vollkommen unreflektiert tun. Mir fällt da spontan nur Planescape: Torment ein, welches durch das (vorgegebene) Setting, in dem die Moral ganzer Welten vorherbestimmt ist, eine Reflexion dieser Strukturen von Anfang an anregt. Wenn ich dagegen bei einem Baldur’s Gate (2) suche, müsste ich schon ziemlich konstruieren um meine uneingeschränkte Begeisterung für das Spiel dahingehend zu rechtfertigen… maximal die Antagonisten Irenicus und Bhodi, sowie der ein oder andere Mitstreiter, brechen das Gute Rasse/Böse Rasse-Schema. Ganz furchtbar ist es übrigens bei den Dunkelelfen, bei denen sogar der Sex als „pervers“ konnotiert wird.
Ben
Oktober 18, 2009 um 1:51
- „Naja, aber die meisten Fantasy-Geschichten machen eben genau das, sie geben als Grund für die Unterschiede nicht Lebensweisen, Einstellungen und Ansichten an, sondern die Abstammung. Im Gegenteil werden sogar die Lebensweisen durch die Gene determiniert.“
Wenn du als Dunkelelf geboren wirst, dann vermutlich innerhalb der Dunkelelf Gesellschaft und deine Eltern ziehen dich dann auch so auf. Also wo wird denn speziell auf Abstammung verwiesen? Das müssten dann ja Dunkelelfen sein die unter Zwergen aufwachsen und trotzdem so sind wie ihre Artgenossen in der Heimat. Gibt es dafür soviele Beispiele?
Aber dennoch sind die Fantasyrassen meist auch wirklich Rassen im Sinne von, verschiedene Lebewesen, wie Hund und Katze, also nicht miteinander verwandt. Unterschiedliche Instinkte wären also nicht unglaubwürdig, eine Katze bleibt nunmal eine Katze auch wenn sie unter Hunden aufwächst.
In vielen Fantasyspielen scheint mir Rassismus aber auch nicht nur unbedacht übernommen sondern thematisiert. Bspw. in einem Teil des schwarzen Auges kam man in ein Dorf mit Elfenhassern und Elfen der eigenen Party wurden beim Betreten von einem Pfeil getroffen und durften nicht in bestimmte Häuser eintreten. Außerhalb der Stadt wohnte ein vertriebener Elf der des Mordes beschuldigt wurde etc.
Im Witcher war der Konflikt zwischen Humans und Non-Humans auch zentraler Bestandteil der Geschichte und der Spieler zwischen den Fronten (als genetisch veränderter Mensch).
onkl
Oktober 18, 2009 um 2:32
Naja, das fängt an dem Punkt an an dem ich „Dunkelelfen“ sage und nicht Gläubige Loths(? bin bei D&D nicht 100%ig sattelfest) oder Bewohner der Unterwelt. Ersteres verweist auf die Abstammung (Rasse inklusive der äusseren Erscheinung), letzteres auf die Kultur und Lebensweise.
Was DSA angeht, sind zumindest die Dunkelelfen als böse Wesen erschaffen worden, die Blümchenkuschelelfen kann man per Definition nicht wirklich verstehen (haben übrigens auch komische Sexualitätsvorstellungen) und Halbelfen haben, egal wo und wie sie sozialisiert sind, stets Identitätsprobleme.
Ben
Oktober 18, 2009 um 4:23
Die Fantasy hat ja durchaus Potential die multikulturelle Gesellschaft und ihre Herausforderungen zu thematisieren (Terry Pratchett macht es ja etwa gelegentlich) – schließlich gibt es ja stets die stereotype Metropole in der alle nebeneinander existieren dürfen – allerdings müsste man sich dafür ja von der Vorstellung von rassischen Prägungen loslösen. As it stands: Die Fantasy spielt ja auch relativ lüstern mit den schlimmsten Stereotypen wie man sie aus dem Antisemitismus oder der Kolonialzeit kennt: sexuelle Devianz (wurde sowohl Juden als auch Afrikanern unterstellt), Habgier und Hinterlist (Juden), impulsive Gewaltbereitschaft mit gelegentlicher Ehrenkodex-Unterlegung (der noble Wilde aus Afrika). Es ist ja nicht so, dass man sich in der Fantasy ganz neue Vorurteile ausdenkt – man übernimmt vorhandene und tut so als seien sie nicht weiter interessant, weil ja vermeintlich entkontextualisiert.
balkantoni
Oktober 18, 2009 um 6:13
Als jemand, der gewöhnlich einen großen Bogen und Fantasy-RPGs macht, dachte ich bisher, dass dieses Rassending eigentlich primär aufgrund von spielerischer Bequemlichkeit existiert.
In einer frei begehbaren Welt mit zigtausend NPCs müssen die sich ja irgendwie unterscheiden, um beim Spieler memorabel zu sein. Die Rassenschiene erscheint da als einfachster Weg, da man viele neue Charaktere bauen kann, ohne ihnen wirklich einen Charakter schneidern zu müssen.
Auch erleichtert es vieles für den Spieler, wenn man die einzelnen Rassen mit bestimmtem Stärken und Schwächen ausstattet. Sagen wir, die Purpurelfen haben ausgeprägte magische Fähigkeiten, aber zerbrechliche Körper, weswegen man sie als Gegner am ehesten mit dem Breitschwert angeht, usw.
Argumentativ läuft es also wieder auf Übersichtlichkeit hinaus, wenn auch eher spielmechanisch.
Wie gesagt, reine Fantasy-RPGs sind nicht so meins. Mein bislang einziger Ausflug in die Richtung war Morrowind.
Als Außenstehender habe ich außerdem das Gefühl, dass die in den Spielen vorhandenen Rollen immer gleich besetzt sind sich von Spiel zu Spiel nur marginal unterscheiden, was das Genre als Ganzes eher unattraktiv für mich macht.
Can’t fight the feeling I missed the point with this comment somehow.
Anonym
Oktober 19, 2009 um 12:22
Nor can I, hehe…
balkantoni
Oktober 19, 2009 um 12:26
Also man muss „der Fantasy“ aus Pragmatismusgründen zumindest verzeihen, überhaupt unterschiedliche „Rassen“/Lebewesen zu haben, denn sonst wäre es ja nicht wirklich Fantasy bzw. bietet so simple Story-Aufhänger. Und ich habe es lieber, wenn platte Abneigungen zwischen mehr oder weniger vernunftbegabten Rassen/Völkern auftauchen, anstatt dass man sich durch Horden von „unintelligenten“ Humanoiden metzelt. Oder wäre das dann auch Rassismus?
Und ich sehe Fantasy sehr wohl in der Tradition des Mittelalters, wo es mit Ständegesellschaft und so auch klar gesellschaftlich inkorporierten Quasi-Rassismus gab. Vielleicht ist deswegen auch die SF besser zur Reflexion geeignet, da dort quasi eine Rückschau auf unsere Gesellschaft erfolgt. In der Fantasy befinden sich die Gesellschaften meist noch in heute überwundenen Ordnungen – was es natürlich nicht ausschließt, dass man in dem Genre mit entsprechenden Fragestellungen und Problemem beschäftigt.
HomiSite
Oktober 19, 2009 um 12:30
Man muss ihr aber die vielen sonstigen Kritikpunkte, die schon in den Comments genannt wurden nicht verzeihen – etwa Stereotype aus dem Genozidregal, die unreflektierte Annahme, es gäbe eben rassische Prägung des Charakters – bis hin zu einer „bösen“ Abstammung („Jud Süß“ anyone). Ich zumindest kann das nicht verzeihen.
Ansonsten: Die SF hat ja auch oftmals verschiedene Völker / vernunftbegabte Lebewesen in ihren Szenarios, allerdings selten mit so einer Lust an den Motiven des Dritten Reichs. Wieso wohl?
balkantoni
Oktober 19, 2009 um 2:34
Fantasytexte basieren doch bestenfalls auf Versatzstücken einer verkitschten Mittelaltervorstellung, findet da eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit statt?
Selbst populäres SF-Zeug wie Dune scheint mir da anders vorzugehen. Liegt vieleicht daran, dass SF sich immer auch als Projektion der Wirklichkeit und Gegenwart versteht, während Fantasy die Verbindung zur Wirklichkeit, auch zur Vergangenheit, ablehnt.
(Natürlich fällt einem auch genug schrottige SF ein, die sofort die Verbindung Fremd=Feind zieht. Man denke an den ganzen Murks Richtung Independence Day.)
Ben
Oktober 19, 2009 um 4:43
Irgendwie versteh ich jetzt nicht was der Sinn bei der ganzen Diskussion sein soll. Sich literarisch einen runter holen?
Anonym
Oktober 19, 2009 um 8:08
Klar, wir sind ja alle Kulturwichser.
Ben
Oktober 19, 2009 um 9:40
Balkantoni will den großen Max markieren und das geht am einfachsten über breite Diss-Salven
.
PS: Die Fantasy, in denen bestimmte „Rassen“ quasi genetisch auf Badguys vorprogrammiert sind (Tolkiens Orks z.B.), find ich auch doof. Aber deswegen halt breit die meiste Fantasy zu verdammen, weil eben auf Konflikte zwischen Rassen zurückgegriffen wird und dies manchmal mehr oder weniger braun riecht, find ich zuviel.
HomiSite
Oktober 19, 2009 um 10:21
@ Anonymous: Wadenbeisser haben hier die Fresse zu halten.
balkantoni
Oktober 19, 2009 um 10:28
besser spät als nie: die links in deinem kommentar sind gefixt,S3.
marc
Oktober 22, 2009 um 7:37