Archiv für Oktober 2009
Kleines Kino
Ich schreibe hiermit zum ersten Mal einen Text, bei dem ich denke, dass man mir nicht allzusehr widersprechen wird – außer vielleicht in diesem ersten Punkt: Render-Intros waren cool. Ok, hier noch ein weiterer, bei dem die Haarspalter ihre Freude haben können, nämlich mein – stümperhafter – Versuch, zu definieren, was das Intro eines Spiels ist:
Das Intro ist die an den Film angelehnte Einleitung zu einem Spiel. Man hat in ihr bis auf die Möglichkeiten des Überspringens und der üblichen Wahrnehmungs- und Reflexionsprozesse noch keine Interaktionsmöglichkeiten.
Es fehlt natürlich nur noch der Zweck des Intros und da saus gutem Grund: Dieser wandelt sich mit Spielen. In den 90ern sollten Intros vor allem den Spieler für die beabsichtigte Atmosphäre gefällig machen, schließlich hatte man früher deutlich eingeschränktere Möglichkeiten, Stimmungen im eigentlichen Hauptteil des Spiels zu realisieren – das Resultat war oftmals antiklimaktisch:
Ein Riesenletdown! Und das trotz meiner damaligen „Matrox Mystique“, welche das Spiel im Bundle mitlieferte!
Spiele sind inzwischen besser darin, Stimmungen zu erzeugen und ich bin durchaus bereit, die Loslösung von entsprechenden Intros zugunsten prologischer Passagen wie sie Unreal 1 vorstellte als Fortschritt zu werten – man erkannte das Bemühen, uns durch bloßes Zuschauen fürs Mitmachen zu gewinnen als paradox und bemühte sich folglich, diesen Sprung zu vermeiden – erfolgreich, möchte ich sagen. Wenn es heute passivere Intros gibt, so häufig nicht mehr zur Einstimmung, sondern wie bei den HL2-Episoden zum Zweck der Inhaltsangabe. Mit diesem Wandel ging auch eine Loslösung von Intros in spielfremder Optik einher und wenn man heute diese „passiveren“ und altmodischen Intros zu sehen bekommt, so in der Spieleengine. Das letzte Spiel, welches noch eine krasse Intro-Engine-Diskrepanz hatte und von mir gespielt wurde, war Dawn of War. Das entsprechende Intro ist aber zugegebenermaßen auch ein gänsehäutiger Hammer vor dem Herren!
Einstimmende Intros hatten schon immer ein auf die Zukunft bezogenes, hypothetisierendes Moment: Die Frage, ob Spiele einen jemals so beindrucken würden wie das eben gesehene Intro. Ichglaube, ich bin soweit:
(Das MW 3 Intro wurde übrigens seinerzeit von James Camerons SFX-Firma produziert.)
Spiele-Produzenten sind jedoch keinesfalls davon abgerückt, uns auf Spiele einzustimmen – sie haben bloß den dazugehörigen Zeitpunkt ausgelagert: filmische Trailer sollen dafür Sorgen, dass wir uns für ein Spiel begeistern bevor wir es spielen können. War dieses „können“ aber nur ein paar Minuten entfernt, ist es bei Trailern nur ein Fleck am Horizont – statt fürs eigentliche Spielen, soll man also für den Kauf begeistert werden. Außerdem neigen Trailer zur Enginetreue (wenn die Gamestar Begriffe erfinden darf, darf ich das auch!). In allen anderen Merkmalen sind jedoch die alten Intros und modernen Trailer identisch – oder werdet ihr nicht ganz hibbelig, wenn ihr diesen barn-brner seht?
Ich vermisse übrigens Render-Intros und das ohne dieses Gefühl irgendwie rationalisieren zu können – es ist nur Nostalgie. Die hier geposteten Intros gehören teils zu meinen Liebsten. Manchmal ließ ich ein Spiel installiert auf der Festplatte, bloß um noch das Intro gelegentlich anschauen zu können. Wenn ich diese Videos heute bei Youtube sehe, so hypen sie mich nicht, sondern, ganz im Gegenteil, machen mich irgendwie melancholisch. Ich bin so eine Sissy. Die Zeit höhlt doch alles aus!
Was waren denn eure Lieblingsintros? Habt ihr euch diese überhaupt angeschaut? Vermisst ihr sie? Verabscheut ihr sie? Schaut ihr euch Trailer an? Kommuniziert mit mir und es gibt Aufwärtsdaumen!
Give it up…
…weil es für eine Bemerkung bei Polyneux gereicht hat. Hier ist Kool Savas:
Ich spiele jetzt wieder Zuma!
Podcast 5
Zwei nicht mehr ganz junge Männer verdauen das Mittagessen und beschweren sich über Videospiele…Podcast 5.
Hier downloaden…
Rollenspiele
Ich hatte diesen langen, laangen Artikel über Rollenspiele geschrieben – ich schreibe schon seit April daran. Ich wollte schon immer etwas über dieses Genre – mein Lieblingsgenre – schreiben. Der Grund, wieso ich schon so lange an dem Artikel schreibe und ihn einfach NICHT fertig bekomme ist Folgender: Rollenspiele haben ein politisches Moment, dessen Epizentrum Fantasy-Stereotypen darstellen, die krebsartig alles verschlingen, das sich in die Nähe wagt – so auch den Spieler.
Fantasy und Rollenspiele in Fantasy-Settings (soll also heißen: mit Prinzen, Elfen, Zwergen und dem ganzen sonstigen Scheißdreck) sind der fieseste aller Bauernfänger. Die Fantasy ist in jeder Form – ob als Buch, Computer- oder Pen & Paper-Spiel – pures, finsteres Gift. Ihre Simulation des Abenteuers kommt mit einem Regenbogenumhang rassistischer Ideologien und das schockierende ist, dass man unter den Konsumenten unseres Mediums trotz des 20. Jahrhunderts nicht wirklich findet, darüber diskutieren irgendwie diskutieren zu müssen. Die Gedankenkotze des Ethnopluralismus, verkörpert vom Nebeinander verschiedener Rassen, die sich hassen (aber das ist ja witzig) und nur – wie im Falle der Halb-Orks – durch Vergewaltigung vermischt und somit verschmutzt (wie von den Intelligenz-Mali dieser Rasse neonartig signalisiert) werden können: völlig ok! Das scheußliche Miasma einer Ständegesellschaft, die auf einsichtiger Unterwerfung des Dieners und der gerechten Tötung des Usurpators fußt: großartig!
Es ist zu viel. Ich kann Spiele wie Fallout, die sich liebenswerter geben, gar nicht besprechen; diese Nähe macht es unmöglich. Es geht nicht. Es ist stärker als ich. Wenn ich an Fantasy-RPGs denke, so hasse ich Computerspiele. Ich hasse Menschen, denen sie wichtig sind (also auch mich selbst). Ich hasse Menschen, die sich abends wollüstig auf die behaarte Welt der Rassen- und Standesschande einlassen können, um morgens ganz libertär zu werden und zusammen mit anderen Miniatur-Rassisten gegen Zensur zu petitionieren. Ich hasse Firmen, die solche Spiele überhaupt herstellen. Ich hasse unsere Leser. Ich hasse andere Blogs. Ich hasse alles an diesem Medium, an sener dümmlichen Belanglosigkeit, an diesem von-Bauern-für-Bauern-Faszinosumsknoten. Ich hasse es, dass ich dies nicht schon früher geschrieben habe.
So, ich spiel’ jetzt Zuma!
Irre ich mich?
Kurzer Gedanke: Wenn Spiele wie „The Whispered World“ das Ghibli-Studio als Inspiration heranziehen und die Mags von „filmischen“ Momenten reden, frage ich mich, ob Spiele überhaupt noch eine besonders charakteristische Ästhetik besitzen. Es scheint mir, als seien die abstrakteren, interpretationsbedürftigen Bilder der Spiele aus den 80ern mächtiger gewesen, was die Einflussnahme auf benachbarte Medien angeht; es gab Filme, die sich um eine Computerspieleästhetik bemühten („The Last Starfighter“, „Tron“, „War Games“… und dann diese „Rain Man“-Sache dem Power Glove – „The Wizard“, oder so?) und man durfte sich beim eitlen Gedanken gefallen, diese Filme reichen nicht an die Erfahrung eines Arcade-Nachmittags heran.
Liegt es daran, dass Spiele einfach kein Novum mehr sind, oder dass sie alle gleich bzw. gleich langweilig aussehen? Ich kapier’s nicht.
Übrigens: Habe ich irgend einen Film vergessen? Ich weiß, dass es in einem dieser „Superman“-Filme auch so eine coole Sequenz gab…