Metahumor must die!
Das Adventuregenre ist die wahrscheinlich unflexibleste und statischste aller Spielarten, die das Medium Videospiele zu bieten hat. Das ist nicht zwingend schlecht, es ist im Gegenteil eine Eigenschaft, die das Adventure entscheidend prägt und von anderen Genres unterscheidet. Leider lastet auf Adventures ein schwerer Fluch, dessen Formel aus einem einzigen Wort besteht: LucasArts. Anders gesagt: die Vorbilder sind zu groß und sie kamen zu früh. Natürlich ist dies keine Problematik, unter der alleine das Adventure zu leiden hat. Egoshooter 2009 sind im Grunde ja auch nicht mehr als DOOM mit Zuckerguss.
Während aber der Egoshooter im Laufe der Jahre trotz aller Rückgriffe auf die Übermütter DOOM und Wolfenstein eine erstaunliche Emanzipation und Kreativität entwickelt hat, ist das Adventure wohl für immer auf Monkey Island gestrandet. Sicher, es gab auch schon früher die Grusel- und ernsthaften Adventures, aber meiner Wahrnehmung nach wird der Markt dominiert von Spielen, die sich in der immer gleichen popkulturellen Referentialität ergehen, die zudem inzestiös mit Metahumor gepaart ist .
Metahumor ist in Adventures in den meisten Fällen gleichbedeutend mit einem tölpelhaften Einreissen der vierten Wand. Vor allem ist Metahumor in Adventures aber das schlechte Nacherzählen eines mittlerweile -auf das Genre beschränkt- schon gut 20 Jahren alten Witzes, den man vielleicht als Elfjähriger noch umwerfend findet, der sich aber, wie alle Running Gags, rasend schnell abnutzt. Es ist daher nicht amüsant, sondern einfallslos, wenn man in Tales of Monkey Island immer noch Sätze vorfindet wie : „Manchmal tue ich seltsame Dinge, und weiß noch nicht einmal warum.“ oder einem anderen Charakter im Gespräch mit Hilfe von Verben und Gegenständen erklären muss, wie er ein Rätsel zu lösen hat. Abgesehen davon, dass alte Witze nur dann eine Daseinberechtigung haben, wenn sie exzellent erzählt sind, und das sind sie im Falle von Tales of Monkey Island nicht, ist diese Form des Humors in allererste Linie eines: eine Kapitulation vor der Beschränktheit des Genres.
Sie entspricht in etwa dem Gebaren einer Band, die aus absoluten Amateuren besteht, ihre Instrumente nicht beherrscht und sich daher zwischen den Songs für ihren Auftritt entschuldigt. Für diese Band gibt es eigentlich zwei Möglichkeiten: entweder man tritt gar nicht erst auf oder man geht auf die Bühne und verteidigt sein Ding. Die apologetische Variante ist etwas, das sich nicht schickt.
Die popkulturellen Zitate sind ebenfalls ein Ärgernis, bedienen sie sich doch aus einem Fundus, der bereits derart oft zitiert worden ist, dass man sich durch dessen Auswahl auf jeder Party als absoluter Honk outen würde ( GameStar-Redaktionsparties ausgenommen – da outet man sich schon durch die blosse Teilnahme an der Party). Ich möchte keine StarWars-Zitate mehr. Ich möchte keine Matrix-Spoofs. Ich möchte keine „U-Tubes“, wie in Tales of Monkey Island. Ich möchte, dass Adventures endlich aufhören, immer die selben kleinen Geekster-Witzchen zu reissen und anfangen, das wunderbare Land mit dem Namen „Humor“ in seiner Gänze zu erforschen.
ach und im zusammenhang mit brütal legend: metalhumor must die, too. zumindest, wenn er so aussieht.
marc
August 31, 2009 um 10:08
Das ist übrigens ebenfalls mein größter Beef mit Brütal Legend: Die Abhängigkeit von popkultureller Anbiederung. Das ist, wenn ich mich mal aus dem Fenster lehnen darf, der Königsweg, wenn man aussagen möchte, dass man es als Autor eines Spiels einfach nicht schaffen will, eine eigene Stimme zu entwickeln.
Ich glaube übrigens, dass diese Art von Humor bei Spielen, unabhängig vom Genre, auch viel mit esprit de corps zu tun hat: Es soll beim imaginären Geekster-Publikum gut ankommen und vermitteln, man sei unter seinesgleichen mit diesem Spiel, da sich die Verantwortlichen schließlich auch in den dazugehörigen „Codes“ auskennen. Dass diese „Codes“ vielleich ebenso überlebt sind wie das Bild des Publikums ist ebenso eine Frage wie: Sind Adventures denn tatsächlich im Umkehrschluss die Zuflucht des Geeksters vor einer totalen Verfügbarkeit und Kommerzialisierung des Mediums?
balkantoni
August 31, 2009 um 10:47
wahrscheinlich nicht. aber sowohl spiel als auch spieler können so tun, als ob.
marc
August 31, 2009 um 11:01
Und die Gamestar sagt dann, es sei „herrlich nostalgisch“.
balkantoni
August 31, 2009 um 11:03
hehehe. gibt es in tales of monkey island tatsächlich immer noch die witze mit der lederjacke und der kettensäge? wenn ja, wäre das ja ziemlich merkwürdig, schließlich ist tales of monkey island ja gar nicht mehr richtig von lucasarts, oder?
generell bin ich ja eher ein befürworter postmodernen humors mit all seiner (selbst)referenzialität, aber du hast schon recht, marc: im adventuregenre ist es mittlerweile echt eine pest damit.
man muss allerdings festhalten, dass das nicht nur auf das adventuregenre zutrifft. noch interessanter finde ich allerdings das umgekehrte phänomen: das intertextualität zwischen texten, filmen und texten, liedern, videospielen und filmen usw. besteht, ist ja ein alter hut. dass aber seit einiger zeit immer mehr nicht-videospielmedien sich auf videospiele beziehen und in welchem ausmaß sie das mittlerweile tun, ist schon beeindruckend. andererseits wurde das aber auch langsam mal zeit.
Felix
September 1, 2009 um 11:21
ja, es gibt sogar einen lederjackenwitz.
marc
September 1, 2009 um 11:38
„ich verkaufe diese feinen lederjacken.“ muahaha, ich lach mich scheckig.
Felix
September 1, 2009 um 11:40
Postmoderne = die Pest. Ich verlange heraklitische Moderne für die Spiele.
balkantoni
September 1, 2009 um 11:40
kannst du mir die bitte kurz zusammenfassen.
Felix
September 1, 2009 um 11:48
Na, du weißt schon: Fruchtbringende Vernichtung, durch Zerstörung Neues entstehen lassen. Zur Zeit des ersten Weltkriegs hatte Heraklit so was wie ein Revival – bei frühem Ernst Jünger, den Futuristen etc… Oswald Spengler promovierte sogar 1904 über den „metaphysischen Grundgedanken der Heraklitischen Philosophie“.
balkantoni
September 1, 2009 um 11:52
[...] Metahumor Must Die! – Mal was in deutsch: Marc über die Ideenlosigkeit des Adventure-Genres. Kronzeuge: Tales of Monkey Island (These Nerds are Made for Zockin’) Teile und genieße Diese Icons verzweigen auf soziale Netzwerke bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können. [...]
Spilmkritiken » Linkorama 1. September 2009
September 1, 2009 um 2:03
Kleine Anmerkung: Das Bizarre an der Sache ist ja, dass die Vorbildadventures sich größtenteils selbst als Parodie definieren.
Aber zu den Adventures an sich:
Frühe Größe muss mitnichten zum Entwicklungsstillstand führen sondern ist ein ganz spezifisches Problem des Genres Adventure.
Augenscheinlich haben im kulturellen Gedächtnis nur die „lustigen“ Adventures überlebt. Sierras hervorragend recherchiertes Gabriel Knight und die Polizeisimulationen Police Quest, Westwoods Blade Runner, Infocoms A Mind forever Voyaging… allesamt überdeckt und (vermutlich auf finanziell) überflügelt von Space Quest, Monkey Island und Day of the Tentacle. Blos warum?
Ich denke Adventures haben ein massives Problem mit ihrer Struktur. Als Spiel bieten sie nur ein Minimum an Interaktion und direktem Feedback, bzw. ist die Simulation von Interaktion hier noch schwächer, als bei einem Shooter in welchem die Tür erst dann aufgeht, wenn man den Raum davor „aufgeräumt“ hat. Was tun Adventures um vom Spieler Interaktion zu fordern? Sie stellen Rätsel… dummerweise haben Rätsel im Zeitalter des Internets, vermutlich aber schon mit dem großen Spielezeitschriftenboom, drastisch an Wert verloren. Wer nicht selbstbeherrscht den Verlockungen der Komplettlösung widerstehen kann, degradiert die Rätsel zu einer simplen Folge von Mausklicks, ohne Anforderungen an Geschick und Intelligenz.
Bleibt das andere Merkmal, das Adventures mit ihrer beschränkten Form (auf Geschichten haben sie selten Wert gelegt) bieten: Figuren (und damit einhergehend, Dialoge) Man muss sich nur die menschenleeren Renderadventures rund um Myst ansehen und man merkt sofort, was von einem Adventure übrig bleibt wenn man die Figuren entfernt, nämlich erschreckend wenig.
Um meine These noch ein bisschen mit Alltagsempirie zu untermauern sollte man sich einmal mit jemandem über Monkey Island unterhalten… die „Rätsel“ geraten hinter Herman, Guybrush und dem dreiköpfigen Affen in Vergessenheit.
Was ich nun nicht ganz verstehe, warum nur die lustigen Figuren überlebt haben und nur lustige Adventures wirklich Anklang finden. Andere Genres schaffen es doch auch, „komplexere“ Charaktere ohne Witzigkeit kollektiv zu erinnern, selbst wenn es japanische Flachpappen wie Sephiroth und Cloud sein müssen… und es ist auch kein Phänomen der Postmoderne, Batman und Harry Potter haben mehr zu bieten, als die Trotteligkeit eines Guybrush Threepwood. Ebenso könnte man ein Planescape Torment oder System Shock durchaus als Adventure erzählen, die Einschränkungen des Genres verbieten ja keine ernsteren Themen.
Ich habe bei der Hitze grade keine klärende Idee. Bleibt mir als Erklärung nur eine Weltverschwörung aus Spielern, Journalisten und Produzenten die sich drauf geeinigt haben, nur Jux-Adventures Erfolg zuzugestehen und die obendrein noch mit den Vorgängern so verfahren, wie man mit Aristoteles im frühen Mittelalter umging: Willige Verehrung, stete Wiederholung derselben Erkenntnisse, kein Mut zur Kritik, kein Mut zur Weiterentwicklung… Hauptsache man verbeugt sich nur tief genug vor den Altvorderen.
Ben
September 1, 2009 um 3:37
absolut richtig. nur um es gesagt zu haben: ich bin und bleibe fan der alten lucasartsspiele. allerdings ist, wie du erwähnst, die fixierung auf diese titel tragisch. heute sehen filme ja auch nicht mehr so aus wie panzerkreuzer potemkin. und blade runner ist in der tat ein verkanntes meisterwerk, dem die rolle des klassikers im wortsinn leider nicht zuteil geworden ist.
marc
September 1, 2009 um 3:48
Was Filmtechnik angeht sind heutige Filme gar nicht so weit von Panzerkreuzer Potemkin weg wie man meinen mag… schliesslich „erfindet“ Eisenstein hier Parallelmontagen etc. Allerdings zeigt das Beispiel recht eindrucksvoll wie man Erfolgreiche Techniken nutzen, weiterentwickeln und zitieren kann, ohne jedes mal eine unterwürfige Kopie des Vorbildes zu erstellen.
Nur denke ich eben, dass Adventures heute deutlich mehr Probleme haben, als den Scherz-Zitationszwang… man müsste einmal grundsätzlich mit dem „1 Problem – 1 Item – 1 Lösung“-Schema brechen, Scribblenauts ist da zumindest konzeptuell auf einem guten Wege.
Ben
September 1, 2009 um 4:22
Nachklapp, weil es toll ist: Um Blade Runner ist es wirklich schade, das Spiel hatte keinerlei richtungsweisende Wirkung, auch wenn man an so vielen Stellen mit den eingefahrenen Adventurekonzepten gebrochen hat. Vielleicht war die Filmvorlage einfach zu übermächtig, als dass die eigenen Qualitäten bewusst geworden wären?
Ben
September 1, 2009 um 4:31
Stimmt, „Blade Runner“ war so cool.Übrigens, meine Erklärung, wieso sich der „humorige“ Teil der Adventures so etabliert hat: Er verfügt über eine Designformel. Die Witze sind da, um wiederverwertet zu werden, ebenso die Figuren und Settings. Während aus die spielerischen Beschränkungen des Adventures früher gerade das narrative Potential ermöglichten, überfordern sie heute offensichtlích die Designer.
balkantoni
September 1, 2009 um 5:01
Ein Witz lässt sich natürlich recht risikoarm recyclen und von 100 Gags zündet sicher auch mal einer… aber man könnte doch ebensogut auf den stereotypen Emovampir mit tiefschürfenden Welterkenntnissen (vertraue Deinen Freunden(tm) ) setzen, statt auf den Dreiköpfige-Affen-Brüller. Die Zielgruppe ist offenbar gross genug, um ganze Sedeblöcke mit dem Animemist zu füllen.
Ist denn die Spielmechanik so sehr mit Monkey Island verschmolzen, dass das deine ohne das andere nicht mehr zu denken ist? Schaut sich ein Adventuredesigner nur bei anderen Adventures um und blickt nicht zum Buch, Film oder Comic? Oder sind alle Versuche dies zu tun einfach nur zu billig gemacht worden, als dass sie nachdrücklichen Erfolg gehabt hätten?
Ben
September 1, 2009 um 5:19
Ach mann, da lese ich den Artikel und freu mich, dass ich das erste mal einem Text von Balkantoni vorbehaltlos zustimmen kann, und dann…
Aber schön, dass du mal wieder was über Spiele geschrieben hast, Marc.
SpielerDrei
September 1, 2009 um 7:35
Hat denn hier keine The Longest Journey gespielt? Gutes Adventure, das fast ganz ohne Humor auskommt. Auch einige andere Titel, die von dtp vertrieben werden, sind gar nicht so schlecht. Black Mirror hat mir zum Beispiel auch ein wenig Spaß gemacht.
Wenn man bei Adventures etwas besser sucht, kommt man zu mehr als Lucasfilm Games. Die neueren guten Sachen sind kommerziell nicht wirklich erfolgreich gewesen, das liegt aber meiner Ansicht nach daran, daß Adventures an sich eher ein Nischendasein haben und nicht über die kleine Fangemeinde hinwegkommen, eben mal abgesehen von Überspielen wie Monkey Island.
Aber ich kenne auch Wolfenstein, ohne daß ich je ein Fan von FPSen war.
Jens
September 1, 2009 um 7:51
Siehste Marc! Der Polyneux-Usurpator versucht uns zu entzweien!
balkantoni
September 1, 2009 um 9:48
So sehr ich einerseits dem Text zustimme, so sehr muss ich mich andererseits gegen die Diffamierung von GameStar-Partybesuchern verwahren.
Aber um ein bisschen einzusteigen — „Hobbits liebten es, Bücher zu haben, über Dinge, die sie schon wussten“ schreibt Tolkien sinngemäß irgendwo im ersten Kapitel vom Herrn der Ringe. Adventure-Spieler lieben das Enge, das Beschränkte, das Klare und ja, das Nostalgische. Ein beschauliches Genre für alternde Nerds. Ich sehe das an mir: Ich habe auch zuweilen den Wunsch, irgendwer möge mir einfach System Shock 2 oder Mail Order Monsters oder UFO remaken, damit ich das Erlebnis von damals nochmal haben kann.
Derjenige darf es dann auch Bioshock, Pokémon oder X-Force nennen.
Herr Kaliban
September 1, 2009 um 9:49
Stimmt, man mag das Bekannte, doch immer wieder Adventures zu spielen, die sich einer ganz klaren Humortradition verpflichtet haben, ist so wie jeden Monat einen „Police Academy“-Abend einlegen: das hält doch keiner aus. Es ist einfach nicht mehr witzig, sonder saublöd.
Mal davon abgesehen: Wie waren die Gamestar-Feten denn so? Stimmt es, dass Mick Schnelle ab einem Zeitpunkt immer nackt, berauscht und aggressiv Streit mit Jörg Langer gesucht und heimlich Stripperinnen bestellt hat? Nur so ein Gerücht, das ich mal aufgeschnappt habe.
balkantoni
September 1, 2009 um 9:59
Ich kann mir ganz gut Leute vorstellen, die sich jeden Monat, am 2. Dienstag vielleicht, mit ihren besten Freunden zusammensetzen und alle Police-Academy-Teile am Stück durchhobeln. Grenzerfahrung. Schweisst zusammen, danach geht man zusammen raus und erobert Russland oder den Suchmaschinenmarkt.
Und ja, genauso waren die GameStar-Partys. Schlimm. In meinen Memoiren widme ich den Initiationsriten ein ganzes Kapitel.
Herr Kaliban
September 1, 2009 um 10:05
Aber du willst doch nicht mit solchen Menschen asoziiert werden, oder? Die diskutieren bestimmt auch darüber, ob Vikinger „härter“ sind als Fremdenlegionäre! Hat man sich den Deck13-Fan so vorzustellen? Ich meine: Ja und noch schlimmer!
Initiationsriten? Meine (etwas vage) Fantasie:
Dem Trainee wird gesagt, dass er gebrandmarkt werden muss. Er bricht vor Angst fast zusammen, lässt sich aber auf das Wagnis ein – schließlich wollen die bei PC Games, dass er regelmäßig etwas mir Herrn Rosshirt unternimmt und DAS geht mal gar nicht. Nun, der Trainee wird in einen dunklen Raum geführt, seine Augen werden verbunden und er muss seinen Po entblößen. Er erwartet heißen, sengenden Schmerz. Doch ihm wird nur ein Eiswürfel an das Gesäß gedrückt (von Petra Schmitz) – der krasse Kontrast der erwarteten Sensation und des Erlebten, das schallende Gelächter der Redaktion, das alles ist einfach zu viel für ihn. Er bricht zusammen und weint, doch er gehört nun dazu.
balkantoni
September 1, 2009 um 10:11
Bioshock war für mich leider zu sehr Doom, um System Shock 3 sein zu können. Der alternde Nerd in mir freut sich aber definitiv auf DeusEx 3.
marc
September 1, 2009 um 11:25
jens, mir ist klar, dass es nicht nur die lustigen lucasarts adventures gibt. the longest journey habe ich durchgespielt, black mirror angefangen ( beides furchtbare spiele auf ihre ganz eigene art). aber , vielleicht täuscht mich mein eindruck, die waren doch kommerziell völlig irrelevant? und das zeigt, darauf wollte ich hinaus, wonach sich der gemeine „genrefan“ sehnt. nach x-wings im bildhintergrund. hast du ausser den zwei oben genannten adventures noch weitere empfehlungen?
marc
September 2, 2009 um 9:46
passend zum thema die news von heute:
http://www.rockpapershotgun.com/2009/09/01/ben-dan-part-3-revealed/
Felix
September 2, 2009 um 10:21
Klar untergräbt Metahumor und die ewig gleichen Popkulturverweise die Selbständigkeit und den Einfallsreichtum eines Werkes. Bspw. wurde in einem Video (von GS, glaub ich) zu „The Book of Unwritten Tales“ eine Rollenspiel/WoW-Verarsche positiv hervorgehoben, die ich aber in wahrscheinlich deutlich besserer Form bereits 1995 bei „Simon the Sorcerer II“ erlebt habe (die legendäre Rollenspielgruppe im letzten Spielabschnitt).
Wenn solche Verweise oder Witze nun dauernd zentral präsentiert werden, wird es wirklich schnell anstrengend und nervig. Wenn es jedoch nur beiläufig in Hintergrund oder so geschieht, kann Monkey Island & Co. noch tausendmal zitiert werden.
Ich kann auch Ben zustimmen, dass die heute immer noch allgegenwärtige Rätselstruktur in Adventures wohl ein größeres Problem sind als die Art des Humor. Ich selbst spiele diese Spiele aber auch eher wegen der Geschichte, daher auch fast nur ernstere Genrevertreter, in denen Metahumor selten(er) auftritt.
„The Longest Journey“ und „Black Mirror“ fand ich dahingehend auch sehr schön, wenn es auch jeweils spielerische Mängel gab – vielleicht kann marc das Furchtbarer dieser Titel mal ausführen?
„Blade Runner“ mag zwar viele interessante Konzepte gehabt haben, in der Umsetzung ist es aber <a href="http://homisite.twoday.net/stories/5026710/"<meiner Meinung nach gescheitert.
PS: In der Einleitung zu Eurogamers „The Whispered World“-Test wird auch etwas zur Vierten Wand gesagt.
HomiSite
September 2, 2009 um 11:10
Hat jemand eigentlich schon „Loom“ erwähnt? Es war eines der wenigen Adventures, das ich richtig gut fand – und die Rätselstruktur war ja ganz gut aufgebrochen.
balkantoni
September 2, 2009 um 11:15
homisite, ich werde the longest journey und black mirror einen artikel widmen, muss sie allerdings erst wieder anspielen, um verständlich formulieren zu können, was ich so missraten fand. zur rästelstruktur…ja, sie ist definitiv ein problem. kommt ihr auf alternativen, die aber dennoch die eigenheiten des genres nicht zerstören? mir fallen keine ein. obwohl, den weg, den loom beschritten hat, ist definitiv erwähnenswert und innovativ.
marc
September 2, 2009 um 11:24
Black Mirror bekommt ‘nen Nachfolger… kann also nicht gänzlich gefloppt sein (afair werden die auch relativ hoch gehandelt und immer wieder als gute Adventures der Neuzeit aufgezählt).
Und ist Dreamfall nicht irgendwie Longest Journey 2? Wäre ja auch ein Hinweis darauf das es sich gut genug verkauft hat.
Davon abgesehen, Monkey Island 2 gilt zwar als eines der besten LA Adventures (ich teile diese Meinung allerdings nicht), hat sich aber miserabel verkauft und war laut LucasArts ein kompletter Flop (125.000 Einheiten, allerdings wurde nicht klar ob das für die ganze Welt galt oder nur USA und ob die Umsetzungen auf Amiga und Co. extra sind).
Ich glaube der Teil der nur humorige Adventures im Stile von LA will ist auf die ganze Adventurespieler-Bandbreite gesehen eher klein und gering. Aber wie alle Hardcore-Fans wahrscheinlich eine feste Größe mit der man rechnen kann, wenn man an seinem Produkt schraubt und deswegen werden die eben bedient.
Aulbath
September 2, 2009 um 11:28
dass mi2 so ein flop war, wusste ich gar nicht. mich würden mal die die konkreten verkaufszahlen der genannten titel interessieren. gibts da datenbanken ?
marc
September 2, 2009 um 2:28
So stand es in der EDGE vor einer Weile:
„“Monkey 2, they said, only sold about 25.000 copies; King’s Quest was selling something like 100.000 units at the time. Management came down on us and told us Monkey was a failure and that we should make something else.“"
Also MI2 hat sogar nur 25.000 Einheiten verkauft (o_O)…
Aulbath
September 2, 2009 um 6:16
Mein Hauptproblem mit (Popkultur-)Zitaten ist oft, dass nichts damit angestellt wird. Es ist einfach, irgendein Objekt aus dem breiteren Nerdiversum in ein Medium zu packen, aber das reicht nicht, um lustig zu sein. Du solltest auch schon irgendwie was mit dem Objekt anfangen, humortechnisch gesprochen. Das ist das, was mich auch an Family Guy massiv stört – bald haben sie wohl die ganze Popkultur durchdekliniert, aber außer „Guck mal, Tron! Höhö!“ oder „Haha, Mr. T!“ passiert da nicht viel. Außer Carlos Mencia traut sich doch auch kein Comedian mit zitiertem Fremdmaterial auf die Bühne, wieso ist das dann in Adventures legitim?
Abschließend reflektiert finde ich aber auch Metahumor super, wenn er denn gut ist. Nur am „gut“ haperts halt allzuoft (und nicht nur im Humorbereich).
SpielerDrei
September 2, 2009 um 7:42
naja, in family guy werden die gags ja auch bekanntlich von seekühen erdacht. ich fände es fantastisch, wenn ricky gervais mal ein adventure schreiben würde.
marc
September 2, 2009 um 8:55
„kommt ihr auf alternativen, die aber dennoch die eigenheiten des genres nicht zerstören?“
Scribblenauts tut zumindest auf dem Papier Dinge, die ich von Adventures seit Ewigkeiten erwarte: Es bietet auf der einen Seite eine ganz klares Problem (grabsche den Stern), die Lösungsstrategien werden aber der Imagination des Spielers überlassen.
Während Egoshooter die Komplexität ihrer Spielumgebungen, die Interaktion mit der Umwelt und das Verhalten der NPCs seit Doom ständig verändert, erweitert (und wieder verworfen) haben, ist bei Adventures technisch nahezu nichts passiert. Anstatt einen McGuyver-Sandkasten zu bauen, in dem man eine Tür mit Sprengstoff, Brechstange, einem Bulldozer und was weis ich noch allem öffnen kann, muss man bei allen Adventures auf die EINE Lösung kommen, welche die Designer vorgesehen haben. Noch schlimmer sind die „Dialoge“ mit denen man bestimmte Ereignisse auslösen muss… jedes noch so hingeklatschte Rollenspiel bietet dem Spieler mehr Einflussmöglichkeiten und mehr Reaktionen auf mit seinen Dialog-Klicks, und wenn es nur stereotype die gut/böse Entscheidung ist. Wo sind Adventures, die so viele NPC-Dialogvariablen verwalten, wie ein Baldur’s Gate 2? Wo ist ein Regiesystem, das so flexibel auf den Spieler reagiert wie bei Left4Dead?
Es gibt ein paar löbliche Ausnahmen, mir fällt da ein komisches französisches? Renderadventure ein (irgendwas mit Insel im Titel), bei dem man in langweiligen Inventoryscreens Items relativ wüst kombinieren konnte um äquivalente Lösungen zu erzielen… dummerweise war der Rest eher Kategorie uninspirierter Myst-Klon.
Blade Runner ignorierte Item-Rätsel, versuchte ein Figurenensemble mit Persönlichkeit zu kreieren und dem Spieler zumindest das Gefühl zu geben, dass die Figuren auf die eigenen Entscheidungen und nicht nur auf das Drücken einiger Dialog-Trigger reagieren… auf die man beim erzählen der Geschichte leider konsequent setzte (besuche so lange alle Orte noch einmal, bis etwas passiert)
Auf Story und Charaktere könnten sich Adventures ja gerne herausreden, aber welches nutzt das interaktive Medium denn zu etwas anderem als eine, dröge, lineare und vorkonstruierte Geschichte zu erzählen? Dafür gibt es Bücher und Filme, die können das hervorragend.
Was ich mir für das Genre wirklich wünschen würde, wäre die alten Wurzeln zu ignorieren und neue zu suchen. Weg mit Microsoft Paint als Spieleengine, her mit Morrowind, NWN2 oder einem anderen Rollenspielsystem… denn die wissen, wie man mit Figuren verfahren kann! Her mit Source, Crytech oder einem anderen physikverschnipselten Egoshooterantrieb… denn die wissen, wie man interaktive Umgebungen bauen kann.
Wird alles nicht passieren denn sämtliche Meisterwerke der Spielegeschichte sind bekanntlich Zufälle in denen zu viel Zeit auf zu viel Geld und zu viel Ambition getroffen sind.
Ben
September 3, 2009 um 10:16
„sämtliche Meisterwerke der Spielegeschichte sind bekanntlich Zufälle in denen zu viel Zeit auf zu viel Geld und zu viel Ambition getroffen sind.“
Objection!
Aulbath
September 3, 2009 um 10:23
Das war mehr was für die Polemik-Kiste, Herr Aulbath.
Ben
September 3, 2009 um 10:32
Ben, hast du „Avencast“ gespielt? Das war ein Rollenspiel, das sehr viele Rätsel involvierte. Ich bin ja üblicherweise überhaupt kein Fan des „Rätsels“, ob in Spielen oder sonstwo – mir hat auch „Professor Layton und das geheimnisvolle Dorf“ überhaupt keinen Spaß gemacht, zum Beispiel – doch bei Avencast hat es mir gut gefallen, wohl weil die jeweiligen Rätsel wunderbar in das Dungeon-Szenario eingefügt waren. Ich weiß, dass ich dachte: So ungefähr sollten Adventures sein. Was ich damit meine ist: Irgendwo „natürlicher“ in der Einbettung der Rätsel, mal sehr lose ausgedrückt.
balkantoni
September 4, 2009 um 12:03
„sämtliche Meisterwerke der Spielegeschichte sind bekanntlich Zufälle in denen zu viel Zeit auf zu viel Geld und zu viel Ambition getroffen sind“
Also „Gears of War 2″ bestimmt nicht!
balkantoni
September 4, 2009 um 12:13
Die „Penumbra“-Spiele hatten mit der Physik-Engine ja auch schon einen flexibleren Ansatz. Die Umsetzung – bis jetzt nur Teil 1 etwas gespielt – ist aber noch verbesserungsfähig, da es oft auch „nur“ ein klassisches Point&Click-Adventure aus der Ego-Sicht ist.
HomiSite
September 4, 2009 um 12:31
Ne, Avencast ist an mir vorbeigegangen… dachte wohl „ah, noch ein Diablo-Klon“, werde ich mir aber mal für den Fall vormerken, dass mir mal wieder ein funktionsfähiger PC über den Weg läuft.
Ben
September 4, 2009 um 2:40
Also, ich empfehle das Spiel ohne bedenken – es hat übrigens bis auf die Optik nur wenig mit Diablo zu tun.
balkantoni
September 4, 2009 um 3:31
Sacht mal Kinder, warum gibt’s für die Fanboys eigentlich keinen Kommentarfeed?
Ben
September 4, 2009 um 6:51
gibts doch…ganz unten unter „deine meta“.
marc
September 4, 2009 um 7:06
Das hilft ihm doch keinen Meta weiter!
(uuuh… ich ekel’ mich vor mir selbst.)
balkantoni
September 4, 2009 um 7:14
und ich schreib noch, Meta-Humor must die….
marc
September 4, 2009 um 7:15
Ach wie umständlich… da unten schaut ja keiner nach.
Ben
September 5, 2009 um 1:11
stimmt. steht jetzt oben. von wegen servicewüste deutschland….
marc
September 5, 2009 um 6:03
Vielleicht ist es auch einfach falsch, davon auszugehen, dass es den Adventure – Fan gibt. Ich liebe die alten LA – Dinger und spiele auch heute noch gerne alle paar Monate ein Adventure, es ist einfach eine andere Art von Erlebnis als ein Shooter und man muss sich definitiv darauf einlassen. Natürlich sind Black Mirror und Geheimakte Tunguska unheimlich bieder sowie teilweise peinlich und lächerlich. Aber das Gleiche kann man auch über die meisten Tatorte sagen, man ignoriert die Peinlichkeit und entspannt sich mit einem Tee vor dem Bildschirm.
Ich kenne aber niemanden, der es aushalten würde, ein Adventure nach dem anderen zu spielen, der also reiner Adventure – Fan ist.
Beim Thema innovative Adventures würde ich gerne noch Discworld Noir in den Raum werfen, dass fand’ ich sehr gut gelöst.
Nils B.
September 6, 2009 um 2:03
Ich sehe da keinen großen Unterschied. Es ist nicht in der Begrifflichkeit angelegt, dass ein „Adventure-Fan“ sich anderen Genres verschließen muss. Leider kann ich Peinlichkeiten überhaupt nicht gut ausblenden, dafür bin ich zu großer Fan von The Office. Aber gut, dass du mich an Discworld Noir erinnerst, das habe ich damals verpasst. Ich werd einen Blick drauf werfen.
marc
September 6, 2009 um 9:49
Discworld Noir war spielerisch ganz furchtbar, von den Werwolf-Sequenzen mal abgesehen: Sich durch Dialoge durchklicken damit man 10 Screens weiter neue Dialogopitonen freigeschaltet hat mit denen man wieder neue Dialogoptionen für 5 Screens davor freischalten… ne, dann doch lieber Itemrätsel.
Ben
September 6, 2009 um 4:37
Was sagt ihr eigentlich dazu:
http://www.gamestar.de/news/pc/adventure/1958938/lucidity.html
Neues Adventure von Lucas Arts? Reicht der bloße Name einer vollkomme verblühten, untoten Firma für die Verheißung? Ich sage: NEIN!
balkantoni
September 11, 2009 um 7:33
Untote Firma trifft es ganz gut.
Das Charakterdesign, klein, niedlich, weiblich und das Genre, 2D-Plattformpuzzler klingen auch eher, als wolle man schnell mal auf der Indie-Downloadwelle mitsurfen… vielleicht gibt’s da ja was zu holen bis der Mensch, der für die Starwars-Raumschiffmodelle zuständig ist, aus dem Urlaub zurück ist.
Ben
September 12, 2009 um 9:59
Hmm… der Name nicht. Aber die Optik reicht um mich vorsichtig-frohlockend zu stimmen.
Die Kinderbuch-Optik gefällt mir sehr. Bin generell sehr angetan von einigen optischen Highlights der nächsten Monate die einen anderen Ansatz als bling-bling-Space Marine verfolgen.
Für mich ist das Spiel da eigentlich zweitrangig.
Aulbath
September 12, 2009 um 11:08
Dass Dich als Retro-Verfechter diese Optik anmacht… erstaunlich. Ist doch so gar nicht true.
Ben
September 12, 2009 um 5:21
Hey, ich bin in erster Linie Grafiker (gefangen in einer Position die es mir nicht erlaubt mein innerstes Bedürfnis nach dem Gestalten von schönen Dingen zu befriedigen) und Ludicity sieht super aus. Schöner Stil.
Ich fand auch den Wind Waker optisch fantastisch (inhaltlich weniger, aber das ist eine andere Geschichte). Auch irgendein ein Spin-Off von Final Fantasy für den DS gefällt mir sehr gut.
Patapon und LocoRoco ebenfalls super. Und Katamari erst. Und JetSetRadio. Killer7 usw. usf. es gibt einige wirklich grafisch (nicht technisch) superbe Spiele die ich gar nicht spielen will, sondern am liebsten nur zuschauen weil sie so schön sind und deren Gestaltung ich aufsaugen will.
Also, Grafik ist ganz wichtig, wichtig vorallem das man mit ihr was anstellt (und das geht auch in 3D, wenn man es richtig macht). An Sachen wie Gears of War 2 (was zugegeben stellenweise sehr, sehr fett ist) sieht man sich leider auch sehr schnell satt und es bleibt wenig(er) hängen – Grafiken die wirklich „grafisch“ angelegt sind. Allerdings, aktuell die Hintergründe in Dirt 2 haben mich auch zutiefst beeindruckt… Deathspank gefällt mir auch gut. Und Darksiders könnte seit Jahren der erste „Badass MoFo“ sein der mir vom Design wirklich gut gefällt. Was lange Haare und ein bisschen Heavy Metal Imagery (feuriges Ferd FTW!) so ausmachen können
Ich habe vorallem was gegen schlechte Designs bzw. offensichtliches Schema F in der Optik (und das schließt eine ganze Menge Oldies ein).
Hatte es schon an anderer Stelle mal erwähnt, grafisch (nicht technisch) kommen momentan einige spannende Spiele – tatsächlich für die aktuellen Geräte, in Farbe und HD
Sorry, wenn ich da jetzt ein Weltbild ins Wanken bringe. Beim nächsten mal wieder 100% grognard, versprochen
Aulbath
September 13, 2009 um 2:23
Da der Einstandskommentar ja immer was besonderes sein soll -stilistisch wie inhaltlich gewitzt, tiefgreifend, diskussionsanregend und erkenntnisgebend- schreib ich hier mal folgendes zum Thema:
Policenauts Englisch-Patch draußen -> zocken!
mucki1984
September 24, 2009 um 11:51
[...] Anschein hat… Absolut witziges Adventure, das zwar leider nicht mit dem für dem Genre so typischen Metawitz spart, aber dennoch bösartigen Sarkasmus und tollen britischen schwarzen Humor [...]
Ben There, Dan That! | Superlevel
Oktober 2, 2009 um 4:41
Trackback von Superlevel. Ihr habt verloren.
Horst
Oktober 2, 2009 um 6:34
Ich fühle mich schmutzig… aber auf eine GUTE Art! Huldigung = Huldigung!
balkantoni
Oktober 2, 2009 um 9:39
embrace the enemy!
marc
Oktober 2, 2009 um 10:29
Gern geschehen.
PlayStar
Oktober 2, 2009 um 11:12