Archiv für März 2009
Das Volk hat gesprochen
Superwahljahr 2009
Neues Gewinnspiel, diesmal mit Balkan Toni
Diesmal ist eure Kreativität gefragt! Schaut euch das Video an nutzt es als Inspiration für euer eigenes Computerspiel! Titel, Genre, Details – alles euch überlassen; allerdings muss der Filmausschnitt erkennbar bleiben.
Gewinnkriterium: Bringt uns zum lachen! Deutschland ist ja humortechnisch wirklich trostlos. Seien wir ehrlich – Switch Reloaded ist Scheißhumor vom Planeten Mongo. Der Kaiser dieses Planeten ist Bully Herbig. Er wird von Einzellern angebetet.
Der Gewinner wird von Marc und mir gewählt – wir sprechen uns da ab!
Video:
Ah ja: Der Preis wird nach eigenem Wunsch entweder ein relativ neues PC-Spiel oder was Schönes für die 360 sein… aus meiner Sammlung. An die Arbeit, Maden!
Kurze Frage
Wie findet ihr eigentlich die Spielezeitschrift RETRO?
Habe mir heute die Nr. 11 gekauft (Thema: „Egoshooter“) – mein fünftes Heft soweit – und finde die Mischung aus außerordentlichem Fachwissen und total Unfähigkeit irgendwas Interessantes daraus zu machen seltsam. Ich meine: die Typen haben offensichtlich Ahnung, aber alles was man am Ende zu lesen bekommt ist das übliche „Lara, deine Zicken haben mich manchmal genervt aber ich liebe dich trotzdem“-Gefasel. Manchmal scheinen die Texte bloße Aufzählungen trivialer Fakten zu sein, so wird etwa auf Seite 53 ein halber Absatz damit verschwendet zu erklären, es habe keinen SVGA-Modus in der Duke Nukem 3d-Verkaufsversion gegeben. Does it look like I give a fuck, Alter?
An manchen Stellen wird es auch einfach nur blöd, so etwa wenn Christian Keichel in seiner Kolumne eine Korrelation zwischen Ego-Shootern und amerikanischem Imperialismus an den Haaren herbeizuzerren versucht, „da viele Spielehersteller sich damit rühmen, Beratung von der US-Army für ihre Titel bekommen zu haben“ (Retro 11, S. 42). Welche Spiele das genau sind wird allerdings offen gelassen. Vielleicht meint er Shadow Warrior.
Also ich weiß nicht – ich glaube die Retro ist, so ähnlich wie die deutsche GamesTM, eine Gamestar im EDGE-Pelz. Mal schauen, ob ich mir noch eine Ausgabe kaufe.
Tim
Ich bin ja Lehrer. Als gestern der Amoklauf bekannt wurde, befand ich mich im Unterricht. Meine Kollegen fingen plötzlich – mitten in meiner Stunde – an, in den Schränken meines Klassenzimmers zu wühlen. Sie suchten ein Radio, denn der Internet-Filter der Schulcomputer sperrt jede Art des Live-Streams und meine Kollegen wollten die Geschehnisse mitverfolgen. Immer wieder kam jemand zu mir, es wollte einfach nicht aufhören; ich musste meine Tafelbilder unterbrechen, damit mir jemand ins Ohr raunen konnte, es seien inzwischen 11 Tote, oder so.
Nach den Osterferien werden wir einen Lehrgang bei der Polizei zum Thema „Barrikadieren“ haben. Das ist kein Witz.
Ich schaue mir meine Schüler nicht mit anderen Augen an.
Ich finde die verzweifelte Ursachensuche der Medien befremdlich. Wenn für so eine Tragödie Counterstrike und Pornographie auf der Festplatte herhalten müssen, oder die Tatsache dass der Täter depressiv und in psychiatrischer Behandlung war – allesamt Kriterien, die auf viel zu viele von uns zutreffen – so erklären wir kollektiv einzig und alleine, dass wir keine Ahnung haben, was so einen Amoklauf verursacht. Wir haben nicht den blassesten Schimmer. Angefangen bei der Ausgrenzung – die ironischerweise durch das Ausweiden des Privatlebens dieser Person ja über ihren Tod hinaus fortgeführt wird; wir bräuchten hier also Maigret – über gewalttätige Computerspiele, bis zu gefilmten Ejakulationen: Die Alltäglichkeit dieser vermeintlichen Symptome ist so deprimierend, wenn man sich anmaßt sie in Relation zu dem stattgefundenen Massaker zu setzen.
Die einzigen, die diese Idiotie noch übertreffen können, sind all diese Geekster-Imbezile, deren erste Reaktion weder Bestürzung noch Mitleid waren, sondern die bloße Sorge, ihr Hobby würde nun wieder inkriminiert werden. Auf dass ihr rechtzeitig unfruchtbar werdet.
Homosexualität in Videospielen
Während der Space Marine seinen homophoben Gedanken nachhängt, befindet er sich bereits zum wiederholten Male in einer interstellaren Schlacht epischen Ausmaßes und die Leichname unbekannter Lebensformen türmen sich vor ihm auf. Der Space Marine fühlt sich mächtig, potent und männlich, sein Vater wäre so stolz auf ihn. Seine Halsschlagader pulsiert bedenklich, als er sich einem Alien nähert, welches die Maße eines Vierfamilienhauses besitzt, doch er weiß: er wird die Waffe wechseln, das Mündungsfeuer wird das verchromte Visier seines Stahlhelms erleuchten, und das Biest wird innerhalb weniger Minuten blutverschmiert und mit einem Schrei der Verzweiflung vor ihm in den Staub sinken. Der Space Marine wird, wenn ihm die Zeit bleibt, versuchen, das gigantische Horn zu lösen, welches in der Mitte des Schädels seines Widersachers sitzt, er wird es präparieren und er wird es in seiner winzigen Schlafkammer aus Stahl aufhängen. Der Space Marine wird sich dann auf seine schmale Pritsche aus Metall setzen, die von der Crew notdürftig mit dem Fell eines harmlosen Lebewesen dieses Planeten bespannt worden ist, er wird sich mit einem leisen Stöhnen seiner schweren Dicarbonschuhe und der Alusocken entledigen, den Haferschleim herunterwürgen, der seit nunmehr 3 Wochen ausgeschenkt wird, er wird kurz das Horn betrachten und dann wird er eine große Leere spüren. Eine Traurigkeit wird ihn übermannen, die so gewaltig ist, dass er die Tür zu seiner Kammer doppelt verriegelen wird, denn er fürchtet, jeden Moment könnten die Tränen über sein zernarbtes und geschundenes Gesicht laufen. In diesen in letzter Zeit nicht mehr so seltenen Momenten der absoluten Hilflosigkeit wird sich der Space Marine verbraucht fühlen, wie eine Hure, die man losgeschickt hat zum Töten. Der Space Marine wird seinen Kopf gegen die kühle Wand seines kleines Quartiers lehnen, er wird versuchen, das Gefühl der Macht entstehen zu lassen, das noch jedes Mal von ihm Besitz ergriffen hat, wenn der Geruch von Blut und das fremde Geschrei sterbender Lebewesen seine Sinne auf dem Schlachtfeld überfluten. Doch er weiß: es wird nicht funktionieren.
Er wird sich also auf seine kalte Pritsche setzen. Er wird seinen PrivateCommunicator zur Hand nehmen. Er wird ihm den Befehl geben, einen zufälligen Inhalt aus einer zufälligen Periode darzustellen. Er wird diesen Inhalt lesen und für zumindest 10 Minuten wird das Gefühl der Leere durch Informationsaufnahme ein wenig in den Hintergrund treten. Er wird dann noch bis zum Morgengrauen Alienpornographie auf dem Communicator ansehen und bevor er sich wieder in seinen Kampfanzug zwängt, siebenmal onaniert haben. Wenn dann, nachdem der Space Marine seine Zelle verlassen haben wird, jemand, vielleicht eine Putzkraft, die Lesezeichen auf dem Communicator durchsuchen würde, würde dieser jemand unter dem Eintrag:“Zufälliger Eintrag / Zufällige Periode“ folgenden Link finden:
http://en.wikipedia.org/wiki/LGBT_characters_in_video_games
Der Space Marine indessen wird den Tag nicht überleben. Er wird sich nach einem grandiosen Sieg gegen die außerirdischen Unterdrücker in seiner Zelle erhängen.

