Sandkästen – Gedanken zum Sandbox-Genre
Wenn wir über das Genre der Sandbox-Spiele sprechen sollen, müssen wir auch über ein absolutes Lieblingsspiel von mir sprechen: Rockstars Bully. Ich möchte Mal darlegen, wieso ich das Spiel so mag und was es besser macht als artverwandte Spiele:
Bully ist ein Sandbox-Spiel. Man übernimmt die Rolle von Jimmy Hopkins, einem ne’re-do-well, der von seiner Mutter in ein Internat abgeschoben wird. Wir alle wissen, dass Internate fiese Orte sind an dem pubertierende Zwänge und Dränge durch eine künstliche Umgebung reglementiert werden sollen – was meistens schief geht, denken wir da nur mal an das Salem-College, wo der Mangel an Bong-Hittin’-D&D-All-Nightern durch Wohlverdiener-Allüren ausgeglichen werden soll.
Und da wären wir schon bei dem ersten Punkt, der mir so gut gefällt: Internate – insbesondere fiese Internate – sind eine popkulturelle Referenz, die in ihren Ansätzen schon beim Dicken’sschen Weisenhaus zu finden ist und sich dann durch den Fänger im Roggen schlängelt, um schließlich in so einem Zeug wie Guillous Das Böse (braucht man nicht zu lesen) zu münden. Und Rockstar Games machen vor allem Spiele aus popkulturellen Referenzen: Gangster und Kriminalität – GTA, Snuff Filme – Manhunt, 70er Bandana-Gangs – The Warriors. Und so weiter. Bis auf den Fall von GTA machen sie es in der Regel auch extrem gut und clever. GTA nervt allerdings, das muss man entschuldigend erwähnen, auch vor allem so sehr, weil es faux-wilde Machtfantasien pubertierender Cretins bedienen soll und die dramaturgische Klaviatur dieser Kundschaft mit Wurstfingern gespielt werden muss. GTA sind im Prinzip Spiele für Kids, die ein paar Gimmicks für Ältere bereit halten, welche wohl entschuldigend sagen sollen, die Firma könne mehr, müsse aber auch verkaufen (ganz ähnlich wie bei den Simpsons, findet ihr nicht?).
Bei Bully haben wir die umgekehrte Situation – es ist ein Spiel für alle, die schon lange mit der Schule fertig sind und sich noch einmal in die Fantasie jugendlicher Unbestimmtheit flüchten wollen. Es hat sich auch entsprechend schlecht verkauft. Und Rockstar lassen hier alle Muckis zucken: In Bully kann man raufen, knutschen, klauen, blöde Scherze machen, schwänzen, die weite unbekannte Welt erforschen, Freunde finden, Feinde haben – all’ die Sachen, die man entweder noch einmal erleben möchte oder schon immer Mal in seiner Jugend machen wollte. Aber nicht konnte. So wie ich Knutschen Fahrräder klauen! Bully macht jedenfalls nur Spaß, wenn man die zweifelhafte Ehre hat, die eigene Schulzeit in der Retrospektive betrachten zu dürfen. Jemand, der zur Schule geht braucht keine virtuelle Alternative der dazugehörigen Welt – es wäre äußerst redundant.
Um die Schulfantasie entsprechend zu bedienen gibt es bei Bully keine wirklich Konsistenz, was Missions- oder Auftragstypen angeht; man muss ständig etwas Neues machen. Die Jugend wird hier in ihrem Kern als Zeit der Entdeckung und der Erlebnisse gekonnt simuliert: Die Zeit ist eine bunte Kette.
Die Absicht, Erwachsene mit dem Spiel anzusprechen äußert sich auch in dem für Rockstar (leider) untypischem Verzicht auf einen lizenzierten Soundtrack. Es gibt keine Marktforschungsbands, die Pickelfressen ansprechen sollen oder vermeintlich cooles, das zeigen soll, wie bewandt die Urhheber doch in popkultureller Hinsicht sind, wodurch das Spiel zeitlich und kontextuell entbunden wird. Die Spieler-Wahrnehmung von Bully als einer persönlichen Fantasie ist dadurch erleichtert und zugleich darf man, meiner Meinung nach, dem wirklich besten Spiele-Soundtrack aller Zeiten zuhören. Mir persönlich gefällt er aus zwei Gründen gut: Dort, wo er bekannte Motive zitiert (wie etwa bei den Funk-Passagen, welche beim Flüchten einstzen) zitiert er ohne Prätensionen und Schnörkel und dort wo er nicht zitiert ist er perfekt eingebettet – nicht zu aufdringlich, aber stets präsent und auch immer ziemlich unvorhersehbar. Ein weiteres Symptom: Kein Gore. Es gibt viel Gewalt im Sinne von Prügeleien, aber die ist so affig, dass nicht einmal so ein moralisierender Mongo wie ich sie abstoßend finden kann – man benutzt Eier, Murmeln und Lineale als Waffen! Und das in einem Spiel, welches das grundlegende Schlagen-Schnappen-Werfen-Kampfsystem mit dem hauseigenen Arschloch-Spiel The Warriors teilt.
Habt ihr bemerkt, dass Sandbox-Spiele sehr oft Helden aufdrängen, die auf der falschen Seite des Gesetztes stehen? Das hat meiner Meinung nach zwei Gründe: Einerseits sollen damit unbegrenzte Möglichkeiten suggeriert werden; der Spieler soll damit gewissermaßen lizenziert werden, Regeln zu brechen. Sandbox-Spiele entwerfen meistens eine rudimentäre Kopie des herkömmlichen gesellschaftlichen Regelwerks (man darf niemanden einfach so überfahren, man darf keine Banken ausrauben usw…), welche sich der Spieler dann nach belieben unterwerfen darf. Das ganze ist letztendlich genau so fadenscheinig wie es sich hier liest, denn der vermeintliche Regelbruch verläuft im Rahmen von einem GTA nach sehr strengen Regeln. Es gibt ganz klare Regeln für das beenden der aufregenden Situation, die sich aus der eigenen Cyber-Nonkonformität ergibt: Das Umlackieren. Die Freiheit eines Renegatendaseins ist in den meisten Sandbox spielen also nicht allzu überzeugend.
Bully bedient sich ganz ähnlicher Prinzipien wie jedes andere Sandbox-Spiel: Der kopierte Regelsatz betrifft Schulregeln. Man darf nicht schwänzen, man darf nicht andere Schüler verhauen. Der geniale Moment bei Bully besteht in eben dieser verengung des kopierten Regelsatzes – der Regelbruch ist in jeder Hinsicht überzeugender und nachvollziehbarer, die Beschwichtigung der Situation ebenso. Wenn man beim Schwänzen erwischt wird, muss man in den Unterricht. Wenn man beim klauen erwischt wird, muss man zum Schulleiter. Danach geht das Spiel weiter. Ich behaupte nicht, dass Bully eine naturalistische Nachahmung einer Internatsumgebung sein soll; es ist jedoch das in höchstem Maße spaßige Destillat der dazugehörigen Fantasie und es funktioniert auf allen ebenen besser und glaubwürdiger als beim verbrecherischen Genrebruder, wo ein Massaker mit 600 Toten mit dem Aufsammeln eines Icons und dem umlackieren des Autos beendet werden. Bully verlangt nach einem für die Sandbox-Tradition ausgesprochen geringem suspension of disbelief. Ich habe große Zweifel, das das nächste große Ding auf dem Sandbox-Spielplatz, Far Cry 2, es schaffen wird ähnliche Glaubwürdigkeit zu vermitteln, lasse mich aber gerne überraschen. Überhaupt: Bully wird im Sandbox-Ring nur in einer Kategorie und von einem Spiel geschlagen: Oblivion hat eine bessere Einbettung von NPCs von denen nahezu jeder einen Namen und eine questverwandte Funktion innehat.
Ich habe oben zwei Gründe für verbrecherische Helden im Sandbox-Genre ankündigen wollen, nicht wahr? So, jetzt kommt der zweite: Ein amoralischer Held erlaubt es den Designern eine Umgebung zu entwerfen in welcher der Kollateralschaden überfahrener und erschossener Passanten geduldet wird – dadurch kann man die urbane Spieleumgebung mit Passanten füllen, ohne auf ihr Wohlbefinden Rücksicht nehmen zu müssen. Die Amoralität des Helden ist also zu einem guten Teil auch ein Ergebnis designerischer Notwendigkeit. Bei Bully haben wir es weder mit einer besonders urbanen Umgebung, noch mit einem besonders bösen Helden zu tun. Jimmy ist zwar eine Arschgeige aber er hat das Herz am rechten Fleck. Das ist mir persönlich allemal sympathischer als irgend ein digitaler tough guy, der mir vor die Augen halten soll, dass ich gerne hart wäre aber in wirklichkeit ein Bettnässer bin. Alter, ich bin fast 30! Meine Sehnsüchte kreisen schon lange nicht mehr um Knarren und Ghetto! Daher: Hopkins statt Vercetti!
Na dann wollen wir mal quatschen: Liebstets Sandbox-Spiel? Spiele vom Genrerand? Ist „Daggerfall“ die Großmutter aller Sandbox-Spiele? Was meint ih?
balkantoni
Oktober 27, 2008 um 11:57
hm, abseits von GTA usw. fällt mir noch subculture ein, wobei ich mir jetzt nicht sicher bin, ob das als echtes sandbox-spiel nach obiger Beschreibung durchgeht, weil man da auf den endlosen Wassertouren durchaus auch sinnvolle Dinge gemacht hat wie Rohstoffe sammeln. Aber man konnte eben nach Belieben rumfahren, die Welt erforschen und das Spieltempo selber bestimmen.
hape
Oktober 28, 2008 um 2:13
Ich habe bisher nur Just Cause gezockt (weils das mal günstig gab) und das fand ich zumindest nett. Die Steuerung war ziemlich suboptimal und die Missionen recht eintönig. Aber über die satt grünen Inseln zu fliegen in einen herrlichen Sonnenuntergang hat Spaß gemacht. Dann noch die schön lächerliche Story und ein Held der Rico Rodríguez heißt – ich meine Rico Rodríguez! – gehts noch cooler.
Die Rockstar-Teile haben mich bisher nicht so gereizt. Ich will irgendwie immer der „Gute“ sein und fühl mich als Gangster unwohl. Schon das Überfahren von Passanten in Midnight Club 2 hat mir etwas den Spaß an diesem sonst genialen Spiel genommen (siehe auch Carmageddon). So was muss doch einfach nicht sein.
Assassins Creed, wenn man das denn hier einordnen will, fand ich einfach nur genial und ich will damit jetzt keine Diskussion über die offensichtlichen Mängel des Spiels listreten. So wie ich es gespielt habe, war das Teil genial!
Bully ist aber schon seid ‘ner Weile vorgemerkt – hab’s aber noch nicht günstiog für die 360 gesehen.
jorl
Oktober 28, 2008 um 9:58
Eigentlich haben Toni und ich Bully erfunden.
marc
Oktober 28, 2008 um 10:43
wissen wir doch.
wenn ich mir donnerstag meine ps2 zulege, wird bully auf jeden fall einer der ersten titel sein. oder kann/muss jemand von der ps2-version abraten?
felix.
Oktober 28, 2008 um 12:03
@ Jorl: „Just Cause“ war eigentlich ein sehr typisches Sandbox-Spiel, mit einem amoralischen Helden – daher auch der ironische Titel. Ich glaube, du solltest „Bully“ eine Chance geben. Nicht nur, dass es eigentlich von Marc und mir stammt (wir wurden belauscht!), es verzichtet auch noch auf Exzesse – man kann höchstens mit dem Fahrrad jemaden anrempeln, der dann erschrocken hochspringt. Wie hat dir denn das grundlegende Prinzip einer frei begehbaren Welt gefallen?
balkantoni
Oktober 28, 2008 um 12:07
@ Felix: Das war die erste Version, die ich gespielt habe. Die ist vollkommen in Ordnung. Es ist jedoch gerade die PC-Version erschienen, die letztendlich ein Port der XBOX360-Version ist und sich durch ein paar zusätzliche Missionen und etwas hübschere Shader unterscheidet. Und außerdem einige Bugs mitbringt, welche die PS2-Version nicht hatte. Kann man auch in Erwägung ziehen, zumal die neuen Missionen ganz cool sind. Aber mit der PS2-Version macht man definitiv nichs falsch.
balkantoni
Oktober 28, 2008 um 12:10
Naja, eigentlich war Rico ja der Superagent der guten Amis, der den fiesen Despoten gestürzt hat. Und wir wissen alle, dass die Amis sich nur einmischen wenn es eine „gerechte Sache“ ist. Deshalb defacto gar nicht so amoralisch.
Die Idee einer freien Welt gefällt mir schon, wobei mir die meisten dieser Welten einfach zu groß sind. Ich hatte mal Morrowind angespielt und da ist einfach zu viel Platz. Gothic oder das nie erreichte Outcast haben mir in der Hinsicht besser gefallen, weil sie sich trotz ihrer (räumlichen) Beschränktheit echter angefühlt haben. Bei viel Platz ist auch immer viel Leere bzw. Platz für Unausgeglichenheit und Fehler. Bei Klassikern wir Fallout oder Arcanum musste man ja auch nicht die ganzen Wege zwischen den Städten „in echt“ ablatschen. Also ja zu frieen Welten, aber diese lieber kleiner und bunt gefüllt und nicht nur um mit Quadratmetern zu protzen (wie es auch Just Cause gern getan hat).
Aber richtig gefallen hat mir halt AC, so was nenne ich frei begehbar, wobei mir die Steuerung als alten POP und Tomb-Raider(das erste natürlich)-Spieler viel zu einfach war. Also Bully wird auf jeden Fall noch gekauft, die Frage ist nur wann – ich hab’ doch keine Zeit und noch so viele Spiele ungespielt daliegen.
jorl
Oktober 28, 2008 um 12:32
@ jorl: Ich glaube, dass man bei „Just Cause“ schon ein bisschen mit den CIA-Operationen der 60er geliebäugelt hat, die ja alles andere als „gerecht“ waren – als Rico muss man sich ja auch ständig auf Geschäfte mit Kriminellen einlassen – er ist jedenfalls ein Anti-Held, halten wir es vielleicht so fest.
Zu der Frage nach der richtigen Weltgröße hat Marc schon mal was geschrieben. Schau Mal:
http://shodannews.wordpress.com/2007/05/30/imperium-gegen-kleinstadt/
Ich muss AC noch spielen – es ist eins dieser Spiele, die schon seit längerem hier herumliegen. Vielleicht installiere ich es heute, alle beschreibungen deuten ja auf ein Sandbox-Spiel, bei dem bloß die Bewegungsmöglichkeiten erweitert wurden (so wie „Far Cry 2″ ein Sandbox-Spiel mit den zusätzlichen Mechaniken eines Ego-Shooters sein wird – der Trend geht also zur Hybridisierung).
Und ja, „Outcast“ war ein frühes Meisterwerk des Genres. Super Spiel!
balkantoni
Oktober 28, 2008 um 12:39
sehe das ähnlich wie jorl. wird die welt zu groß, ist sie doch meistens öde und karg und letzten endes gibt es gar nicht so viel zu entdecken, wie die quadratkilometerzahl verspricht. dann doch lieber kleiner und schöner – wo es dann wirklich was zu gucken und zu tun gibt. ohne es gespielt zu haben, schätze ich, dass das auch ein pluspunkt von bully ist. mal ehrlich: was bringt mir ganz liberty city, wenn ich nur eine handvoll häuser betreten kann? eine stadt zeichnet sich schließlich durch ihre behausungen aus.
felix.
Oktober 28, 2008 um 1:32
@balkantoni
Ja natürlich spielt man auf die CIA-Operation an und natürlich arbeitet man mit Drogenkartellen zusammen und das alles mit einem kleinen Augenzwinkern, aber im Grunde macht man nicht viel anderes als Bond vielleicht auch tun würde. Also ein Held mit selbsgestrickter und zurecht gelegter Moral. Wie Rambo 2+3
Aber genug davon, wir wissen ja was wir meinen.
AC hat meiner Meinung nach sehr unter dem Hype gelitten. Zum Glück konnte ich dem recht erfolgreich aus dem Weg gehen. Also nicht zu viel Macken suchen, sondern einfach die Freiheit (oder die Illusion davon) geniesen.
Es gibt aber auch negative Seiten der Sandboxspiele: Jak2. Jak und Daxter war einfach genial und im zweiten Teil musste man dann eine aufgestülpte düstere und sinnlos frei begeh(/flieg)bare Stadt schaffen. Ebenso der Levelverbinder in Kameo. Keine wirklichen Sandboxspiele, aber trotzdem damit angeben wollen. Nein, so wird das nix.
Vielleicht kann mal jemand etwas zu Crackdown sagen. Ich wüsste gern, ob es die Mühe lohnt, das ranzuschaffen.
jorl
Oktober 28, 2008 um 1:39
„Crackdown“ würde mich auch interessieren. Wurde das nicht von einem, der bereits an GTA 1 – 3 beteiligt war, designt? Weiß jemand Genaueres zu dem Spiel?
balkantoni
Oktober 28, 2008 um 4:46
An Crackdown hat mir eigenbtlichen nur gefallen, wie man seinen Superhelden aufmotzt und am Ende dann locker über Hochhäuser springen kann… ansonsten finde ich es eher mau… bin aber wohl auch nicht unbedingt der perfekte Sandkasten-spiel-spieler. ich mag es, wenn mich ein spiel an die hand nimmt und mir sagt was ich als nächstes zu tun habe. *g*
milage / fetzig
Oktober 28, 2008 um 5:17
„Mafia“ war ein Sandbox-Spiel, bei dem man sehr stark an die Hand genommen wurde – hat auch super funktioniert, finde ich.
balkantoni
Oktober 28, 2008 um 5:28
Ach, der Text liest sich so schön… da bekommt man fast Lust Bully auszuprobieren. Schade nur das mir Steuerung und Gameplay leider überhaupt nicht zusagen…
All die Rockstar-Spiele versagen mMn immer dann wenn sie die immersive Spielwelt durch bescheidene Steuerung, unübersichtliche/hektische Missionen und nervige Zeitlimits vollständig versauen. Grundsätzlich finde ich den Missionsaspekt eigentlich vollständig doof – Aufgaben abholen, machen, Aufgabe abgeben, neue Aufgaben… ist mir irgendwie zu wenig um ein Spiel zu füllen und erinnert mich negativ an MMORPG-Questhorror.
Mein persönliches Halb-Sandbox-Highlight ist ja Shenmue, seinerzeit auf japanisch gezockt, und man wird im Verlauf des Abenteuers tatsächlich Teil dieser kleinen Stadt. Ganz ohne Gangster-Ghetto oder überzogene Verballhornung von Klischees (die Steuerung ist allerdings, von den Kämpfen abgesehen, auch furchtbar – was aber zum Glück nicht so sehr ins Gewicht fällt weil das Spieltempo doch sehr angenehm ruhig ist). Und da es mehr Adventure als alles andere ist, gibt’s fast ausschließlich Exploration und nur sehr begrenzt virtuose Joypad-Action. Was mir persönlich sehr gut gefällt… Entdecken > Ballern.
Übrigens, wenn wir schon bei Elder Scrolls sind… Daggerfall ist sicher nicht die Mutter, wenn dann eher Arena (auch wenn da frühzeitig das finale Ziel bereits offenbart wird, was in Daggerfall etwas besser gelöst ist – andererseits hat Daggerfall nur gefühlte 3 verschiedene Quests die sich ungefähr eine Bazillionen Mal wiederholen).
Aulbath
Oktober 28, 2008 um 7:36
Kenne Bully f.k.a. Canis Canem Edit f.k.a. Bully nicht bzw. habe kaum eines der Sandbox-Spiele der vergangenen Zeit gezockt. Nun finde ich aber auch nicht unbedingt, dass man einem GTA o.ä., das eben „larger than life“-mäßig dem Spieler Dinge erlaubt, die man eigentlich nicht tut, Unrealismus vorwerfen sollte. Das ist wohl mehr oder weniger systemimmanent.
Da fällt mir das „halbe“ Open-World-Game Gun ein, das an sich nett war, aber leider sehr leer war. Ich habe mich da dieser Missionsstruktur gestört, durch die einzig die Welt mit mehr Leben gefüllt wurde. Insofern bin ich wohl auch wohl eher Fan von ganz simpel-reduzierten Sandbox-Spielen (GTA 1) oder realistisch-begrenzte Rollenspiele wie Gothic (muss ich immer noch spielen).
HomiSite
Oktober 28, 2008 um 7:40
„All die Rockstar-Spiele versagen mMn immer dann wenn sie die immersive Spielwelt durch bescheidene Steuerung, unübersichtliche/hektische Missionen und nervige Zeitlimits vollständig versauen. Grundsätzlich finde ich den Missionsaspekt eigentlich vollständig doof – Aufgaben abholen, machen, Aufgabe abgeben, neue Aufgaben… ist mir irgendwie zu wenig um ein Spiel zu füllen und erinnert mich negativ an MMORPG-Questhorror.“
Ich stimme zu und weise nur nochmals darauf hin, dass „Bully“ TROTZDEM ganz gut funktioniert -es ist das Rockstar-Rehabilitationsspiel, gewissermaßen. Du fasst aber die Sachen, die ich selbst an ihrem Design ebenso auszusetzen hatte, ganz gut zusammen.
Über „Shenmue“ haben wir gesprochen – meiner Meinung nach durchaus ein Sandbox-Spiel, mit all’ den seltsamen Eigenheiten.
Ich bin in die elder-Scrolls-Reihe erst mit „Daggerfall“ eingestiegen und bin immer davon ausgegangen, „Arena“ sei ein ziemlich gerader Slasher gewesen, vergleichbar mit „Eye of the Beholder“ … Keine Ahnung wieso – bin von der Demo ausgegangen (die habe ich in den 90ern mal gespielt). Irre ich mich? Wie ist Arena? Pflichtlektüre? Soll ich einen DosBox-Gang dafür einlegen in den Weihnachtsferien?
balkantoni
Oktober 28, 2008 um 7:43
Arena ist auf jedenfall nett, und hat halt den Grundstein für Daggerfall, Morrowind und Oblivion gelegt. Der Dungeon-Crawl-Anteil ist allerdings am höchsten in der ganzen Saga, weil das damals eben so sein mußte. Kann aber sicherlich nicht schaden es mal gespielt zu haben, weil es mMn sehr beeindruckend ist für ein Spiel das so alt ist.
Beginnend mit diesem YouTube-Clip hier gibt’s einen Semi-Walkthrough durch den Anfang des Spiels, kannst dann selber entscheiden ob du dir das dann geben willst: http://uk.youtube.com/watch?v=Ps59_XH32NM
Aulbath
Oktober 28, 2008 um 8:01
@ Aulbath: Danke!
@ Homisite: Ich habe mich nicht über den Mangel an Realismus beschwert, sondern über die Durchsichtigkeit der Mechanismen, die den Anspruch, dem Spieler Regelbrüche zu gestatten, ziemlich affig aussehen lassen. Ansonsten fand ich „Gun“ auch richtig cool, wenn ich auch die gleichen Einwände wie Du hatte. Außerdem war das Spiel viel zu kurz.
balkantoni
Oktober 28, 2008 um 10:47
@balkantoni: Einspruch wegen Far Cry 2. das mag Sandbox sein, aber ein Highlight ist es mE nicht, dafür war der Vorgänger zu sehr 08/15-Shooter (wobei Crysis schon besser war). Ich setze einfach mal ein FallOut 3 dagegen.
@jorl: Was ist AC? Unter der Abkürzung fällt mir nur Animal Crossing ein und das ist wohl nicht gemeint (weil man es nicht instalieren muss, als Sandbox zählt es aber wohl trotzdem)
@ Liebstes Sandbox-Spiel: Oblivion, trotz der unterirdischen deutschen Synchro. wenn ich gemein wäre, hätte ich ja The Legend of Zelda: A Link to the Past gesagt
shadaik
Oktober 29, 2008 um 12:00
Im Zusammenhang mit Bully:
http://www.heise.de/newsticker/Michael-Bully-Herbig-scheitert-mit-Klage-gegen-Bully-Spiel–/meldung/118086
marc
Oktober 29, 2008 um 12:33
AC = das bereits weiter oben erwähnte Assassins Creed
Sandbox ist aber eigentlich auch eine merkwürdige Bezeichung, mir würde da eher Viva Pinata einfallen. Da hat man seinen spielplatz und kann nach Belieben rumspielen. Aber das zählt nun ausgerechnet nicht zu diesem Genre.
jorl
Oktober 29, 2008 um 12:58
Finde ich auch…in einem Sandkasten spiele ich in erster Linie mit Sand. Spielzeug kann ich auch in ein Großraumbüro reinlegen.
marc
Oktober 29, 2008 um 1:12
Ja, die Bezeicnhnung „Sandbox“ geht wohl auf die gleichen Cleverle zurück, die auch für andere Genre-Kategorien wie „First Person Shooter“ und „Real Time Strategy“ verantwortlich sein dürften… Alles unglaublich dümmlich.
balkantoni
Oktober 29, 2008 um 1:48
Oh ja: Mein liebstes SB-Spiel, neben „Bully“ ist ebenfals „Oblivion“. Supergut! Heute kaufe ich mir „Fallout 3″, glaube ich.
balkantoni
Oktober 29, 2008 um 1:49
@balkantoni: Na ja, die „ganz klare Regeln für das beenden der aufregenden Situation [...]“ sind aber unrealistisch. Frage mich aber auch, wie du in so einem Open-World-Szenario ansonsten das Regelbrechen besser/cleverer/realistischer gestalten möchtest.
HomiSite
Oktober 29, 2008 um 2:30
„Sandkästen – Gedanken zum Sanbox-Genre“
Verstehe ich nur den Joke nicht, oder fehlt da ein D?
Aulbath
Oktober 30, 2008 um 12:38
Poker-Face: „Du verstehst den Witz nicht.“
balkantoni
Oktober 30, 2008 um 2:06
@ Aulbath: Habe den Witz entfernt… er war einfach zu subtil.
@ Homisite: Ja, du hast natürlich Recht, wenn du gerade bei den Autojagt-Spielen des Genres behauptest, dass da nicht viel mehr geht. Allerdings finde ich, dass das Genre bei einer Verlagerung des thematischen Schwerpunktes (wie bei Bully) durchaus wesentlich glaubwürdiger und nachvollziehbarer sein kann.
balkantoni
Oktober 30, 2008 um 11:49
„Bully wird im Sandbox-Ring nur in einer Kategorie und von einem Spiel geschlagen: Oblivion hat eine bessere Einbettung von NPCs von denen nahezu jeder einen Namen und eine questverwandte Funktion innehat.“
Ich finde Oblivion ist gerade in dem Punkt ein Paradebeispiel der Sandbox Schwächen. Natürlich haben alle NPCs einen Namen und eine Quest, aber es ist alles nur durch einen relativ ausgefeilten Zufallsgenerator entstanden und genau das merkt man auch (am offensichtlichsten durch manch verunstalltetes Gesicht). Es fühlt sich einfach alles generisch an. Jede Quest die man annimmt hat man eigentlich mit anderen Variablen schon bei dem NPC davor erledigt. Sowas funktioniert vielleicht bei MMOs aber nicht in einem Singleplayer-Spiel.
Wirklich gut gelungen sind bei Oblivion allerdings die „handgemachten“ Quests (Assassinen Gilde z.B.). Dort wird durch die offene Welt eine ziemlich starke Atmosphäre aufgebaut. Gothic (1&2) wurde ja schon angesprochen. Dort ist eben auch alles handgemacht und dafür nehme ich die etwas kleinere Welt oder NPCs der Marke „ein Bauer“, „ein Stadtbewohner“ gern in kauf.
„Es gibt keine Marktforschungsbands, die Pickelfressen ansprechen sollen oder vermeintlich cooles, das zeigen soll, wie bewandt die Urhheber doch in popkultureller Hinsicht sind“
GTA Vice City fällt denke ich auch etwas raus. Da scheint mir die Zielgruppe eher bei Leuten zu liegen die die 80er noch irgendwie miterlebt haben. War meiner Meinung auch der beste Teil der Serie. Ich konnte dort stundenlang einfach nur durch die Stadt und am Strand entlang fahren und dem Radio lauschen.
onkl
November 2, 2008 um 7:14
Bei Oblivion frage ich mich gerade, welche Zufallsgenerierten Missionen du meinst – ich kann mich nur an designte Quests erinnern! Ehrlich! So wie das Lovecraft-Dorf, aus dem Mann die Tochter dieser einen Händlerin retten soll u.Ä. Da also keine Zustimmung.
Bei „Vice City“ hingegen: Zustimmung.
balkantoni
November 2, 2008 um 12:13
Zufallsgeneriert ist vielleicht falsch ausgedrückt. Da hat halt ein Designer mit seinem Quest-Baukasten in 5min was zusammen geklickt und das dann einem x-beliebigen NPC zugeschustert. Das sind diese kleinen Quests, die nicht wirklich eine Story haben und die wohl nur da sind damit man sagen kann: schaut her, jeder NPC hat eine Quest!
onkl
November 2, 2008 um 1:19
im gespräch mit ‘nem kumpel (yeah buddy!) ist mir gestern noch was eingefallen, was du in deinem artikel gar nicht angesprochen hast, toni: ich nenne es mal „fortgeschrittene bewegungsmöglichkeiten“ à la portal oder neuerdings mirror’s edge. gerade bei mirror’s edge finde ich es unglaublich schade, dass man zwar in einer augenscheinlich riesigen stadt unterwegs ist, letzten endes aber nur auf ein paar dächern herumhoppsen kann – wo soll denn da der totalitäre staat sein? andererseits würde es anders aber auch nicht funktionieren – denn wenn man sich überall hinbewegen könnte, ginge die linearität ja vollends flöten und es ginge gar nicht voran. gleiches gilt natürlich für die portal gun. man stelle sich das ding mal in half-life 2 vor.
allerdings fällt mir zum thema mirror’s edge jetzt gerade noch assassin’s creed ein. da haben wir ja bewegungsfreiheit + sandbox eigentlich so vorliegen. da muss ich drüber nachdenken. vielleicht versuche ich mich die tage mal selbst an einem artikel.
felix.
November 13, 2008 um 11:31
Mercenaries 2! Es gibt zwar keine Zufallsmissionen, aber man kann sie levelweise freispielen und sie dann immer wieder machen. Dazu gibts viele „Secrets“ die auch respawnen. Außerdem kann man den Sandkasten fast vollständig zerstören. ^^
http://www.test4gamers.de/mercenaries2.htm
j4gamers
März 8, 2009 um 3:48