Providenz und Computerspiele
Ihr habt euch bestimmt schon mal gefragt, wie sich der Topos der Vorherbestimmung so fest in unserer Populärkultur etablieren konnte. Wie kommt es, dass sowohl Star Wars als auch Baldur’s Gate Helden vorweisen können, deren Beteiligung am Abenteuer nicht etwa mit einem unglücklichem Zufall erklärt wird, sondern mit einem bereits vor der Geburt festgelegtem Schicksal, welches dann zu uns, den Rezipienten, durch die Bärte alter Leute sickert, die sich noch an die Prophezeieung vom Jungen (es sind fast immer Jungs), der die Welt verändern wird, erinnern können.
Woher kommt diese Faszination an der Vorsehung?
Die Antwort ist denkbar einfach: Der Monotheismus ist schuld.
Während polytheistische Religionen prinzipiell keine Probleme hatten Unglück und Böses zu begründen – es ließ sich immer ein Loki oder Ares zur Verantwortung bringen – fällt dies monotheistischen Religionen um ein vielfaches schwerer, insbesondere dem neutestamentarischen Christentum. Bei diesem hat der liebe Gott nämlich tatsächlich so etwas wie eine Liebwerdung erfahren: War er im alten Testament noch Mr. Entvölkerer, so ließ ihn das neue Testament dann plötzlich handzahm werden: Gott war ab sofort nett. Und er war ab sofort problematisch: Wie kann all’ das tragische Übel, die Finsternis unserer Welt mit einem allgütigem Gott vereinbart werden? Die Theodizee.
Der populärste Ausweg aus dieser Problematik war ganz klar die Providenz: Das Böse hat seinen Platz in Gottes Plan. Man kann die Popularisierung dieses Gedanken durch die deutsche Geistesgeschichte ganz gut verfolgen: Im Barock entdeckte man Boethius wieder, einen Kerl, der zu Tode verurteilt wurde und im Kerker Trost an dem Gedanken fand, dass das Ganze im Rahmen eines unsichtbaren göttlichen Planes doch irgendwie Sinn ergab. Später, als die Aufklärung kurz vor ihrem Ausbruch stand, versuchte sich Leibniz an der Frage und stellte fest, dass das Böse den geringsten möglichen Raum in unserer Welt einnahm. Schließlich war Gott allgütig und allwissend und hatte das Böse unserer Welt vorhergesehen. Da dieses aber nicht seine Schuld war (immerhin ist er ja allgütig), sondern unserer Imperfektion und dem daraus resultierenden freien Willen verschuldet, hat er halt die Welt so gestaltet, dass das Böse für das wir verantwortlich sind auf das Minimum reduziert bleibt.
Es gab jedoch auch Versuche, die Existenz des Übels, mit wesentlich unprätentiöseren Argumenten zu erklären: Die Wege Gottes sind unergründlich. Fertig. Der denkende Leser wird jedoch auch hier eine Implikation auf einen unsichtbaren Plan und die daraus entstehende Schicksalshaftigkeit bemerken.
Wenn Computerspiele also mal wieder einen Helden vorschieben, der einem Schicksal nachzugehen hat, so streicheln sie nur eine kulturelle Deformation: Unser Bedürfnis nach der Sicherheit, nicht umsonst zu leiden. Unsere Sehnsucht nach eine Belohnung für die täglichen Tragödien. Unsere Unaufgeklärtheit.
Es ist einfach furchtbar romantisch das Schicksal der biologischen Arbitrarität vorzuziehen. Es ist eine bittersüße Fantasie: Es gibt einen guten Grund für unsere Existenz und ihren Leidensweg. Wie entsetzlich erscheint im Gegenzug der Gedanke, wir seien hier nur um Nachkommen zu zeugen und in den langen Durststrecken zwischen den dazugehörigen Begegnungen zu leiden. Das comfort blanket der Vorsehung ist so viel bequemer.
Und doch ist er eine Lüge, ein Zugeständnis an unsere Ängste. Sind wir vielleicht noch nicht bereit, die nackte Willkür unserer Exitenz zu akzeptieren und uns für die kurzen Momente des Glücks bei den Menschen bedanken, die diese herbeigeführt haben, anstatt bei einem unsichtbaren Spinnennetz? Stehen Spiele mit Providenz-Helden als Relikt dem Fortschritt des Mediums entgegen?
Oder ist es vielleicht so, dass wir uns schon lange aller Tatsachen bewusst sind und der Providenzgedanke einfach eskapistische Romantik ist, eine Fantasie, die wir zugleich genießen und durchschauen können? Dafür würde die Tatsache sprechen, dass Schicksale vor allem in den Randbereichen des Fiktiven erfüllt werden müssen – meistens dort wo es auch Elfen und Zwerge gibt. Ist der Glaube an die Vorsehung gerade deshalb so aufregend, weil er so fantastisch ist? Ist die Providenz-Fantasie existentielle Pornografie?
Die Antwort auf diese Fragen gleicht wahrscheinlich jener nach der Rolle der Religion in unserer Gesellschaft – während der Kirchengang für die Einen ausschließlich soziale Bedürfnisse befriedigt und man dem Glauben eine innere Kündigung erteilt hat, ohne sich jedoch zum Atheismus durchringen zu können, ist er für andere eine absolut religiöse Erfahrung. Die Providenz dürfte ein ähnliches Spektrum emotionaler Bedürfnisse befriedigen: Vom Feierabendeskapismus bis zur verzweifelten Bestätigungssuche dürfte beim Spielen alles vorkommen.
Wer das jetzt nicht unheimlich findet… ist seltsam.
Irgendwie fehlt mir hier noch die einfachste und logischste Begründung warum das in Spielen so häufig genau so vorkommt… dadurch läßt sich der Spieler, die Geschichte und mögliche Handlungen einfach prima eingrenzen/steuern, und die vorgegaukelte Freiheit ist keine wenn man irgendwann mal den Abspann erreichen möchte.
Im Übrigen auch der einzige Unterschied bei dem MMORPGs den klassischen Single-Player Abenteuern vorraus sind – im MMORPG wirst du erst jemand durch “harte” Arbeit.
Prinzipiell geht mir das Konzept schon früh zu wissen ich sei der Auserwählte gehörig auf den Sack – nach dem Oblivion-Vorspann hatte ich 0 Lust mich durch die Hauptmissionen zu kämpfen… wenn ich es genau überlege, mag ich das Konzept an sich eigentlich nicht mehr, seit ich arbeiten muß und die “wirkliche” Welt einen gehörigen Teil meiner Zeit in Anspruch nimmt. Der gute Held im Regenbogenland funktioniert einfach nicht mehr… dann lieber den Ansatz des Warhammer-Universums oder bspw. des Witchers – wir leben alle im Dreck nur der eine oder andere nicht ganz so tief. Allerdings nichts was ein Tritt oder Schwertstreich nicht beheben könnte. Die Ellenbogen-Gesellschaft mit Kettenhemd sozusagen. Reizt mich wesentlich mehr. Hoffnungslos und dreckig.
Aulbath
September 20, 2008 um 10:30
Und Toni wundert sich, warum er manchmal kaum Kommentare bekommt…
Die These mit der Religion als Ursache wäre durchaus ein interessantes Magisterarbeitsthema.
Ansonsten finde ich Aulbaths “profane” Begründung auch sehr naheliegend: Ein vorbestimmter/auserwählter Held mit der Gnade der Götter übersteht die Gefahren nachvollziehbarer. Der normale NPC-Krieger in einem Rollenspiel würde ja nicht einmal den ersten Dungeon überstehen, den der Spieler in Form von Herr Providenz (scheiß Wort) durchquert.
Von Anfang an auf Chosen One herumreiten, nervt mich auch, zumindest wenn es wirklich auf Epik angelegt ist. Z.B. wird der Held in Fallout 2 auch so genannt, dort sind aber die Umstände allein schon des Settings wegen anders.
HomiSite
September 21, 2008 um 1:10
So, entschuldigt die späte Meldung meinerseits – ich war unterwegs.
Ich stimme euch zu: Die Einbettung eines “Außerwählten” Charakters macht vor allem die Unwahrscheinlichkeit nachvollziehbarer, dass jemand tatsächlich so ein Abenteuer durchstehen kann. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sich das Außerwähltendasein nicht darin erschöpft – es soll für den Spieler irgendwie exklusiv und erhebend sein, einen Außerwählten zu spielen und nicht etwa einen – um Aulbath zu paraphrasieren – hart arbeitenden Proleten.
Meine Vermutung: Die Providenz in Computerspielen soll vor allem Teenager ansprechen, die fest glauben a) der Mittelpunkt galaktischer Existenz zu sein und b) dass das Leben noch eine unglaublich aufregende Biografie für sie bereit hält.
Wenn man erst einmal erwachsen ist und sich mit dem täglichen Grind auseinanderzusetzen hat, kommt einem dieses Außerwähltengesülze eher wie blanker hohn vor. Geht mir zumindest so.
balkantoni
September 21, 2008 um 2:40
Ah ja: Wenn ich Texte um der Comments willen schreiben würde, hätte man mich auch zu EA Play eingeladen, wo ich mit den anderen dann um welche hätte betteln dürfen. Oder ich würde einen Text über Spore schreiben. Merken: Balkan Toni = kompromissloses Flying Fortress! Uga!
balkantoni
September 21, 2008 um 2:46
Ich möchte Aulbaths Kommentar gleich noch erweitern. Mir geht nicht nur das Dasein als Auserwählter auf die Ketten. Nein, ich möchte auch nicht jedesmal die Welt/gesamte Menschheit/Universum retten. Manchmal passt das ja und ist sehr stimmig (Mass Effect hatte mir in der Richtung gefallen), aber es gibt kaum ein RPG wo es nicht gleich um die ganz große Wurst geht. Schade eigentlich. Viel interessanter wäre doch ein Held mit sehr eingeschränkten Fähigkeiten, der nur um sein eigenes Leben rennt. Aber gerade im RPG-Breich scheint das den “Autoren” nicht zu genügen. Da muss immer gleich die HdR-Spezialeinheit losmarschieren und ganze Landstriche säubern.
Deswegen nur: Messiah war gar nicht so schlecht. Hä hä.
Religion an sich ins nicht so mein Thema. Da rege ich mich nur auf
jorl
September 22, 2008 um 10:22
Messiah = Bombenspiel!
Gerade die Weltenrettungsaktion ist der Religion verschuldet – dem Jesus-Motiv vor allem, der ja gleich Mal die ganze Menschheit gerettet hat, als man ihn gekreuzigt hat. Bei Homer reichte die Belagerung einer Stadt und da Mitzittern mit einzelnen Schicksalen, in der Bibel musste es die Menschheit sein.
Ich fände eine Verengung der “Stakes” bei Spielen auch angebracht. Oftmals beobachte ich nämlich folgendes: Ursprünglicher Handlungsstrang eines Spiels mündet in der Offenlegung einer diabolischen Verschwörung gegen die gesamte Menscheit / Galaxie / Existenz. Ich verdrehe meine Augen, bin überhaupt nicht überrascht und empinde das ganze furchtbar penetrant.
balkantoni
September 22, 2008 um 10:39
Wie gesagt, wenn ich als Spieler nicht gleich von beginn der “Auserwählte” bin, der schlimmstenfalls dort schon weiß, dass er die “Welt” retten muss, kann ich damit noch leben. Besser ist es halt, wenn man als Spieler dazu durch Zufall gezwungen wird (denn eine Wahl, es nicht zu tun, offerieren ja die wenigsten Spiele).
Problem ist ja auch, dass über eine längere Spielzeit alles größer und fetter werden muss. Mächtigere Waffen, mächtigere Gegner. Oft ist man dann gegen Ende derart Gott-ähnlich (!), dass nur noch die Karte “Drohende Apokalypse” gezückt werden kann. (Die Ausführungen beziehen sich htps. auf Rollenspiele.)
Auf niedrigem Level bleiben ist sehr schwer; ich glaube nicht, dass man nach einigen Stunden Spielzeit noch Angst vor einem Goblin haben will. Wir haben früher mal im Pen&Paper-RPG “Shadowrun” ein “Low-Level-Run” probiert, also die Technik radikal begrenzt – die ging aber schon aufgrund des Spielsystems nicht ohne massive Beschränkungen (man ist da eben kein Straßenpunk mit Pistole und Messer, sondern ein Cybersamurai mit dicker Wumme und 4W6 Reaktion).
HomiSite
September 22, 2008 um 1:41
und noch als Nachtrag: Dieses ständige Weltengerette nervt mich auch bei vielen Fantasygeschichten. (Das Rad der Zeit mochte ich nach dem ersten Band schon nicht mehr lesen.)
Die Gottähnlichkeit ließe sich meiner Meinung nach damit abschwächen, dass man dazu gezwungen wird, seine “Helden” mehr zu spezialisieren. Wer immer besser zaubern will, büst halt durchs viele Studieren Gesundheit ein und wird kränklich und ein muskelbepackter Toni ist nun mal kein agiler Ausweicher mehr. Bonus an Malus gekoppelt. Ich würde gern mal sehen, ob das funktioniert.
jorl
September 22, 2008 um 3:49
Jorl! Ein muskelbepackter Balkan Toni kann ALLES!
Str. – 887
Int. – 789
Dex. – 450 (letztens oberkörperfrei Frisbee am Neckarufer gespielt – die Mädels sind AUSGEFLIPPT!)
Vit. – 1000 (durch Proteinshakes)
Cha. – 599 (s.o.)
Und das alles nach dem D&D-System.
Ah ja, “Low Level”-Runs bei Shadowrun. Extrem unspassig. Vielleicht wäre eine Möglichkeit der Verzicht auf Levels – ein fließendes System á la “World of Darkness” scheint mir intuitiv irgendwie angenehmer.
balkantoni
September 22, 2008 um 4:36
Alternativ, man macht es einfach wie im Warhammer Pen & Paper… selten überlebt da jemand länger als 2-3 Sessions.
Arm abgeschlagen? Tja, tough luck…
Tödliche Krankheit eingefangen, was stocherst auch in Skavenscheiße rum…
“Oh, das kommt mir irgendwie bekannt vor… meine Todesprophezeiung an meinem 10. Geburstag ging in die Richtung… oh… verdammt!”
IMO das beste Fantasy-Pen & Paper was man für Geld kaufen kann, ne’ schöne Tabelle für’s wahnsinnig werden hat’s übrigens auch. Und es gibt da nicht wirklich die Möglichkeit absolut unkaputtbar zu sein, mal eben die 27 Niederhöllen zu bereisen, Abyssal und Drakonisch zu lernen, sich irgendwann zum Halbgott aufzuschwingen nur um ganze Universen zu retten.
Noch was ganz anderes, wer will eigentlich retten? Warum wähle ich bei Spielen die mir dererlei Wahl lassen grundsätzlich die “Ego-Sau lebt sich aus”-Möglichkeit? Bei Kotor, bei Morrowind, Fable usw. usf. immer ganz der Black Metal-Jünger
Aulbath
September 22, 2008 um 8:01
Black Metal-Jünger? Was soll das bedeuten? Du schminkst deine Figur und läufst bei immer in einem entlaubten Wald herum?
Alter! Du musst mehr Thrash Metal hören!
“Exodus” rein, Figur erstellen, die “Nuclear Avenger” heißt und das Spiel einzig mit dem Ziel spielen Bier zu trinken und Weiber aufzureissen (als Ausdruck einer allumfassenden Angst vor dem Atomkrieg)!
80er, nicht 90er!
Wo wir schon bei P&P sind: Hat jemand schon mal Earthdawn gespielt? Gut? Nicht gut? Meinungen?
balkantoni
September 22, 2008 um 8:09
Black Metal im Sinne der Ideologie die dahinter steht… all jene erschlagen die bei der Selbsterfüllung im Wege stehen. Und das geht im Spiel dann häufig besser als in der Wirklichkeit (nicht das ich es dort schon versucht hätte, aber ich gehe stark davon aus, das es nicht so gut kommt wenn ich eines meiner altertümlichen Totmachwerkzeuge von der Wand nehme und meine Chefin enthaupte).
Corpsepaint ist Nebensache und nur für die TRVE-Fraktion ganz wichtig.
Ich höre hauptsächlich (nord-europäischen) Folk/Pagan/Viking/Black-Krams (gerade läuft Svartsot), natürlich hin und wieder noch andere Mucke. Aber Metal ohne Flöte, Maultrommel oder Akkordeon? Geht gar nicht mehr.
Trash fand ich hingegen schon immer Kacke… Anthrax, Metallica usw. konnte mich nie begeistern – zu amerikansich, zu doof (da hatte ich schon ein 3/4 Jahr in Ami-Land gelebt um zu wissen das ich Amerika doof finde, wobei ein Militärstützpunkt in Texas vielleicht nicht der beste Ort ist um Amerika lieben zu lernen). Komplett an meiner Wellenlänge vorbei.
Aktiv Musik hören betreibe ich allerdings auch erst seit ‘98, und zwar durch zwei Dimmu Borgir-Scheiben (For all tid, und Enthrone Darkness Triumphant)! Das war ein bisschen was anderes als ewig Slayer, Metallica, Rammstein und was weiß ich was da nachts auf VIVAzwei lief (obwohl es ein Bericht auf diesem Sender (RIP) war der mich den Schwarzmetall entdecken ließ. MTV hatten wir im Osten nicht ;D
“XVI Dark Centuries” rein, Figur erstellen, die “Vainamoinen” heißt und das Spiel einzig mit dem Ziel spielen Met zu trinken und weibliche Trolle aufzureissen (als Ausdruck einer allumfassenden Angst vor dem Sieg des Christentums/Islams über die Anhänger des Asenglaubens)!
Early 90ies! Rau, holterdipolter, kirchenanzündend, menschenverachtend, aus sich erschossenen Bandmitgliederschädeln Anhänger machen und Fotos im nächsten Albumbooklet veröffentlichen, im Helvete einkaufen gehen und sich s/w anmalen.
Muß ne’ krasse Zeit gewesen sein!
Earthdawn ist hier immer beliebt, und gibt eigentlich auf jeder Con ne’ Runde. Ist neben DSA und Shadowrun so’n Klassiker in Deutschland. Mehr Infos kann ich dir nicht geben.
Übrigens, Empfehlung an dieser Stelle das universell einsetzbare Regelwerk “Savage Worlds” <- sehr geiler Scheiß!
Aulbath
September 22, 2008 um 8:52
HÄRESIE! HÄRESIE!
Balkan Toni erlärt die Welt:
Black Metal ist was für skandinavische Sissies, die zwar von Krieg und Feuertaufe-Selbstverwirklichung träumen aber eben viel zu große Memmen sind, um irgendwas zu machen außer verstimmte, schlecht gespielte Musik im Keller aufzunehmen und Gehirnteilchen bei eBay zu versteigern.
Thrash Metal hingegen ist total cool! Man kann die coolsten Klamotten tragen (enge Jeans + RIESIGE AirForces! + Bandshirts in allen Primärfarben der 80er – ja auch in pink!), lange Haare haben und eine Freundin, die Cindy oder Candy heißt und deren gröstes Interessen Skateboards, Sex, Bier und Thrash Metal sind. Man kann nämlich zu Thrash skaten (KREATOR druff und ab auf die Spine Ramp hieß es im letzen Sommer JEDEN TAG!) – zu Black Metal kann man höchstens Aerobic machen. Im Gefängnis. Wo man hingekommen ist, weil man zuerst Konzentrationslager geleugnet und dann auch noch die Katze der netten Rentnerin von nebenan gegessen hat. Wenn man Thrash Metal hört und ins Gefängnis kommt, so nur, weil man eine Bank ausgeraubt (am besten auf einem Skateboard) hat und danach in der Muckibude beim Bankdrücken verhaftet wurde oder so was cooles.
Wir fassen zusammen:
Thrash Metal = cool sein, Skateboard fahren, Instrument beherrschen, großbusige Freundin namens Cindy haben, große Muckis haben, die alle Frauen beeindrucken, jede Schlägerei gewinnen, bei den Hell’s Angels sein.
Black Metal = so aussehen wie ein Kiss-Mitglied, der vor dem Schminken einen Stechapfel gegessen hat, Religionen toll finden, Instrument nicht beherrschen, keine Freundin haben (dafür viele Freunde im Gefängnis – frag Varg), nicht Skateboard fahren können, superuncool sein, jede Schlägerei verlieren.
Aulbath, ich flehe dich an – verlasse deinen Weg der Uncoolness! Hör’ die die neue Testament an! Kauf’ dir ein Anthrax-Shirt – du wirst dich vor großbusigen Chicks kaum retten können! Deine Freundin flippt auch aus, ich versprech’s!
P.S. Ich probe seit ein paar Wochen mit ‘ner Thrash-Band. Wir nennen uns “Metal Schlugg”. Wenn wir in rostock spielen wirst du gegen deinen Willen TRANSFORMIERT! So nuclear transformation-mäßig!
balkantoni
September 22, 2008 um 9:17
Auf dem ersten Ensiferum-Album gab’s zwei Lieder, die “Väinämöinen” hießen.
Earthdawn ist ja quasi Shadowrun in Fantasy, auch wenn das Regelsystem dort eher klassisch an die alten D&Ds angelehnt war (= alle Würfelarten wo gibt im Einsatz). Background war recht fantastisch, jeder Charakter hatte “Talente”, die magischen Fähigkeiten entsprachen. “Normale” Magier gab’s natürlich auch.
Eine Monster waren ziemlich abgespacet und durch die Dämonen kam ein Horroraspekt rein; die “Plage” (= Anstieg des Mana-Levels und damit Demon Invasion) könnte auch mal SRs “sechster Welt” bevorstehen…
Den Erfolg von SR konnte ED IMO nicht erreichen, weswegen die zweite Edition auch nicht mehr bei FanPro erschien (siehe dazu Wikipedia). Die erste Edition fand ich vor langen Jahren (als es in Dtld. neu war) recht schwer zu spielen, also die Regeln, obwohl ich da schon SR kannte. Als ich es vor einem Jahr mal auf einem Con spielte, kam es mir aber gar nicht mehr so schwer vor. Ob es nun “gut” oder “nicht gut” ist, hm. Es ist kein schlechtes System, der Hintergrund hat einige nette Ideen, aber es ist nix besonderes. Muss man IMO kein Geld für ausgeben (hatte damals auch nach Kauf des Grundregelwerk beim PC Joker (!) Zusatzmaterial gewonnen).
Das P&P-System von Warhammer kenne ich nicht, aber die Welt, weil ich mal WH 40.000 gespielt habe und auch mich in WH Fantasy etwas auskenne. Finde das System aber zum Teil schon zu sehr auf “düster” getrimmt, aber vielleicht ist’s im Rollenspiel glaubwürdiger als bei den Tabletops. Savage World schau ich mal nach.
Ansonsten gibt’s ja auch viel umsonst (jetzt nur Regelwerke). DS-Fantasy war nett (leider Entwicklung wohl eingestellt), Alea iacta est hat ganz witzige Ideen. Mondagor fällt mir noch ein und als Ultra-Simpel-System The Pool/The Puddle/Risus.
Und dann gibt’s ja noch diese neuen Ansätze, die Grenze zwischen Meister und Spieler aufzuweichen, z.B. The Shadow of Yesterday.
PS: Wie schon mal gesagt, will ich in RPGs eigentlich immer alles erledigen, also (oberflächlich) gut sein. Liegt auch daran, dass man als Bad Guy in the far end meist Nachteile hat.
HomiSite
September 22, 2008 um 9:31
@Balkantoni: Na, wenn ich dir jetzt noch erzähle das ich Doommetal toll finde, und drone doom ne’ geile Sache ist… dann explodiert wahrscheinlich dein Kopf XD
Die skandinavischen “sissies” die ich bislang kennengelernt habe… aber lassen wir das.
Davon abgesehen bin ich mir nicht sicher ob Kirchen anzünden nicht schon mehr ist, als alles was andere Metalrichtungen zu Stande gebracht haben.
Im hohen Norden ist das (und das sage ich aus eigener Erfahrung) ein anderer Schnack als wenn du hier die Corpsepaint-Kiddies in der Metaldisse auslachst.
Was sind Airforces? Wer trägt Luftstreitkräfte?
Was hast du immer mit Skaten? Damit lockste mich ganz sicher nicht, halte ich für eine grausam überbewerte Freizeitbeschäftigung die halt typisch amerikanisch ist – man sieht solange dumm aus, bis es alle machen und dann ist es plötzlich cool (was es ja nicht ist, mind you!).
Zu Black Metal macht man übrigens nicht mal aerobic – man bewegt nur die Nackenpartie und steht ansonsten fest wie ein Felsen im Eismeer im Heer der Anhänger der jeweiligen Band. Zu Folk und Pagan gibt’s dann schön pogo mit echten Volkstanzeinlagen (wer selbige denn kann).
KZs leugnen hat nix mit BM zu tun, BM ist unpolitisch. Nicht vergessen, weil wichtiges Detail!
Übrigens, als Vollzeitsklave meiner Arbeit habe ich gar keine Zeit oder Lust auf (großbusige) Cindies und Candies. Und wenn ich Zeit hätte wär’s eher ein im Sarg pennendes Ritzermädel, die gerne beim Sex gewürgt werden will…
Ich bin übrigens seit nunmehr 2 Jahren solo, und plane auch nicht dies zu ändern – Frauen = Arbeit, und die habe ich derzeit schon genug. Vielleicht wenn ich mal arbeitslos bin…
Und noch was, Black Metal ist nur ein Teilaspekt von der Mucke die ich höre, insgesamt überwiegt eher Pagan/Folk/Viking und NeoFolk. BM hat sich dank ewigen Blastparts und langweiligen Geballers selbst abgesägt. Ich mag zwar den Black Heavy Metal den Darkthrone oder Satyricon gerade machen, aber raw black metal der frühen 90er Schule gibt’s nicht mehr. Und der war über alle Maßen geil, midtempo, mehr holter als dipolter und schlicht geil. Skateboards? Pfff… eh schon Zockerkellerkind gewesen, brauchte ich nur ‘nen Keller weiter zur Mucke latschen. Passt schon.
“Aulbath, ich flehe dich an – verlasse deinen Weg der Uncoolness!”
Laß mal gut sein, ich bin schon so ne’ ganz geile, langhaarige Wikingersau – ich komme klar, aber Danke das du dich so bemühst. Deine Schüler sind in guten Händen (es sei denn sie hören BM XD)
Kommt erstmal nach Rostock… Düsterhochburg in MV (prozentual höchste Ansammlung von Grufties/Schwarzheimern zur Einwohnerzahl), überall sonst ist nur Hardcore / Punk, Deathmetal oder Rechtsrock in MV.
@HomiSite: Warhammer P&P ist genau richtig von der Düsternis her, und etwas weniger mit Schädeln gepflastert als das Tabletop. Solltest mal reinschauen, lohnt sich – definitiv!
Aulbath
September 22, 2008 um 10:13
Lieber Aulbath,
Doom Metal? Coole Sache! Vor allem die alten Sachen: “Pentagram”, “Saint Vitus”, “Trouble” – finde ich alles cool. Spiele ich auch regelmäßig auf meiner Gitarre. Gestern gerade Seer von “Witch” nachgespielt, das solo ist extrem cool. “Goatsnake” sind Gott! “Electric Wizard” – yeah, yeah!
BM hingegen. Ugh. Bäh. Gläh.
Und zu den toughen Schweden kann ich nur sagen: Steck sie in den Ring mit mir für ein paar Runden, danach werden sie sich erst recht schminken müssen, Dude. Kirchen anzünden? Kommunistische Erfindung. Kann jeder. Albern. Die Band “Black Mountain” kümmert sich in gesamter Belegschaft beruflich um Obdachlose und Heroinsüchtige. DAS ist tough!
Was mich aber ernsthaft an Neofolk und BM stört ist die Tatsache, dass sich in den Szenen sehr viele Rechte treiben, ohne dass man gewillt wäre sich ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen. Bei NeoFolk denke ich da an solche vollhonks wie “Death in June” und Ähnliches. Ich behaupte nicht, dass diese Szenen als solche rechts seien, sie sind allerdings ausgesprochene Sissies wenn es darum geht, den eigenen Hof zu kehren. Wohl aus der Angst dies könnte zu irgend einer Politisierung führen oder weil die meisten in dieser Szene Rassismus gar nicht so verwerflich finden. Ich weiß es nicht, finde es aber extrem unsympathisch. Ganz abgesehen davon, dass ich als Atheist den Themenkreis dieser Musikrichtungen total peinlich finde.
Ansonsten: Wenn du auf solche Geekster-Girls stehst, sind Frauen sicherlich Arbeit. Ich würde einfach Mal einer grosbusigen Hübschen Mal ‘ne Chance geben. Sie sollte auf jeden Fall eigene Hobbys haben und Kylie cooler als Siouxie finden, sonst bedeutet es für dich: Stress, schlechte Action (youknowwhati’msayin’), vieeel zu lange Gespräche über vermeintlich tiefisnnige Themen (wie etwa “Tod”, “Gefühle”, “Sinnsuche”) und eine schlechte Figur. Glaub’s mir – Been There, Done That.
Was cool am Skaten ist? Chicks dig it, Alter! Ich + Sommer + verschwitzter, nackter Oberkörper = Chick Magnet!
balkantoni
September 22, 2008 um 10:59
Doom Metal, eher Ereb Altor, Cathedral, Grand Magus und Sunn o)))
Mit solchen Herausforderungen gegenüber Nordmännern wäre ich vorsichtig, in Göteborg haben sie schon für weniger Leute zu Krüppeln oder gleich ganz tot geschlagen…
Das Kirchen anzünden war vorallem ne’ dämliche Aktion weil darunter auch Wikinger-Kirchen leiden mußten, bzw. christliche Kirchen die auf wikingischen Stabkirchen errichtet worden sind. Habe ich auch nur genannt weil du meintest die Jungs mach(t)en nichts los.
Heroinsüchtige kriegen von mir kein Mitleid. Obdachlose hingegen schon. Interessiert mich im Zusammenhang mit einer Band aber ehrlich gesagt sehr wenig – die brauchen außer guter Musik gar nichts machen.
Das Problem der Rechten in dieser Szene ist bekannt, und problematisch weil’s halt Überschneidungen gibt. Nicht zu letzt weil sich Herr Schickelgruber ja mächtig bei unseren Vorfahren bedient hat – genau wie die “leibhaftige Wiedergeburt von Heinrich dem 1″ – und wie stellst du dir das kehren denn vor? Soweit ich weiß gibt’s öfters schon mal Kontrollen, das geht dann bei “eindeutigen” Shirts los… aber nicht jeder der ein Naziversand-Shirt a’la “Odin statt Jesus” trägt ist auch ein Nazi oder hat einen Plan wem er da Kohle gegeben hat. Und wir brauchen uns nichts vormachen – die Musik ist mit das “weißeste” dieseits von Rechtsrock das ich mir vorstellen kann. Was natürlich logisch ist, denn in der besungenen Zeit spielte andere Völker außerhalb Europas halt überhaupt keine Rolle (hin und wieder gibt’s mal einen Text über Miklagard aber das ist dann auch schon das höchste der Gefühle). Der Rest spielt sich mehr oder weniger im Nord- und Ostseeraum ab. Aber das macht zumindest für mich den Reiz aus, ich habe früher praktisch im Wald gelebt, bevor ich nach Rostock gezogen bin… 20 Minuten mit dem Auto fahren und am Strand gewesen. Katzensprünge nach Schleswig, Dänemark, Schweden, Polen… Hügelgräber, Runensteine, das Meer, alte Holzfesten – das steht hier alles noch rum und damit hat die Musik einen Bezug für mich, die keine andere Musikrichtung haben kann. Mal davon abgesehen das ich viele der Weisheiten Odens aus der Edda für mich selbst als richtig, erstrebens- und lebenswert empfinde. Etwas das ich von anderen Lebensideen nicht behaupten kann.
Es geht hier also mal ausnahmsweise nicht nur um Nerdscheiß sondern wirklich um (für mich) mehr – und es muß auch nicht ballern, Doublebass am Anschlag haben oder sonstwas. Sommernacht Lagerfeuerstimmung reicht mir oft schon – bisschen Gitarre, bisschen Maultrommel und ein netter Text aus alten Tagen. Ob das für jemanden nachvollziehbar ist, der gerne skatet, in die Muckibude geht und chicks mit dicken Eutern klar macht – weiß ich nicht, wahrscheinlich eher nicht.
Und wer sich mit Wikingern etwas mehr beschäftigt wird zudem feststellen, das sie ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht vorraus waren (Frauen fast den Männern ebenbürtig, Religionstoleranz (siehe Haithabu)) und eigentlich nicht viel mit rechtem Gedankengut gemeinsam haben. Insofern gibt es da für Szeneanhänger auch nichts zu rechtfertigen und man weiß entsprechende Pappnasen einzusortieren – und was andere Denken ist mir als Metalhead sowieso scheißegal.
Dennoch würden mich deine Vorschläge zur Abgrenzung zu Rechts schon sehr interessieren, besonders wenn man bedenkt das der Gruß unter Folkheads meistens ein “Hail(s)” oder Heil ist, deutsche Bands in jedem zweiten Song von den Ahnen singen, dort die Götter ständig was zu Klump hauen und es nichts besseres geben kann als im Kampfe für sein Volk und die Götter zu sterben. Die Thematik und der Inhalt ist bei Rechts nicht viel anders.
Der religiöse Aspekt interessiert mich auch herzlich wenig, wohl aber der innere, spirituelle Erkenntnisweg, das alte Wissen. Der ganze “esoterische Firlefanz” den du unter Garantie peinlich, uncool und dergleichen findest. Es ist doch mehr als Met saufen und Tussis bumsen – sofern man gerne mehr möchte. Und es ist ein sehr interessantes Feld, besonders dann wenn Parallelen zu anderen Kulturen auftreten die tausende Kilometer entfernt und teilweise auch Jahrhunderte früher oder später lebten.
Die großbusige Hübsche die Kylie cooler als Siouxie (coole Mucke übrigens XD) findet will aber a) nix mit mir zu tun haben (wüßte auch gar nicht wo ich die finden sollte) und b) finde ich die einfach schrecklich langweilig. Jemanden der alles das doof findet was ich mag bzw. nur wiederwillig akzeptieren… moment, tolerieren kann… brauch ich nicht. Davon abgesehen, ich habe längeres und schöneres Haar als alle vollbusigen Candies dieser Stadt – das alleine ist schon ein KO-Kriterium für die. Kleingangster-Kurzhaarfrisur oder Gelstacheln sind angesagt. Und dann hätte ich da ja noch Bart… ahahahaha!
Nee, im Augenblick bin ich sehr froh allein zu sein – wenn’s sein soll wird schon was passieren, wenn nicht dann nicht. Im Augenblick stört’s mich nicht.
Schechte Figur kann ich nicht unbedingt bestätigen, waren schon ein paar knackige Püppies bei, der Rest deckt sich teilweise mit meinen Erfahrungen…
Ich glaube wir sollten das hier in den BTundA (da kann man BAT draus machen, wenn man das und wegläßt) Gott und die Welt-Chat umbenennen.
Aulbath
September 23, 2008 um 12:23
Ich habe bisher nur von Anthrax wenigstens mal ein Shirt gesehen, ansonsten habt ihr mich jetzt echt verloren. Aber weil ihr eh soweit abschweift: Hat jemand eine Meinung zu Warhammer 40k Rollenspiel? Ich finde ja Inquisitor von GW stimmungsmäßig sehr genial. Geht das in die selbe Richtung (ohne Püppies natürlich) ?
Ach und zum Skaten: Ich finde das auch cool – bin ne Weile auf ‘nem Snakeboard rumgeeiert, habe dann aber gemerkt, das “Sportarten” mit eingeplanten Verletzungen nicht so richtig was für mich sind.
jorl
September 23, 2008 um 8:50
@ Jorl: YEAH! Du machst immer mehr Punkte bei mir Dudikoff!
@ Aulbath: Wie du selbst vermutest, geben mir die Sachen, die dich an dieser Musik so faszinieren nichts – ich bin ein ziemlich rationalistischer Mensch und meine Erkenntnissuche ist immer darauf beschränkt. Das allernächste, das ich an so einer Ahnenfaszination aufbringen kann ist meine Bewunderung für meinen Großvater und meinen Vater, die beide in Kriegen gekämpft haben und auch beide für die, meiner Meinung nach, “richtige” Seite gekämpft haben. Das wäre die Seite, die sich gegen Genozid und Chauvinismus gewehrt hat. Mein Opa war mit 16 schon bei den Partisanen und hat 6 Schusswunden überlebt – tough as nails. Allerdings ist das schon alles – ich bewundere ihren Mut und ihre Toughness. Ihre Taten beherbergen für mich keine Metaphorik.
Die NeoFolk-Faszination an Ahnen, an der Natur und am Paganismus hat Tradition. Vor allem in Deutschland – es ist gewissermaßen ein nahezu identisches Revival dessen, was Romantiker unter “geschichtsphilosophischer Weltsicht” verstanden haben und nach diesen Schiller und viele Andere: Einem negativen Jetzt geht ein goldenes Früher voran. Die wünschenswerte Zukunft sollte sich dem Früher annähern und keine Fortsetzung des Jetzt sein. Verzweifelte Regression, die immer aufkam, wenn man sich extrem Unwohl gefühlt hatte. Die Romantiker hatten ja unter französischer Knute zu leben und besannen sich entsprechend schnell auf stolzes Germanentum. Wenn man Eichendorffs “Ahnung und Gegenwart” liest merkt man schnell, dass da alles Romanische verdammt wird. Es gibt sogar eine weibliche Figur namens Romana, wenn ich mich nicht irre, und sie ist eine Riesenschlampe.
Ähnliches kann ich bei dir beobachten: Du scheinst ausgesprochen unglücklich mit deiner Lebenssituation zu sein, das hast du ja schon mehrmals geäußert. Job scheiße, keine Candy im Bett usw… Das scheint ein Reflex zu sein, den Menschen schnell antreten, eine Flucht in eine durcschaubare Zeit, in der man sich leichter Verwirklichen konnte (am besten als tugendhafter Kämpfer) – eine tröstende Fantasie gewissermaßen, die durch deine Kindheit wahrscheinlich eine besonders starke Wirkung auf dich hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich deine Interessen mit einer allgemeinen Besserung deiner Lebensumstände (besserer Job, heiße Cindy im Bett) wieder stärker aufs Gegenwärtige verlagern werden.
Eine entsprechende geistige Bewegung, die durch besonders verzweifelte Lebensumstände richtig hysterische Ausmaße angenommen hatte, konnte man Ende der 80er, Anfang 90er auf dem Balkan beobachten, wo man sich als Serbe aufs Amselfeld und den völkischen Stolz besann, als Bosnier plötzlich auf osmanische Schlachtzüge zu stehen begann usw… Wir alle wissen, wozu das Ganze letztendlich beigetragen hat, da eine Besserung der Umstände nicht eintreten wollte.
Das ist nämlich auch mein Problem mit der ganzen Kiste: Sie ist potentiell faschistoid. Wie du selbst bemerkt hast ist eine Ausweisung der Nazis aus der Mitte dieser Szene so schwer, weil man schon so viele gemeinsame Interessen teilt. Man kuschelt förmlich mit ihnen. In anderen Szenen gab es keine großen Probleme entsprechende Unterwanderungsversuche zu beenden – vor ein paar Jahren fingen “nationale Autonome” an, auf Hardcore-Konzerte zu gehen. Sie trugen Baggy-Pants, glaubten Straight Edge zu sein, bloß halt eben alles in braun. Sie wurde einfach verdroschen und heimgeschickt. Keiner von denen traut sich noch, wie vor fünf Jahren, einfach Mal auf ein Hardcore-Konzert zu gehen. Sie würden auf die Fresse bekommen. Klare Verhältnisse, die so im NeoFolk nicht möglich sind, weil es im Gegensatz zu Hardcore eine ideologische Nähe zu den Arschgeigen gibt.
So. Meine Meinung.
balkantoni
September 23, 2008 um 3:40
Interpretiert ihr jetzt nicht zu viel in die Musik rein? Man kann doch Genres hören, ohne gleich effektiv der jeweiligen “Subkultur” und dessen “Lebensauffassung” angehören. Ich höre auch Amon Amarth und will nicht als Wikinger brandschatzend durch Norddeutschland ziehen
. Und ob man zu Kreator skaten kann, muss ich mal meinen Bruder fragen ( vom “Flow” kann ich’s mir bei “Enemy of God” nicht so vorstellen).
Zum WH40K-RPG (”Dark Heresy”) kann ich nix sagen, ich wusste nichtmal, dass es das gibt (bin ziemlich aus Warhammer raus, aber das Spiel ist auch recht neu); Wikipedia-Artikel.
HomiSite
September 24, 2008 um 10:07
Ich kenne mich in der “Szene” ja nicht aus und höre eher gemäßigte Musik, aber die Frage von HomiSite stellt sich mir auch. Macht nicht eher die Art der Nutzung der Instrumente ein Genre aus als die (möglicherweise falsch interpretierte) politische Gesinnung der Musiker?
jorl
September 24, 2008 um 10:25
Zum Musikkrams schreibe ich heute abend was, dazu fehlt mir jetzt die Zeit bzw. ist meine Mittagspause zu kurz.
Was “Dark Heresy” angeht, ich hab’s englische Grundregelwerk schon mal ein bisschen quergelesen und find’s soweit sehr gelungen. Ich würde behaupten das es spielerisch ähnlich wie die Fantasy P&P Variante ist, nur halt im Dark Sci-Fi Gewand und der Fokus glücklicherweise nicht auf Space Marine Armour-clad Übermenschen steht, sondern den “normalen” Menschen des Imperiums.
Das “in the grim darkness of the far future there is only war”-Feeling wird jedenfalls in Wort und Bild sehr schön übertragen und ich freue mich schon wenn die zwielichtigen Gestalten und Kulte in einem Extrabuch beleuchtet werden.
Aulbath
September 24, 2008 um 11:24
@ Homisite: vom Flow her… Alter, simma bei Tony Hawk’s? SHREDDEN!
balkantoni
September 24, 2008 um 3:50
ich mag übrigens bossa nova. darf ich hier trotzdem noch mitmachen?
marc
September 24, 2008 um 4:56
Aber sicher. Du darfst sogar (njihihi) den Blumenkranz (hohoho) und den Kokosnussschalen-BH (prust!) dazu tragen!
balkantoni
September 24, 2008 um 5:02
@BT:
Hmm… ich glaube mit Rationalität hat das soviel eigentlich nicht zu tun. Und selbst als rationaler Mensch solltet man nicht alles irrationale ablehnen – man könnte etwas verpassen, und sei es nur ein anderer Ansatz. Wäre die Kunst voll von rationalen Menschen… sie wäre langweillig, vorhersehbar, stilstehend.
Im Übrigen, ich bin eher auf der Naturerlebnisse- und Naturverbundenheitsschiene – die Ahnenschose interessiert mich nur soweit sie mit dem Naturzeug in Verbindung steht (mein Urgroßvater fror sich alle Zehen ab und verstarb in russischer Gefangenschaft, mein Großvater war im Volksturm und türmte eine Nacht vor Einfall der roten Armee – zum Glück, die anderen Jungs von der HJ haben die Nacht nämlich nicht überlebt, meine anderen Großeltern flüchteten mit Bollerwagen durch das ehemalige Preußen… usw. usf. – das sind alles keine Geschichten der arischen Überkrieger – Warnungen die Geschichte zu wiederholen schon eher) .
Klar würde ich nichts dagegen haben das man in Deutschland genauso zu seinem Land stehen könnte wie es in anderen Ländern Gang und Gäbe ist – ein schwedisches Haus ohne davor wehender Landesflagge gibt es praktisch nicht. Für mich selbst spielt das aber nur eine untergeordnete Rolle. Ich bin eher auf der Suche nach mir selbst und Einklang mit mir und meiner Umgebung. Moderne Auffassungen des Funktionierens, Komasaufens, vögeln bis der Arzt kommt und bis zum Tode arbeiten und abhetzen sind aber nicht mein Ding. Wertloses Verhalten von einer fehlgeleiteten Gesellschaft – ohne Ziel oder Verstand. Deutschland das Land der Denker, Dichter, Künstler, Wissenschaftler… das ich nicht lache. Die Moderne ist kaputt und gestört – die wenigsten merken das aber in ihrem Brausebrand. Ich lehne das einfach ab (soweit das es eben geht – was zu Essen und ein Dach brauche ich ja) – entwickelt hat sich das über einen längeren Zeitraum, mit vielen sehr privaten Ereignissen die ich hier ganz sicher nicht breittreten werde – aber eine Cindy in der Kiste, und ein Job mit Gehalt das sich der Mann mit dem Koks die Hände reibt wird daran auch nichts ändern.
Insofern würde ich dir bei “Flucht” nur begrenzt zustimmen, es ist vielmehr eine Suche – teilweise Gedanken, Vorstellungen und Werte die das Dasein einfach lebenswerter machen (hier nochmal der Hinweis das die Edda ein Menschen- und Lebensfreundliches Werk ist, und das die Auslegung der braunen Horden nicht zwangsläufig mit der persönlichen Auslegung des Einzelnen übereinstimmend ist). Gerne verweise ich hier an Stellen aus dem Havamal – wenn sich die Menschen mehr an diese Empfehlungen (es sind ja nichtmal Gesetze) des Allvaters halten würden – die Welt wäre ein besserer Ort. Übrigens, der Asenglaube hat sich in Island ganz demokratisch selbst abegewählt – und das vor über 1000 Jahren… also, da steckt mehr im Norden als Hörnerhelme, Elche, Langboote und Trolle. Aber es steht jedem frei das albern zu finden oder abzulehnen… das ist mir, wie gesagt, egal.
Das man mit den Nazis soviele Gemeinsamkeiten teilt, ist wie gesagt eine unschöne Tatsache – aber was nützt es die Jungs zu verkloppen und wegzuschicken? Zum einen stelle ich mich damit auf die gleiche Stufe, zum anderen hilft das keinem was – der Nazi wird in seiner Ideologie gestärkt (Adi, hilf mir – die sind alle doof, nur du verstehst mich).
Nazis sind genauso Menschen wie du und ich, Nazis mit Nazimethoden zu bekämpfen halte ich für Heuchelei. Wenn die Antifa mit 1:1 von der SA übernommenen Aktionen gegen Rechts vorgeht muß ich immer schmunzeln.
Und wenn eine Demokratie nicht mit dem rechten Rand klarkommt, nun, dann hat die Demokratie wohl was falsch gemacht. Denn eine gesunde Demokratie sollte extrem Andersdenkende wohl vertragen.
Auf’s Maul ist jedenfalls immer der falsche Weg.
Und wenn das dein einziger Ansatz ist, die Rechten zu vertreiben – dann tolerier’ ich lieber die 2-3 Spacken die es nicht lassen können bei Konzerten den Hitlergruß zu zeigen.
So. Meine Meinung.
@Homisite: Amon Amarth sind ja auch nur Melodic DeathMetal mit Wikinger-Texten, genau wie Unleashed. Das hat mit dem Sound “meiner” Subkultur nicht wirklich viel zu tun. Amon Amarth kann man auch gut finden, wenn man Anthrax oder Hatebreed mag…
Ein Beispiel:
Falkenbach (blackended viking/folk metal – weiß Gott kein absolutes Beispiel, sind aber ein bekannter Klassiker)
http://uk.youtube.com/watch?v=tFtZtGY_w-0
Amon Amarth
http://uk.youtube.com/watch?v=Wz-ExsTjafQ
Mal von der Definition abgesehen hast du natürlich Recht, nur weil man das mal hört ist man noch kein Teil der Subkultur. Aber wenn man den Klang mag oder die Texte wird man sich auf kurz oder lang auch damit beschäftigen – und was die nordische Mythologie angeht, ist das ganze auch eine spannende Angelegenheit – jeder sollte die “Schöpfungsgeschichte” mal gelesen haben, sehr kreativ/fantasievoll.
@Jorl: Nicht zwangsläufig, Rechtsrock wäre wohl das bekannteste Beispiel. Alternativ hätte ich auch noch Nationalsocialist-Black Metal anzubieten, oder kurz NSBM – und Letzteres ist es glaube ich, das vorallem Balkan Toni vorschwebt wenn er von Black Metal redet.
Aulbath
September 24, 2008 um 8:35
Gnah… wer schaltet mich mal eben frei?
Aulbath
September 24, 2008 um 9:07
Tut mir leid, aber das ist unsere Black-Metal-Sperre.
Nur Spaß, ich mach’s gleich.
balkantoni
September 24, 2008 um 9:14
@ Aulbath:
Ok, ich verstehe. Ich glaube, wir können jetzt die Diskussion ohne böse Gefühle beenden, oder? Ich denke nämlich, dass wir am Rand des Circle-of-Rechthaberei-Doom stehen (ich würde gerne noch zu Nazis widersprechen, aber so wichtig isses mir dann doch nicht…) und eigentlich das Potential des Themas ziemlich gut ausgeschöpft haben. Ich fand die Unterhaltung jedenfalls ziemlich interessant. Echt jetzt!
Eine Sachen will ich jedoch loswerden: ANTHRAX sind 1 000 000 Mal cooler als Hatebreed, mein Freund!
balkantoni
September 24, 2008 um 9:23
Und Balkan Toni zum Dritten:
Als ich letztens schrieb, es verwundere mich, dass viele meiner etwas abstrakteren Texte unkommentiert bleiben, so dachte ich dabei an genau diese Art von Diskussionen – Gespräche, die sich aus dem allgemeinen Themenfeld ergeben.
Finde ich wesentlich interessanter als Commentschlangen bei denen es eigentlich nur darum geht, dass jeder dahergelaufene Honk mal sagt, ob er “Gears of War” gut fand oder nicht. Braucht kein Mensch.
Daher meine Aufforderung lasst uns reden.
Oh ja, ich habe die Frage immer noch nicht beantwortet: Was sind AirForces?
http://www.overkillshop.com/de/product_info/info/4360/
(Schlabber, schlabber!)
balkantoni
September 24, 2008 um 9:32
Klar
“Got my foot pinned to the floor
You can feel the engine roar
I got thunder in my hands
I’m metal thrashing mad, yeah
Metal thrashing mad, yeah”
Return of the Killer A’s steht hier irgendwo rum…
Aulbath
September 24, 2008 um 9:40
@Aulbath
Aber das Phänomen, dass man gefühlte 3 Millarden Subrichtungen erfinden muss um ja jeder Band gerecht zu werden, gibts doch so eigentlich nur im Metal. Ich finde es recht albern eine Stilrichtung z.B. ausschließlich durch den Textinhalt zu bestimmen. Für mich zählen nur die ganz großen Kategorien – alles andere ist mir zu anstrengend. Und wenn eine Band rechts rockt – na dann hör ich mir die einfach nicht an, baue aber nicht im Geist noch ein Konstrukt darum. Ist wahrscheinlich so ein Hobbyding – wer drin steckt der braucht das wohl – echten Anglern reicht ja auch nicht einfach eine Angel.
Zur Edda:
Man das Teil ist in Lied-/Versform geschrieben! Ich habe es über das erste Viertel nicht mal mit sehr viel guten Willen geschafft.
@BT
Auch wenn ich nicht viel maßgebliches zur Unterhaltung beigetragen habe, hat mir der Plausch auch sehr gut gefallen. Das entwickelt sich hier zu einem schönen Tummelplatz.
jorl
September 25, 2008 um 9:08
Es ist nun Mal so, dass Subkulturen in der Pubertät zur Identitätsbildung einladen und Abgrenzung ist ja ein wesentlicher Teil davon. Außerdem sind solche Schubladen durchaus nützlich, um beim Sprechen über die Musik etwas besser klassifizieren zu können – sobald man ein bisschen intimer mit der Thematik wird, werden Genres notwendig. Auch bei nichtpubertären Musikrichtungen, siehe Jazz.
Techno und verwandte Elektroni haben übrigens viel mehr Genres zu bieten als der Metal bei dem sich alles in eine der 7-8 großen Kisten einordnen lässt.
Zur Edda und den Wikingern:
Beides im Studium intensiv beackern dürfen – Althochdeutsch + Altenglisch. Edda teils pseudoübersetzen müssen. Ich bin der Vollprofi für Nordmänner. Wusstet ihr, dass alle englischen Worte, die mit den Lauten “Sk” anfangen (Skin, Skull etc…) Vikinger-Importe sind? (Vikinger haben trotz ihrer Anwesenheit nur wenige Spuren in der englischen Sprache hinterlassen…). Tja, wieder was von Onkel Toni gelernt.
Also ich fand Hartmann von Aue am besten. Ritter, Chicks, Riesen, Zwerge und Aventiure! Da kann die Edda einpacken.
balkantoni
September 25, 2008 um 2:13
@Jorl: Subgenres rocken! Ein Kaktus und eine Rose sind auch beides Pflanzen – könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Und so hast du auch im Metal Dinge die zwar grob der gleichen Kategorie zugeordnet werden, aber im Endeffekt total anders wirken bzw. ganz andere Stilmittel einsetzen. Mal von den ganzen Bands abgesehen die verschiedene Subgenres mischen.
Wenn mir jemand sagt: “Ist ne’ geile BM Band!” Dann ist meine erste Frage “Mid-tempo / raw”? Wenn’s Geballer ist, dann interessiert es mich nämlich nicht.
Wen die Edda in Reimform nervt: http://www.amazon.de/Die-wilden-G%C3%B6tter-Sagenhaftes-Norden/dp/3492239439/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1222365533&sr=8-1
Aulbath
September 25, 2008 um 8:08
Ich habe schon dieses: http://www.amazon.de/Germanische-G%C3%B6ttersagen-Reiner-Tetzner/dp/3150087503/ref=pd_sim_b_3/302-6631676-2045640
vor einer ganzen Weile gelesen, welches wirklich sehr gut war, aber Danke für den Tipp.
Anonym
September 26, 2008 um 8:20
Jau, das habe ich auch – gefällt ebenfalls, und hat vorallem ein sehr schönes Format und wenn ich mich recht entsinnen, auch ein recht umfangreiches Glossar.
Aulbath
September 26, 2008 um 4:56
Die Version hier ist aber auch empfehlenswert:
http://www.amazon.de/Heart-and-Soul/dp/0752897500/ref=sr_1_7?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1222444986&sr=8-7
balkantoni
September 26, 2008 um 6:03
Ja, ja… wir schreiben noch gleich was zu deinem PC vs. Konsole-Beitrag
Aulbath
September 26, 2008 um 7:12
Aber bitte keine erzürnten Vorwürfe oder so. Das hatten wir schon heute.
(Der witz war super! Maeve, hahaha!)
balkantoni
September 26, 2008 um 10:06