These nerds are made for zockin'

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Archiv für August 2008

Hellish Business

mit 2 Kommentaren

Hellgate London war einer dieser Käufe, die ich bereut habe – mittelmäßiges Spiel für viel Geld. Jetzt sind die Flagship Studios kaputt und Bill Roper, der Chef dieser Studios, erläutert in einem (zu langen) Interview wieso.

Alles was ich zu diesem Interview sagen kann ist: Ey, ne, Danke! Euer blödes Namco-hat-Comericas-Pimmel-akkreditiert-BWL-Idiotengedöhns könnt ihr euch sonstwohin stecken. Ich werde jetzt Neverwinter Nights 2 spielen und mich mit gehaltvollen Gedanken beschäftigen (Zum Beispiel: Wieso hat Obsidian keine Romanze mit Neeshka eingebaut, sondern nur eine mit der langweiligen Elanee? Das ist Philisophie, Freunde.).

Geschrieben von balkantoni

August 25, 2008 um 1:15

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Let’s talk about Sex!

mit 31 Kommentaren

Ja, ja, vorhin im Zug. Meine Freundin und ich kehren von ihrer Oma nach Heidelfornien zurück und müssen in Mannheim umsteigen. Mir ist langweilig, weshalb ich mir die PC Games kaufe (Berta: „Ich esse manchmal aus langweile ein ganzes Nutella-Glas mit dem Löffel.“) und mir dann im Zug die ganze Zeit Frotzeleien meiner Freundin anhören darf: „Gibt es auch ein Spiel ohne Zwerge und Titten?“.

Gute Frage eigentlich – insbesondere, wenn man sich das Interview mit Jürgen Vierheilig, dem Eintwickler des Cinematic-Mods für Half-Life 2 anschaut. Der hat nämlich die Alyx-Figur verändert – um genau zu sein, er hat Alyx durch eine Porno-Darstellerin ersetzt. Jürgens Alyx hat nun Silikonlippen und Whopper-Titten. Man schaue hier:

Und Jürgen begründet die Änderungen auch – ihm sind nämlich „schöne Frauen lieber als hässliche“ (PC Games 09/08, S. 39). Perfekt – ich wollte ohnehin über Weiblichkeitsideale in Computerspielen sprechen und unser Jürgen hier findet die Originalalyx hässlich:

Die Änderungen, die er an der Figur vornimmt sind dabei entlarvend, wenn es um die Differenz zwischen schön und hässlich geht: Keine D-Cups = hässliche Frau. Mir persönlich gefällt diese Schönheitsbegrifflichkeit eigentlich überhaupt nicht und zwar weil sie furchtbar generisch ist und in zehn Jahren ein Anachronismus sein wird. Jürgens Tittenalyx wird eine Erinnerung sein an die seltsame Youporn-Zeit, als man mit dem Begriff der sexuellen Revolution das gemacht hat, was man im Internet am besten kann – zur Farce herabdummen. Darüber hinaus finde ich genau diese halbnackte und voyeuristische Darstellung so kennzeichnend für Computerspiele, weil sie letztendlich für Pubertierende hergestellt werden, für die Sex noch ein Mysterium und inzwischen für jedermann verfügbare Pornografie eine ziemlich verzerrte Orientierung zu sein scheinen. Frauen und ihre Sexualität kulminieren wiederholt in Karikaturen, die aus giganischen Geschlechtsmerkmalen zu bestehen scheinen. Beispiele? Beispiele:

Ich fühle mich gerade hingerissen eine pro-feministische Tirade gegen eine Welt, in der Frauen immer noch dermaßen reduziert werden, zu halten aber ich fürchte, dass Feminismus inzwischen gerade bei jungen Frauen total out ist und man sich stattdessen in diesem post-feministischen-negativer-Sexismus-Saustall zurecht gemacht hat, so dass ich ohnehin auf taube Ohren stoßen würde.

Aber etwas anderes fasziniert mich: Die Darstellung der Frauen in Computerspielen verweist auf ein grundlegendes Defizit unseres Mediums, nämlich die Beschränkung auf das Audiovisuelle. Man kann in Spielen keine Berührungen spüren, nichts riechen und auch nichts schmecken. Diese Sinnesempfindungen sind jedoch der Kern der Sexualität! Ich wage es sogar zu behaupten, dass das Sehen und Hören beim Koitus eine untergeordnete Rolle spielen, während das Empfinden der Berührung und der Geruchssinn besonders wichtig sind – vom Geschmackssinn will ich erst gar nicht sprechen. Zu kinky!

Beim Erstellen eines Spieles sind die Designer also gezwungen auf audiovisuelle Reize zu setzen, wenn es darum geht dem männlichen, verpickelten und jungfräulichen Spieler sexuelle Faszination für eine weibliche Figur zu entlocken. Marktforschung, schlechter Geschmack, geringe Vision und die eigene Sozialisation im Moloch der Unterbumsten sorgen dann dafür, dass wir solche Figuren bekommen wie Jürgens Alyx.

Dabei wäre es alles andere als unmöglich attraktive (wenn das schon das Ziel sein soll) weibliche Figuren zu entwickeln, die nicht aussehen wie Jenna Jameson mit einer Perücke – man müsste sich um eine besonders hohe und clever gelöste Interaktion bemühen. Es ginge darum, eine Interaktionssituation herzustellen, bei der eine Berührung durch die weibliche Figur geradezu QUALVOLL erwartet wird, OBWOHL sie nicht gespürt werden kann. Es ginge um Intensität! Surgical Strikes statt Flächenbombardement, ihr entgeistigten Trottel! Früher oder später kommt es! Bis es soweit ist:

Geschrieben von balkantoni

August 17, 2008 um 10:36

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Game Over, Dude

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Gestern habe ich auf dem Ersten eine Reportage über Computerspielesucht gesehen („Spielen, Spielen, Spielen – Wenn der Computer süchtig macht“) – exerziert am Beispiel von World of Warcraft.

Bevor ich mich auf dieses Thema einlasse: Ich hab’ WOW deinstalliert, weil ich es langweilig finde. Ich verstehe immer noch nicht, wie man davon Süchtig werden kann, aber ich finde auch, dass Bier abscheulich schmeckt…

Was mich eigentlich an dieser Sendung fasziniert hat, war Folgendes: Ich fing an, mir zu überlegen wie ein stereotyper Computerspieletrottel – einer, der sich im Gamestar-Forum „l33tRulZ0r“ nennen könnte – auf diesen Spielebericht reagieren würde. Er würde ihm Einseitigkeit vorwerfen und, was noch wichtiger ist, Inkompetenz. Keine Ahnung vom Thema.

Und vielleicht hätte er auch recht. Der Bericht hat sich mit der Schattenseite des Spiels beschäftigt. Ich finde es jedoch interessant, dass das etwas unzulässiges sein soll. Der Aufschrei nach Objektivität, der jedes Mal aufkommt, wenn über Computerspiele berichtet wird verkennt offenbar die Realitäten der journalistischen Berichterstattung: Diese darf nämlich durchaus ausgesuchte Aspekte eines Themas behandeln. Computerspiele sind in dieser hinsicht nichts Besonderes und dürfen ebenso problematisiert werden.

Die Tatsache, dass sich Vidiots bei jeder Kritik erzürnt über ihre Einseitigkeit beschweren ist eigentlich klassisches Randgruppenverhalten. So ähnlich verweisen wohl Fußballhooligans darauf, dass ihre Kloppereien einem bestimmten Kodex folgen und deswegen nicht halb so wild sind, oder Grafittisprüher darauf, dass der Begriff der Sachbeschädigung in ihrem Fall nicht greife, weil diese so kunstvoll sei. Mein Problem mit dieser Verhaltensweise ist, dass sie letzendlich ein einziger aufgeblähter Sophismus ist – ein Ablenkungsmanöver: Man möchte der Kritik aus dem Weg gehen, indem man auf sympathischere Aspekte des kritisierten Gegenstands verweist. Illustratives Beispiel? Ein Blind Date. Sie: „Du hast das Gesicht eines Scheusals.“ Er: „Ich finde das jetzt ein bisschen einseitig. Schließlich habe ich einen tollen Körper.“

Meine Meinung ist daher: Wenn das Medium der Spiele gut genug sein soll, um breite Akzeptanz zu erfahren, so indem es sich der Kritik stellt. Alles andere deutet nämlich auf mangelndes Vertrauen in die eigene Angelegenheit. Und mangelnde Intelligenz. Nicht, dass das immer zum Erfolg führt – es ist jedoch wesentlich würdevoller, als das völlig ineffiziente Rollen in der eigenen Kacke, das viele Geeks betreiben, wenn sie darauf bestehen, dass ihr Medium nicht kritisiert werden darf. So! Der Häuptling hat gesprochen.

Ich hatte oben einen zweiten Vorwurf erwähnt: Inkompetenz, ein Einwand, den man oft liest. Kritisierende haben keine Ahnung von dem Gegenstand also dürfen sie ihn nicht kritisieren. Irgendwann wurde (zu Recht) bemängelt, dass bei irgend einem Bericht die Behauptung aufkam, man könne in GTA: San Andreas vergewaltigen (nicht, dass dies nicht dem Geist des Spieles entsprochen hätte). Dies wurde mit Bildern aus dem Hot Coffee-Modus belegt. Diese Art von (mutwilliger?) Inkompetenz ist in der Tat ein Problem, weil sie den Sachgegenstand verfälscht – und trotzdem ist Inkompetenz per se nicht genug, um eine Kritik an Computerspielen völlig zu entkräften. Ich bitte hier um Differenzierung.

Beispiel: Man muss nicht wissen, wie viele Instanzen WOW hat, um eine Kritik an der suchtfördernden Mechanik des Spiels zu üben. Ebensowenig wie man wissen muss, wie eine Flugzeugturbine funktioniert, um eine Kritik an der Umweltverschmutzung zu üben. Wir dürfen bei Außenstehenden weder unsere Kompetenzen zum Thema der Computerspiele voraussetzen noch den Mangel dieser als Persilschein für unser Medium betrachten. Es gibt viele Kritikpunkte an Spielen, die von Menschen geäußert werden können, die nie etwas anderes als Tetris gespielt haben und die dennoch völlig legitim sind.

Ein Beispiel? Man hat uns vorgeworfen, Counter-Strike sei abstoßend, weil es im übertragenen Sinne das Gegenseitige ermorden zum Gegenstand sportlichen Wettkampfes macht. Was war unsere Antwort? Dass diese Kritik völlig die glorreiche Tatsache missachtet, dass man in diesem Spiel die Teamfähigkeit üben könne.

Jetzt, wo ich es selbst schreibe, kann ich es selbst nicht fassen, dass ich ein Hobby mit Menschen teile, die bescheuert genug sind, sich so zu äußern. Schließlich haben Teamfähigkeiten nichts mit der moralischen Integrität einer Sache zu tun – Nazis waren ausgezeichnete Team-Player – und um genau diese ging es in der ursprünglichen Kritik. Wenn wir uns weiterhin so anstellen, VERDIENEN wir es förmlich, dass jedes einzelne Spiel verboten wird. Ich meine es ernst. Wir hätten sagen können, Gewalt und Rudel seien finstere Atavismen, ein Tag-Team straight outta Steinzeit, die man so genießt, wie man Schokolade und Alkohol genießt – in vollem Wissen, um die Risiken. Wir hätten uns der Kritik stellen können. Wir hätten eloquent und clever sein können. Stattdessen haben wir irgendwas von Teamfähigkeiten gefaselt und so getan, als dürften nur wir über Computerspiele reden.

In diesem Sinne:

Hier ein verwandter Artikel aus einem anderen Blog.

Geschrieben von balkantoni

August 14, 2008 um 12:30

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Spielen in Serbien

mit 2 Kommentaren

Ja, da habe ich mir eine Zeit zum Kunta-Kinte-Urlaub ausgesucht. Am Tag meiner Ankunft in Belgrad wurde Karadzic ausgeliefert und unser Auto durfte sich, auf dem Weg zum Viertel meiner Oma, durch endlose Hummer-Kolonnen und Legionen von Riot-Gear-Polizisten schlängeln. Am gleichen Abend gab es dann auch tatsächlich die erwarteten Unruhen: Nationalistische Jugendliche – in diesem Fall aus dem Hooligan-Club „Grobari“ des FC Partizan angeworben – kloppten sich mit der Polizei.

Und jetzt kommt das Beste: Diese Ausschreitungen stellten einen Fortschritt dar, da diesmal a) die Polizei eingeschritten ist (im Gegensatz zu den Ausschreitungen vor der amerikanischen Botschaft nach der Unabhängigkeitserklärung Kosovos) und b) sie ein ziemlich deutliches Symptom des ausgedehnten Todeskampfes der radikalen Parteien Serbiens sind. Diese Leute haben immer weniger in dem Land zu melden – nicht zuletzt, weil Serbien seit 8 Jahren das stärkste wirtschaftliche Wachstum auf dem Balkan vorweisen kann und die Serben nun aus der Isolation nach Europa drängen, in den vermeintlichen Reichtum einer EU-Mitgliedschaft.

Dieses Wunsch nach Europa-Zugehörigkeit hat ein paar seltsame Auswirkungen auf Serbien gehabt. Im letzten Jahr gab es in der Nähe der Wohnung meiner Großmutter einen Flohmarkt auf dem man für einen bis zwei Euro Raubkopien aktueller Spiele kaufen konnte. Den Flohmarkt gibt es immer noch, doch alle Raubkopien sind verschwunden und der Flohmarkt wird polizeilich patrouilliert. Man bemüht sich um Wahrung der Copyrights. Ein Novum, denn zu den Zeiten Jugoslaviens EXISTIERTEN de facto keine Urheberrechte. Man konnte in Zeitschriften Sammlungen raubkopierter Spiele oder Musikalben für sehr wenig Geld bestellen – meine Freunde hatten all’ ihre Anthrax-Alben von einem dieser Versande.

Jetzt wird es für mich interessant: heutiges Serbien ist ein Schwellenland. In der Praxis bedeutet das, dass ein „guter“ Lohn etwa 300 – 400 € monatlich einbringt, ein Computerspiel im Original aber immer noch umgerechnet 40 – 50 € kostet. Ihr könnt euch ausrechnen, wer sich in Serbien Originalspiele kaufen kann.

Interessanterweise ist Serbiens Wunsch nach mehr Europanähe im Grunde die Sehnsucht nach alten Zeiten – als man noch ein unbestrittener Europäer war. Abgesehen von der geographischen Lage der Region, muss man für die Balkan-Länder feststellen, dass sie vor den 90ern auch deswegen so besonders europäisch waren, weil sie mit so einer unersättlichen Gier alles europäische (oder auch – vereinfachend ausgedrückt – westliche) konsumiert haben. Ein typischer Tag meiner Kindheit war: „Master of Puppets“ hören, Skateboard fahren, nach der Schule in der spielhalle abhängen, C64, „Ninja Turtles“ im Fernsehen schauen. Es war eine europäische Kindheit und zwar in wesentlich größerem Maße als dies jemand behaupten kann, der zur gleichen Zeit in der DDR aufgewachsen ist. Oder gar Russland. Wir hatten freien Zugriff auf alle, ja selbst auf die obskursten Produkte, westlicher Popkultur (ich erwähne hier mit Stolz die „Hawkwind“-LPs meines Vaters, oder meine „Metal Church“-LP, damals in der Skenderija gekauft). Eben diese Rolle spielten während der Zeit der Isolation und des Nationalismus Raubkopien für serbische Jugendliche – sie waren die Erinnerung an eine Zeit, als man sich noch nicht in die Isolation bombardiert hatte. Raubkopien sind in Serbien irgendwo auch eine Metapher für die Rückkehr nach Europa.

Ich bin gespannt wohin sich das ganze entwickelt.

Geschrieben von balkantoni

August 9, 2008 um 12:34

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