These nerds are made for zockin'

SEX vs H8

True ’till Megadeth

mit 10 Kommentaren

Ich habe eine coole Spielidee.

Man spielt eine Band. Aber nicht im Sinne von diesem Rock Band-Schund, der einem plastische Gimmicks in die Hand drückt und damit das Gefühl vermitteln möchte, das sei das worum es in einer Band ginge. Geschicklichkeit und ‘rumspielen – das ist eine dieser Annahmen, die nur von jemandem stammen können, der nie in einer richtigen Band war und kein bisschen getourt hat.

Wie man aus dem selbstherrlichen Absatz oben bereits herauslesen kann: Ich war in einer Band. Es war keine gute Band, es gab so gut wie niemandem, der sich für uns interessiert hätte aber wir waren sehr enthusiastisch, hatten unheimlich viel Spaß, spielten ein paar Konzerte, tourten zwei Mal kurz, nahmen eine Demo auf, veröffentlichten eine Single und nahmen eine weitere – sogar ziemlich coole – Single auf, die leider nie veröffentlicht wurde. Daher: Glaubt mir, wenn man in einer Band ist, die rockverwandte Musik macht, geht es nicht darum Skills am Instrument zu haben. Oder erfolgreich zu sein (das ist was für Schwachstruller).

Es geht um Spirit. Es geht darum zu fünft und mitten im Winter in einem unbeheizten Ford Fiesta aus der Südpfalz nach Potsdam zu fahren, um dort vor 10 Punks zu spielen – dabei sitzt man mehr aufeinander als nebeneinander und der Schlagzeiger hämmert die ganze Zeit auf der Snare herum. Es geht darum, wer während der Fahrt am lautesten und stinkigsten furzen kann. Es geht darum, weniger Geld für das Konzert zu bekommen, als man in den Sprit investiert hat. Es geht darum von Neonazis auf der Autobahn, die mitten durch scheiß-fucking-Jena fährt verfolgt zu werden. Es geht darum eigenes Equipment vor der miesesten Black-Metal-Band der Slowakei zu beschützen – Satanist sein, heißt nicht unbedingt eine gute Snare zu haben. Es geht darum in dem dunklen Kerker einems besetzten Hauses in Sachsen, der “Bandraum” genannt wird, zu schlafen und dabei die Blutflecken auf den Matratzen zu ignorieren. Es geht dabei, auf dem Boden zu schlafen, während in gleichem Raum gefeiert wird. Es geht dabei, mitten im Winter und mitten im Nowhere mit dem Auto liegen zu bleiben und 5 Stunden lang den vorbeifahrenden Truckern das Hup-Zeichen zu geben. Es geht darum neue Freunde zu finden, sich zu streiten und die Sorgen seiner Bandfreunde zu teilen. Es geht darum dämliche Dschungelgeräusche zu machen, wenn sie während der Reise von ihren Freundinnen angerufen werden. Es geht darum, sich so, ich Rousseau – du Voltaire, so ich Camus – dur Sartre zu trennen und sich immer wehmütig an die gute Zeit zu erninnern, als das Leben ein einziger, langer Schulausflug war und man diese unwirklichen Tage an der Uni damit verbracht hat dem Summen in den eigenen Ohren zuzuhören – einfach weil die Probe mal wieder viel zu laut war.

Es geht darum:

Es geht darum, dieser privilegierten Zeit für immer hinterherzutrauern. Ich sage es also nochmal: ES GEHT UM SPIRIT!

Und was weiß EA bitte von Spirit? Hä? Nix! Ich weiß vom Spirit! Darum auch meine geniale Spielidee:

Das Spiel stelle ich mir wie eine Mischung aus Princess Maker 2, alten Rollenspielen (ich denke jetzt etwa an die Das Schwarze Auge-Spiele der 90er) und den Weltraumstrategien des letzten Jahrzehnts vor – eine Mischung aus Strategie und Rollenspiel also (was Genres angeht, bin ich ein Schubladenbauer).

Es geht darum eine Band zu haben. Der Spieleablauf ist in Runden eingeteilt. Man erstellt am Anfang die Bandmitglieder und zwar genau so, wie man früher bei Eye of the Beholder seine Party erstellt hat. Wieso denn auch nicht? Mein Spiel soll ja in wahrstem Sinne des Wortes ein Rollenspiel sein. Die Klassen eines Rollenspiels werden durch die jeweilige Rolle in der Band ersetzt (Sänger / Gitarre(n) / Bass / Schlagzeug), die Stats und Skills entsprechend angepasst. Der Spieleablauf hat kein festes Ziel – es geht bloß darum in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren (ein Jahr = 36 Runden) so viele Konzerte wie möglich zu spielen und so viel Material wie nur möglich zu veröffentlichen. Jedes Konzert und jede Veröffentlichung werden am Ende, ebenso wie verschiedene Ereignisse (dazu später), mit Punkten belohnt und dann zu einem groben Synopsis-Ende (dazu ebenfalls später) zusammengefasst.

Der Planungsteil des Spieleablaufs würde auf der Karte eines fiktiven Landes stattfinden – auf dieser müsste man die Touren, Einzelshows und Abstecher in die Studios planen und mitverfolgen. Die Planung dieser wäre stark strategisch gelagert – so müsste man durch erreichen bestimmter Ziele nach und nach immer coolere Venues freischalten. Das verdiente Geld müsste in Equipment, Merch (welches man rudimentär selbst gestalten dürfen sollte) und Aufnahmen investiert werden. Das Equipment könnte verschieden Bonuseigenschaft mit sich bringen – schließlich ist nichts authentischer als eine Thrash-Metal-Band mit Delta AirForces und Flying-Vs!

Jede Aktion müsste eins von Hunderten verschiedener Zufallsereignisse nach sich ziehen – Armbruch beim Drummer, Überfälle, Diebstahl der Instrumente, Geschlechtskrankheiten durch Groupies, Stromschläge, brennende Tops, Durchsuchungen durch die Polizei, fremdgehende Freundinnen, aufdringliche Punks und vieles, vieles Mehr. Jede Situation würde Rollenspielgerecht durch die Skills der Bandmitglieder gelöst werden müssen. Eine Spielesession würde dann die bereits genannten paar Jahre umfassen und dürfte nicht länger als zwei Stunden dauern – live hard, die young und so.

Kämpfe würden durch Konzerte oder Aufnahmen ersetzt werden. Der Vorteil dabei wäre, dass es nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um das Ausmaß des Erfolges ginge. Man könnte diese Spielbereiche, dann durch Jump n’ Run-Einlagen abstrahieren. Je nach dem vor dem Konzert ausgewählten Mitglied und Lied, gäbe es dann einen anderen tonalen Parcours zu bestehen. Liederkomposition und Proben stelle ich mir ähnlich vor, wie den Verwaltungsteil von Princess Maker und genau so wie bei diesem Spiel würde die Summe der Erfolge, Ereignisse und Abenteuer eins von etwa 100 Enden ergeben: Shredmasters, Barn-Burners, On the Rampage – das alles wären Auszeichnungen, die es zu erreichen gäbe. Das Spiel sollte kurz, schnell und aufregend sein und zu Experimenten einladen, da verschiedene Entscheidungen und Spieleansätze.

Man befände sich während des gesamten Spieleverlaufs in einer Rivalität mit drei bis fünf anderen Bands. Mit diesen könnte man Bündnisse (= Split-Singles und gemeinsame Touren) eingehen, aber man hätte natürlich auch die Möglichkeit, sie zu vernichten (= Label bestechen, damit sie gedroppt werden, Equipment stehlen lassen etc…). Es wäre stets wichtig, dafür zu sorgen, innerhalb einer Spielrunde die besseren konzertmöglichkeiten zu bekommen und die cooleren Shows zu spielen, um die Oberhand zu behalten.

Dieses Spiel sollte im Stil der 90er wirklich aus völlig verschiedenen Elementen zusammengesetzt sein – in etwa so wie Pirates!, Merits Reunion, oder David Perrys seminalem Frühwerk Supremacy / Overlord – einerseits, um dem Spieler erneut dieses ehemals geliebte Gefühl heterogener Herausforderungen zu vermitteln und andeerseits, um die Vielfalt der Erfahrungswelt so eines Bandlebens zu vemitteln.

Ich weiß, dass es in meiner Planung noch viele Lücken gibt (von denen die Größte wohl meine völlige Unfähigkeit ist, so ein spiel zu entwickeln…), aber, hey, als Konzept finde ich das Ganze ziemlich cool. Was denkt ihr? Könntet ihr euch vorstellen so ein Spiel gerne zu spielen? Gibt es Sachen, die euch an dem Konzept stören? Oder gar welche die Fehlen? Let’s Rock!

Written by balkantoni

April 19, 2008 um 8:55

Veröffentlicht in Flow, RPG

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10 Antworten

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  1. Ich will nur, dass der Endboss ATLAS LANZE heißt.

    marc

    April 20, 2008 um 2:11

  2. Das wär’s natürlich!

    balkantoni

    April 20, 2008 um 2:18

  3. Ich will mehr von der traumatischer Erfahrung mit der miesesten Black-Metal-Band der Slowakei(TM) hören :-) .

    Zur Spielidee:
    - Egal ob fiktives Land oder nicht, es könnte noch lokale oder nationale Vorlieben geben. Z.B. wenn man in Ort A spielt, die eigentlich die eigene Band aus irgendwelchen Gründen nicht mögen, kriegt man mehr Punkte whatever.
    - Da es um Spirit geht: Das Rockerdasein muss ein innerer Kampf zwischen “Rock&Roll” und Mainstream/Erfolg/Ausverkauf sein, so eine Art Gut-Böse-Anzeiger.
    - Der Kampfteil scheint noch etwas diffus. Klassische Jump&Run-Einlagen (Vib-Ribbon?) scheinen doch nicht so sehr zu passen. Man könnte eher auf der Bühne kontextsensitiv herumhampeln um die Crowd anzuheizen. Dabei darf man nicht zu viele Handlungen machen, da man sonst falsch singt oder so (denke an so Gleichgewichtstricks aus Tony Hawk). Ah so, wenn man natürlich tags zuvor gesoffen hat und so das Spirit-Meter wieder mehr nach Rock&Roll gebracht hat, könnte man natürlich den Liedtext vergessen! Da muss man dann auch ein enstprechenden Minispiel absolvieren – oder improvisieren.

    HomiSite

    April 20, 2008 um 4:04

  4. Ui, das sind allesamt drei super Vorschläge – insbesondere jener mit dem Kampfteil gefällt mir! Es wäre wichtig ein Mittelding zwischen Flow und Geschicklichkeit zu finden – einfach nur, um den Enthusiasmus zu vermitteln! Tony Hawk’s ist daher gar nicht so ein verkehrter Vorschlag.

    Was die mieseste BM-Band der Slowakei (oder der Tschechei… ich erinnere mich nicht mehr) angeht: Diese hieß “Martyrium Christi” (ungelogen) und wir spielten mit ihnen 2005 in einer winzigen Stadt in der Ehemaligen… ich glaube, die Stadt hieß Mücheln. Jedenfalls war die Band zeitgleich mit uns angekommen und – das war schon mal gut – stieg in voller Metal-Montur aus dem Van. Die Kerle sind tatsächlich SO METAL, dass sie bereit waren, mitten im Hochsommer mit Stachelarmbändern und Armee-Stiefeln stundenlang in einem Van zu sitzen. Selbst das Handshake war äußerst befremdlich – als wir den Kerlen die Hand geben wollten KNURRTEN sie uns an (ungelogen) und machten irgendwelche komischen Metal-Begrüssungen (so mit Hand am Unterarm ergreifen…). Sie sprachen weder Deutsch, noch Englisch und auch kein Russisch, so dass wir bis auf Knurren und Grunzen nicht wirklich mit ihnen kommunizieren konnten.

    Wir hatten aber ihnehin bis zum Konzert keinen Kontakt mit ihnen, da wir in die Stadt wollten, um Skateboard zu fahren – allerdings stellte sich heraus, dass die örtliche Halfpipe von ansässigen Skinheads okkupiert war, so dass wir die meiste Zeit auf einem verlassenen Parkplatz verbrachten und uns blamierten, weil es sich herausstellte, dass jeder der dortigen Oberlippenbartkids besser shredden konnte als wir (das ist übrigens etwas, das sich durch unsere Bandgeschichte wie ein roter Faden ziehen sollte).

    Nun, nach dem Konzert – und hier wird alles ein bisschen schwammig – wollten die besagten Slowaken (oder Tschechen) nicht im JUZ übernachten und beschlossen sofort weiterzufahren. Während sie ihren Van beluden, stellte unser Schlagzeuger fest, dass sie – ta-dam – zwei Snares auf einem Rücksitz liegen hatten, von denen eins so aussah wie… SEINE SNARE! Und er stellte kurz danach fest, dass seine Snare fehlte. Wir forderten unsere Snare also zurück, worauf unsere satanischen Freunde äußerst aggressiv reagierten – allerdings waren WIR die muskulösen, sportlichen jungen Männer (naja, bis auf unseren Bassisten und unseren Sänger, die beide eher als alt und unansehnlich zu bezeichnen sind, hehe) und SIE waren, nun ja, übergewichtige Metal-Nerds, so dass sie uns die Snare zurückgaben, dabei auf slowakish fluchten (was ich verstand, weil es ja eine slawische Sprache ist) und dann weltverdrossen wegfuhren. Das war ein Sieg auf ganzer Linie.

    Übrigens war die dritte Band, die an jenem Abend mit uns spielte noch viel unheimlicher als die Metal-Slowaken – es handelte sich um eine kolumbianische Grind-Band, die uns in gebrochenem Ghul-Englisch stolz erzählten, dass sie sich nach einem Massenmörder benannt hatten, der in Kolumbien fast hundert Kinder umgebracht hatte. Im Gespräch stellte sich dann auch schnell heraus, dass sie bis auf Massenmörder eigentlich keine Themen anbieten konnten, über die man mit ihnen hätte sprechen können – das ging sogar soweit, dass sie selbst das gemeinsame Essen nach dem Konzert auf irgend einen Massenmord zu beziehen versuchten.

    balkantoni

    April 20, 2008 um 7:43

  5. ROFÄÄÄL! Solche grenzwertigen Erlebnisse fehlen in meiner (behüteten) Jugend. Skaten kann ich nicht (nur ein paar Ausflüge mit Inlinern, als “Razor Skates” voll in waren und niemand rollte) und Musik machen auch net (hab jetzt auch mal kurz Udo/Accept angehört – ne, nix für mich). Konsument halt :-) .

    Für das Rock&Roll-Spiel gilt also:
    Wenn man Snares von anderen Bands klaut, bekommt man Minuspunkte für eine “too low”-Aktion. Ist die Band aber Kategorie “übergewichtige Metalnerd aus Osteuropa” (Charaktererschaffung), MUSS man solche Aktionen abziehen um Rock&Roll zu bleiben. Wenn man genug Equip einer anderen Band auf einmal klaut, kann man die auch so aus dem Business drängen. Auf jeden Fall entstehen dadurch Fehden.

    HomiSite

    April 20, 2008 um 8:52

  6. Das finde ich jetzt mal WIRKLICH cool – abhängig von den erschaffenen Charakteren, würde man dann jedes Mal ein neues, sich fein verästelndes Spiel haben. Auch wichtig wäre natürlich das Balancieren der Egos in der Band – es müsste bestimmte Kategorien geben, die für “Friction” sorgen, so dass man da stets durch Equipment- und Groupie-Management für Zufriedenheit zu sorgen hätte. Das müsste aber ein einigermaßen zahmes Feature sein, damit das Ganze nicht so stressig wird wie bei “The Movies”.

    P.S. Die “Bad Brains” waren ja (unter anderem) berüchtigt dafür, dass sie die Vans tourender Bands aufgebrochen und deren Equipment geklaut haben.

    balkantoni

    April 20, 2008 um 11:25

  7. Die Geschichte mit der Band “Martyrium Christi” liest sich echt genial^^.

    ness

    April 21, 2008 um 8:03

  8. Ja, ich glaub, ich brauche dringend Enkelkinder, die ich mit ausschweifenden Berichten meiner Abenteuer quälen darf :)

    balkantoni

    April 21, 2008 um 8:40

  9. dann brauchst du erst mal selbst kinder. los gehts!

    marc

    April 21, 2008 um 9:36

  10. Jetzt fang nit aach du domit oa, her!

    balkantoni

    April 21, 2008 um 9:41


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