These nerds are made for zockin'

SEX vs H8

Iron Lore und das Ende der PC-Spiele

mit 12 Kommentaren

Iron Lore, die Entwickler des tollen Titan Quest, mussten zumachen. Michael Fitch, der crative director des Publishers THQ hat sich im Quarter to Three-Forum dazu geäußert. Ihm zufolge ging Iron Lore unter anderem an der Piraterie zugrunde. Haltet euch fest:

  • “The research I’ve seen pegs the piracy rate at between 70-85% on PC in the US, 90%+ in Europe, off the charts in Asia. I didn’t believe it at first. It seemed way too high. Then I saw that Bioshock was selling 5 to 1 on console vs. PC. And Call of Duty 4 was selling 10 to 1. These are hardcore games, shooters, classic PC audience stuff.”

Ich selbst denke nicht, dass Raubkopien alleine für den Untergang von irgendwas verantwortlich sind (Fitch übrigens auch nicht), allerdings sind sie ein Ärgernis. Wenn ich ein Spiele-Pubisher wäre, würde ich die Finger vom PC lassen. Alleine schon, um mir nicht das dümmliche Geschwafel all’ jener anhören zu müssen, die der Piraterie so einen besonderen ethischen Wert zusprechen und auf ihrem Grundrecht, stehlen zu dürfen, pochen. Im ernst. Wenn man schon klaut, dann bitte zumindest mit dem gewissen bisschen post-pubertärer Selbsterkenntnis, dass man den Lebensunterhalt anderer gefährdet.

Ansonsten: PC Spiele sollen ruhig sterben – ich kaufe mir sowieso bald eine Wii.

Update 1: Ich denke, dass ein wichtiger Grund, wieso PC-Spiele sterben, die Tatsache ist, dass sie uninteressant, unintelligent sind und mit jedem Tag immer belangloser werden. Eine der wenigen löblichen Ausnahmen, Die Sims, wird wahrscheinlich von all’ jenen gespielt, die mit explodierenden Mutanten nichts anfangen können – auch wenn ich selbst die Sims schon lange nicht mehr angefasst habe, finde ich die gewaltlose und freiheitliche Grundidee dieses Spiels absolut liebenswert und sympathisch.

Update 2: Na, das war mal ein ausgesprochen dummer und pauschaler Lapsus, dieses erste Update. Ich lass den Absatz mal stehen, will aber erklären wie es dazu kam: Ich habe am Vormittag, bevor ich den Artikel geschrieben habe, “Call of Duty 4″ durchgespielt – kein schlechtes Spiel, aber irgendwo einfach ein weiteres dieser “töte alles mit dem Maschinengewehr”-Spiele. Letzte Woche habe ich versucht “Timeshift” zu spielen. Für dieses spiel gilt das Gleiche. Ich hatte den Eindruck, dass ich auf dem PC sich identisch steuernden Scheißspielen, in denen es nur ums morden geht, ausgeliefert bin. Ich will jetzt gar nicht bestreiten, wie unreflektiert und oberflächlich dieser Eindruck war (”COD 4″ ist ja auch auf den Konsolen zu spielen) – er wurde durch die Tatsache verstärkt, dass ich zur Erholung abends immer auf meinem DS “Harvest Moon” spiele, ein Spiel, das den eben genannten Titeln diametral gegenübersteht. Abschließend also: Nein, so kann man das natürlich nicht stehen lassen, mit der pauschalen Behauptung alle PC-Spiele seien uninteressant und belanglos. Allerdings kann ich mich auch nicht von dem Eindruck befreien, dass PC-Spiele nichtsdestotrotz eine Tendenz aufweisen auf die uninspiritierteste Art überhaupt die uninspiriertesten Instinkte und Empfindungen überhaupt (Angst und die daraus resultierende Aggeression) zu bedienen. Diese Tendenz ist bei Konsolen ebenfalls vorhanden (Manhunt 2 erchien erst gar nicht für den PC), allerdings durch die Vielfalt des Angebots meinem Empfinden nach in ihrer Penetranz geschwächt.

Written by balkantoni

März 29, 2008 um 7:35

Veröffentlicht in Flow

Tagged with , ,

12 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Hm, Action-RPGs AKA Diablo-Klons interessieren mich kaum, weswegen mit Titan Quest auch ziemlich egal war. Sicher auch, weil es auf meinem PC kaum gelaufen wäre :-) .

    Was bedeuten denn die von ihm erwähnten Raten? 90% welcher Spiele sollen in Europa Raubkopien sein? Glaube nicht, dass es derart dramatisch ist – die Verkaufszahlen sollen doch auch wegen WoW so schlecht sein…
    Zu Iron Lore schreibt GameStar, dass mehrere Gründe die Finanzierung zukünftiger Titel scheitern ließen.

    Aber vielleicht ist bei der heutigen Jugend (<20) wirklich überhaupt kein “Kauft geniale Originale”-Gefühl mehr da – außer man will online zocken. Ich hätte keine Lust mehr, bei jedem Patch nach neuen Cracks zu suchen etc.

    Und Wii? Nee, umständliches Online-Gaming und irgendwie fast nur mäßige Spiele.

    HomiSite

    März 29, 2008 um 9:34

  2. Ich betrauere nicht Iron Lores Abgang – es wird schon jemand anders die Lücke füllen. Ich denke außerdem nicht, dass Raubkopien alleine Schuld sind am langsamen Tod der PC-Spiele – ich finde allerdings die selbstgefällige Hybris der Raubkopierer-Kids unerträglich und wollte hier mal einen kurzen, unorganisierten Rant loslassen. Ich finde es übrigens interessant, dass sowohl die Gamestar als auch die PC Games so eifrig nach Gründen für Iron Lores Untergang suchen, die nichts mit einer Krise der PC-Spiele zu tun haben. Es ist wohl auf die Gleichen Ursachen zurüczuführen wie die monatlichen “PC Gaming ist NICHT tot”-Artikel.

    balkantoni

    März 30, 2008 um 12:07

  3. Als ich noch zu dieser Altersgruppe zählte etwa zu C64 und Amiga zeiten war ich auch ein ganz übler raubkopierer, aber selbst ich hatte die Spiele die ich gefeiert hab als Original. Das war einfach total geil Chaos Engine als Original in den Händen zu halten, die Kumpels schauten nur neidisch weil sie nur eine billige Raubkopie hatten.
    Diese Wertschätzung für ein Spiel ist irgendwie verloren gegangen. Die Kids haben nur noch diese Legal-Illegal-Scheißegal Mentalität. Das ist zumindest meine Beobachtung im Bekanntenkreis.
    Trotzdem würde ich PC-Spiele nicht für Tod erklären. Der PC kommt mir vor wie ein taumelnder Boxer, der egal wie viele Schläge er auch einsteckt einfach nicht zu Boden gehen will.

    Zur Wii kann ich nur sagen geniale Konsole, sofort kaufen. :)
    Der kleine Kasten hat meine Liebe zu Videospielen reanimiert. So viel Spass beim spielen hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Allein Wii-Sports ist schon eine Gaudi.

    Adi

    März 30, 2008 um 1:44

  4. Adi, ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass 99 % aller regelmäßigen Computerspieler zu einem Zeitpunkt zu Piratenprodukten gegriffen haben – fürher gabe es allerdings noch nicht diese Ausschmückung der Piraterie als einen anti-autoritären Befreiungsakt. Das finde ich einfach unerträglich.

    Ich glaube außerdem, dass WENN PC-Spiele sterben, so nur in dem Sinne der Marginalisierung – sie werden eine Randerscheinung. Etwa so wie Spiele für den Mac im Moment.

    Ja, ich freue mich auch schon auf die Wii. Vor allem, seit ich mit Marc in Wii-Sports eine Rechnung zu begleichen habe.

    balkantoni

    März 30, 2008 um 11:13

  5. eine rechnung? ich hab dich in jeder disziplin deklassiert!

    marc

    März 30, 2008 um 11:31

  6. Hmm, grade Bioshock ist so ein Beispiel, wo der Piraterieschutz das Spiel in der PC-Version verdorben hat. Ich brauche einen Steam-Account für ein im Laden gekauftes Spiel? Geht’s noch? Dann ist da noch die Unsicherheit, ob das Spiel bei mir überhaupt läuft (was auch daran liegt, dass ich die Nummerierungssysteme von Grafikkarten inzwischen nicht mehr verstehe und daher nicht einmal weiss, ob mein PC die Mindestanforderungen nun erfüllt oder nicht – abgesehen von Festplattenanforderungen à la 10-20 GB)

    shadaik

    März 30, 2008 um 11:39

  7. @ Marc: The heat is on, Alter! Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du jahrelang bei jeder Erwähnung von Baseball schmerzhaft zusammenzucken!

    @ Shadaik: Ich stimme dir zu – alles weiter Gründe, wieso ich, wenn ich nun ein Entwickler wäre und Millionen in ein Spiel investieren müsste, die Finger vom PC ließe und mich auf eine Plattform konzentrieren würde, bei der die Verbraucher solchen Unsicherheiten nicht ausgesetzt werden und daher mein Spiel auch eher kaufen.

    balkantoni

    März 30, 2008 um 1:30

  8. Die Einschätzung, dass PC-Spiele “uninteressant, unintelligent sind und mit jedem Tag immer belangloser werden”, ist doch ähnlich pauschal wie GameStar & Co.s “PC lebt”-Artikel.
    (GS hatte in der Newsmeldung zu ILE übrigens keine Gründe angegeben, sondern nur deren Website zitiert: “Several unrelated events occurred which resulted in Iron Lore being unable to secure funding for its next project.”)

    Es stimmt aber sicher, dass dem PC die anarchischen Spiele aus Fernost fehlen, anderseits sind ja mittlerweile wirklich sehr viele Projekte plattformübergreifend. Für viele Genres bleibt der PC eben erste Wahl, auch wegen Mods etc.
    Dass Online-Aktivierungen, Hardware- und Treiberärger und vielleicht auch lieblose Verpackungen jedoch kontraproduktiv sind, ist klar.

    HomiSite

    März 30, 2008 um 3:01

  9. Ja, was den Pauschalitätsvorwurf angeht, so stimme ich dir zu. Siehe Update 2.

    balkantoni

    März 30, 2008 um 3:55

  10. Sins of a solar Empire,
    Spore,
    Darwinia,
    Uplink,
    Defcon,
    Multivinia,
    Siedler,
    $Adventure

    Ich glaube, du spielst die falschen Spiele.

    alphager

    April 1, 2008 um 10:04

  11. und ich glaube, spore hat hier noch gar keiner gespielt

    marc

    April 1, 2008 um 12:06

  12. 6 der genannten Spiele besitze ich. Ich hätte der Liste noch vielleicht “Audiosurf” und “Depths of Peril” (Artikel kommt bald) hinzugefügt. Und dann hätte es trotzdem nichts daran geändert, dass es traurig ist, gerade mal so um die 10 Spiele nennen zu können, an denen etwas besonderes dran ist.

    Ich glaube, du schreibst die falschen Listen.

    balkantoni

    April 1, 2008 um 2:40


Einen Kommentar schreiben