Bioforge. Oder: Audiologs in der Spielegeschichte
Oftmals führen Assoziationen einen über Umwege zu einem völlig unerwarteten Gedanken oder einer Erinnerung, die sonst wohl für immer in dem Schuhkarton des eigenen Geistes geblieben wäre. Manchmal geschieht dies jedoch unvermittelt: Als Marc sich darüber beschwerte, dass Bioshock ein veraltetes System der Nachrichtenvermittlung verwendete – die Audiologs – musste ich unvermittelt an ein anderes Spiel denken, das dies vor 12 Jahren ebenfalls gemacht hatte: Origins Bioforge. Beide Spiele besitzen darüber hinaus sogar eine Namensverwandtschaft – seltsam, oder?
Ich
habe 1995 als Teenager Bioforge gespielt und nie vergessen: Es war ein finsteres, brutales, hyperschweres Action-Adventure, dessen Nähe zum Genre-Embryo Alone in the Dark trotz Origins Werbeanmaßung, man werde den ultimativen interaktiven Film (ja, die 90er…) produzieren, offensichtlich war. Die Entwicklung des Genres zum Survival-Horror sollte erst ein Jahr später mit Capcoms Resident Evil stattfinden, so dass Bioforge an heutigen Standards gemessen ungewohnt langsam, rätseldurchzogen und auf Nahkampf hin ausgerichtet erscheint. Trotzdem: Nachdem ich das Spiel letztes Wochenende auf DosBox zum laufen gebracht und dann in drei Tagen durchgespielt hatte, war ich erfreut feststellen zu können, dass Bioforge würdevoll gealtert war und ich irgendwann tatsächlich vergessen hatt, dass ich in einer Auflösung von 320 X 200 spielte. Dabei muss erwähnt werden, dass Bioforge 1995 das technische Äquivalent eines heutigen Grafik-Schwergewichts à la bald Crysis war; das war zu einem bedeutenden Teil auch Origins Selbstverständnis als technischer Wegebreiter zu verdanken. So war Bioforge etwa das erste Spiel, das Spielfiguremodelle verwendete, die auf ganzheitlichen Skeletten basierten und nicht aus quasi-zusammengeklebten Ellipsen bestanden wie zuvor noch bei Alone in the Dark und dem unnachahmlichen Ecstatica. Ken Demarest, der Bioforge designte und später an Deus Ex 2 und Thief 3 beteiligt war, schaffte es dennoch Bioforges eigenartige Qualität nicht ausschließlich an die innovative Technik zu binden: Bioforges Atmosphäre urtümlicher Gewalt und galaktischen Verfalls ist nicht so stark verwittert wie die Technik, die sie trägt und es wundert mich, dass sie in vergleichbarer Form von keinem anderen Spiel aufgenommen wurde.
Vielleicht liegt das an der Tatsache, dass Bioforge sich so schlecht verkauft hatte. Ursprünglich sollte die Geschichte des Spiels in zwei Fortsetzungen weitergeführt werden, doch diese wurden nie produziert… und das obwohl der Publisher Electronic Arts sich eigentlich noch nie für eine Fortsetzung zu schade war. Die unvollendete Geschichte von Bioforge wurde innerhalb des Spiels selbst mit der Hilfe von verstreuten Tonbändern bzw. Audiologs erzählt – eigentlich genau so wie in heutigem Bioshock. Während Bioshock aber die eigene Erzählung zu einem erfüllenden Abschluss bringt, war Bioforge noch zu sehr darauf bedacht ein Mysterium zu konstruieren, das den Spieler bewegen sollte, die geplante Fortsetzung zu kaufen. Daher hatte meine Rückkehr auf den Mond Daedalus etwas äußerst wehmütiges; ich wusste schließlich, dass mein Abenteuer unvollendet bleiben würde, egal wie gut ich mich anstellte.
Meine Assoziationen, warum ich hier jetzt schreibe: In den Comments zum „Kane & Lynch“-Eintrag habe ich just aus einem GameStar-Bericht zitiert, in dem auch Bioshock behandelt wurde. Deshalb hab ich mal gesucht, was die Nerds dazu geschrieben haben und landete in diesem Beitrag.
Bioforge selbst habe ich leider nie gespielt, kann mich aber noch an Sceenshots vom Cyborg-Helden aus der PlayTime erinnern. Irgendwie verbinde ich Bioforge mit Creature Shock, keine Ahnung warum (letzteres hab ich natürlich auch nicht gezockt). Man kann Bioforge ja anscheinend immer noch gut spielen, wenn du es erst Ende 2007 durchgezockt hast.
Zu den Audiologs: Ich finde es als Möglichkeit, eine Geschichte zu vertiefen, sehr gut. So können „uninteressierte“ Spieler durchrushen, während aufmerksame Zocker durch erforschen, lesen und kombinieren tiefer ins Spiel eintauchen.
Die Hintergrundgeschichte von Fallout 1 wurde auch nur durch „Holodisks“ wirklich klar. (Ich habe damals versucht, die Story aufzuschreiben, ist mittlerweile in Teilen aber sicher durch die „Fallout Bible“ überholt.)
Anonym
März 31, 2008 um 7:31
Oh, man kann sogar ohne jegliche Angaben Comments posten… Na ja, obiger Beitrag ist von mir. Falls jmd. Bock hat, kann er den Eintrag entsprechend editieren und diesen hier dann löschen
.
HomiSite
März 31, 2008 um 7:33
seltsam, dass du es erwähnst, aber die Screenshots von Bioforge sind für mich das erste, was ich mit der PlayTime assoziiere…die Erinnerung ist ein Hund, der sich hinlegt, wo er will.
marc
April 1, 2008 um 5:32
Seltsam, dass ihr beide es erwähnt, aber die Screenshots von Bioforge erinnern mich immer an Yolanda, meine erste Freundin.
Ok, miese-Witze-time ist jetzt vorbei. Zurück an die Arbeit.
balkantoni
April 1, 2008 um 7:21
ich dachte, miese witze sind arbeit.
marc
April 1, 2008 um 9:48
Nicht für mich! Bei mir sind sie ein Reflex.
balkantoni
April 1, 2008 um 10:03
Hallo!
Bin zufällig per Google hierauf gestossen und wollte mal fragen, wie man das Spiel mit Hilfe von DosBox zum laufen bringt. Hab schon alles versucht, aber der meckert bei mir immer an, dass er die Datei „EMessage.txt“ im Ordner \scripts nicht finden könnte. Weiß wer einen Rat?
Baalseraph
Januar 18, 2009 um 6:43
hilft das:
http://www.glennsguides.com/2008/01/bioforge-download-install-guide-windows.html
?
marc
Januar 19, 2009 um 2:26
Genial, vielen Dank!
Baalseraph
Januar 19, 2009 um 2:29
so sind wir eben…
marc
Januar 19, 2009 um 3:13
Poll: Ich habe hier die CD liegen.. Spielt sich BioForge so „sperrig“, wie es aussieht? Soll ich mir das, obwohl verwöhnt durch Spiele mit Quicksave-Funktion und fünf verschiedenen einfachen (!) Schwierigkeitsgraden, wirklich antun?
nille
April 16, 2009 um 11:57
ja und ja
marc
April 17, 2009 um 9:14
ja und ja
balkantoni
April 17, 2009 um 9:56
Ja und Ja.
Dieses Spiel hat mich das Vermöbeln anderer Spielfiguren mit ihren eigenen Extremitäten lieben gelernt.
SpielerDrei
April 17, 2009 um 11:52