Banned in Tyria
Mein Versuch, das MMORPG-Phänomen zu verstehen fand mit Hilfe von World of Warcraft und Guild Wars statt. Das erste hat mir überhaupt keinen Spaß gemacht; ich fand es langsam, anstrengend und ohne jede Immersion. Immer wieder 16 Wölfe / Spinnen / Höllenbiber töten zu müssen ist einfach nicht das, was ich mir unter einem super-duper Abend vorstelle. WoW war ein Riesenletdown – ich hatte mir so eine tolle, wuchernde Fantasy-Welt ausgemalt, in der ich so tun kann als sei ich ein Minotaur, bekam allerdings diese seltsame digitale Sweatshop-Erfahrung. Nicht mein Ding.
Guild Wars war da schon cooler. Die Missionen waren schnell und die Teamarbeit mit anderen hat mir echt Spaß gemacht. Ein weiterer Bonus war die Tatsache, dass ein guter Freund von mir ebenfalls Guild Wars spielte. Das verlieh dem Online-Spielen jene Kameradschaftlichkeit, die in diesem Zusammenhang stereotypisch genannt wird.
Wohlgemerkt war dies nur möglich, weil mein Buddy und ich seit 10 Jahren befreundet sind, eine gemeinsame Band hatten und ebenso gemeinsam bereits einen Haufen cooler Abenteuer in der echten Welt erlebt haben (wir mussten einmal im tiefsten Osten mit einer slowakischen Black-Metal-Band spielen, die unsere Snare klauen wollte, aber das ist eine andere Geschichte); sonst schaffe ich es eigentlich nie irgend eine Verbindung zu meinen Online-Mitspielern herzustellen. Es ist nett, dass sie da sind aber die Erfahrung selbst ist für mich teilweise noch anonymer als der Singleplayer woanders. Das nur am Rande.
Zurück zum Thema: Der bereits erwähnte Freund von mir verschaffte mir Zutritt zu seiner Gilde. Diese bestand aus einem Haufen wirklich netter Leute. Meine Interaktion mit ihnen war beschränkt, da ich meistens mit diesem besagten Freund unterwegs war, aber sie waren stets entgegenkommend und nett.
Als ich allerdings fast zwei Monate lang nicht Online ging, kickten sie mich aus der Gilde.
Versteht mich nicht falsch, ich möchte micht jetzt nicht beschweren: Ich kann immer noch Guild Wars spielen, es ist also nichts ernsthaftes passiert. Ich wusste außerdem genau, dass die Gilde aktive Mitglieder wollte und ich mich dann als das genaue Gegenteil dessen offenbart habe. Und ich weiß auch, dass die Gilde mir gewissermassen einen Service angeboten hatte und jedes Recht hatte, mir diesen zu entziehen, als klar wurde, dass ich ihn nicht zu wertschätzen wusste.
Diese Angelegenheit will mich aus einem anderen Grund nicht loslassen: Ich finde es total befremdlich, dass ich in irgend einer Art und Weise verpflichtet sein sollte zu spielen. Nein, befremdlich ist nicht das richtige Wort – ich bin völlig überfordert mit diesem Konzept. Stammt es vielleicht von Menschen, die mit 8 Jahren andere ausgeschlossen haben, falls diese ihren Murmel-Pflichten nicht nachkamen? Das sind bestimmt auch Leute, die sich mit ihrem Partner zur Intimität „verabreden“ (ahäm).
Die einzige Verpflichtung beim Spielen sollte der Spaß sein. Nicht die regelmäßige Teilnahme am Spaß, nur der Spaß als solcher. Man muss Spaß haben, sonst kann man es genauso lassen. Das ist doch ein Prinzip, das jeder von uns bereits als Kind instinktiv zur Lebenshaltung gemacht hatte, oder nicht? Es ist doch Verpflichtetsein vor dem wir als Erwachsene flüchten, wenn wir spielen. Wir kehren vom Spielen erholt und stark zurück und – das ist jetzt meine Überzeugung, die keine empirische Grundlage hat – je intensiver und weltvergessener die Spieleerfahrung ist, umso erholsamer ist sie.
Die Verpflichtung in das Spielen zu inkorporieren ist das Methadon geringer Geister. Es ist das Kind jener Feiglinge, die den Relitäts-Detox nicht wagen.
Oh ja und wenn wir schon dabei sind: E-Sports sind die Manifestation all’ dessen, was mit dieser Welt nicht stimmt.
Kann dem „Spielen soll Spaß und keine Pflicht sein“ nur zustimmen, ist auch schade wenn eine bestimmte Sache ZU ernst gesehen wird und dabei für andere der Spaß auf der Strecke bleibt…
ness
April 17, 2008 um 5:51