Alter Bekannter
Stell dir vor, du hast einen wirklich guten Freund. Dein Kumpel ist ein richtiger lustiger Mensch, der den ganzen Tag nur Gags macht. Fast jeder davon ist ein Kracher und die, die nicht sofort zünden, sind auf den zweiten Blick erstaunlich subtil für so eine Ulknudel wie deinen Freund.
Dein Freund ist nicht nur sehr witzig, er kann auch unglaublich gut Geschichten erzählen. Die sind zwar meistens auch lustig, aber zwischendrin so spannend und skurill, dass du jedes Mal zusammenzuckst, wenn er mit verstellter Stimme den Bösewicht schreiend aus dem Busch springen lässt. Er hat ein Gespür dafür, was eine gute Geschichte und interessante Charaktere ausmacht. Eigentlich finden alle deinen Kumpel richtig sympatisch, er ist trotz aller Qualitäten ziemlich bescheiden und auch nicht unbedingt ein Typ, der ständig Frauen aufreissen muss.
Trotzdem habt ihr euch schon seit längerer Zeit so ziemlich aus den Augen verloren, er ist vor 10 Jahren in eine andere Stadt gezogen, und trotz aller Sympathie, die du für ihn hegst- mit ihm zu telefonieren oder ihm ab und an einen Brief zu schreiben, ist halt doch nicht das selbe. Vielleicht seid ihr aber einfach auch bloss älter geworden. Manche Freundschaften sind nur auf kurze Zeit ausgelegt und gestalten sich dafür umso intensiver. Du denkst immer wieder gerne an deinen Freund zurück und an die schöne Zeit, die ihr miteinander verbracht habt, während du hoffst, dass es ihm gut geht.
Neulich hast du so einen Typen kennengelernt, der wirkte wie eine richtig schlechte Kopie deines Kumpels von damals. Viele Leute, die deinen alten Freund auch gekannt haben, haben dich vor der ersten Begegnung mit ihm ganz schön neugierig gemacht: “Der Typ ist so lustig, das ist fast so, wie damals…”, “Ich sag dir, der hat Sprüche drauf!” “Der hat echt was zu erzählen” und so weiter. Nach 5 Minuten mit diesem Menschen merkst du: er hat deinen Kumpel auch gekannt. Und er findet deinen Kumpel offensichtlich gnadenlos cool. Er findet deinen Kumpel sogar so cool, dass er vergessen hat, so etwas wie eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Du merkst mach der zweiten Anekdote, wie bemüht er ist, den Erzählstil und – Rhythmus deines Freundes zu imitieren. Er erzählt ganz ähnliche Geschichten. Seine sind aber deutlich schlechter. Ihm fehlt der Sinn für eine gute Pointe und die meisten seiner Gags wollen einfach nicht zünden. Die ganze Zeit schaut er dich an und wartet, dass du sagst, dass du zwar merkst, von wem er inspiriert worden ist, aber dass er es trotzdem schafft, dem Fundus deines alten Kumpels etwas völlig neues und eigenes zu geben. Du würdest es ihm gerne sagen, denn du merkst, der Typ ist im Grunde ein ganz netter Kerl, der sich nur mit seinem Idol verwechselt – und wem von uns ist das nicht schon selbst passiert?-, aber das wäre nicht ehrlich.
Du lässt ihn eine Weile weitererzählen und dein Eindruck verstärkt sich: sein Slapstick ist nicht on point, sein Wortwitz berechnend und die Handlungsstränge manchmal etwas platt. Er parodiert die ausgelutschtesten, bereits 1000 mal parodierten Werke der Filmgeschichte. Irgendwie hat er in seinem verzweifelten Bemühen um einen Lacher etwas von David Brent. Aber er heißt nicht David, sondern Jack. Jack Keane.
Und auf einmal findest du, dass du dich unbedingt mal wieder bei deinem alten Freund Guybrush melden solltest.
Ich hatte am Ende auf Family Guy vs. Simpsons getippt, aber ich hoffe doch mal, dass Jack Keane doch nicht ganz so unlustig ist wie du es beschrieben hast. Den Text muss ich loben; sehr gut geschrieben!
PlayStar
August 8, 2007 um 12:48
danke für die blumen! ich muss ehrlicherweise dazu sagen, dass sich mein eindruck von jack keane auf die demo stützt. aber die ist,immerhin das ist erfreulich, ziemlich umfangreich.
marc
August 8, 2007 um 1:43