These nerds are made for zockin'

wir triumphieren

Archiv für Juli 2007

Der Ärger mit Spielemagazinen: Die Sprache

mit 9 Kommentaren

Jedes Mal, wenn ich mir ein neues Spielemagazin kaufe, fragt meine Freundin, ob auch etwas für sie dabei ist; sie meint damit Spiele, die für sie interessant sein könnten. Da jedoch die einzigen Spiele für die sie sich interessiert „Spore“ und „A Vampyre Story“ (von welchen das Zweite sehr hübsch zu werden verspricht!) sind, muss ich sie immer wieder enttäuschen. Und das ist mir nur recht, denn jedes Mal, wenn ich ihr wider aller Erwartungen eine Ausgabe der PC Games oder der Gamestar in die Hand gebe, werde ich verspottet: „Gibt es keine coolen Magazine über Computerspiele?“, fragt sie mich und stolpert dann über die „Sneak Peek“-Seiten der PC Games. „Was SIND denn das für Leute?“

Ziemlich entmutigend, das Ganze. Und dennoch hat es mir die Augen für einen wesentlichen Sachverhalt aufgemacht: Spielemagazine sind wirklich das Letzte. Es gibt keinen Grund sie zu kaufen. Und, wie unser Freund Marc immer wieder zu betonen pflegt, es wird früher oder später der Zeitpunkt kommen an dem sie auch keiner mehr kaufen wird.

Die Gründe dafür sind offensichtlich: Spielemagazine machen alles falsch und verlangen auch noch Geld dafür, das Internet jedoch nicht.

Wo sollen wir anfangen?

Ok, etwas das uns Zockin’ Nerds am Herzen liegt: Jene, die Texte für Computerspielezeitschriften schreiben, können nicht schreiben.  Die Geekster-Fraktion um die Zeitschriften PC Games und Gamestar hat es sogar geschafft so etwas wie einen Fachjargon zu etablieren. Dessen zentrales Problem ist jedoch die Tatsache, dass er sich darauf verlässt, ein reduziertes Vokabular kindersprachlicher Nonsens-Ausdrücke (Wummen, Ballerei, Kinoreif etc…) mit einer entsprechend begrenzten Anzahl syntaktischer Möglichkeiten zu kombinieren. Der maschinelle Charakter dieser Texte ist ein ziemlich trostloser Bettgenosse für diese verzerrte Realität des Ganzen: Leute, da ist ein Haufen erwachsener Männer und Frauen, der Texte in einer bescheuerten Babysprache verfasst. Und das nicht etwa, um ein Statement zu setzen, sondern um kaufberatend zu wirken. Diese Kindersprache ist sicherlich ein Teil des Reizes, den diese Zeitschriften noch ausüben – sie sind der geschützte Raum, für all jene, die glauben mit ihrem unreifen Gestus verstanden werden zu müssen.  (Kids, seht mich an. Ich steh’ voll dazu.) In diesen Kreisen gelten ja Rainer Rosshirts Seiten als Höhepunkt eloquenten Ausdrucks. Und das obwohl sie auf mich eher den Effekt einer dieser fiesen Farrelly-Komödien haben, in denen man über Rollstuhlfahrer und Missgestaltete lacht.

Noch viel schlimmer ist allerdings die scheinalternative GEE, die meint, es würde reichen die Grafik als „lecker“ zu bezeichnen (haben die bestimmt schon mal gemacht…), um den Spielen dieses gewisse Hipstertum zukommen zu lassen, das sie angeblich verdienen. Oh ja. Die fehlerbehaftete GEE. Das ist ein Thema, über das ich stundenlang zürnen könnte. Ich werde es allerdings bei einem Wort belassen: prätentiös. Das könnt ihr Euch ausdrucken und dann an die GEE schicken. Per Post. Bäh, ich hasse prätentiöse Parataxe. Dieser faux-hippe „Spex-im-Grundstudium“-Slang treibt mich in den Wahnsinn. Immerhin erkennt die Redaktion der GEE ihr sprachliches Unvermögen und hat, wie es mir erscheint, den textanteil der einzelnen Ausgaben inzwischen in Umfang und Ausruck zugunsten gigantischer Screenshots reduziert. Was will man machen.

Abschließend kann man sagen: Spielen ist nicht unbedingt etwas bedeutungsvolles. Schreiben umso mehr. Ein Weg Video- und Computerspielen diese gewisse Gravitas zu verleihen, die sie noch entbehren, wäre es über sie zu schreiben. Und damit meine ich GUT zu schreiben.

P.S. Ich mag die EDGE.

Geschrieben von balkantoni

Juli 29, 2007 um 12:14

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Kann. Nicht. Warten! (Nr. 2)

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Ich habe lange überlegt auf welche Spiele außer Bioshock ich mich sonst freue. Und dann ist mir dieses hier eingefallen: Kane and Lynch: Dead Men. Gemacht von einem meiner Lieblingsstudios: IO Interactive! IO machen unprätentiöse, stilsichere Spiele für Leute die gerne in einem Sam Peckinpah-Film leben würden. Jedem Sam Peckinpah-Film! Außer Junior Bonner oder Ballad of Cable Hogue. Das coole an der Hitman-Serie war, dass sie stets zu unterkühlt und understated war, um die ganzen Gore-Bauern anzusprechen, die sich beim Manhunt-spielen anfassen. Hier der neue Trailer:

Und hier auch der wohl etwas ältere (glaube ich):

„I remember my dad’s eyes as kind.“ Das gibt einen emotionalen Waffengang!

Geschrieben von balkantoni

Juli 23, 2007 um 11:21

Veröffentlicht in News

Overlord

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Overlord kam für mich wirklich aus dem nichts. Ich erinnere mich die Previews zum Spiel ignoriert zu haben, weil ich die Screenshots wohl so generisch fand. Als die Tests dann allerdings alle von innovativem Vergnügen und Ähnlichkeiten zu der Dungeon Keeper-Serie sprachen, wurde ich neugierig. Und meine Neugier wurde belohnt, denn Overlord ist wirklich einer der großen Hits dieses Jahres.

Das Spiel hat drei sehr eindeutige Stärken. Die erste davon ist die Grafik: Was mir auf den Screenshots noch generisch erschien, ist eigentlich eher irgendwo zwischen kunstvoll und cartoonhaft anzusiedeln; außerdem haben sich die GrafikerInnen von Triumph-Studios mit dem Einsatz von HDR-Effekten zurückgehalten, was dem geschmackvollen Eindruck sicherlich zugute kommt. Die zweite Stärke ist der Spielfluss. Man hat immer was zu tun und der Rhytmus des Spiels wechselt gekonnt zwischen einfachen Scharmützeln, großen Kloppereien und Boss-Battles. Overlord will einfach nicht overlord.jpglagweilig werden und hat auch im Gegensatz zu anderen Spielen keine Durchbeißperiode, dafür sorgt der gute Spielfluss. Die letzte tolle Sache an Overlord ist die tatsächliche Innovation. Da die 90er leider vorbei sind, darf man keine Wunder erwarten, aber Overlord ist dennoch ein kleines Juwel geworden. Die Steuerung der Schergen (cooles Wort, übrigens) ist sehr gut gelungen und ich habe sie in dieser Form noch nie erlebt – das Schergenkonzept selbst kennt man ähnlich aus dem deutlich schlechteren Stubbs the Zombie. Alles in Allem macht Overlord einiges richtig und wenig falsch. Die größte Überraschung an diesem Spiel ist für mich allerdings die Tatsache, dass es von einem entwickler stammt, der soweit nur für HOMM-Hausmannskost bekannt war. Tja, so kann das laufen – in Holland fangen sie schwach an und steigern sich dann, in Deutschland fangen sie gut an, arbeiten sich dann ihren Weg abwärts zur 29. Siedler-Fortsetzung und tun dann auch noch alle so, als sei Spellforce voll das gute Spiel und als müsse man sich damit brüsten, dass man von EA aufgekauft worden ist. Ich kann übrigens immer noch nicht glauben, dass es sich beim heutigen Blue Byte um die gleiche Firma handelt, die auch Albion und Schleichfahrt veröffentlicht hat.

Geschrieben von balkantoni

Juli 21, 2007 um 11:18

Veröffentlicht in Rezension