Unholy Alliance: Crytek, Realschulenglisch, Quo Vadis
Ich habe mir heute die neue PC Powerplay-Ausgabe (Juni 2007) gekauft. Darin ist ein Artikel namens “Quo Vadis Deutschland?”. Da geht es um die gleichnamige Versammlung deutscher Spieleetnwickler. Natürlich kommt so ein Happening nicht ohne Crytek aus. Bernd Diemer, der Lead-Designer der Firma, stellte nämlich auf der Quo Vadis 5 Punkte vor, die gutes Spieledesign auszeichnen. Und er tat es, sehr zu meiner Freude, auf Englisch.
Die Punkte lauteten folgendermaßen:
- Good design can be understood.
- Good design is accesible design.
- Good design is redesign.
- Good design is when all good things come together.
- Good design is when you can take nothing more away from it.
Tja. Man braucht kein abgeschlossenes Anglistikstudium, um zu sehen, dass Cryteks Anspruch “kein klassisches Deutsches”, sondern ganz und gar “ein internationales” (PC Powerplay, Juni 2007, S. 105) Entwicklungsstudio zu sein, sich ganz sicher nicht darin manifestiert, dass sie die Sprache des internationalen Verkehrs beherrschen. Ich habe allerdings ein abgeschlossenes Anglistikstudium und will jetzt kurz auf den halbartikulierten Nonsens da oben eingehen:
- Good design can be understood. > Auf Englisch würde man aber eher so was sagen wie: Good design is comprehensible. Der Original-Satz ist einfach total schief.
- Good design is accesible design. > Es reicht, wenn man “Good design is accesible” sagt. Man klingt dann nämlich nicht, wie jemand, der sich ausschließlich von Kartoffelsalat ernährt.
- Good design is redesign. > Ich habe keine Ahnung, was dieser Satz bedeuten soll. Vielleicht so was wie: Good design is founded in the analysis of its past? Keine Ahnung.
- Good design is when all good things come together. > Hier musste ich zum ersten Mal so richtig lachen. Das ist einer dieser klassischen Danglish-Sätze, die entstehen, wenn man glaubt, es würde reichen einen deutschen Satz lexikalisch 1:1 in die Fremdsprache zu übertragen, um ein Äquivalent zu haben. “Gutes Design ist, wenn alle guten Dinge zusammenkommen.” Hahaha! Was sollen diese “good things” denn sein? Mildtätigkeit? Familiensinn? Hier verweigere ich einen Gegenvorschlag.
- Good design is when you can take nothing more away from it. > Das ist das grand finale der Danglish-Hölle. Ursprünglich wohl: “Gutes Design ist, wenn man nichts mehr wegnehmen kann.” Bernd Diemer hat sich in diesem Fall entschlossen auf internationalem Niveau gleich mal die Verneinung zu verballern - “can take nothing away”. Mann, ist das ein schlechtes, schlechtes Englisch. Mein Vorschlag (ich kann mich ja nicht zwei mal verweigern): There are no superfluous elements in a well-designed game.
Crytek ist ein global player, keine Frage.