Filme, die zu Spielen gemacht werden möchten. Teil 1: TWO-LANE BLACKTOP
Das Jahr 2006 hatte vier ungewöhnliche Lizenz-Spiele zu bieten: EAs “Der Pate”, welches genauso langweilig war, wie der Film auf dem es basiert, Rockstars “The Warriors“, welches ein superguter straighter quasi-Sidescroller war, Radicals superseller “Scarface”, sowie SCIs/Volatiles “Reservoir Dogs”, welches ich nicht gespielt habe (hey, das ist auch wichtig). Das ungewöhnlche an diesen Spielen war die Tatsache, dass sie Lizenz-Verspielungen (Mick Schnelle wird mich saumässig verprügeln, wenn ich “Versoftung” sage) älterer Filme waren, die außerhalb gewöhnlicher Marktgründe entstanden waren.
Während ich ein grundlegendes Problem mitLizenzspielen habe, die auf aktuellen Filmen basieren (sie sind in der Regel immer noch uninspirierter OCEAN-Schrott), finde ich die Idee ältere Filme zu spielen zu machen auf eine seltsame Art Reizvoll. Es ist wie Eiscreme: Völlig überflüssig, aber trotzdem voll super! Die Vorteile für Verspielungen (die gesamte Gamestar-Redaktion verprügelt mich, wenn ich “Versoftungen” sage) die auf älteren Filmen basieren liegen auf der Hand: Die Filme laufen nicht mehr im Kino, es gibt also keine komerzielle Deadline, welche sich auf die Qualität des Spiels auswirken würde. Daüber hinaus ist der Film kritischer Untersuchung unterworfen gewesen – die Spieldesigner könnten sich während ihrer Arbeit also sehr viel genauer auf jene Sachen konzentrieren, die dem Film seinen Zauber verliehen hatten und dann entsprechend versuchen sie in das Spiel selbst zu übertragen. Das ist übrigens etwas, das die Leute von Rockstar – ganz unabhängig davon, dass sie popkulturelle Nervensägen sind – viel besser geschafft haben, als jene die an Electronic Arts’ “Der Pate” gearbeitet hatten. Die Verspielung (Petra Schmitz hetzt ihren Rottweiler auf mich, wenn ich “Versoftung” sage) eines nicht aktuellen Filmes würde auch eine ganz andere Käuferschaft ansprechen – all jene, nämlich, die denken, sie seien ganz besonders cool, weil sie einem an sich bedeutungslosem Film fanatische treue halten, ohne die Gründe dafür wirklich verbalisieren zu können. Ich spreche hier von hässlichen Geeks, nur falls es nicht klar ist. Hässliche Geeks, das wissen wir alle ja, sind wesentlich bereiter Geld für Überflüssiges ausugeben, als wir coole Menschen. Das ist auch der Grund, wieso “Scarface” so ein barn-burner war.
Ich werde im Laufe der nächsten Jahrzehnte hier einige Filme präsentieren, die sich besonders gut eignen würden, zu Computerspielen gemacht zu werden. Der erste Film in dieser Reihe ist Monte Hellmans “Two-Lane Blacktop“
, ein totaler seminal movie für das stilistische Selbstverständnis heutiger Auto-Tuning-Affen und Dragstrip-Autisten. Wieso bin ich eigentlich der einzige der daran denkt? Rocksar Games, ihr seid echt voll die Fische! “Two-Lane Blacktop” ist eigentlich das Spiel, das ihr anstatt eueres völlig überflüssigen “Midnight Club 3: The Dub Edition” hättet machen sollen. Dann hätet ihr “The Warriors” und “Two-Lane Blacktop” im gleichen Jahr herausbringen können und so etwas wie die Schreckensherrschaft stilistischer Überlegenheit auslösen können. Aber nein. Alles muss ich selber machen. Überlegt euch alle mal, was für ein außerordentlich cooles Spiel “Two-Lane Blacktop” hergeben würde. Ein Spiel, das auf einem Film basiert, dessen Protagonisten bereits namenlos sind, muss einfach funktionieren! Es wäre so etwas wie das “Need for Speed Underground” für supercoole Leute. Das Spielprinzip könnte dem California Dreams-Meisterwerk “Street Rod” völlig entnommn sein – egal! Der Clou wäre der Stilfaktor des ganzen. “Two-Lane Blacktop” könnte eines dieser wenigen superstilsicheren Spiele werden. Der Soundtrack käme aus ohne Marktforschungsmusik von Schrottbands wie Fallout Boy. Nein! Stattdessen hätten wir solche Hämmer wie Dragstrip Riot von den New Bomb Turks. Es gäbe einen RICHTIGEN hot-coffee Modus – den Backseat Boogie! Das einzige was dem Stilbewusstsein unseres Traumprojektes hier ein wenig im Wege steht, ist die Tatsache, dass die Frau im Film (in den Credits als “The Girl” angegeben) von Laurie Bird gespielt wurde und die wiederum mit Art Garfunkel zusamen war – und das ist ziemlich uncool! Aber wir könnten ja für unser Spiel einfach so tun, als wäre es in Wirklichkeit Ali MacGraw gewesen. Obwohl… die hat ja in Love Story gespielt.
Sincerely yours,
Balkan Toni