“Wolfenstein: The New Order” und Genre

Nicht viele wissen von Major Erwin Helm, der in den letzten Wochen des „Dritten Reichs“ Vorsitzender eines fliegenden Standgerichts war. Seine hauptsächliche Aufgabe war es, desertierte oder verwundete Wehrmachtssoldaten einzusammeln und zurück an die Front zu schicken. Außerdem sollte er die deutsche Bevölkerung terrorisieren, um ihr den Gedanken an die Kapitulation durch Schrecken auszutreiben. In den Monaten vor dem Kollaps des „Dritten Reichs“ hatte man „Disziplinierungsmaßnahmen“ dieser Art an lokale Parteimitglieder und Menschen wie Helm übertragen – somit war auch die deutsche Bevölkerung jener Art von mörderischer Willkür ausgesetzt, vor der sie Andere über Jahre nicht geschützt hatte.

Major Helm brauchte keine tatsächlichen Gründe, um hinzurichten; bereits die fadenscheinigste Ahnung eines Vergehens reichte. Er ließ Menschen (natürlich ohne jeden Prozess) erhängen, weil sie eine sarkastische Bemerkung fallen ließen oder im falschen Haus übernachteten und dabei zeigte er sich häufig sadistisch, denn er zwang Kompanie- oder Familienmitglieder, bei der Hinrichtung zuzuschauen. Die genaue Anzahl seiner Opfer ist unbekannt – es scheinen mindestens 50 gewesen zu sein. Erwin Helm war also in jeder Hinsicht ein typischer Nazi. Er hatte ein einziges Alleinstellungsmerkmal: Eine Kopfwunde hatte einen Teil seiner Schädeldecke zerstört und das Gehirn ragte an dieser Stelle heraus – darauf war er stolz.

Major Erwin Helm kommt mir wie eine Blaupause des Nazis im Spiel „Wolfenstein: The New Order“ vor, denn sie alle sind von irgendeiner Art physischer Deformation gezeichnet, die ihre Verkommenheit symbolisieren soll. Dadurch werden sie monströs und wir wissen alle, dass diese Konfabulation von Nazis uncool ist. Es waren nicht Oger, die Millionen ermordet haben.

Der Nazi-Pulp kann aber nicht anders: Nazis sind darin deformiert und pervers – Fabelwesen eins dunklen Märchens. Sie sind buckelig, entstellt, hyperlibidinös und sadistisch. Und sie sind überhaupt nicht lustig. Das ist nämlich wichtig und ich möchte, dass ihr es euch endlich merkt:

Pulp ist nicht witzig.

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„Wolfenstein: The New Order“ macht einiges richtig, auch auf narrativer Ebene: Es versteht zum Beispiel seine generischen Kontexte ganz genau, denn dieses Spiel ist altmodischer, humorloser und garstiger Nazi-Schund.

Es gibt eine Erwartungshaltung, die von „schundigen“ Nazi-Narrationen „Camp“ und Ironie fordert, denn nur, wenn Autoren signalisieren, dass sie humoristisch erzählen, ist man bereit, ihnen kein Verspotten der Opfer anzulasten.

Die Wurzel dieser Erwartungshaltung sehe ich im ersten „Indiana Jones“-Film. Dieser ist das Ergebnis einer bewussten (und leider fehlgeleiteten) Auseinandersetzung Spielbergs mit dem Pulp seiner Jugendzeit. Fehlgeleitet, weil das besagte Resultat zwar eine liebevolle Hommage ist, aber auch eine, die sich durch ihre aggressive Ironie von Jugend wie auch von Pop-Kultur distanziert – wie das halt so ist, wenn man sich in der Retrospektive fremd vorkommt, weil man irgendwas intensiv gemocht hat, das dem erwachsenen Ich peinlich und krude vorkommt. (Exkurs: Im Gegensatz zu Spielberg versteht Tarantino das Ding mit den Schund-Referenzen, auch wenn mir seine Filme selten gefallen.) Indys Popularität erschuf die Fiktion eines Genres, welcher von popkulturell unterentwickelte Menschen für „Schund“ gehalten wird – und sie finden Spiele wie „Wolfenstein: TNO“ unverzeihlich, weil diese Spiele sich selbst extrem ernst nehmen, obwohl sie so mega-behämmert und dumm sind.

Ich war selbst ein Opfer der „Indy“-Erwartung. Als ich zum ersten Mal „Ilsa, She Wolf of the SS“ sehen wollte, erwartet ich so eine Art „Police Academy“ mit Nazis, bekam aber dann einen absolut humorlosen und ziemlich fiesen Schundfilm, der sadistische Szenen ständig zu eskalieren bereit war. „Last Orgy of the Third Reich“? Genau das gleiche. Es dauerte, bis ich mich in diesem Genre orientieren konnte und begriff, was seine Ziele waren.

Tatsächlicher Witz der Entwicklung aber: Das alte Ego-Wolfenstein, „Wolfenstein 3D“, stand in Indys ironischen Tradition und bot einen Robo-Führer und ein royales Schlossgespenst als Endgegner. Diese bewusste Ironisierung eigener Wurzeln sorgte auch für eine Entfremdung von ihnen und dies ist sicherlich einer der Gründe, wieso „Wolfenstein 3D“ trotz Vorreiterstatus popkulturell nicht annähernd so große Spuren hinterlassen hat wie „DOOM“: „DOOM“ war echt. „DOOM“ zwinkerte und schmunzelte nicht. „DOOM“ war popkulturelle Realness.

„Wolfenstein: TNO“ ist kein „DOOM“, aber es versucht nicht lustig oder (noch schlimmer) ironisch zu sein. Man befreit hier ein Konzentrationslager mit einem Kampfroboter. Wenn das nicht echter, strunzdummer und in seiner enthemmten Brutalität supergeiler Schund ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

Selbstverständlich ist vieles daran „bedenklich“. Natürlich verursacht das meiste davon Erwachsenen Gehirnschmerzen. Und es ist nicht überraschend, dass „Wolfenstein: TNO“ am dümmsten ist, wenn es besonders schlau sein will und etwa vom Schrecken des Kriegs erzählt.

Aber es ist so echt. Es ist so rein.

Wer dieses Spiel nicht mag, weil es adoleszent und verantwortungslos ist, der versteht weder Pop-Kultur, noch Enthemmung und sicherlich weder Pulp, noch Videospiele, denn:

„Wolfenstein: TNO“ ist genau jene fiebrige, rasende Fantasie vom Laserkrieg, die Videospiele so viel besser träumen lassen als jedes andere Medium.

 

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Infos zu Erwin Helm stammen hauptsächlich aus Ian Kershaws Buch “The End”. Auch Hilfreich war: “NS Prozesse und deutsche Öffentlichkeit”, Hrsg. v. Vollnhals u. Osterloh.

 

 

Ian Kershaw

 

FOR THE WIN!

Ok, Shodanarmy! Nachdem mein bestester Lieblingstext aller Zeiten – die “Lagaffe-Doktrin” – von der WASD abgelehnt wurde, sah ich mich gezwungen, einen neuen Text für die besagte fünfte Ausgabe zu schreiben. Das war ganz schön schwer, denn ich hatte MEIN HERZ UND MEIN HIRN UND MEINE SEELE IN DIE “LAGAFFE-DOKTRIN” AUSGEGOSSEN! Ich fühlte mich textofonisch wie ein ausgetrockneter Seestern (der in einer Depot-Filiale als Dekorationsgegenstand verkauft wird, um einsame Tränen in der Küche einer Bankfachangestellten zu weinen.) Aber gut! Ich beschloss über meinen Abschied von “League of Legends” zu schreiben(“Hi, ich heiße Toni und ich spiele heimlich “League of Legends”, wenn meine Frau schon eingeschlafen ist.” “HI TONI!”). Dabei kam ein Text heraus, in dem Lenins Gehirn “League of Legends” spielt, was mich wiederum zwang, den Rennrad-Text zu schreiben, in dem es dann tatsächlich um diesen Abschied geht. So, jetzt habe ich euch alles erklärt und wünsche viel Spaß beim Lesen! 

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Die erste Begegnung zwischen Lenins Gehirn und den „neuen Medien“ (wir sprechen natürlich von nichts anderem als dem Internet) fand folgendermaßen statt: Eine wissenschaftliche Hilfskraft des Labors zeigte ihm einen der Inserenten der Online-Datingbörse „Im Gegenteil“. Dieser hieß Till, war in Berlin wohnhaft und einsam und hatte sich außerdem für sein Hauptfoto in nachdenklicher Pose an den Schreibtisch gesetzt. Er sah verschmitzt in die Kamera, als spotte er über sein Inserat und er hatte beide Ellbogen aufgestützt, den Linken an der Armlehne des Stuhls, den Rechten am Tisch; neben diesem Ellbogen stand eine Biografie Lenins. Sie war tatsächlich mit ihrem Titelbild zum Betrachter platziert worden und wenn man das Foto ansah, blickten zwei Gesichter zurück. Tills Großes und Lenins Kleines. Es handelte sich um die Paperback-Ausgabe von Robert Services Lenin-Biografie – wenn man bei Amazon nach Biografien Lenins, Trotskis oder Stalins sucht, stößt man sofort auf Robert Service, dessen Bücher in solchen Auflagen erschienen sind, dass sie gebraucht bereits für einen einzigen Cent erworben werden können.

Zu diesem Zeitpunkt verfügte Lenins Gehirn noch nicht über Möglichkeiten direkter Verständigung, aber die Monitore, mit denen seine Aktivitäten überwacht wurden, sahen aus wie Lavalampen. Diese Reaktion ließ sich am besten so übersetzen:

„Oh je.“

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Später gab es für Lenins Gehirn die Möglichkeit der Verständigung durch ein Interface aber er fragte nie wo er war oder wann er war oder wieso. Er erkundigte sich nie nach Krupskaja. Es schien, als hätte er in den drei Wochen stummer Akklimatisierung alle Schlüsse gezogen, die er wesentlich fand. Es dauerte sogar mehr als sieben Stunden, bis es das Interface zum ersten Mal nutzte. Es stellte die folgende Frage:

„Wie geht es dem Arbeiter?“

Es war bereits nach Mitternacht und die einzige im Labor anwesende Person war jene wissenschaftliche Hilfskraft, die Lenins Gehirn mit dem Dating-Profil Tills bekannt gemacht hatte – ein junger Mann, der sich nichts von Geschichte wusste und sich angesprochen fühlte, weil er fand, dass man ihm für seine Nachtschichten im Labor zu wenig zahlte. Daher antwortete er, ohne sich umzudrehen:

„Also ich spiele gerade League of Legends*. Das macht der Sklave heutzutage so.“

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Es vergingen zwei Tage, bis Lenins Gehirn verlangte, ebenfalls „dieses“ League of Legends* zu spielen. Die Wissenschaftler des Projekts mussten das erst mal googeln. Es blieb ihnen unklar, woher sein Wissen und das Interesse an diesem Spiel stammten, aber sie beschlossen, ihm den Zugang zu einem Account zu gewähren, um beobachten zu können, was sich daraus entspinnen würde. Sie waren schließlich Wissenschaftler! Lenins Gehirn formulierte sofort einen weiteren Wunsch:

„Ich möchte den Arbeiter an meiner Seite.“

„Wen?“

„Er war vor zwei Nächten hier und wachte über mich.“

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Lenin spielte von Tag eins Viktor und nichts anderes als Viktor – dieser League of Legends*-Champion war eine Parodie totalitärer Ideologien, ein Wissenschaftler, der zum Roboter geworden war und der sich eine „glorious revolution“ wünschte, bei der alle Lebewesen der League of Legends*-Welt Runeterra ebenfalls in Roboter verwandelt werden würden. Ihm wuchs ein dritter Arm aus dem Rücken und er schoss rubinrote Laserstrahlen, deren Timing schwierig war. Viktor war keiner der verachteten „faceroll“-Champions – also keiner, der so leicht zu spielen war, dass man nur das Gesicht über die Tastatur wälzen musste, um zu gewinnen. Aber Vladimir Iljitsch Uljanov hatte ohnehin kein Gesicht mehr; er bestand nur noch aus seinem Gehirn.

Obwohl Viktor als sehr schwierig zu spielen gilt und selten in Ranked-Spielen gesehen wird, erreichte Lenins Gehirn innerhalb weniger Monate beachtliche Erfolge mit ihm. In dieser Zeit verweigerte er jede Kommunikation mit der Außenwelt des Labors, die es beherbergte, jedoch wurde kein Versuch unternommen, ihn am Spielen zu hindern, denn er kommunizierte sehr rege mit anderen League of Legends*-Spielern.

Man könnte sagen, dass Wladimir Iljitsch Lenin ein Troll war.

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Die ersten Spiele müssen Lenins Gehirn vor Herausforderungen gestellt haben. Sein Englisch mag etwas besser gewesen sein, als jenes der meisten Spieler, die den Server „EUW“ frequentierten, aber der jugendliche Jargon des Mediums muss ihm zunächst  vollkommen fremd gewesen sein. Dennoch dauerte es nur eine Woche bis es einen Spieler, der ihm das „feeden“ des Gegnerteams (also zu häufiges Sterben) vorwarf zurechtwies indem er schrieb:

YOUR MAMA LIKE DIRTY COSSACK PENIS

Von hier an ging es ausschließlich bergab.

Das Labor blieb lange in einem Zustand gebannter Spannung. Während Lenins Gehirn Spiel um Spiel gewann, erwartete das Team irgendeine Form von Eskalation. Würde es versuchen, an die alten Erfolge als Demagoge von Weltrang anzuknüpfen, indem es Mitspieler im Ingame-Chat  auf die Irrwege des Kapitalismus aufmerksam machte? Würde er die wissenschaftliche Hilfskraft zu indoktrinieren versuchen, so dass man eines Morgens das Labor verwüstet vorfinden würde, das Gehirn verschwunden, bestimmt im Rucksack der nun von Interpol gesuchten Hilfskraft? Würde das Gehirn das Labornetzwerk unterwandern, um über Nacht nach dem Vorbild Viktors aus der wissenschaftlichen Hilfskraft einen robotischen Vasallen zu machen, einen Leibeigenen, der für das Gehirn morden, entführen, sabotieren und Forderungen stellen würde?

Aber die beiden saßen immer bloß nebeneinander, spielten League of Legends* und beleidigten ihre Mitspieler. Das Gehirn schmetterte im Chat:

LOL NOOB PLS UNINSTALL LEAGUE OPFER GO PLAY FLAPPY BIRDS U BABY U BUY SKIN FOR MONEY IS NOTHING WORTH IS FOR MONOPOLCAPITALIST EVIL KACKNOOB.

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Irgendwann wurde klar, dass Lenins Gehirn keine Änderung des Zutandes anstrebte. Es schien zutiefst zufrieden mit dem täglichen Rhythmus; sein Alltag bestand aus League of Legends*-Spielen und diese wurden nur gelegentlich vom Wechsel des Filters am Tank, welches es beherbergte, unterbrochen. Es erwiderte weiterhin keinen Kommunikationsversuch der Wissenschaftler und akzeptierte auch die Hilfskraft nicht als Übermittler von Nachrichten. Überhaupt schien es inzwischen die Anwesenheit dieser Hilfskraft nur zu dulden, weil es keine Möglichkeit mehr hatte, sich ihr zu entziehen. Es schien, als habe dieser junge Mann seine Nützlichkeit verloren, nachdem er Lenins Gehirn die Grundlagen des komplexen Spiels beigebracht hatte; dies war aber nicht überraschend, denn bereits zu Lebzeiten war Lenin ein Mann von furchteinflößender Kälte, der seine Schwestern gegen die Lebensgefährtin aufzuwiegeln wusste, damit beide Parteien sich beim Abtippen seiner Transkripte besondere Mühe gaben.

Als schließlich eine Entscheidung getroffen werden musste, ging es ausschließlich darum, welches Gehirn man als nächstes aus der Stasis holen sollte. Im Gespräch standen Grover Washington Jr., Charles Dickens und Karl Gotch.  Bevor aber diese Entscheidung getroffen werden musste, schickte man Lenins Gehirn wieder in den Schlaf, damit der Tank für seinen Nachfolger instand gesetzt werden konnte. Man versuchte dem Gehirn zunächst über die Hilfskraft zu kommunizieren, dass es nun wieder – und wohl für lange Zeit – das Bewusstsein verlieren würde und nachdem man über eine viertel Stunde vergeblich auf eine Antwort gewartet hatte, zog man unzeremoniell die Stecker.

Lenins Gehirn hatte sich zu diesem Zeitpunkt inmitten eines League of Legends-Matches befunden und nachdem gemeldet wurde, dass er offline gegangen war, schimpften seine Teamkameraden über ihn:

viktor afk

omg dat viktor

fckin noob

omg afk ranked omg

 

 

Und so weiter.

EVOLUTION 2014

Es ist wieder soweit. Yours truly schon total giddy und voller Hibbel. Damit kein Shodanist sagen kann er hätte es nicht gewusst:

Erstmal die Infos rund um die Evo: http://evo.shoryuken.com/

evo2014_stream_schedule_v3

Offizielle Twitch-Channels:
http://www.twitch.tv/srkevo1 | http://www.twitch.tv/srkevo2 | http://www.twitch.tv/srkevo3

 

Coole Leute kaufen für 12 Dollar das HD-Streaming Upgrade und untersützen das EVO Scholarship-Programm: https://secure.twitch.tv/products/evo2014/ticket/new?ref=below_video_subscribe_button

 

Noch coolere Leute gucken alle Streams gleichzeitig, um ja keinen Evo-Moment zu verpassen: http://www.multitwitch.tv/srkevo1/srkevo2/srkevo3

 

Ultra Hyper coole Leute (Turbo Edition) gucken auch ein paar der Spiele die keine Mainevents sind!
Super Street Fighter II Turbo (http://www.strevival.com/): http://www.twitch.tv/arkadeum
Gundam Extreme Vs. Full Boost: http://twitch.tv/thebrett

 

Keine Ahnung von nichts? Euch kann geholfen werden: http://shoryuken.com/srk/FightingGamePrimer.pdf

 

GET MAD HYPE!

Enter the… AULE!

Gestern, als Deutschland gerade dabei war, Brasilien auseinanderzuballern, twitterten alle ausschließlich vom Spiel. Alle! Selbst irgendwelche Schauspieler, denen ich bei Twitter folge, weil sie Nebenrollen in “Buffy the Vampire Slayer” hatten. Selbst die “ich bin eigentlich links und finde diesen WM-Patriotismus voll bedenklich”-Schmusebären. Selbst die “alles, was ich über Fußball weiß, haben mir die “Sportsfreunde Himmler” beigebracht und richtige Fußballfans machen mir Angst”-Computerspieleblogger. Alle.

Wirklich alle? Nein.

Als das fünfte Tor gefallen war, kam das:

Tja, meine Damen und Herren. Das ist Aule. Der Mann ist aus EISEN!

Werbung

Wenn es um Werbung geht, wird jeder zum vernichtenden Kritiker: Werbung ist geschmacklos und möchte einem Shizzle aufdrängen, man wird zur Konsumdrohne. You know the tune, you’ve sang it yourself. Ich ja auch – mir erscheinen 95% aller Werbeformen als im besten Fall geschmacklos und im schlimmsten Fall vollkommen fehlgeleitet. „Vodafone“, etwa, fahren nun sei drei oder vier Jahren so eine Werbekampagne, bei der stark auf das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Vernetzung gesetzt wird und bei der ich immer denke: Cool, da hat jemand einen dieser kommunistischen Propagandafilme, die ich in der Grundschule schauen musste mit schlechter Musik unterlegt. „Vodafone“-Werbung, ich finde du bist der pure Hass und ich würde nie zu Vodafone gehen, seit es diese Kampagne gibt. Die könnten mir ZWEI neue Smartphones jährlich anbieten, mein Gefühl, sich schämen zu müssen, wäre letztlich zu stark.

So, that being said: Werbung und Videospiele SIND leider ein perfect fit. Beide haben sich im Laufe der Zeit auf immer krudere Methoden der Signalvermittlung besonnen und beide bringen dieses Kapitalismus-Ding auf den Punkt: undurchsichtige Wertkontexte, undurchsichtiges Streben nach „Unterhaltung“ und „Animation“ von Rezipienten, undurchsichtiges Denken in „Zielgruppen“, sehr klare Vorstellungen von „Gewinnmaximierung“, von Methoden, sie zu erreichen und ein sehr geschicktes Spiel mit jenem Grenzbereich kreativen Arbeitens, der nichts mit „Kunst“ zu tun hat aber als „Kunst“ gewollt wird. Scheiße, beide vernichten sogar in ihren Prozessen Menschen, die an ihnen arbeiten. Kurzum: Videospiele und Werbung verstehen sich extrem gut. Wir selbst werben ja auch mit jeder Videorezi und jedem positiven Kommentar – wir werden zwar dafür nicht entlohnt, aber wir begeben uns definitiv in Kontexte, die Werbeagenturen gut finden, und für die sie Namen haben.

Darüber hinaus: Es ist legitim, Werbung zu schalten und damit Geld zu verdienen, wenn man über Videospiele schreibt. Ich würde das niemals tun, denn ich habe einen Job, mit dem ich genug verdiene und mir ist ein Gefühl der Eleganz wichtig, was dieses Blog betrifft. Unsere Themen und Sprache sollen geschliffen und vielleicht ein bisschen spröde sein und ich finde, dass “explizite” Werbung (also welche, für die Toni Monetos bekäme) den formalen Gesamteindruck stören würde – ich würde aber aus meinem ästhetischen Problem niemals ein moralisches machen. Ich spotte nicht über das AXE-Abenteuer von Superlevel, weil ich Werbung moralisch verwerflich finde, sondern weil ich denke, dass es kaum eine uncoolere Firma als AXE geben kann. AXE ist KIK der Körperdüfte: unterprivilegiert und vulgär.

(Allerdings hätte ich es cool gefunden, wenn Superlevel-Autoren ihre Diskussion über die ethischen Verstrickungen des Tanzes mit einer Firma, die sexistische und chauvinistische Lustigkeit instrumentalisiert und Kosmetik an Tieren testet, veröffentlicht hätten. Im Ernst, hätte mich interessiert. Die schreiben ja gerne über solche Themen, oder nicht?)

Aus diesem Grund verstehe ich die Aufregung um Jörg Langers Text nicht; der Mann möchte Geld verdienen. Er möchte es im Kontext eines Mediums verdienen, dessen einziger Existenzgrund Geld ist. (Unterhaltung und Geld sind der kapitalistische Januskopf, ihr wisst Bescheid.) Er möchte dazu auf Werbung zurückgreifen. Wo ist das Problem? Was daran sorgt für die großen Gefühle?  Ist es irgendeine „Moral“? Ist es ein Streben nach „Autonomie als Konsument“? Ist es sein Ton? (Hallo, habt ihr noch nie was von Jörg Langer gehört?) Ist es mein Streben nach Eleganz? Ist es der Gehirnfurz einer „Kapitalismuskritik“?

Erklärt es mir.

Die Chillaxing-Tagebücher: Rekonvaleszenz

Ich leide seit einiger Zeit unter Hüftproblemen, deren Ursache bis heute undiagnostiziert geblieben ist, aber sie äußern sich mit plötzlichen Schmerzen bei Belastungen, auf die Wochen folgen, in denen ich nicht in der Lage bin, etwas vom Boden aufzuheben, es sei denn ich gehe in die Hocke und halte indes meinen Oberkörper rigide aufrecht. Dabei schmerzt ausschließlich meine linke Hüfte; die Rechte scheint gesund zu sein. Besagte Belastungen treten nur beim Sport auf, was dilemmatisch ist, weil ich schmerzfrei leben könnte, wenn ich bereit wäre, auf Sport zu verzichten, aber ich ohne Sport keine Freude am Leben haben kann.

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